Magazin

DIARRHEA DISCO, ROi!m- & StrOi!-FahrzOi!ge / 14.07.2017 – Kiel, Alte Meierei

4.55

Die heutige Veranstaltung ist definitiv “more than music”, handelt es sich dabei schließlich nicht um ein reguläres Konzert, bzw. nicht nur, sondern um eine Soli-Veranstaltung für den Wagenplatz Schlagloch.

Von der Existenz der Schlagloch-Leute hat bestimmt jede*r schon etwas mitbekommen, schließlich gab es einen recht großen medialen Rummel um die Möbel-Kraft-Fläche. Zu den Hintergründen zitiere ich den Text vom Flyer:

“Am 28.4. haben wir mit unseren Wagen einen Teil der ehemaligen Kleingartenanlage Prüner Schlag besetzt. Dort wurde vier Wochen lang getanzt, gelacht, diskutiert, und gemeinsam mit euch wurde die brachliegende Fläche wiederbelebt. Die große Solidarität vieler Menschen zeigt, dass es sich lohnt für Freiräume in dieser Stadt zu kämpfen, dass sie gewünscht und gebraucht werden. Der Eigentümer der Fläche (Möbel Kraft) sah das anders: Hausfriedensbruch! Am 29.5. wurde das Gelände geräumt und wir mussten umziehen. Nach zwei Wochen auf dem Seitenstreifen am Hasseldieksdammer Weg, mit viel Hupen und Straßenlärm, gab es erneut einen Räumungstitel, diesmal vom Ordnungsamt. Also hieß es wieder in kürzester Zeit zusammenpacken und weiterziehen. Inzwischen stehen wir mit unseren Wagen und Lastern am Ende der Hofteichstraße, doch wer weiß wie lange noch... Zwar gibt es Gespräche mit der Stadt, doch ob und wann es eine legale Fläche für unseren Wagenplatz geben wird, steht noch in den Sternen.

Durch das zivilrechtliche Verfahren von Möbelkraft gegen uns sind Kosten im 4-stelligen Bereich entstanden, die wir wahrscheinlich bezahlen werden müssen.

Diese Party ist einerseits ein fettes Dankeschön an alle, die uns in den letzten Monaten so großartig und solidarisch unterstützt haben und soll andererseits ein bisschen Kohle für die Repressionskosten einbringen. Von ein paar tausend Euro lassen wir uns nicht einschüchtern, diese Stadt braucht mehr Freiraum!

Wir machen weiter!
Wagenleben, Leben wagen!
Für mehr Schlaglöcher im Fundament der herrschenden Verhältnisse!”

http://schlagloch.blogsport.eu/ | www.altemeierei.de  

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Eingereicht von Philipp

EA80, Oiro & Boy Division / 16.06.2017 - Hamburg, Schanzenzelt & 17.07.2017 - Hamburg, MS Stubnitz

„EA80“, dachte ich, während ich mit Schacke Krüger im Frachtraum der „MS Stubnitz“ saß und durch die wackelige Ketten-Balustrade Martin „Junge“ Kircher beim Seelenexorzismus zuschaute, “an denen könnte man nochmal spaßeshalber den Punk-Katechismus durchexerzieren, vielleicht erschließt sich einem dann wieder mehr, was dieses PUNK nochmal gewesen sein soll.“ Der Löwenanteil ihrer beeindruckenden Diskographie kam im Eigenvertrieb auf den, naja, Markt. Seit Kurzem gibt es ein paar Reissues bei Major Label, und die neueste Platte wird ebendort erscheinen, aber für eine Band mit diesem Status, dieser Ausdauer und diesem Back-Katalog sind EA80 so D.I.Y. wie nur was. Keine Promo, keine Barcodes, keine Gema, kein Gehampel. Ursprünglich wollte ich diesen Lex, plump angelehnt an den Titel eines neuen EA80-Stücks, „Alte Schule Mönchengladbach“ nennen, aber das wird der Band nicht gerecht. „Alt“ stimmt sicherlich (im Sinne von „gealtert“), aber „Schule“? EA80 standen und stehen für sich allein, neben dem ganzen anderen Punkbetrieb, so wie The Fall oder Helge Schneider. Sie sind einfach immer dagewesen und darüber zeitlos geworden. Die Atmosphäre, die Ästhetik, der Sound, alles verläßlich, alles schwarzweißgrau. Auf dem Cover des Albums „2 Takte später“ (1985) gibt es einen Vermerk, daß diejenigen, „…die erwartet haben, daß wir für das Aufnehmen unserer 2. LP länger als drei Tage brauchen würden […]“, dahin gehen sollen, „…wo schon die hingehen sollten, die auf der Single die Soli, auf dem Sampler die Weiterentwicklung und auf der 1. LP ein Foto der Gruppe vermißten: zum Teufel!!!“ – und tatsächlich sind EA80 in all den Jahren technisch immer so ungefähr auf ihrem Level geblieben, haben sehr EA80-mäßige Songs geschrieben und ihre Platten binnen weniger Tage eingespielt. Was es in der Süddeutschen Zeitung am 07.10.1982 über die erste EA80-EP „Der Mord fällt aus“ zu lesen gab, stimmt im Kern immer noch: „Hier wird […] das alte Punkideal vom eigensinnigen „Punk for Punk’s sake“ aufrecht erhalten, ohne auf Plattenverträge und das vermeintliche große Geld zu schielen. Wer es vergessen hat: So war die Palastrevolution geplant, damals.“

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Eingereicht von Neffets Mharf

RATOS DE PORAO, TERROR REVOLUCIONÁRIO, KILLBITE / 09.07.2017 – Hamburg, Bambi Galore

4.175

ENDLICH eröffnet sich die Chance, RATOS DE PORAO mal wieder live zu sehen! Die Band ist zwar irgendwie immer aktiv und veröffentlicht ohne viel Klimbim einen Killertonträger nach dem anderen, aber live bekommt mensch sie extrem selten zu fassen, zumindest diesseits des großen Teiches. So liegt mein letztes und einziges RATOS-Konzi nicht nur Jahre, sondern ganze Jahrzehnte zurück. Es muss in den Neunzigern gewesen sein, als die Brasilianer das MarX zerlegt haben. (Weiß jemand das genaue Datum?) Das Ding ist mir als totales Highlight in Erinnerung geblieben, entfesselte Energie und ein Gordo, den seine damalige Körperfülle nicht davon abgehalten hatte, wie ein Flummi herumzuspringen. Eines der Konzerte, die der Grund dafür sind, warum ich auf Konzerte gehe, wenn ihr versteht, was ich meine.

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Eingereicht von Philipp

DYS, RICH KIDS DRESS UP / 12.07.2017 – Kiel, Schaubude

4.55

Als ich mich neulich mit einem Kollegen über Hardcore/Punk-Platten unterhielt, bemerkte dieser, dass es auffällig sei, wie viele Ultra-Klassiker des Genres von richtig jungen Musiker*innen eingespielt worden seien. Sein Sohn, Teenie-Alter, habe neulich in einem Spontan-Wutausbruch auch so geschrien, dass es ihn an das wütende Gebell mancher HC/Punk-Sänger erinnert habe... Er kam jedenfalls zu dem Schluss, dass es im Grunde unabdingbar sei, im Hardcore/Punk wirklich jung zu sein, um diese Art authentischer Wut rüberzubringen. Die These hat natürlich was. Andererseits kann sich die ungebrochene Faszination, welche von zeitlosen Alben wie „The Kids Will Have Their Say“, „The Crew“ oder – hoppla - „Brotherhood“ ausgeht, ja nicht ausschließlich durch herausgebrüllten Teenagerfrust erklären lassen. Wäre das nicht eine zu geringe Basis, um die längerfristige Relevanz dieser Alben zu verstehen? Gute Gelegenheit, um das Gegenteil zu überprüfen: Die DYS-Mitglieder waren zweifelsohne zu ihrer Gründungszeit 1983 verdammt jung, kann die Band die damals transportierte Energie 2017 (also 34 Jahre später) reproduzieren oder ist auch nur der Versuch Quatsch und die heutige Existenz der Band sinnlos?

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Eingereicht von Philipp

ZEKE, JOE BUCK YOURSELF / 05.07.2017 – Hamburg, Hafenklang

Ursprünglich sollten ZEKE zusammen mit NIGHT FEVER im Hafenklang zocken. Was für eine geile Kombination! Doch leider mussten NIGHT FEVER kurzfristig absagen, da deren Schlagzeuger sich das Handgelenk gebrochen hat. Trotzdem lassen es sich Salomon und besagter Drummer (Jesper heißter) nicht nehmen, das Konzert zu besuchen und so chillen sie mit der Meute auffer Straße vorm Hafenklang. Cool! Die beiden erzählen mir noch, wie Jesper das so kurzfristig hinbekommen hat. Alkohol war im Spiel und wohl so'n Punching Ball-Dingsie aufm Rummelplatz... Für ZEKE allein lohnt sich die Anreise natürlich auch, zumal die Band seit Ewigkeiten nicht mehr Tour war, das Dremu-Tagebuch bietet lediglich den 2004er Auftritt in der T-Stube: http://www.dremufuestias.de/index.php?option=com_content&view=article&id=192:zeke-smoke-blow--200604-rendsburg-t-stube&catid=15:berichte-aus-dem-pit&Itemid=290

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Eingereicht von Philipp

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