„MAYHEM LIVE IN LEIPZIG – WIE ICH DEN BLACK METAL NACH OSTDEUTSCHLAND BRACHTE“, Abo Alsleben (Buch, Bookra Verlag 2020)

3 Dislike0

ABO ALSLEBEN

 

Im Jahre 1990 organisierte der spätere Herausgeber des feinen CADAVER, COPRSE & BOWELS-Fanzines Abo Alsleben drei Konzerte der norwegischen Black-Metal-Band MAYHEM in der Ex-DDR und begleitete die Band auf Tour. „Pff, 30 Jahre her und dann liefert der Kerl nur 150 Seiten!“, höre ich schon die Nörgler*innen unter euch. Aber hey, Goethe hat 60 Jahre an seinem „Faust“ geschrieben und so viel dicker ist der auch nicht.

Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv

„TODESSEHNSUCHT – ALS DER DEATH METAL NACH DEUTSCHLAND KAM“ (Buch, Seven Metal Inches Records 2020)

2 Dislike0

 TODESSEHNSUCHT

Wer seine Lektüre gern HEAVY mag, liegt mit diesem 424 Seiten umfassenden Schmöker im doppelten Sinne goldrichtig. Ähnlich wie bei Tom Gabriel Fischers „Only Death Is Real“ kommt gleich beim Erstkontakt dieses Backsteinfeeling auf, geil.

Der Autor Andreas Hertkorn hat für „Todessehnsucht“ 130 Death-Metal-Urgesteine befragt, den Zeichner Axel Hermann (-> MORGOTH – „Resurrection Absurd“, ASPHYX – „Last One On Earth“ & „Crush The Cenotaph“, UNLEASHED – „Where No Life Dwells“, GRAVE – „You’ll Never See…” usw.) ein Cover im Stil und mit den Materialien der frühen 90er schaffen lassen sowie unzählige Bilddokumente angehäuft. (Witzigerweise ist auch von meinen auf Facebook geposteten Konzertkarten das Ticket der POSSESSED/VOIVOD/DEATHROW-Show in der Hamburger Markthalle 1986 im Buch gelandet, cool!)  

„Todessehnsucht“ ist keine Enzyklopädie, welche etwa alle deutschen Death-Metal-Tonträger auflistet und reviewt. Der Autor geht vielmehr der Frage nach, wie sich die deutsche Death-Metal-Szene seit Mitte der 80er (bis Anfang der 90er) Jahre entwickelt hat. Da ist es natürlich u.a. interessant, zu beleuchten, warum Deutschland recht schnell zum wichtigsten „Markt“ für dieses Genre werden konnte, gleichzeitig jedoch nur sehr wenige deutsche Bands internationalen Status erlangen konnten (eigentlich nur MORGOTH und ATROCITY), während der Thrash wesentlich mehr deutsche Protagonisten hervorgebracht hat. Deshalb kommen neben zahlreichen deutschen Musiker*innen, Fans, Fanzines, Plattenfirmenmenschen auch Freaks aus aller Welt zu Wort, die ihre Erfahrungen auf Konzerten, Festivals und Tourneen in Deutschland zum Besten geben.

Das Ergebnis dürfte sicher für mehrere Generationen Metalheads interessant sein, nicht nur für Zeitzeugen (wie mich), die das Ganze von Anfang an miterlebt haben, sondern auch für jüngere, später Geborene. Spannend finde ich zum Beispiel, dass mehrere Musiker darin übereinstimmen, dass die Hemmschwelle für das Gründen einer räudigen Death-Metal-Band geringer gewesen sei als für die einer klassischen Metalcombo mit aufwändigen Soli und Sirenengesang. „Uns war klar, dass wir nicht in der Lage gewesen wären, so was wie ACCEPT oder IRON MAIDEN auf die Beine zu stellen, aber gegen VENOM glaubten wir ‚anstinken‘ zu können“ (Uli Hildenbrand, POISON, S. 28). Der Weg zum dann doch technisch zum Teil extrem anspruchsvollen Death Metal wird in der Folge natürlich auch nachvollzogen. Deutlich wird aber, dass viele Strukturen aus dem Punk/D.I.Y.-Bereich kamen und in der Gründerzeit dieses Stils viele Veranstaltungen in Jugendzentren und besetzten Häusern stattfanden, bevor die Sache größer wurde und in diesen Multi-Package-Touren mit über 1000 Besucher*innen Anfang der Neunziger gipfelte.

Warum nun nur so wenige deutsche Bands einen Status wie DEATH, MORBID ANGEL, ENTOMBED etc. erreichten, kann nicht völlig eindeutig geklärt werden, wie so häufig sehen viele der Befragten aber eine Ursache (zu Recht, denke ich) im typisch deutschen Sicherheitsdenken, eben nicht wie diverse US- oder Schwedenbands alles auf eine Karte zu setzen.

Die Lektüre macht auf jeden Fall großen Spaß, bringt diverse interessante Aspekte, aber auch amüsante Anekdoten zur Sprache und hat immer wieder Flashbacks zur Folge. Ich habe häufig nebenbei Tonträger von GOLEM, LEMMING PROJECT, PROTECTOR, TORCHURE, DARK MILLENIUM, POISON, ENTRAILS MASSACRE etc. aufgelegt und alte Fanzines wie CADAVER, CORPSE & BOWELS, TALES FROM THE DARKSIDE, CHAOS, BATTLEFIELD, METAL PROPHECY, TOTENTANZ, FINAL HOLOCAUST, CARNAGE usw. herausgekramt. Da entdeckt man vieles in der eigenen Sammlung wieder und bekommt auch ein paar Tipps und Reminder zur Schließung etwaiger Lücken.

Zwei Auflagen sind wohl schon ausverkauft, eine dritte kommt offenbar demnächst. 

https://sevenmetalinchesrecords.bigcartel.com/product/todessehnsucht-buch    

POSSESSED-Ticket

Ein wenig Wolter steckt auch in "Todessehnsucht". 

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv

PLATTENSÜCHTIG – Jürgen Schmich (Buch, plattensuechtig.de)

0 Dislike0
„Post coitum omne animal triste est.“


In den letzten Ausgaben des OX-Fanzines (#114 und #115) sind Auszüge aus diesem Buch präsentiert worden. Der Schreibstil und die Herangehensweise des Autors Jürgen Schmich haben mich sofort angesprochen, weswegen ich mir das Buch über die obige Website bestellt habe. Schmich hat ein Gespür dafür, welche Aspekte des Plattensammelns (auch für Nichtsammler) faszinierend oder mindestens interessant sein können. Im Grunde ist es gar nicht so wichtig, dass es um Platten geht. Viel zentraler ist die Leidenschaft der Sammler, ihre individuellen Wege, ihr Gebiet einzugrenzen, ihre Art, die Sammlung zu archivieren und die generelle Frage, ob eigentlich die Jagd nach einer Platte oder ihr Besitz erfüllender ist. Ihr merkt schon: Das ist quasi ganz breit interpretierbar…


Cover

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv

SOUND & ACTION #2 & #3 (Fanzine 2019/2020)

1 Dislike0

SOUND AND ACTION

 

Das SOUND & ACTION ist ein Fanzine, welches sich auf deutsche Heavy-Metal-Bands der 80er konzentriert. Herausgeber Oliver Butz achtet dabei darauf, dass es von allen vertretenen Bands eine neue Platte oder eine Wiederveröffentlichung eines vergriffenen Klassikers gibt. So bietet das Zine also durchaus stets einen aktuellen Bezug. Zum Glück haben sich gerade in den letzten zehn Jahren die Labels vermehrt, die hochwertige Rereleases herausbringen. In Bezug auf deutsche Bands sind das bekanntlich nicht nur einheimische Labels wie High Roller Records oder ZYX / Golden Core, sondern auch z.B. Repulsion Records (Kolumbien), Headbanger Records (Polen), GS Productions (Russland), No Remorse (Griechenland) oder Stormspell Records (Kalifornien). Da ist es äußerst interessant, zu lesen, wie die jeweiligen Bands an diese Labels kamen (bzw. umgekehrt). Oliver Butz gönnt sich den Luxus, den Bands entsprechend ihres „Redeflusses“ Platz zu bieten, was dazu führt, dass manche Interviews locker 20 Seiten umfassen. „Das sind eben die Freiheiten, die man als Fanzinemacher hat“, sagt er selbst treffend im Vorwort der aktuellen Ausgabe Nr. 3. Ich empfinde das als großen Vorteil, liest man doch über die vertretenen Bands nur selten in den gängigen Mags etwas und wenn doch, dann halt nur eine halbe Seite oder so. Wer also tiefer graben mag, erfährt einige spannende Details aus den Bandgeschichten und auch über aktuelle Veröffentlichungen. Vertreten sind in Nr. 3 u.a. MAD BUTCHER, MP, POISON ASP, SAINTS‘ ANGER, und VAMPYR, in Nr. 2 MASS, TRANCE, DARK HAZE, WALLOP und MONSTERS. Ein unterhaltsamer Nebeneffekt ergibt sich aus der Tatsache, dass man herauslesen kann, welcher Musiker den eigenen Status doch etwas unrealistisch hoch einschätzt, wenn man etwas zwischen den Zeilen liest… Super auch der Buchtipp „Cry Out For Metal – The Gama Records Bands“ – ein Werk, welches ein mexikanischer Metalhead (Jose Luis Barron) über die Veröffentlichungen des süddeutschen GAMA Labels geschrieben hat (Kult!). Wer Bock auf das Zine hat, möge den Herausgeber Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! anschreiben, aber ich spreche gleich eine Warnung aus: Das Heft an sich ist zwar günstig, aber die potentiellen Folgekosten können brutal sein.    

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv

NETWORK OF FRIENDS – Helge Schreiber (Buch, Salon Alter Hammer)

0 Dislike0


Cover


Jetzt ist es schon wieder ein paar Wochen her, dass ich dieses Buch verschlungen habe, aber diverse Textstellen geistern mir immer noch höchst lebendig durch die Birne.



Zum Beispiel die Charakterisierung eines legendären Skateboarders namens Nick, der wie folgt beschrieben wird: „Nick fraß seine Popel, um sein Immunsystem zu stärken. Nick war kurzsichtig, benötigte aber keine Brille. Er brauchte sich nur zu konzentrieren, dann konnte er auch so sehen. (…) Seine erste Message an uns war: ‚Ehrgeiz ist scheiße!‘ Nichts geht wirklich gut nur mit Ehrgeiz, es muss von Herzen kommen, einfach so. Bloß nicht stundenlang einen Trick üben, einfach rollen lassen, das kommt alles von allein.“ (S. 175 – 179, Heiko/UNWANTED YOUTH)

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv