WACKEN OPEN AIR XXXII / 01./02.08.2023 – Wacken, Tage 0 und 1

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Dienstag, Tag 0

Philipp: Die wichtigste Neuerung für diesen Bericht: Wacken hat die Anzahl der Akkreditierungen pro Medium wieder erhöht! Daher ist Stefan wieder mit im Boot. Eigentlich wären wir natürlich auch zu viert gewesen, aber MJ wäre wegen Hund zwischengefahren und muss diesen Plan aufgrund der Wetter- und Verkehrslage leider verwerfen.

Da sind wir natürlich auch beim Thema: Aufgrund der heftigen Niederschläge im Vorfeld steht das Festival kurz vor dem Aus. In der Folge wird wohl so viel wie noch nie in den Medien über das W:O:A berichtet. Die bekanntesten Fakten (Anreisestopp, pipapo) müssen wir hier nicht in epischer Breite aufbereiten, das kam ja sogar in der Tageschau. Ich kann aus meiner Sicht nur fetten Respekt für die W:O:A-Veranstalter:innen aussprechen, das Ding unter den widrigen Umständen durchzuziehen. Letztlich spielen nahezu alle Bands, es kommt wohl nur zu zwei Absagen (Metal-Battle-Bands, werden 2024 nachgeholt) und einer gravierenderen Verschiebung (HOLY MOSES). Auf dem Gelände beobachten wir über das Wochenende (eher fast ‘ne Woche), wie unermüdlich aufwändige Maßnahmen gegen den Schlamm durchgezogen werden. Kritisiert werden muss die zum Teil fehlende Kommunikation. Aber die Entscheidung des Anreisestopps an sich wird alternativlos gewesen sein, da hatte allein schon das Ordnungsamt mit Verweis auf nötige Rettungswege etc. den Daumen drauf.

 

PENTAGRAM

Bericht von Stefan, Strecker und Philipp, Fotos von Strecker.

 

Wir sind zunächst unsicher, ob wir am Dienstagmorgen überhaupt fahren sollen, kaufen erst noch einen Pavillon und entscheiden uns danach für GO! Acht Stunden später können wir den Erfolg genießen und die Heringe in den Boden rammen. Gerade als der Pavillon steht, kommen unfassliche Regenmassen vom Himmel, die nicht mehr aufzuhören scheinen. Insofern haben wir richtig Glück. Wir fragen uns zu diesem Zeitpunkt aber schon, ob das Festival überhaupt stattfinden kann. Mit unseren Nachbarn aus Japan, PHANTOM EXCALIVER, hätten wir nette Dudes, mit denen wir zur Not auch ohne Konzerte sechs Tage gegrillt hätten. Nachts regnet es einfach durch, richtig pervers. Die Gänge zum Landgasthof schenken wir uns natürlich, obwohl wir z.B. REZET gern gesehen hätten. 

Stefan: Kleine Anmerkung- als für uns gegen 14 Uhr auf dem Parkplatz eines Baumarktes für das GO entschieden, zeigte Google Maps uns trotz der schon seit 2 Tagen andauernden Verkehrswidrigkeiten eine Fahrzeit zum Check-Inn von 45 min an. Es sollte natürlich nicht dabei bleiben....

Strecker: Bis Schenefeld ging alles gut. Für die letzten 5 Kilometer haben wir dann 7 Stunden benötigt. Positiv hervorheben muss ich aber, dass trotz überforderter Polizei und Ordner alle – auch die Verkehrsteilnehmer, die nicht zum Festival, sondern zu ihren Familien, zur Arbeit oder sonst wohin wollten – sehr entspannt und freundlich geblieben sind. In so einer Situation hätte die Stimmung auch kippen können.

Wirklich genervt hat mich in der Situation nur, dass es keinerlei Informationen gab, ob und wie man noch auf das Gelände kommt. Umdrehen, wie im Verkehrsfunk empfohlen, war zu dem Zeitpunkt nicht mehr möglich. Es ging weder vor noch zurück. 

Auf dem Gelände angekommen wurde dann nur noch das Camp eingerichtet, eine Grillung bei Dauerregen getätigt, paar Bier getrunken und dann ging es zeitig ins Bett. Bei dem Wetter wollte jeder möglichst im warmen und noch trockenem Zelt / Auto sein. 

 

W:O:A-Campground 2023W:O:A-Campground 2023

 

Mittwoch, Tag 1

Philipp: Zum Glück herrscht heute viel besseres Wetter, zum Teil wird es sogar sonnig. Mein Regencape, welches ich das gesamte Festival über mitschleppe, benötige ich lediglich zweimal, ganz am Anfang beim Warten und bei der letzten Band am Sonntag BLITZKID.

Wir kommen zu einem Eingang und fragen den dort abhängenden Steward, welchen Weg wir zur Louder Stage nehmen können und dürfen überraschenderweise über das Hauptgelände latschen. Ein abgefahrener Anblick. Überall arbeiten Stagehands, Bauarbeiter und Crewmitglieder wie die Ameisen. Der Zeitplan kann nicht wie geplant eingehalten werden, wir sind die einzigen Besucher auf dem gesamten Infield. Durch sumpfige Gebiete geht es gen Louder Stage, wo sich der nächste Kontroletti wundert: „Wer hat euch denn hier reingelassen?“ Nun, nu sind wir ja da, ein Bierstand ist auch schon geöffnet. Doch es gibt noch kein Bier: „Sorry, wir sind noch nicht online!“, heißt es und das bezieht sich auf die Wacken-Bierpipeline. Aber es gibt ja auch Getränke, die nicht gezapft werden müssen und so halten wir uns an Schnaps und anderen Schweinkram.

 

W:O:A 2023W:O:A 2023W:O:A 2023

 

Strecker: Eine völlig neue Erfahrung zu Festivalbeginn fast alleine auf dem Infield zu sein und kein Bier zu bekommen. Ist bisher nur nachts passiert, wenn ich nach dem letzten Konzert noch einem geöffneten Getränkestand gesucht habe.

War mal Interessant mit den Standbetreibern, der Security und weiteren Helfern zu sprechen, ohne die das Festival – nicht nur im Jahr 2023 – nicht möglich wäre. Es war schon eine leicht angespannte Stimmung zu spüren, die auf mangelnde Informationen zurückzuführen war.  Es wusste zu dem Zeitpunkt niemand, was wann passiert. Es waren dennoch alle nett und freundlich und man hat versucht, sich gegenseitig so gut es geht zu unterstützen.

 

W:O:A 2023W:O:A 2023W:O:A 2023 

 

SKEW SISKIN

 

SKEW SISKINSKEW SISKIN

 

Philipp: Das Backdrop hängt zwar schon, der Beginn verzögert sich jedoch. Erst kommt eine Ansprache über die Verlegung eines Teils der Lemmy-Asche nach Wacken. In diesem Landgasthof werden einige Utensilien aus Lemmys Besitz ausgestellt. Das guck ich mir irgendwann mal an. Der Moderator hat Thomas Jensen, Udo Dierkschneider und Joey Belladonna auf der Bühne, die Anekdoten aus Begegnungen mit Lemmy erzählen. Ganz nett, aber mit der Zeit zieht sich das Ganze zu sehr in die Länge. Parallel zum Geschehen auf der Bühne rollt ein Umzug durch Wacken, der die Überführung der Asche feiert. Das dauert offenbar länger als geplant. Nun, irgendwann kommt das übliche Intro mit dem einarmigen Banditen. Ungewohnterweise passiert dann ca. eine Stunde lang nichts. Endlich rocken SKEW SISKIN los. Ich find’s besser als früher. Die Band war ja häufiger mal Vorband von MOTÖRHEAD und mir kamen sie eigentlich immer etwas unspektakulär vor. Das revidiere ich heute. Rockt gut los, top Stimme, schmutzig und melodiös. Mit „Iron Fist“, „Stay Clean“ und „No Class“ spielen SKEW SISKIN gleich drei gelungene Coversongs, die Nina C. Alice stimmlich gut hinbekommt. 

Stefan: SKEW SISKIN kenne ich ehrlich gesagt nur als Motörheadanhang oder durch 1 oder 2 Videos, die damals auf Headbanger’s Ball etc. liefen. Rotziger Hardrock mit einer guten Sängerin. Als Opener durchaus gut und sehenswert, aber mehr auch nicht. Zu unspektakulär auf Dauer und mir reichte es auch dann irgendwann mit den Lemmyhuldigungen. 3 Cover hätten nicht sein müssen, aber nun gut...

 

SKEW SISKINSKEW SISKIN

 

Strecker: Die Aktion mit dem Lemmy Umzug durchs Dorf und über das Gelände habe ich nicht wirklich verstanden. War eine nette Geste und ich verstehe auch, dass Wacken und Lemmy eine besondere Verbindung hatten und finde es schön, dass Lemmy gewürdigt wird. Trotzdem war es ein komischer Festivalauftakt, der hätte kürzer sein sollen. Irgendwann war es vorbei und es passte dann, dass SKEW SISKIN die Bühne betraten. Die letzten 20 Jahre habe ich nichts von der Band mitbekommen und war schon etwas überrascht, dass die Musiker 20 Jahre älter geworden sind. Dies war aber nur optisch der Fall.  Frontfrau Nina C. Alice hat nach wie vor eine herausragende Stimme, die super dem leicht punkigen Hard Rock der Band passt. Neben eigenen Songs gab es noch einige Motörhead-Cover. Da der Bierstand mittlerweile online war und es nicht geregnet hat, war es ein guter Start in den musikalischen Teil des Festivals. Hard Rock, Sonne und Bier lassen fast vergessen, dass man sich ständig bewegen musste, um nicht im Schlamm zu versinken.

 

NERVOSA

 

NERVOSANERVOSA

 

Philipp: Zwischendurch wollen wir bei HOLY MOSES reingucken, doch die Hauptbühnen sind immer noch nicht freigegeben. Nun, also zurück zur Louder Stage, wo die Brasilianerinnen NERVOSA zocken. Diva Satanika ist bekanntlich raus, mittlerweile singt die Gitarristin Prika Amaral selbst. Das macht sie gut, schön aggressiv und knurrig. Der Thrash ballert tight, die Schlagzeugerin spielt entspannt, ohne eine Miene zu verziehen. Viel Applaus bekommt Prika Amaral für ihre Ansage für Empowerment und gegen Missbrauch. Highlights: „Perpetual Chaos“, „Masked Betrayer“ sowie „Endless Ambition“. 

Stefan: Die Suche nach HOLY MOSES sollte jetzt und auch den restlichen Tag nicht von Erfolg gekrönt sein, also stehen NERVOSA als nächstes aufm Programm. Nach der x-ten Umbesetzung singt Bandchefin und Gitarristin Prika Amaral jetzt noch zusätzlich und macht ihre Sache wirklich gut. Ich bin jetzt nicht gut mit den Alben vertraut und kenne keine Songs, aber der Auftritt macht wirklich Spaß. Klassischer Thrash, meistens eher schnell gezockt, Sound ist auch gut. Der lange Anreisetag wird langsam aus den Knochen geschüttelt.

Strecker: Im vergangenen Jahr haben Crypta in Wacken gespielt, die mir im direkten Vergleich etwas besser gefallen haben. Mag aber auch an der kleineren Bühne gelegen haben, auf der Crypta 2022 gespielt haben. Nervosa wirkten auf der großen Louder Stage etwas verloren. Dennoch ist die Melange aus Thrash und Death Metal gut angekommen und das Publikum startet den ersten kleinen Pit des Tages. Dies hat bei den Bodenverhältnisses bestimmt zu dem ein oder anderen Muskelkater geführt.

 

NERVOSANERVOSA

 

SCHIZOPHRENIA

 

SCHIZOPHRENIA

 

Philipp: Bis zur Wasteland Stage durchs Wasteland! Der anstrengende Treibsand-Matsch verzögert unser Tempo. Die Belgier entschädigen uns für die Mühe, indem sie wieder alles wegballern. Ich finde ja immer den Schlagzeuger unglaublich. Der setzt sich noch mit Brille und Zopf ans Set, legt die Zweitaugen vorsichtig zur Seite, öffnet die Mähne – und verwandelt sich in ein Tier! Leider sehen wir nur den Schlussteil des Auftritts. Die begeisterten Reaktionen unterstreichen, dass SCHIZOPHRENIA großes Potenzial dafür haben, bekannter zu werden. Die Songs sind geil und die Band hat mehr Power als viele andere Death/Thrash-Combos. Das erinnert von der Energie her an die jeweils ersten Touren von MORBID ANGEL oder DEMOLITION HAMMER. 

Stefan: Nach dem doch etwas anspruchsvollen Schlammparcours Richtung Wasteland bekommen wir nur noch Reste vom Auftritt von SCHIZOPHRENIA mit. Da ich diese schon beim Mosh im Mai gesehen habe, ist es zu verschmerzen. Beindruckend ist wie immer die Spielfreude der jungen belgischen Thrasher. Allerdings habe ich bei ihnen, ähnlich wie bei EVIL INVADERS, ein bißchen Probleme mit dem Songmaterial. Für mich bleibt zu wenig an Melodien oder Riffs hängen. Alles super energiegeladen und tight dargeboten, aber klassische Hits und ein wenig mehr Abwechslung fehlen mir irgendwie auf Dauer. Potential für die Zukunft ist aber defintiv vorhanden.

 

SCHIZOPHRENIA

 

 

HIDDEN INTENT

 

HIDDEN INTENTHIDDEN INTENT

 

Philipp: Die Australier waren bereits auf dem 2019er HOA super, heute gefallen sie mir sogar noch besser. Das Trio hat Spaß, ruft zu Circle Pits auf, was die Leute trotz der Matschsuppe sogar tatsächlich machen! Der Sänger gönnt sich den Spaß, den Aussie-Akzent extrem zu übertreiben und „beschimpft“ uns als „Känguruficker“. Musikalisch lässt sich das Trio gut mit SACRED REICH vergleichen, gerade weil es in Sachen Dynamik und Melodieführung ähnlich vorgeht. Die Melodien beißen sich fest, die Grooves animieren das Tanzbein respektive den Moshfuß.

Strecker: Der Thrash Groove Metal der Australier passt  gut, um unseren Erfolg zu feiern, dass wir sturzfrei von der Louder Stage in den Wastelands angekommen sind. Das Endzeit Thema der Wastelands passt leider viel zu oft zu dem schlammbedingten Endzeitszenario in Wacken. Trotzdem mag ich es in den Wastelands und die – im Vergleich zu den anderen Bühnen – kleine Bühne bittet die Möglichkeit für etwas intimere Konzerte, die ich persönlich lieber mag als große Konzerte.  Die sympathische Ausstrahlung der drei Musiker gepaart mit eingängigen Songs ist bei den Zuschauern gut angekommen und machte Spaß. Es gab einige Matsch- äähh Moshpits und eine Menge Applaus am Ende des Konzert. HIDDEN INTENT dürfen gerne wieder kommen.

 

HIDDEN INTENTHIDDEN INTENT

 

KNIFE

 

KNIFEKNIFE

 

Philipp: KNIFE toppen heute sogar den grandiosen RHF-Auftritt! Schnell und effektiv rotzen die Riffs aus der PA. Wir diskutieren, inwiefern sich KNIFE von anderen Blackened Speed Metalbands unterscheiden. Ich höre hier einen klaren Punk-Einschlag heraus, den WRAITH oder TOXIC HOLOCAUST nicht besitzen oder zumindest anders umsetzen. Beim Sänger Vince Nihil fällt mir auf, wie deutlich er akzentuiert, man versteht jedes Wort. Zu „Black Leather Hounds“ gibt’s eine Ansage gegen Rechts: „Den einzigen braunen Dreck, den wir akzeptieren, ist der Schlamm hier in Wacken!“ Super! Auch die Songs vom neuen Album knallen voll rein und gefallen bei Erstkontakt. FEEL THE KNIFE! 

Stefan: Der Auftritt von KNIFE ist für mich eines der persönlichen Highlights des diesjährigen Festivals. Das Debutalbum der Blackthrasher aus Marburg hat diverse Durchläufe bei mir gehabt. Album Nummer 2 steht kurz vor der Veröffentlichung. Einzelne Songs davon werden auch heute schon gespielt und reihen sich nahtlos in das Programm ein. Ohne Kompromisse werden Tracks wie „White Witch / Black Death“  oder“ Black Leather Hounds“ gezockt. Einen amtlichen Moshpit verhindert nur der schlammige Untergrund. KNIFE werden ihren Weg gehen, wenn sie konsequent dabei bleiben. 

Strecker: KNIFE können mich wieder mit ihrer Energie und gut gemachten eingängigen Songs überzeugen. Die Band wirkt sympathisch und die klaren Ansagen gegen z.B. Leute mit braunen Gedanken sind trotz des ernsten Inhalts unterhaltsam und kurz und prägnant. Wieder ein super Konzert einer super Band. Falls für den Mosh im Mai oder ähnliche Veranstaltungen noch Bands fehlen: Ich habe KNIFE noch nie in Kiel gesehen.

 

KNIFEKNIFEKNIFE

 

PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS

 

PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONSPHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS

 

Philipp: Wir sehen uns nur die ersten fünf Songs an, da wir BÜTCHER natürlich nicht verpassen wollen. Die Band schockt genau wie schon auf dem H:O:A am letzten Wochenende (siehe den demnächst erscheinenden Bericht). Es gibt zwei eigene Stücke, die mir mit einer Mischung aus Hardrock und Rock’n’Roll gut gefallen, dazu „Iron Fist“, „Damage Case“ und „Born To Raise Hell“. Mit dem Sänger Joel Peters hat die Band einen guten Griff getan, denn er bringt die MOTÖRHEAD-Vibes gut rüber, ohne auch nur ansatzweise wie Lemmy zu klingen. Übrigens spielen hier wirklich Phil Campbell und seine drei Söhne Todd Campbell (g), Tyla Campbell (b) und Dane Campbell (d). Ich erwähne das, weil ich in Gesprächen häufiger gemerkt habe, dass viele Leute das gar nicht wissen und den Namen für einen Gag halten. Ich finde das Konzept schon ziemlich cool und wüsste außer ein paar Vater-Sohn-Kombinationen keine vergleichbare Bandkonstellation. Campbell hat heute bessere Laune als in Brande-Hörnerkirchen und begrüßt mehrfach das Publikum. 

Stefan: Als Pausenfüller gucken wir ein paar Songs von Phil Campbell und seiner Rasselbande, die das Wochenende davor schon beim HOA aktiv waren. Wirklich begeistern tut mich das Ganze nicht. Phils kaugummikauende krampfig coole Art kommt für mich eher bocklos rüber. Er muss das wohl weiterhin machen, um Geld zu verdienen, hab ich manchmal den Eindruck. Lässt mich alles irgendwie kalt, obwohl nahezu jede Motörheadscheibe in meiner Sammling steht. 

Strecker: Eher im Vorbeigenen oder Vorbeirutschen gucken wir bei PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS rein. Ist alles ganz nett gemacht und kann man sich mal angucken. Trotzdem denke ich, dass die Band ohne die musikalische Vergangenheit des Herrn Campbell senior nicht vor soviel Leuten auf einem so großen Festival gespielt hätte. 

 

PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS 

 

BÜTCHER

 

BÜTCHERBÜTCHER

 

Philipp: Wir kommen rechtzeitig an und bekommen mit, wie die Belgier alles zu Klump stampfen. „45 rpm Speed Metal“, „666 Goats Carry My Chariot“ – die Geschwindigkeit, mit der diese Nummern runtergebolzt werden, ist einfach unfasslich. Gleichzeitig kommen die melodischen (Gitarren-)Elemente filigran rüber. Das Gekreisch von R. Hellshrieker spaltet Schädel, außerdem hat der Kerl eine beeindruckende Ausstrahlung. Der Blick wirkt manisch, das Outfit aus Blut, Leder, Nieten und Ketten spricht mich voll an. Schön auch, dass die Band einen super Sound erwischt hat. Das gilt übrigens für alle Bands, gerade diejenigen, die hier auf der Wasteland Stage spielen. BÜTCHER will ich immer wieder sehen! „45 RPM METAL / The Speed Metal wheel will spin in your attic tonite / 45 RPM METAL / This razor blade of vinyl will slit your throat“. 

Stefan: Rechtzeitig zu BÜTCHER wieder im Wasteland. Bisher hab ich diese immer erfolgreich verpasst und die Vorfreude ist dementsprechend groß. Der Sound drückt von Anfang an mächtig und es werden keine Gefangenen gemacht. Der Speed Metal der Belgier wird gefühlt nochmals schneller als auf Tonträger dargeboten, ist trotzdem aber durchaus melodiös. Gelungene Gitarrenarbeit, optisch steht Sänger R. Hellshrieker absolut im Mittelpunkt. Eine Rampensau wie sie zu dieser Musik wie die Faust aufs Auge passt. Für mich eines der Highlights des gesamtem Wochenendes! 

Strecker: Was soll ich noch hinzufügen? Meine Vorschreiber haben alles gesagt. Geiles Konzert. Hinzufügen könne ich nur, dass ich Philipp bei einem der nächsten CATBREATH oder VLADIMIR HARKONNEN Konzerte in einem Outfit aus Blut, Leder, Nieten und Ketten sehen möchte -:)

 

BÜTCHERBÜTCHER

 

PENTAGRAM

 

PENTAGRAMPENTAGRAM 

 

Philipp: Wer hätte noch vor 15 Jährchen gedacht, dass man diese Band so häufig live sehen würde? Dies ist heute aber tatsächlich bereits mein sechstes PENTAGRAM-Konzert seit 2009. Das Geile: Victor Griffin ist zurück und zelebriert mit der Band die 50ies Anniversary Tour. Bobby Liebling sieht aus wie eine Horrorfilmfigur, seine Stimme und seine kauzigen Moves sind aber voll da. Wir erleben magische Versionen von „Death Row“, „All Your Sins“, „Review Your Choices“, “The Ghoul” und “Sign Of The Wolf (Pentagram)”, die den Old-School-Doom-Spirit perfekt transportieren. Ich mochte auch das Line-Up vom letztjährigen Auftritt (H:O:A), aber Victor Griffin ist eine Klasse für sich. 

Stefan: Bei PENTAGRAM ist für mich glücklicherweise Gitarrist Victor Griffin wieder dabei. Irgendwie macht mir diese Band mit ihm weitaus mehr Spaß. Bobby Liebling bewegt sich wie immer in seiner eigenen Welt. Wirkt teilweise abwesend, verpasst aber keinen Einsatz und keine Textzeile. Und die Moves sind unvergleichlich! Musikalisch ist es totaler Kontrast zu Bütcher. 50 Jahre Doom werden zelebriert. „All Your Sins“ kommt mir zuerst in Erinnerung. Sehr guter Auftritt! 

Strecker: Es ist schon erstaunlich, dass es diese Band noch immer gibt und de Band auch noch immer so gut ist. Nach dem mächtigen Konzert von BÜTCHER können mich PENTAGRAM heute nicht so richtig begeistern. Dies liegt aber nicht an der Band, sondern an der nassen Kälte, die langsam in die Knochen geht und meiner Müdigkeit. 

 

PENTAGRAM

 

EVILDEAD

 

EVILDEADEVILDEAD

 

Philipp: Boah, ist das lange her, dass ich EVILDEAD live gesehen habe! Es war damals oben in der kleinen Markthalle, die mittlerweile „kleiner Kunstraum“ heißt. Schon das 2020er Comebackalbum „United States Of Anarchy“ überzeugt ja total, so ist es auch hier und heute live. Der Crossover-Mix trifft auf das Flammeninferno der Wasteland-Stage. Als gäbe es keine Energiekrise, werden die Flammenfontänen aus allen Rohren in die Nacht gespuckt und versengen so einige Matten und Bärte. Der Sänger Phil Flores findet das völlig „sick“ und ist auch ansonsten beeindruckt, er habe noch nie so ein Festival gesehen. Die Band tritt in Originalbesetzung an und brettert Songs von allen drei Platten, am stärksten packen mich „Annihilation Of Civilization“ und „Gone Shooting“ (Megariff, Top-Refrain). Sehr überzeugend fallen auch die zwei neuen Songs von der kommenden Platte aus, einer davon wird als „Bathe In Fire“ angekündigt. Passt! 

Stefan: Auf EVILDEAD bin ich gespannt. Habe tatsächlich keine einzige Platte von denen, obwohl schon x-fach im Laufe der Jahre in der Hand gehabt, aber nie gekauft. Ich denke mal, das wird sich ändern. Zu permanenten Flammenfontänen im Wasteland macht der Crossover-Thrash der Kalifornier zum Abschluss des Tages richtig Laune.  Gitarrist Juan Garcia kenne ich von Agent Steel und Body Count, der Rest der Band war wohl mal bei Abattoir. Nicht die schlechteste Vita. Das Stageacting ist vielleicht für eine Band dieser Stilrichtung altergemäß etwas schaumgebremst, aber der Spaß ist allen anzumerken. Spät für mich entdeckt, aber in Zukunft bin ich immer wieder dabei. Gute Nacht! 

Strecker: Auf EVILDEAD habe mich richtig gefreut. Ich habe die Band noch nie gesehen. Vor langer Zeit hatte ich die „Annihilation Of Civilization“-LP auf eine Kassette überspielt und dann im Walkman auf dem Weg zur Schule gehört. Ich war daher etwas überrascht, dass die Songs, die von der Platte gespielt wurden nicht geleiert haben und tight gespielt wurden. Die Band hat sichtlich Spaß an dem Konzert und freute sich über die positive Resonanz aus dem Publikum. EVILDEAD gucke ich mir gerne wieder an.

 

DORO

 

LEMMY-DROHNENSHOW BEI DORO

 

Philipp: Auau, die Füße! Aber für einen Teil des DORO-Gigs bleibe ich doch kurz stehen. Mickey Dee ist gerade als Gast dabei und ballert bei „Ace Of Spades“ die Drums. Was mir endgültig den Unterkiefer runterklappen lässt, ist eine fette Drohnen-Show. Hunderte von den Viechern bilden erst ein DORO-Logo, dann den Kopf von Lemmy komplett mit Hut und Zigarette! Crazy, was man mit Drohnen mittlerweile machen kann. An den folgenden Tagen gibt es ähnliche solcher Aktionen bei HELLOWEEN, IRON MAIDEN und bei der Ankündigung fürs 2024er Wacken.

 

TBC…

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