Wolf City Fest Warm-Up / 23.05.2019 - Berlin, Urban Spree

Einer der musikalisch schlimmsten Momente dieses Jahr war auf jeden Fall die Tourabsage von SVARTIDAUDI, SATURNALIA TEMPLE und ALMYRKVI. Umso cooler, dass die Crew des Wolf City Festivals es irgendwie geschafft hat, die drei Bands trotzdem den Warm-Up-Gig für das vierte Wolf City Fest spielen zu lassen. Vielen, vielen Dank dafür! Also ging es wie geplant nach Berlin für drei Tage voller brillanter Auftritte. Der Warm-Up-Gig fand im Urban Spree statt. Ein eher kleiner Laden, eingebettet in ein größeres Areal, niedrige Bühne, dafür gabs draußen eine Open-Air-Bar, an der sich klassisches Konzertpublikum mit Berliner Feierwütigen mischte.    

 

Als erstes waren dann ALMYRKVI am Start. Die Bühne war in blaues Licht getaucht, dazu viel Nebel, so dass die Musiker nur schemenhaft zu erkennen waren. Passte aber gut zur Musik. Die Isländer setzten auf ein atmosphärische Gitarrenarbeit, die ein ums andere Mal in ihrer Melodieführung an postmetallische Glanztaten erinnert, wechseln vom klaren Gesang zu finsteren Growls, schrecken auch vor ruhigen Ambientparts nicht zurück, aber immer wieder kulminiert die sorgfältig aufgebaute Spannung in blackmetallischen Blastbeateruptionen. Das wird niemals langweilig, da ALMYRKVI wissen, wie man Spannung aufbaut und vor allem gute Songs schreibt. Ein Auftritt, der eine enorme Sogwirkung entfacht und viele Anwesende in seinen Bann zieht. Atmosphärisch, finster, gut!      

 

Dazu bieten dann SATURNALIA TEMPLE ein deutliches Kontrastprogramm. Die Snare peitscht knochentrocken, dazu dröhnt die Gitarre lauter und fieser als jedes Tuningtreffen. Irgendwo zwischen Stoner und Doom bewegt sich die Band, schwere Riffs, dreckiger, fieser Gesang und langsames Tempo. Das alles aber mit einer gewissen Räudigkeit vorgetragen, vor allem gesanglich, so dass es nicht zu beliebig und luschenhaft wird. Und zwischendrin tauchen dann doch immer mal wieder coole Melodien auf, die das Ganze auflockern. Doch, ein guter Gig, auch wenn der Bass ruhig noch knarziger hätte klingen können.      

 

Dann endlich SVARTIDAUDI. In den letzten Monaten habe ich neben den neuen Alben von TRESPASSER und FUNEREAL PRESENCE wohl kaum ein Album so häufig gehört wie „Revelations Of The Red Sword“. Umso gespannter bin ich auf den Auftritt und ums vorweg zu nehmen, es war einfach nur großartig. SVARTIDAUDI entfachen einen Wirbelsturm der Dissonanz, die maskierten Gitarristen feuern aus allen Rohren, phasenweise klingt das wie eine blackmetallische, bösere Variante von GOJIRA, der Schlagzeuger spielt die vertrackten Rhythmen mit Präzision und Durchschlagskraft und der Gesang ist fies, verzweifeltes Gekreische, dabei aber durchaus voluminös. Ein intensives, überwältigendes Erlebnis, Zeit zur Entspannung bieten nur die Pausen zwischen den Songs. Sehr schön auch, dass SVARTIDAUDI trotz aller Dissonanz verdammt eingängig klingen und Songs schreiben, die ihre Widerhaken erbarmungslos ins Langzeitgedächtnis schlagen. Definitiv eins der bisherigen Konzerthighlights dieses Jahres, eine wahnsinnig gute Show einer herausragenden Band!    

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