IDLE HANDS / 24.04.2019 – Kiel, Schaubude

Kurze Schnappatmung, als ich die Ankündigung erblicke: IDLE HANDS in der fucking Bude! Nicht nur für mich stellt diese Band eine DER Entdeckungen der letzten Jahre dar. Mit ihrer genialen Mischung aus SISTERS OF MERCY und IRON MAIDEN haben sie sich eine eigene Nische geschaffen, die sie bereits mittels der ersten EP „Don’t Waste Your Time“ mit richtigen Hits zu füllen begonnen haben. Ich hatte das Glück, den ersten Europagig sehen zu können (Februar im Hamburger Kulturpalast, siehe Bericht), bin nun gespannt, ob die Portland-Combo auch mit dem neuen Material an die EP anknüpfen kann und wie sie sich im erweiterten (Tour?)-Line-Up mit zweitem Gitarristen schlägt.

 

Der Schuppen ist angemessenerweise gut gefüllt, als IDLE HANDS die Bühne betreten. Im Vorab-Smalltalk wurde deutlich, dass viele es ähnlich sehen wie ich und von der EP nicht bekommen können. Das neue Album „Mana“ ist heute nur als CD erhältlich – ich halte mich zurück, um auf das Vinyl zu warten.  Einige Fans sind auch mit SPELLCASTER vertraut, bei denen Gabriel Franco noch Bass gespielt hat, bevor er für IDLE HANDS zum Mikro wechselte. Mit dabei waren auch bereits Sebastian Silva an der Leadgitarre und Schlagzeuger Colin Vranizan. SPELLCASTER waren eine sehr gute NWOTHM-Band, der im Vergleich natürlich das Spezielle fehlte, was IDLE HANDS herausstechen lässt. Ich finde es aber durchaus bemerkenswert, dass dies ein eingeschworener Haufen zu sein scheint, auch wenn Gabriel Franco offenbar der Mastermind bei der Chose zu sein scheint.

 

Gut, Gothrock und Heavy Metal also, das kann schnell schiefgehen und ins Patethische kippen. An welchem Punkt es „zuviel“ wird, ist natürlich Geschmackssache, ich finde aber, dass IDLE HANDS angenehm reduziert und dynamisch zugleich klingen. Die Melodien packen mich, Gabriels Stimme hat etwas Zerbrechliches, was hervorragend zu diesem Stil und den Texten passt. Im aktuellen ROCK HARD formuliert es Thorsten Dörting punktgenau: „IDLE HANDS verströmen vor allem dank des auf charmante Weise überforderten Organs Gabriel Francos eine delikat gebrochene Melancholie“ (ROCK HARD #385, S. 82). Der Sound bringt das heute schön heraus, sowohl Gesang als auch Instrumentierung klingen super. Neben den EP-Songs „ Blade And The Will“, „Time Crushes All“, “I Feel Nothing”, “Can You Hear The Rain” (argh!) und “By Way Of Kingdom” haben bereits zahlreiche Stücke vom esten Longplayer den Weg in die Setlist gefunden. ich bin auf Anhieb begeistert vom flotten „Give Me To The Night“, dessen Stakatto-Riffing von einem herrlichen Refrain gekrönt wird. Sehr schmissig auch das postpunkige „Nightfall“, welches auch BEASTMILK nicht packender hätten komponieren können. Fas alle Songs werden auch mit kurzen „Ugh!“- und „Ah!“-Shouts garniert, ein weiteres kleines Trademark. Showmäßig lassen IDLE HANDS erste Anzeichen erkennen, dass sie sich durchaus Gedanken machen, wie man optisch Akzente setzen könnte. So hebt Gabriel Franco plötzlich eine Rose in die Höhe, die er blitzschnell mit der anderen Hand entblättert und vorgeblich die Dornen abreißt, sodass ihm Kunstblut den Arm hinunterläuft. Nett, aber ansonsten reichen Sonnenbrillen, schwarze Klamotten, ein paar Nieten und eine angemessene Attitüde. Am Ende ist klar: Einhellige Begeisterung, das Merch wird der Band förmlich aus der Hand gerissen.

 

Sehr gelungenes Konzert also, man darf gespannt sein, wie es mit IDLE HANDS weitergeht.

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