Punk In Drublic / 04.05.2019 - Hannover, Kulturzentrum Faust

Im Frühjahr kam die Nachricht, dass die „Punk In Drublic“-Festival-Reihe wieder nach Europa und abermals nach Deutschland kommt. Termine und Orte sollen sich von anderen „Festivals“ bewusst absetzen und somit führte die Reihe Anfang Mai in verschiedene Orte, die nicht unbedingt die „erste“ Wahl bei anderen Veranstaltern bedeuten würden. Schnell per modernen Medien korrespondiert und eventuelle Mitinteressenten informiert und zugleich Tickets geordert. Hätte ich nicht gedacht, aber das Event in Hannover (und damit unser Ziel) war auch als erstes sehr sehr schnell ausverkauft, sodass einige in die Röhre schauen mussten (auch, wenn es komischerweise n paar Tage vor solchen Ereignissen immer auf einmal ganz viele Leute gibt, die doch nicht mehr können und ihre Karten folglich feilbieten). Ziemlich lange stand die Überlegung, sich dort in der Nähe n Hotel zu buchen, im Endeffekt sind wir dann mitm Wochenendticket gefahren (frei nach der „Terrorgruppe“: Heute Hannover und morgen die Welt...;)).

 

 

Der Timeplan suggerierte, dass alles eng getaktet wird und somit müsste es hinhauen, mit der Bahn auch nach Hause zu kommen. Und dankenswerterweise hat die Deutsche Bahn es dieses Mal geschafft, uns nicht zu enttäuschen.   Also morgens um 9.27 Uhr ab in den Zug nach HH, einmal umsteigen und um kurz nach 13 waren wir dann auch schon in Hannover. Von dort war es echt total easy, zum Kulturzentrum „Faust“ zu gelangen. Beim letzten Mal soll es ja megalange Schlangen beim Einlass gegeben haben, dieses Mal hat es superschnell geklappt.

 

So konnten wir die erste Band The Bombpops pünktlich um 14. 30 mit ihrem (wie alle Bands eher kurz gehaltenen) Set starten. Entgegen der Vorberichte (ich war nicht der einzige, der das auch anders gedacht hatte) fand das alles nicht drinnen statt, sondern draußen. Der erste Eindruck war dann auch ziemlich festival-like (Bierbuden, Wurststände, Merch etc.). Angekündigt als Draft-Beer-Festival konnte ich bis auf einen Stand ziemlich in der Ecke nichts von solch hippen Kram entdecken. So gab es allerorts Gilde-Bier 0,5 für 4,50. Die letzten Releases der Band „Fear Of Missing Out“ und die EP „Dear Beer“ habe ich schon die einige Male durchlaufen lassen, für mich nicht der Überknaller, aber vor allem im Sommer im Park beispielsweise n Garant für guude Laune. Man merkte der Band auch definitiv an, dass sie schon einige Konzerte hinter sich haben. Die beiden Frontfrauen zockten souverän ihre zumeinst mehrstimmigen Songs runter und gaben sich auch bei den Ansagen grundsympathisch. Nach ner halben Stunde war dann aber Schluss. Wie gesagt aber ein guter Start in das, was noch kommen wird.

 

Als nächstes (Umbauphasen waren immer ne Viertelstunde) um 15.15 Get Dead, die ich glaub ich auch damals so richtig in der Schaubude entdeckte und seitdem auch alle Alben mein Eigen nennen darf. N Battle, ob der Sänger Sam King oder Chuck Ragan die fertigere Stimme hat, würde - glaub ich - fast an ersteren gehen. Ich mag solch kaputten Stimmen ja. Die Band war gut drauf. Der Frontmann band das Publikum mitunter witzig mit ein und gab sich allgemein sehr charmant, aber irgendwie hat er auch positiv einen an der Waffel. Entgegen einiger Lieder auf Pladde nicht (halb-) akustisch, sondern alles mit Strom. Die Jungs hätten gerne länger spielen können, ich weiß es nicht mehr genau, aber ich glaub „This One's For Johnny“ war das letzte Stück und zu dem frühen Zeitpunkt gröhlten schon einige mit. Ich finde die Band ja richtig gut und freue mich auf einen neuen Output im Herbst (hoffentlich).

 

Um 16 Uhr begannen dann The Real McKenzies. Wir blieben zunächst noch vorne (ging fast den ganzen Tag relativ leicht, dorthinzukommen bzw. auch da zu bleiben (manchmal sind Wellenbrecher doch von Vorteil). Der Sänger hat genauso täuschend echt schwarze Haare wie Silvio Berlusconi...N Paar Lieder gaben wir uns, um dann das Gelände zu erspähen. Irgendwie hatte ich an dem Tach nicht soo Bock auf derartige Mucke. „The Message“ haben sie leider auch nicht gespielt. Aber so einige feierten zu ihrem – ich nenn es der Einfachheit halber – Celtic-Punk (mit Dudelsack und co selbstredend).

 

Ich muss schon sagen, insgesamt n richtig cooles Gelände hat die „Faust“. Ne alte Fabrikanlage umgewandelt in ein lebendiges Kulturzentrum, das hat schon was. Ich war zwar bereits in der alten Punkhochburg Hannover zu Konzerten, aber in den Gebäuden war ich noch nicht. Vielleicht ändert sich das noch, sympathisch sieht es aus. Merchstand wurde erspäht (zwischendurch auch andere Info-Stände wie z.B. Hardcore Help Foundation). Der neueste Shit sind wohl Bandsocken. Eine Fat Wreck- Compilation nur für die Festivalreihe gab es auch (als LP). Ein wenig monieren könnte ich die Essensauswahl, die eher einfallslos war (Bratwurst war omnipräsent) und Fleischloses gab es nicht vieles bzw. eher Klassiker wie Pommes oder so.

 

Als nächstes kamen Anti-Flag. Haben wir uns von der Ferne angeguckt, an der Band scheiden sich ja viele Geister. So sehr ich es auch respektiere, sich politisch zu engagieren bzw. im Zuge dessen auch junge Leute zum politischen Bewusstsein bzw. Mitmachen zu animieren, nehme ich den selbst ernannten Agit-Punks das nicht mehr so wirklich ab, es wirkt mittlerweile eher wie ein Image. Es wurde auch viel animiert und grundsätzlich die richtigen Sachen gesagt. Aber irgendwie holt es mich nicht mehr ab. Bevor sich hier ein Anti-Flag- Fan auf den Schlips getreten fühlt: zig andere waren da anderer Meinung und feierten sie gut ab. Die Fläche vor der Bühne füllte sich bei ihnen auch merklich.

 

Die darauf folgenden Less Than Jake hatten das Pech, dass das Wetter den Mai mit dem April verwechselt hatte. An dem Tag gab es alles: Sonne, Wind, Regen... und bei LTJ auch Hagel (!). Waren eh von vornerein nicht so meine Faves, verbinde mit denen auch eher Tony Hawk Daddeln. Hab von denen nur die letzten Sachen mitgekricht (und da auch eher beim Bier-Schlange stehen).

 

Toilettentechnisch fand ich (ich kannte sie nicht vorher) für Männer sehr skurril, dass quasi riesige Eimer mit (von oben gesehen) kreuzförmigen kleinen „Wänden“ überall verteilt waren (gen Ende liefen so einige dann aber auch völlig über). Gerade die Frauen sind dann ja bestimmt sehr dankbar, dass die meisten dann auch dieses als Wasserablassen benutzten, sodass die Wartezeit bei den Dixies nicht unnötig verlängert wurde (man konnte aber auch im Gebäude auf Toilette).

 

Bei Lagwagon bin ich anscheinend in ein Raum-Zeit-Kontinuum gefallen, kaum angefangen, schon wieder vorbei. Das letzte Album „Hang“ fand ich btw. aber richtig gut, wie so viele Bands der Anfangsmitteneunziger überzeugen sie zum Glück nach wie vor. Bemerkbar machte sich auf jeden Fall hier der Ort des Zuhörens. So wirklich „Druck“ machte der Sound nur mittig ziemlich unmittelbar davor. Fand ich schade.

 

Auf Bad Religion hab ich mich mega gefreut (auch wenn ich weiß, dass sie live nicht der Überburner sind), auch sie mit einem neuen Album (ein Tag vorher released) „Age Of Unreason“ (auch gut) am Start, wo BR drauf steht, is auch BR drin. Bei dieser Band musste ich einfach nach vorne (witzig is ja schon, wie viele verschiedene Lieblingsalben unter den Zuhörern es gibt, DAS Konsensalbum gibt es bei ihnen nicht). Seit Längerem schon (aus Gründen) ohne Greg Hetson unterwegs zauberten sie Hit um Hit mühsam aus den Ärmeln. Ich ertappe mich selbst dabei, ihren Einfluss auf die Punkwelt nicht wirklich wahrzunehmen (nicht aus Boshaftigkeit, eher weil man nicht sofort an diese Band denkt) aber irgendwie laufen sie dann eher unterm Radar – vielleicht fehlt das Destruktive, der Look? Was auch immer...- aber bei den TOP-Listen der wichtigsten Punkbands ever hätte sie eigentlich einen vorderen Platz verdient. Lieder wie „Los Angeles Is Burning“, „Generator“, „American Jesus“ wurde lauthals mitgegröhlt. Einige Songs des neuen Albums wurden auch gespielt (fand ich super). „21st Digital Boy“ und v.a. „Punk Rock Song“ hätten sie sich meiner Meinung nach schenken können. Aber festzuhalten is: eine grandiose Band (die es hoffentlich auch noch länger gibt)!

 

Den Abschluss machten NOFX. Ich hab den Winzbanner nicht gesehen, aber er soll da gewesen sein (alle anderen Bands konnte man allein durch den Banner benennen). Ich war gespannt, wie die Band und v.a. Fat Mike drauf war. Man hat ja schon gehört, dass er auf Konzerten fast nur bzw. sich um Kopf und Kragen gesabbelt hat. Kurz zuvor erschien auch ein Album von seinem Alter Ego „Cokie The Clown“ (You're Welcome), das auf (wenn man es nicht schon wüsste) auf sein Gemütszustand hinweist. Ich hab das Album zuhause stehen und finde es v.a. textlich echt extrem (krass), solch einen Seelenstriptease gab es wohl auch noch nicht allzu häufig. Geschnackt wurde zwischen den Songs doch auch immer recht lang, ich hab n paar Mal gedacht „spielt doch bitte den nächsten Hit/Song“, aber man weiß halt, was einen erwartet. Und es war schon ziemlich witzig, was die Band von sich gab bzw. deren Schlagabtausch untereinander. Obwohl ich mir sicher bin, dass einige es nicht wussten, was sie erwartet, und bestimmt eher enttäuscht waren. Ich fand es trotzdem gut und Knaller wie „Leave It Alone“ live zu hören (auch schon ein Vierteljahhundert draußen), machte schon glücklich. Den Abschluss dieses (für mich) hammer Tages kam mit – wie konnte es anders sein - „Kill All The White Man“.

 

Wie gesagt, die Deutsche Banhn hat es dieses Mal geschafft und nach 4,5 Stunden hatten wir es dann auch nach good ol' Kiel geschafft.  

 

Fazit: Auch wenn es mit ca. 7000 Leuten eher eine Massenveranstaltung war und sicherlich nich jeder Besucher sonst zu Konzerten geht/wirklich Punk hört, fand ich die Orga (v.a. wenn sie vormals so mies war) völlig ok. Die kurzen Umbauphasen und die relativ kurzen Sets machten den Tag sehr kurzweilig. Eigentlich sollte laut Fat Mike keine Punkmucke zwischendruch laufen, dem war nicht so (die ganzen „Punkhits“ a la Ramones wurden rausgehauen), Ticketpreis um 50 Ois fand ich auch noch zu ertragen. Und auch wenn Fat Mike damit sicherlich (nich unwenig) Geld verdient, nehme ich ihm folgendes ab, wie er beim Cokie-Album sagt: „ punk rock was never just music to me / it was my life...“ (Punk Rock Saved My Life). Wer die Fat Wreck Doku gesehen hat, weiß auch, wie fair Fat Mike zu den Bands is bzw. sie fördert, wie und wo es nur geht, weil er Punkmusik einfach liebt. Sein Herzblut steckt darin. Nebenbei läuft im Hintergrund auch CJ Ramones neue Album (Fat Wreck is ja eines der wenigen Labels, die Vinyl noch deutlich unter 20 Tacken auf den Markt hauen). Allzu oft wird es eh keine Wiederholung mehr geben, weil der Markt an bekannten (Melodic-) Punkbands limitiert sei, so die Aussage. Und auch wenn fast nur „alte“ Bands am Start waren und man einen (auch wenn es derzeit sehr angesagt is) 90er-Mief befürchtete, bewiesen v.a. die vielen jüngeren Kids, dass es sicherlich keine reine Nostalgie (und schnell ma abscheffeln) – Chose war.

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