U.D.O., REECE, DEAD CITY RUINS / 19.02.2019 – Hamburg, Grünspan

Nach den beiden DIRKSCHNEIDER-Reisen nun also die erste U.D.O.-Tour mit einem Programm gänzlich ohne ACCEPT-Klassiker! Klare Pflicht, den guten Udo Dirkschneider und Band hier mit einem Besuch zu supporten, zumal „Steelfactory“ eins der besten Alben 2018 geworden ist.

Kleiner Spoiler: Obwohl U.D.O die eingangs erwähnte Ankündigung formuliert hatten, werden heute Abend doch ACCEPT-Songs gespielt! Was ist da los? Ist Dirkschneider doch eingeknickt?

 

Bilder von Jan ML folgen...

 

Nein, mitnichten: Aber im Vorprogramm befindet sich doch tatsächlich die Band REECE, was wir auch erst am Merchtresen herausfinden. Und dort schmettert na logisch David Reece, der Udo einst 1987 bei ACCEPT ersetzte und auf dem 1989er Album „Eat The Heat“ schmetterte! Das ist ja schon irgendwie cool, den mal live zu sehen!

 

Und mit DEAD CITY RUINS geht es gleich mit weiteren Bekannten los, waren selbige doch 2018 bei AUDREY HORNE mit im Hafenklang an Bord sowie 2015 mit DEAD LORD und AUDREY HORNE im Headcrash. Bei diesen Konzerten hatten die Australier es leichter, da es sich gewissermaßen komplett um Undergroundbands handelte. Ich muss schon schmunzeln, wie reserviert das U.D.O.-Publikum anfänglich ist, obwohl DEAD CITY RUINS wirklich in die Vollen gehen – die Anhänger einer lebenden Legende zu überzeugen, ist eben ein hartes Stück Arbeit. Aber die Band zieht unbeeindruckt durch, und letztlich gehen auch alle Arme nach oben – wer kann auch einer derart pumpend dargebotenen Melange aus BLACK SABBATH, THIN LIZZY und IRON MAIDEN widerstehen? Das funktioniert auch in der neuen Besetzung, die statt Jack Wiffen nun den etwas metallischer klingenden Steve Welsh präsentiert. Es reicht bei mir nicht ganz zur Ernte eines Tonträgers, was aber der momentanen Flut an sehr guten Alben geschuldet ist.

 

David REECE hatte es damals nicht leicht, „Eat The Heat“ gilt schließlich immer noch als eines der schwächeren ACCEPT-Alben. Im Nachhinein betrachtet man die Sache allerdings milder und checkt, dass der Typ damals echt einen geilen Job hingelegt hat und keinesfalls ohne Power und Charisma gesungen hat. Und heute steht da ein Original auf der Bühne, ‘ne Lederhaut mit kraftvoller Röhre. Mit „D-Train“, „Generation Clash“ (geil!), „X-T-C“ und „Hellhammer“ kommen vier Songs vom „Eat The Heat“-Album, von denen wohl die meisten Anwesenden höchstens „X-T-C“ mal live bei ACCEPT und DIRKSCHNEIDER live sehen konnten. Für mich schließt sich somit eine Lücke im ACCEPT-Universum, herrlich. Die eigenen Songs schließen an diesen 80er Hardrock/Heavy Metal-Stil an, gut gezockt mit tollen Vocals und einigen einprägsamen Refrains („Two Coins And A Dead Man“, „Live Before You Die“, „What About Yesterday“).

 

Yeah, eins kann man schon mal sagen: Auch ohne ACCEPT-Klassiker halten die Fans U.D.O. die Stange, mit ca. 550 Leuten ist das Grünspan gut gefüllt. Die Band weiß natürlich, dass sie jetzt auch liefern muss, um die Begeisterung für die DIRKSCHNEIDER-Shows zu U.D.O. zu transportieren. Mit einer fetten 20-Song-Setlist aus 16 U.D.O.-Alben (!) gelingt das auch. Udo Dirkschneider hat sich trotz ernster Knieprobleme – er konnte längere Zeit wohl nicht mal laufen – entschieden, die Tour durchzuziehen. Ein Roadie hievt den Chef auf die Bühne, der während der ersten Songs auch ziemliche Schmerzen zu haben scheint, sich aber wie gewohnt durch die Songs kreischt. Respekt für diesen fighting spirit! Mit der Zeit entspannt sich Udos verkniffene Miene etwas, sein Gesang wird sogar immer besser und schneidet sich förmlich durch die Lauscher. Sein Sohn Sven Dirkschneider ist mittlerweile nicht mehr aus der Band wegzudenken und hat sich zu einem Killerdrummer entwickelt, der nebenbei auch noch Background singt (zu den Refrains fährt immer ein Mikro von der Seite heran, hab ich so auch noch nicht gesehen). Abgefahren konstruiertes Drumset übrigens, dessen Beckenständer sich in gebogener Form um das Rack winden. Überhaupt hat das Bühnenbild Stil und ist mit drehenden Elementen an das Cover der „Steelfactory“ angelehnt. Mit „Tongue Reaper“ geht’s los, und im Verlauf des Auftritts folgen fünf weitere Songs der neuen Scheibe sowie Highlights wie „Independence Day“, „Timebomb“, „Holy“, „Animal House“, „Man And Machine“ oder „They Want War“. Durchgängig eindrucksvoll dabei das Spiel von Andrey Smirnov, der den ACCEPT/U.D.O.-Stil verinnerlicht hat. Was das Ganze zusätzlich angenehm sympathisch wirken lässt, sind die Anspielungen, die Udo auf das wachsende Selbstvertrauen seines Sohnes macht („mittlerweile will die Jugend auch die Setlist mitbestimmen“).

 

Schönes Ding, gute Besserung an Mister Dirkschneider!  

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