LIFE OF AGONY, BILLY BIO, ALL HAIL THE YETI / 10.10.2018 – Hamburg, MS Stubnitz

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Wer häufig Konzerte besucht und eine Band auch mal mehrfach sieht, der weiß, wie erstaunlich unterschiedlich dieselbe Combo rüberkommen kann. Im Falle von LIFE OF AGONY bin ich im Nachhinein fast schon schockiert, wie krass der Kieler-Woche-Auftritt im Vergleich zum heutigen in der MS Stubnitz abfällt. Das gilt für alle Belange: Sound, Lautstärke, Performance der Musiker*innen, Atmosphäre, Stimmung im Publikum. Die Stubnitz-Show ist qualitativ so viel geiler, dass ich wirklich froh bin, Karten besorgt zu haben.



LOA

Fotos von Bö Börbel.


Ich stehe ja total auf Konzerte, die auf Booten/Schiffen stattfinden. Noch besser wäre es, wenn die Stubnitz ablegen würde und der Kahn während des Zockens mehr wackelte. Aber auch ohne Seefahrt schlage ich allein wegen des Auftrittsorts bei den Tickets zu (ein gewisser Gruppendruck kommt noch dazu, aber egal). Still loving Stubnitz!

Immer wieder kurios finde ich die nicht vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen auf dem ollen Fischtrawler. Vor den steilen Stahltreppen befinden sich häufig Querstreben, über die betrunkene oder schlicht trottelige Leute übel stürzen könnten. Vielleicht macht gerade das den Reiz aus. Gerade wenn man in beiden Pranken mehrere Getränke balanciert und in den Bauch des Monsters hinabsteigt, spürt man einen gewissen Nervenkitzel.

ALL HAIL THE YETI spielen bereits und überzeugen mich persönlich nicht. Das Ganze klingt doch sehr poliert. Ich höre ja nie Radio, aber so stelle ich mir den Sound vor, der auf Delta etc. läuft. Halt sehr glatt und viel zu zahnlos gesungen. Außerdem ähneln sich die Songs sehr und so wird es schnell langweilig. Zum Glück trifft man ständig Leute und kann sich durch Schnacken beschäftigen, schließlich ist das Konzert ausverkauft. Sieht schon geil aus, wenn man vor der Bühne steht und hochguckt, denn die Zuschauer*innen gucken von verschiedenen Ebenen aus zu.



MS StubnitzBILLY BIO

Wenn man mit Nachnamen Graziadei heißt, ergibt ein Künstlername Sinn. Bei BILLY BIO kapiert zudem jede*r, was Phase ist. Ich erwarte im Grunde nichts, werde aber gleich mit dem ersten Song angenehm überrascht. Das Ding ist pfeilschnell und mit wütenden, knurrigen Vocals versehen. Eigentlich wie BIOHAZARD in ihren besten Momenten. Billy ist fit und gut gelaunt und erzählt, dass er sich in Hamburg sehr wohl fühle, weswegen er hier auch ein Label gesucht habe (AFM). Er singt über ein Kopfmikro und bedankt sich bei Justin Bieber für die Idee („Or is he called ‚beaver‘?“). Mit „How It Is“ und „Shades Of Grey“ gibt es auch mindestens zwei BIOHAZARD-Songs, die mit Wucht und Punch kommen und für Alarm auf der Stubnitz sorgen. Ein unerwarteter Spaß, ich wundere mich danach nur, warum BILLY BIO nicht auch „Punishment“ gespielt haben mögen…



BILLY BIOBILLY BIO


LOALOA



„Wie Ozzy mit Titten!“, ruft ein ahnungsloser Besucher neben mir, als Mina Caputo die Bühne betritt. Er bleibt der einzige, den so ‘ne Scheiße überhaupt interessiert. Der Mob singt extrem laut mit und hat die Songs von LIFE OF AGONY gut verinnerlicht. Das ist schon mal ein Riesenunterschied zum lame ass Publikum der – würg – Kiwo. Ein anderer: Sound und Lautstärke! Es wäre fahrlässig, dieses Konzert ohne Ohrschutz zu genießen und wer das getan hat, dem dürften noch Tage später ordentlich die Lauscher bimmeln. Die Gitarre kommt so richtig HEAVY, klingt fast so fett wie auf dem Debut. Auch die CARNIVORE-artigen Backings sind da und Minas Stimme ist total präsent. Zu „This Time“, „Lost At 22“ oder „Underground“ scheint das gesamte Publikum auf und ab zu hüpfen und/oder zu headbangen. Bis auf einen ätzenden Rempler nervt dabei aber keine*r rum und man kann das Geschehen entspannt genießen. Da kommt plötzlich Billy zurück auf die Bühne und gesellt sich samt Klampfe sich zur Band. Es folgt eine sehr gute Version von „River Runs Red“. In den Jubel mischt sich ein Intro: „Why are the innocent dead and the guilty alive? Where is justice? Where is punishment?” Hui, das nun folgende “Punishment” (natürlich mit Billy am Gesang) unterstreicht, warum zumindest einige BIOHAZARD-Songs zu Recht so beliebt waren. Das Ding ist ein Killer und schiebt gerade bei diesem Sound so richtig. Zu „Method Of Groove“ bleibt Billy und schrubbt weiter, bevor das Konzert unter lautem Applaus mit „The Stain Remains“ endet. Mina appelliert an uns, Billys und ihre Platten zu kaufen: „That’s how we survive. That’s how we feed our dogs.“


LOALOA

Tolles Konzert, hätte ich nicht so stark erwartet.


LOALOA
Eingereicht von Philipp

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