HASS, Deutsche Laichen, Schaisze / 15.09.2018 - Kiel, Schaubude

Hass, Hass, Hass….überall nur noch Hass. Ob im Osten oder Westen, ob im Internet, im Zugabteil oder aus den Boxen der Anlage...überall nur noch Hass. Jetzt spielt Hass auch noch in der Schaubude. Vorband sind zum einen Schaisze aus Neumünster, die – so vermute ich im Vorwege – heute Abend die musikalische Richtung des Fäkalien-Punks vertreten werden; sowie zum anderen Deutsche Laichen aus Göttingen, die Speerspitze der internationalen Riot Grrrrl Pöbel Punk Bewegung. Ein Billing, das sich mehr als sehen lassen kann – also hin da!


HASS_DEUTSCHE LAICHEN_SCHAISZE



Vor der Bude ist schon mächtig Stimmung und der Wert des hier abgestellten Leergutes entspricht so ungefähr dem Kaufpreis eines Kleinwagens. Irgendwie ist vor dem Bums heute auch anderes Publikum als sonst versammelt, aber das ist ja auch mal erfrischend. Drinnen haben bereits Schaisze mehr als pünktlich begonnen und die Hütte ist voll.


Leider verpasse ich die ersten 1-2 Lieder der NMS-Punks und das ist sch@iße. Warum? Das Ganze geht in die gleiche Richtung wie Kackschlacht oder Mühlheim Asozial. Musikalisch zumindest ist hier Kackschlacht sicherlich das bessere Beispiel. Einfacher 80er Punk mit sägender Gitarre - aber der knallt. Mal schneller, mal etwas weniger schnell gespielt, aber nie stumpfer Krach. Dazu rotzt der Sänger seine Texte angewidert ins Publikum. Jene strotzen (hoffentlich) vor Ironie, sind wie bei Mühlheim Asozial völlig überzogen und fern jeder Political Correctness. Es geht natürlich gegen Bullen, gegen Nazis, um Drogen und alle ansonsten relevanten Themen…  

NMS ist sch@iße. Steuern sind sch@iße, Straight Edge ist sch@iße, Arbeit ist sch@iße, Menschen sind sch@iße, REWE ist sch@iße – aber warum ist auch Budni sch@iße?!?!? Die haben ja wirklich keinem was getan….ansonsten gehen wir da d‘accord….

Das Demo ist zwar sch@iße, aber das gibt es bei Bandcamp. Bandcamp ist – na klar- gleichsam sch@iße, aber kostet in diesem Fall nichts. Für lau etwas runterladen ist ohne Frage aber auch sch@iße...

Wäre es nicht so sch@iße, an einem Dremu-Jahrespoll teilzunehmen, würde ich Schaisze aus NMS als Schleswig-Holsteins Band des Jahres wählen. Aber das wäre auch so sch@iße….so richtig sch@iße….


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Deutsche Laichen sind 2 Damen und 2 Herren, was für Riot Grrrrl Punk auf den ersten Blick eher ungewöhnlich erscheint. Jedoch ist dies in der Geschichte dieser Musikrichtung alles andere als selten (Huggy Bear oder Bikini Kill müssen hier als Beispiel genannt werden). Aber man(n) muss ohnehin keine Frau sein, um für Gleichberechtigung und gegen Sexismus einzutreten (ja..hier tropft der Schleim…). Außerdem wird ja auch gegen Bullen und alles Sonstige gepöbelt.

Dies erfolgt in Deutsch wie in Englisch und gerne auch mal mehrstimmig. Es wird gesungen, geschrien, gepöbelt oder sogar gegrunzt – mehr geht nun wirklich nicht! Die Texte sind provokativ, aber nie plakativ. Musikalisch untermauert wird dies durch Schlagzeug, Bass und elektrische Gitarre – dies zudem extrem versiert. Melodien bleiben sofort hängen, der Chorus sitzt und ich kann nur sagen, besseren Riot Grrrl Punk habe ich aus unseren Breitengraden bisher nicht gehört. Dazu springt die Sängerin auch gerne mal ins Publikum und scheut sich nicht, dem Pöbel auf diese Weise ihre Message näher zu bringen. Dieser hat inzwischen Betriebstemperatur erreicht und geht mehr als gut ab. Dass das Patriarchat abgeschafft gehört, darauf haben wir uns alle ja auch schon längst geeinigt.      

Wenn ich mich richtig erinnere, waren The Blue Screen of Death auch aus Göttingen. Schon die zweite sehr geile Band aus dieser Stadt und ebenso die zweite gute Band des Abends. Da Deutsche Laichen bestimmt von Bikini Kiel an diesem Abend gebookt wurden, kann ich nur sagen: Vielen Dank!

Auch hier muss der Verweis auf Bandcamp kommen: Das Demo der Deutschen Laichen ist richtig stark!


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Als gäbe es nicht schon genug HASS auf der Welt...als nächstes betreten die Ruhrpott Punks auch noch die Bühne der Schaubude. Aber was passiert jetzt? Nichts! Der Amp von Gitarrist Peter „Hecktor“ Blümer will nicht mehr. Also wird noch etwas durchprobiert, ein Bier geholt und irgendwann geht es dann doch mit „Wehenden Fahnen“ los. Der Bierkonsum heute könnte nebenbei den Schaubudenrekord aller Zeiten eingestellt haben – hier ist inzwischen ein äußerst trinkfreudiges Publikum vor der Bühne versammelt und das Thekenpersonal kommt ausnahmsweise selbst ohne den schnellsten Barkeeper Kiels ganz gut klar.

Die Stimmung ist inzwischen auf dem Siedepunkt angekommen und vorne ist Pogo angesagt. Ab und zu verliert auch mal jemand das Gleichgewicht und knallt auf die Bühnen PA – aber alles nicht so schlimm, gleich wird wieder aufgeholfen und weder Mensch noch Verstärker ist was passiert. Dazu kreist die Bierflasche unter sich vorher völlig fremden Menschen und mitgröhlen ist nicht sch@iße sondern krass geil.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber die „alten“ Herrn – ok...auf den Schlagzeuger Burn „Burner“ Harper trifft diese Bezeichnung nicht zu – bringen es noch. Immerhin wurde die Band bereits 1978 in Recklinghausen (sic!) und Marl (sic²!) gegründet.

Immer wieder grinst Sänger Thomas „Tommi“ Sohns verschmitzt ins Publikum: Er hat Spaß und bestimmt mit guter – aber nicht so ausgelassener – Stimmung gerechnet. Basser Chris „Chris“ Römer steht derweil stoisch am Bühnenrand und greift gelassen in die Saiten – er wusste ohne Zweifel vorher schon, dass Kiel ein Heimspiel wird. Fast 30 Lieder sind der Dank dafür und 40 Jahre Bandgeschichte werden abgedeckt. Einzig „Beton muss her“ von der „...allein genügt nicht mehr“ fehlt mir etwas, aber dies spielen HASS wohl nie. Dafür gibt es andere Kracher, die ich nicht für möglich gehalten hätte: „Ich sehe dich nicht“ oder „Hooligans“, nur um 2 davon zu nennen.

Manche Kritiker mögen sagen, Slime aus Hamburg haben stets ihre Texte schärfer auf den Punkt gebracht oder Razzia von ebenda waren experimentierfreudiger – aber beides ist eben auch kein Ruhrpottpunk. Im Vergleich zu anderem Punk aus dem Revier ist HASS – für mich - nie peinlich gewesen.


Drei Bands an einem Abend und alle überzeugen völlig. Davon träumt man in Berlin! HASS spielen erneut am 16.11.2018 in Lübeck im Treibsand – wenn jemand hin will, ich bin dabei! Und zu Deutsche Laichen und Schaisze natürlich auch jederzeit wieder! Auch wenn letztere so sch@iße waren...so richtig sch@iße…..

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