TSOL / 22.07.2018 – Kiel, Schaubude

Kaum haben MDC die Stadt verlassen, macht die nächste Legende Halt in Kiel. TSOL sind ebenfalls Wiederholungstäter und mir noch gut von ihren Auftritten 2011 mit JINGO DE LUNCH und THE BRISTLES auf dem Klownhousefest in der Alten Meierei  und 2013 mit SUSHI BOY in der Bude in Erinnerung.

Klownhousefest 2011 Review
Budenreview 2013

Sieben Jahre später ist es abermals (oder immer noch) Benny von Klownhouse, der TSOL nach Kiel holt. Die üblichen Verdächtigen sind vor Ort und hängen erst mal faul auf den von der Sonne erhitzten Steintreppenstufen neben der Bude ab. Sänger Jack Grisham feiert heute seinen 57. Geburtstag und ist in Sabbellaune, gönnt er sich doch einen locker 20-minütigen Schnack auf dem Trottoir.


Voll wird die Schaubude auch später nicht, aber es wird ein schönes Konzert mit ausgelassener Stimmung und leichtem Wohnzimmerflair. Als TSOL loslegen, spürt man sofort, dass hier Könner am Werk sind. Wo andere Bands alles zuklatschen, lassen die Huntington Beach Punks ihren Songs viel Luft und Raum zum Atmen. Bass, Gitarre und Schlagzeug agieren sehr dynamisch, sodass ich mich immer wieder beim puren Musikgenuss ertappe. Neben Grisham sind immerhin zwei weitere Urmitglieder in der Band, die auch in diversen anderen Projekten ihre Spuren hinterlassen haben, nämlich Mike Roche am Bass und John Emory an der Gitarre. (Warum Keyboarder Greg Kuehn nicht mit auf Tour ist, weiß ich jetzt auch nicht.) Mit Antonio Val Hernandez ist seit 2017 ein sehr fitter Schlagzeuger dabei, der derart souverän spielt, als gehöre er seit Ewigkeiten zur Besetzung. Zu Klassikern wie „Superficial Love“, „In My Head“, „Abolish Government“, „Silent Majority“ oder “Property Is Theft” hätte man sich wie bei MDC mehr abgehende Menschen gewünscht, aber immerhin wieselt Moorloch-Eyk durch die Bude und hinterlässt bei kurzen, aber stürmischen Umarmungen jedes Mal einen klebrigen Streifen Fremdschweiß auf meinem Gesicht. Grisham besitzt die Gabe, auf sehr unterhaltsame Art mit dem Publikum zu kommunizieren. Wir erfahren z.B. die schöne Geschichte, dass die Band bei ihrem wiederholten Versuch, nach Kanada einzureisen über eine der Brücken fahren musste, welche die USA und Kanada verbinden. Die kanadischen Grenzbeamten hätten TSOL aber am liebsten in den Knast gesteckt und der Band als Alternative die sofortige Kehrtwende angeboten. Dumm nur, dass auch die US-Grenzbeamten nun keine Lust mehr auf die kalifornischen Punks gehabt hätten und sie einfach mal neun Stunden auf dieser Brücke haben warten lassen. Ansonsten erfahren wir mehr aus den drei Ehen Grishams, als wir wissen wollten, und werden sogar von ihm nach Hause eingeladen: „Come to my house in Huntington Beach. I’m saying this on every show. But no one’s ever coming…“ Ich packe das hiermit auf meine Bucket List.

Ein weiterer gelungener Auftritt von TSOL, der nicht nur aufgrund der charismatischen Bühnenbewegungen Jack Grishams (dieser wiegende Gang!) und seines ebenso charismatischen Gesangs (geil auch das Gebrüll von Roche, welches jener ab und zu beisteuert) im Gedächtnis bleiben wird.
Eingereicht von Philipp

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