DISBELIEF, TYSON, PANICBURG CITY, GRIZZLY RIDER et al auf MOSH IM MAI & KULTURROTATION 143 / 05.05.2018 – Kiel, Räucherei, Hochbunker, Halle Mühlenstraße

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Zwei Veranstaltungen, die ich beide jeweils gern ganz genossen hätte. Auf der Kulturrotation 143 hätte man im Grunde den ganzen Tag lang an unzähligen Orten in Gaarden Mucke umsonst abgreifen können, darunter Bands wie PINPRICKS, ERDBEERGRÜN, PATHFINDERS OF MOSH oder den AUBROOK-CHOR. Auch fast den ganzen Tag und für fairen Kurs (pay your price ab zehn Euro) findet direkt im Herzen Gaardens das 14. (!) MOSH IM MAI statt. Beides zusammen geht zwar nicht, auch rollen wir natürlich viel zu spät gen Ostufer, aber es gelingt immerhin noch, vier Bands an drei verschiedenen Orten abzugreifen.


Doppelrezi von Florian Rose (kursiv) und Philipp Wolter. Bilder von Jan ML folgen.... 

 
Das Wetter ist herrlich, das Bier an der Halle Mühlenstraße zum Glück gekühlt, da die lokale Orga einfach Wannen mit eiskaltem Wasser hinter den selbstgezimmerten Holztresen gestellt hat. Der Ort versprüht anarchistischen D.I.Y.-Charme, scheint eine stillgelegte Fabrikhalle zu sein, in der jetzt gegärtnert wird und überall Transpis („Fuck Off Fortress Europe!“) hängen. Die Bühne steht draußen im Hof. Hier lässt es sich aushalten. Die erste Band, AK, ist gerade durch, als wir eintrudeln. Während GRIZZLY RIDER aufbauen und checken, füllt sich der Platz mit einer bunt zusammengesetzten Menschenmenge. Der Sound ist gerade vom Tresen aus ganz geil, an dem wir ein wenig aushelfen. Ich dachte übrigens noch, dass diese Tätigkeit bei einem Bierpreis von 1,50 Euro pro Pulle und 50 Cent Flaschenpfand keine größeren Rechenkünste erfordert, aber wenn dir plötzlich drei Flaschen hingehalten, von denen aber nur zwei hier gekauft wurden und dabei fünf neue bestellt werden, sich dahinter bereits eine Schlange bildet, musst du doch den inneren Adam Riese aktivieren. GRIZZLY RIDER werden immer besser. Die neue Besetzung wächst mit jedem Gig mehr zusammen, Melli am Schlagzeug und Ron am Bass wämsen einen steinernen Beat, Strecker überrascht mit nie erahnten Gitarrenkünsten und Rosie liefert ihre bis jetzt beste Gesangsleistung. Ich kann von der Seite schön die Publikumsreaktionen beobachten und sehen, dass es den meisten gut gefällt. Ein Typ hält es nicht mehr aus, nur zuzuhören und springt spontan an eins der Backingmikros um etwas reinzubrüllen, was er für den Refrain hält. Schönes Ding!  
 

Hätten wir nicht so gebummelt, hätten wir vielleicht sogar PANICBURG CITY ganz mitbekommen. Aber auch so ist uns noch ein Großteil des Sets vergönnt. Es befinden sich bereits diverse Bekannte im Hochbunker, im letzten Drittel des Auftritts wird es plötzlich richtig voll. „Wo kommt ihr denn auf einmal alle her?“, freut sich Frontmann Ingo Scheel, der seine Sache auch heute wieder super macht, indem er es schafft, alle Anwesenden miteinzubeziehen und zu aktivieren. PANICBURG CITY haben eh einen interessanten Sound, der trotz unterschiedlichster Einflüsse aus Postpunk, Grunge und Punkrock homogen klingt. Die erste EP issen Burner, die harten Appetit auf einen Longplayer macht. Aber live kicken die Panikburger heute erst recht. Ingo springt immer wieder von der Bühne und strahlt puren Enthusiasmus aus, der schließlich auch die zurückhaltenderen Gäste nach vorne aufschließen lässt, wo regelrecht ausgelassen getanzt wird. Super, nächstes Jahr will ich unbedingt noch mehr von dieser Kulturrotation mitbekommen!

 
Jetzt wechseln wir rüber zur Räucherei, die bekanntlich direkt neben dem Bunker liegt. Fast alle Besucher*innen weilen gerade draußen, da ABROGATION gerade ihren Auftritt beendet haben und Umbaupause angesagt ist. Die Veranstaltung ist sehr liebevoll organisiert und erfreulich gut besucht. Diverse Leute kommen wie wir direkt von der Kulturrotation und haben den Schlund noch nicht vollbekommen. TYSON habe heute etwas Spezielles vor, sie zocken ihre neueste Scheibe „Unbreakable“ in ganzer Länge. Und da das Ding keinen Hänger hat, gelingt ein hervorragender Auftritt! Der Vierer ist mittlerweile so tight, dass etwaig anwesende Muckerpolizei beschäftigungsfrei bleibt. Pierre und „der Neue“ namens Zed Doomhammer schreddern die Thrashriffs mit bestechender Eleganz heraus und nehmen sich Zeit für sinnverwirrende Soli. Immer wieder beeindruckend auch, wie Kochi vom aggressiven Shouting zur Goldkehlchen-Kopfstimme wechselt. Entsprechend gut ist die Stimmung in der knackvollen Hütte. Highlight der Show? Das ganze Set! 
 

Yeah, es scheint erst gestern, dass DISBELIEF zum letzten Mal in Kiel gastiert haben, zumindest wenn man wie ich immer noch denkt, dass die Neunziger gerade rum sind... Ein Blick in die Dremu-Datenbank zaubert dann auch gleich folgenden Bericht über DISBELIEF vom Dezember 2003 (in diesem Jahr spielten DISBELIEF übrigens gleich zwei Mal in Kiel, beides Mal mit NOISE FOREST) hervor:

http://www.dremufuestias.de/index.php?option=com_content&view=article&id=134&catid=15:berichte-aus-dem-pit&Itemid=290

Damals bezeichnete ich sie als die „NEUROSIS des Death Metal“ und attestierte ihrer Performance „einen geradezu hypnotischen Effekt“. Das trifft immer noch zu. Schon rein musikalisch überzeugen DISBELIEF, indem sie tonnenschwer über unsere Köpfe walzen. Das Ausschlag gebende Element ist aber die Monsterstimme Jaggers, die ausdrucksstark und authentisch Schmerz und Frust vertont. Wie gewohnt schlurft der Sänger entspannt über die Bühne und fokussiert sich auf seinen Gesang. Ein Kumpel findet, dass die Band schon zu relaxt/routiniert agiere, also mehr Spielfreude an den Tag legen könnte. Kann man so sehen, aber das ist eben keine Musik, zu der es passt, großartige Faxen zu machen. Dafür ziehen einen die Songs aber in den Bann und animieren zu Slo-Mo-Headbanging. Ich besitze die beiden letzten Alben der Band nicht, erfreue mich aber ebenso an Songs dieser Scheiben als auch an – man darf es wohl so bezeichnen – Klassikern wie „Sick“, „Misery“, „To The Sky“ oder „Rewind It All“.


Florian Rose hat ein Review des gesamten MIM verfasst. Um den Lesefluss nicht zu stören, verzahne ich die Reviews nicht, sondern hänge seinen Teil in ganzer Länge ran:
 

Mosh im Mai 2018:

Wer mich kennt, der weiß, dass ich noch nie eine Rezension für ein Konzert oder ein Festival geschrieben habe.

Hier also meine Rezension:

Wir kamen so halbwegs pünktlich an und trafen erstmal nur nette Menschen. (Hallo, Jazz!) Irgend so ein Eimer hat direkt Schulzis Transporter angefahren. Aber war nix, also zum Eingang.
Ich stand zwar auf der Gästeliste, aber danach schaut eh keiner... man kennt sich :D Freier Eintritt? Danke. Hier habt ihr 15 Euro als Support. Wir kamen also rein und:

JARL:

Eigentlich noch nix gehört von den Jungs (war ja auch deren erster offizieller Auftritt) Black Metal der sympathischen Sorte. Wir haben nur 2 Songs mitgekriegt und ich wurde vom Sänger freundlich gegrüßt, nachdem ich mitten im Gig schon Zugabe gerufen habe. Ich bin ja absoluter BM-Fanatiker und war doch überrascht, dass viele unbekannte Gesichter vor der Bühne ihre Rüben geschüttelt haben. Die Jungs haben zwar einen alten Black Unicorn-Song verwurstet, aber bedeutend geiler, als damals. Fazit: Zu meiner Freude sehr melodisch, aber genug aufs Maul, um die Schwarzwurst-Fraktion zufrieden zu stellen. Haben auch später gutes Feedback bekommen. Da geht noch einiges!

Danach: Hallo sagen, saufen, lachen. Super entspannte Leute, egal, ob Besucher oder zu der Veranstaltung gehörend. Nächster Stopp: Auto, Bier trinken. Dabei habe ich leider verpasst:

BURIED IN BLACK:

Vom Hörensagen guter Auftritt. Leider waren wohl viele so drauf wie ich und haben draußen einen gehoben. Ich hab die Jungs schon ein paar Mal gesehen und behaupte einfach, dass es wie immer geil war. Ich und einige andere Banausen haben das nur verpeilt...

Jarl und das MiM haben Shirts? Abgreifen! 4 Shirts bekommen und nur eins bezahlt... Guter Deal ^^ (Ich hab nichts geklaut, die habe ich teilweise gemacht) Danke nochmal an die netten Damen, die sogar ein Shirt irgendwo abgehängt haben, damit meine Fru ein MiM-Shirt in ihrer Größe gekriegt hat.

Dann, eins meiner 2,3,4 Highlights:

BRAZING BULL:

Hab ich die schonmal in Itzehoe gesehen? Nach späterer, nicht so ganz kurzer Rücksprache mit dem Sänger kam raus: Ja!

New Metal? Ist das nicht mittlerweile schon Old-School? Egal, die Jungs waren seeeehr geil, ich hab ordentlich mit dem Kopf gewackelt. Macht einfach Spaß, die groove-orientierte Mucke. Weiter so, Jungs.

NOM:

Siehe Buried in Black. Sehr schade, dass ich die nicht gesehen habe. Soll aber wieder schick feist gewesen sein.

ABROGATION:

Siehe... Ja, ich hab ordentlich gesoffen ^^ Soll geil gewesen sein, aber ich hatte 2 Bier bestellt und dann mit Geld in der Hand gewartet... Sagt Sie was? Die Dame hatte vergessen zu kassieren. Nett wie ich bin hab ich ihr das Geld trotzdem gegeben.

Dann kam die Pflichtveranstaltung...

TYSON:

Haben ihre komplette Unbreakable (minus einem Song) gespielt... Ich fand Tyson immer "gut", aber was die Jungs mit dem Album veranstalten ist einfach nur der Hammer. Und endlich hatten sie den entsprechenden Sound dazu...

Dann haben wir rausgefunden, dass es Backstage frisch gezapftes Bier gibt und uns da bedient, waren alle sehr nett. Stellvertretend sag ich mal Hallo an Schulzi, Sandro und Börbel. Obwohl ich da wie jedes Jahr nichts zu suchen habe, gab es Bier, gute Gespräche und lustige Anekdötchen...

Danach war ich recht voll und wir haben uns Disbelief von der Ampore angesehen....

DISBELIEF:

Fand ich immer ganz ok. Haben mich da aber dann doch ziemlich umgehauen... Was ein Abriss. Vielleicht poste ich nochmal ein Filmchen, wo ich alleine oben stehe und bange wie ein Schwein. Richtig starker Auftritt...

So, ich glaube das war es, aber ich kann nur jedem raten:

Geht auf dieses Festival. Mehr kriegt ihr nicht für wenig Geld und die Leute sind alle (vor und hinter der Bühne) einfach nur super.

Danke sehr, bis nächstes Jahr, Euer Rose
Eingereicht von Philipp

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