TURBOSTAAT, LUEAM / 06.04.2018 – Kiel, Alte Meierei

4.55

15 Jahre ist es her, seitdem TURBOSTAAT zum letzten Mal in der Meierei gespielt haben. Inzwischen ist die Band derart groß geworden, dass ein Auftritt in der Meierei für die Nordlichter wie ein kleiner Clubgig anmutet. Und das ist tatsächlich auch berechtigt, denke ich, denn gerade „Abalonia“ ist ein Album geworden, welches den großen Zuspruch schlicht verdient hat. Insofern finde ich es toll, dass TURBOSTAAT nicht vergessen haben, woher sie kommen und abseits der größeren Bühnen eben auch in der T-Stube, auffem Moorloch oder nun in der Meierei zocken. Da ich erstere Gelegenheiten verdusselt hatte, freue ich mich um so mehr auf den heutigen, recht kurzfristig angekündigten Auftritt!


Fotos von Jan ML folgen...


 
Der Andrang ist groß, zum Glück achtet die Just-A-Little-Bit-Dangerous-Crew darauf, dass die Zustände moderat bleiben. Die Aufregung regt sich schnell wieder, als LUEAM zu zocken beginnen. Denn bei dieser Lame-Ass-Vorstellung schlafen einem ja die Füße ein. Der ehemalige FINDUS-Sänger betritt mit einem weiteren Compagnon die Bühne, welcher Schlagzeug spielt und gleichzeitig Keyboard-Effekte per Pad abruft. Es mag technisch anspruchsvoll sein, dies beides gleichzeitig zu tun, was aber nichts daran ändert, dass das Ergebnis leider nach massenkompatibler Radioscheiße klingt, zumal Simion wie Peter Maffay intoniert. Die Texte scheinen immerhin interessant, so höre ich Fetzen wie „ich bin schwul – aber homophob“ heraus, die auf einen lesenswerten Hintergrund schließen lassen. Es wirkt aber leider prätentiös, wenn der Sänger vorgeblich schüchtern verkündet, wie toll es sei, dass er seine noch rohen, völlig unfertigen Lieder hier spielen dürfe – gleichzeitig aber bereits zwei Meter Merch am Tresen im Café liegen hat. Vielleicht dann doch erst mal weiter am Songwriting arbeiten, bevor man LUEAM-Mützen, -T-Shirts, -Pullis etc. herstellt…?  
 

Endlich! Ich mochte bei TURBOSTAAT vor allem die frühen Sachen, hatte die Band aber nach der zweiten LP für eine Zeitlang aus den Augen verloren. Bei dem Songtitel „Wolter“ wurde ich natürlich neugierig und kaufte mir das „Abalonia“-Album. Bäng, da hatten sie mich aber sowas von zurück! Ab da arbeitete ich mich rückwärts durch die verpassten Platten und bin nun zum bekehrten Bewunderer der Soundtüftler geworden, zu denen die Flensburger/Husumer sich entwickelt haben. Sound ist ein Stichwort, welches bei einem TURBOSTAAT-Review nicht unerwähnt bleiben darf. So wie wohl auch neulich in der T-Stube hat die Band ihre ganze Crew und ihr gesamtes Equipment dabei. Ein zusätzliches In-Ear-System sowie Elemente der Lightshow (Leuchtstäbe und –globen) werden auf die eh schon potente Meierei-Anlage draufgewämst. Dieses Upgrade zeitigt eine enorme Wirkung. Es ist eben doch ein Unterschied, wenn z.B. ein Lichtmensch bestimmte Songpassagen zu unterstützen vermag. Oder wenn der Bandmischer aus den Räumlichkeiten und der Anlage alles rausholt, was technisch machbar ist. Sanft perlen die fragilen Gitarren, wabern die Bassläufe behutsam ins Ohr, bevor das Schlagzeug anzieht und sich alles zu einem wütenden Crescendo auftürmt. Klingt fast schon erschreckend perfekt, wie transparent und druckvoll, dabei aber auch keineswegs zu laut die Darbietung kommt. Zum Glück verspielt sich Schlagzeuger Peter einmal, bevor es ZU unheimlich wird. Das Publikum ist hammertextsicher und übernimmt ganze Zeilen wie “alles ist besser als der Tod“ in „Ruperts Grün“ oder wenn z.B. „Wolter“ angestimmt wird: „Es ist viel grauer, als du denkst / Zu lange warst du schon allein / Es ist noch stiller, als du‘s kennst / Manchmal kommen sie vorbei / und lassen einen Toten bei dir“. Beim bald darauf folgenden Chorpart bekomme ich eine fette Gänsehaut: „Die Namenlosen singen für dich / Ein Lied voller Trauer und Zorn / Die letzte Bindung ist nur dieser Damm / der Sturm reißt ihn bald schon davon.“ Es gibt eigentlich keinen Schwachpunkt in der angenehm langen Setlist, wobei ich mich im Gegensatz zu den meisten Bands gerade über neuere Songs freue, hier „Eisenmann“, „Abalonia“ oder „Ruperts Grün“.  
 

Schön!
Eingereicht von Philipp

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