CANNAHANN, GRIZZLY RIDER, SHUTTER RELEASE / 31.03.2018 – Kiel, Galerie Seepferdchen

Der Grizzly röhrt wieder und ich folge seinem Ruf. Dieser führt mich heute in die Alte MU, genauer die Galerie Seepferdchen. Bereits beim letzten Konzertbesuch in dieser Location ist mir aufgefallen, dass die Räume vollgestopft sind mit Regalen, in denen sich Kunstobjekte unterschiedlichster Natur befinden. Heute finde ich heraus: Diese Objekte sind käuflich zu erwerben, und wer etwas herstellt, kann inner Galerie günstig ein Regal mieten, um den Kram dort feilzubieten. Auch ansonsten sind die Nutzer*innen kreativ und bieten neben Live-Konzerten zum Beispiel auch eine Heavy-Metal-Karaoke statt. Der nächster Termin ist der 07.04., hier ein Auszug aus der Einladung: „Im Bühnenraum der Galerie Seepferdchen werden an eine Wand die Lyrics geschmissen und es kann als besonderes Bonbon auch live dazu an der Superstrat oder den Hausdrums gerifft und getrommelt werden. Instrumente können auch mitgekommen werden. Verstärker sind vorhanden! Ach ja: Wer in Kutte kommt, bekommt einen Lolli! AHHHHHHHHHHHHHAHHHHHHHH!!!“ Klingt nach völligem Outbreak of Evil, aber erst mal zum heutigen Konzi:
 

Mal wieder zu spät vor Ort, aber nicht zu spät, um nicht noch ein paar Songs der ersten Band mitzubekommen. SHUTTER RELEASE heißen diese Kieler, deren Sänger Daniel unterschiedlichen Informanten zufolge entweder mal bei BOB MOSH sang oder dort immer noch singt (die BOB-MOSH-Seite ist generell nicht so megaaktuell). Das Quartett frönt bluesigem Rock, dem auch gewisse Funk- und Soul-Elemente nicht abzusprechen sind. Souveränes Auftreten, fitter Gitarrist – das geht gleich gut rein. Die Songs sind recht abwechslungsreich gestaltet, der Sänger lässt sein voluminöses Organ zu einem Titel namens „Fuck Art“ durch ein Megaphon ertönen. Bevor ich mehr Eindrücke sammeln kann, ist der Auftritt bereits vorüber.
 

Netterweise werden wir kurze Zeit später von einem Mitglied der Konzertgruppe Triangel Events direkt am Tresen über den baldigen Beginn der nächsten Band informiert und es gibt vor der Bühne zudem eine Ansage. So was mag ich ja immer (wenn es so nett gemacht ist wie hier)! GRIZZLY RIDER haben abermals eine personelle Transformation durchlaufen: Klaus ist raus, dafür bedient mittlerweile Ron (Ex-FINN FAUST) den Bass. Liegt es an der neuen Bandchemie oder an ganz anderen Umständen, dass GRIZZLY RIDER heute besser denn je klingen? Fakt ist, dass ich Strecker noch nie so gut Gitarre habe spielen sehen. Da sind Sachen bei, von denen ich gar nicht wusste, dass er sowas zocken kann. Auch Rosie klingt heute richtig gut und viel stärker als beim letzten Mal. So treten Songstrukturen hervor, die bisher nur Skizzen geblieben sind. Melli bearbeitet ihr Set druckvoll und Ron scheint sich bei seinem ersten Grizzly-Rider-Auftritt wohlzufühlen. Es ist bei dem Kackwetter heute zwar nicht so voll, wie es die Veranstaltung verdient gehabt hätte, aber man sieht allen Anwesenden den Genuss an.
 

Irgendwie bringt es auch nicht viel, mit Genre-Bezeichnungen um sich zu werfen, um eine Band wirklich zu beschreiben. Wenn mir vorher jemand etwas von einer Kombi aus Grunge, Noise, Blues und Stoner erzählt hätte, wäre ich wohl nicht begeistert aus dem Sessel gesprungen. Aber CANNAHANN sind viel mehr als die Summe dieser Teile. Hört man sich die Musik des Quartetts analytisch an, entdeckt man diese Einflüsse tatsächlich. Aber in der Livesituation ist erst mal die Vehemenz beeindruckend, mit der CANNAHANN vorgehen. Die beiden Gitarristen und der Bassist haben sich vor die Bühne auf den Boden gestellt und gehen in bester Hardcoremanier voll in dieser Floorshow auf. Wobei der Kontrast witzig ist: Während der Gitarrist/Sänger links und der Bassist manisch abgehen und permanent durchdrehen, mimt der andere Gitarrist den stoisch bleibenden Nerd, der keine Miene verzieht. Die Songs bauen sich mit hypnotisch wiederholenden Stoner-Grooves auf, klatschen den Hörer*innen sludgige Parts ins Gesicht, überraschen immer wieder mit toll gesungenen Gesangslinien und Melodien. Der Bock, den diese Truppe auf ihre eigene Mucke und deren Darbietung hat, infiziert auf Anhieb. Die Nürnberger / Bad Neustädter veröffentlichen demnächst ihren zweiten Longplayer und werden sich hoffentlich bald wieder in den Norden begeben.
Eingereicht von Philipp

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