L.A. WITCH, ROTTEN MANGOS, EASY CAP / 21.10.2017 - Austin, Texas, The Sidewinder

Das ist ja mal ein geiler Schuppen hier, denke ich, als die Ticketkontrolle gerade hinter mir habe. Wobei, Tickets zum Sammeln gibt es in den USA  so gut wie nie - entweder man hat den Online Ausdruck vom Vorverkauf, dann bekommt man nur nen Stempel oder man macht Abendkasse und bekommt auch nur nen Stempel. Ab und zu gibt's Bändchen als Zeichen, dass man Alkohol kaufen darf, aber die meisten Shows scheinen 21+ zu sein, und da gibt es nicht mal das.


L.A. WITCH




Das Sidewinder liegt in Austin Downtown und schon davor ist mächtig Stimmung. Aus allen Bars dröhnt hammerlaute Musik, vor den Konzertschuppen sind lange Schlangen, überall cruisen dicke Karren vorbei - so ist es samstags in der Live Music Capitol of the World. Alles prima - nur öffentlich auf der Straße Bier trinken darf man leider nicht und das finde ich persönlich eher schade. Und den Trick mit der Brown Paper Bag traue ich mich in jedem Staat, aber nicht in Texas.

Die Location heute hat einen Innen- und einen Außenbereich. In letzterem spielen L.A. Witch und dieser hat eine Kapazität von lächerlichen 150, die bald auch ausverkauft sein werden. Das ganze ist Open Air, nur die Bar und die Bühne sind überdacht. Obwohl es mitten in der Innenstadt ist, verleihen Palmen und der sichtbare Himmel irgendwie Strandatmosphäre. Die Temperatur liegt selbst abends noch bei gefühlten 36 Grad und so trinke ich erstmal ein paar Coors Light (ungefähr halbe Litter Kanne für sehr faire USD 4,00), um mich abzukühlen.

Geraucht werden darf auch, da es ja nicht Indoor ist. Ansonsten ist Trinken und Rauchen gleichzeitig in den USA fast unmöglich. Gerade als ich mich rauchend an einem Aschenbecher aufhalte, gesellt sich die Sängerin von L.A. Witch dazu und wir kommen natürlich ins Gespräch. Das klingt jetzt irgendwie blöd, war aber wirklich so und ich kam nicht bei ihr angeschissen... nur kurz: L.A. Witch sind nächstes Jahr wieder in Hamburg, fanden es da letztens im Molotov schon so toll und im Gegensatz zu sächsischen sind alle amerikanischen Musiker ohnehin immer obernett.


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L.A. Witch spielen irgendwas zwischen Psychedelic Garage Rock und Wüsten Punk, wobei starke 70s Einflüsse vorhanden sind. Die E-Gitarre dröhnt auch mal im typischen Surfersound und der Hall ist immer auf max gestellt. Das ganze ist staubtrocken und könnte die Filmmusik eines Roadmovies oder eines (guten) Tarantino Streifens sein oder werden. Unterlegt wird das durch einen Bass, der stets die nötige Fülle in das Ganze bringt und ein treibendes, aber abwechslungsreiches Schlagzeugspiel, welches auch mal die Geschwindigkeit kräftig anzieht.

Solos finden ihren Platz, ein klasse Riff wird ohne Bedenken wiederholt und über allem liegt die verführerische, ja fordernde Stimme der Sängerin. Absolut geiler Scheiß und für mich mit nichts anderem zu vergleichen.

Gleichsam euphorisch reagiert das sehr gemischte und vor allem durchaus junge Publikum. Die Stimmung ist bereits nach dem ersten Akkord am Kochen und überall wird sich zur Musik bewegt. Da schwitzt nicht nur der eher gemäßigte Temperaturen gewöhnte Norddeutsche. Die drei Damen aus Los Angeles ziehen so das volle Brett ab, dass ich mich an die beiden Vorbands nicht mal mehr erinnern kann - wobei ich auch diverse Abkühlungen getrunken hatte.

Bei L.A. Witch hingegen war Kurz- und Langzeitgedächtnis auf Aufnahme gestellt, daher hier die Setlist (no Filler- just Killer):

Intro, U ♡ nothing,  kill my bb, Brian, Untitled, BB in blu Jeans, Drive your Car, Sleep, Ain't commin home,  new Song, good Guys, get lost und feel alright.

Obwohl die Band erst jetzt ihr erstes Album veröffentlicht hat, merkt man ihr die Erfahrung jahrelangen Tourens an. Live passt alles zusammen, die Damen sind top eingespielt und obschon bei dieser Art von Musik das Laszive vor dem Vergnüglichen kommt, lächelt die Sängerin auch mal ins Publikum. Ich bin hin und weg.

Spitzen Konzert in einer spitzen Location - und nächstes Jahr nach Hamburg.

Ne richtige Zugabe gab es hier auch mal wieder nicht - andere Länder, andere Sitten.


L.A. WITCH
Eingereicht von Philipp

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