CAULDRON, AMULET, WAR CURSE / 14.10.2017 - Seattle, WA, Highline

Leider haben haben R.I.P. heute abend abgesagt - die Band hätte ich schon sehr gerne gesehen. R.I.P. aus Portland spielen sogenannten Street Doom, der Mikro Ständer des Sängers sieht aus wie eine Sense und auch ansonsten macht die Truppe einen coolen Eindruck und zudem noch geile Musik. Aber sie haben nun mal abgesagt. Der Gitarrist hat sich - das ergab eine kurze Recherche bei dem Typen, der den Eintritt macht - scheinbar die Schulter gebrochen. Da kann man nur hoffen, dass dies nicht das Karriere Ende bedeutet - wie es bei professionellen Speerwerfern wohl der Fall ist.


CAULDRON



Als Ersatz springen War Curse ein, die sich vermutlich nach einen Kreator Song benannt haben. Der Name, das Logo...mir schwarmt jetzt schon Übles. Nach eigener Aussage spielen sie Old School Thrash mit New School Aggression. Ich kann mit Thrash leider nicht viel anfangen und würde das, was hier die Wände zum wackeln bringt, eher als Geknüppel der Sorte "hau drauf" bezeichnen. Das klang auch schon in den 80ern so und wird auch noch 2080 so klingen. Schnelles Riffing, Powerchords und ein angepisster, aggressiver Schreigesang eines verdammt unzufriedenen Zeitgenossen.

Ich verlasse auf eine Zigarette den bisher nur sehr mäßig gefüllten Club - vor der Bühne lassen gerade mal 3 Maniacs die Dauerwelle kreisen. Der Rest sitzt im hinteren Teil des Schuppens und mampft derweil Tofu Burger. Hier gibt's tatsächlich die ganze Zeit vegane Küche und die Hälfte der Fläche des Ladens mit einer Kapazität von 450 dient der Nahrungsaufnahme. Die Lautstärke lässt selbst draußen die ganze Straße an der Chose teilhaben und ich weiß nicht, ob die Passanten auf der Straße deswegen mit dem Kopf schütteln oder sich im Headbangen versuchen. Unten auf der Eingangstreppe sitzt ein verdammt kaputter Typ und raucht meiner Einschätzung nach Crack in der Pfeife - vielleicht ist es deswegen oben noch so leer.

Fairerweise muss man sagen, War Curse aus Ohio sind auf eigener West Coast Tour, haben heute einen Tag off und sind kurzfristig als Ersatz eingesprungen. Das ist doch super und das ganze nichts anderes als "pure fuckin' Thrash".


AMULET


Amulet aus England sind jetzt dran. Da habe ich doch Hoffnung, das könnte Spitze werde. Das Auftreten der Briten ist schon mal Old School. Muscle Shirts, ein Gitarrist mit Minipli und Schnauzbart - der Herr traut sich was.

Nebeneinander und möglichst simultan werden dann die beiden Gitarren und der Bass geschrubbelt. Musikalisch ok - aber der Gesang? Was ist bloß mit den Gesang?!? Der fällt da aber deutlich ab. Und auch die Texte scheinen mir ebenso dürftig. In seiner Heimat, so erklärt der Sänger vor dem Lied "Bloody Nights", trinke man Pint. Das macht man in den USA nebenbei auch, aber das kann er ja nicht wissen.. das amerikanische Pint ist nebenbei kleiner..aber egal... also weiter..wenn das eigene (Pint) jedoch von jemand anders in einem sogenannten "Pub" verschüttet wird, bekommt derjenige dafür so eine geschallert, dass dessen Aufnäher von der Jacke fliegen oder der Über- zu einem Unterbiss wird.

Der Sänger ist bei bestem Willen aber gerade mal 1.40 groß und sieht alles andere als wie Angry Anderson aus. Dazu nervt er mit ständigen "All right's" und" Guitars!" Zu allem Überfluss muss er wohl auch noch Dorothee Peschs Motivations- und Stimmungsmacher Kurs besucht haben. Ständig sollen alle (auch die hinten) mitklatschen oder (auch die vorne) die Fäuste in die Höhe recken. Jetzt fehlt nur noch Wacken Geschwafel oder Grüße an den Wacken Hugo oder Hannes oder wie immer der Vogel auch heißt.

Am Ende, das Lied heißt scheinbar "Hangman", kommt ein ebensolcher in schwarzer Robe und weißen Turnschuhen auf die Bühne. Diese Einlage ist vielleicht heute erstmalig zu sehen, da hier ein Halloween Kostümladen um die Ecke gerade 20% auf alles gibt. Auf alles! Nichtsdestotrotz verkündet der finstere Henker die Höchststrafe für das Spielen von schlechtem Metal: Tod durch den Strang - und vollstreckt das Urteil sofort, was auch zum Ende des Sets führt.

Da braucht jetzt keiner weinen, so ist die Strafe für das Spielen von Scheißmusik eben! Das erste Album heißt schlicht "First", bleibt nur zu hoffen, daß "Second" mit im Sarg verschwindet. Warum hat Century Media die bloß gezeichnet?!? Und warum haben bloß R.I.P abgesagt?!? Ach, wegen der Schulter...


"We are back in Business", verkündet der Cauldron-Sänger wahrheitsgemäß. Und gleich zeigen die Kanadier, wo der Ahornbaum die Blätter hat. Schon das erste Solo sitzt, hier ist der Gesang authentisch und die Matten kreisen. Naürlich ist das ganze eine Reminenz an die NWoBHM, das Tempo dementsprechend eher im Mid Tempo Bereich, aber unter dem Hexenkessel ist Feuer. Zum ersten Mal springt dieses heute abend auch auf das vorher eher reservierte Publikum über. Der Sänger belohnt dies mit heiserem Aufschrei, bevor der eingängige Chorus einsetzt. Ist alles gut gemacht und der etwas ungepflegt wirkende Gitarrist hängt sich richtig rein. Ok...immerhin ist er auch auf Tour und sitzt nicht im Nagelstudio der Angetrauten.

Ui, denke ich plötzlich, hat sich der Sänger etwa bei dem heutigen Publikum verschätzt? Er schwärmt von Grunge. Das kommt aber in dessen Heimat gar nicht gut an. Jetzt werden auf einmal Fäuste gezeigt, ohne dass dafür extra aufgefordert werden musste. Hier hat jemand nichtsdestotrotz den Pöbel vor der Bühne richtig im Griff. Munter geht es weiter, ist alles gefällig, aber R.I.P. wäre doch ne andere Nummer für mich gewesen.

Fazit:

Cauldron Good, Hitler Bad and Amulet Dead. Darauf einigt sich das Publikum. Voll war es nicht, denke aber, so ist es häufig in den USA und nachher wirst auch noch vom Veranstalter um die Gage beschissen....Ich bin gespannt, wieviel Besucher Warning und Worm Orouboros in gleichem Bums morgen ziehen. Ich werde berichten und bin dann hoffentlich auch den Jet Lag los. Am Ende von Cauldrons mitreißendem Set wäre ich nämlich fast eingeschlafen. Es reicht aber immer noch, um nach dem Konzert bei Dick's Drive Inn 3 Cheeseburger zu verputzen. Die sind wirklich lecker.
Eingereicht von Philipp

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