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Kategorie: Berichte aus dem Pit
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Veröffentlicht: Samstag, 15. Juli 2017 08:05
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Geschrieben von Neffets Mharf
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Zugriffe: 2056
„EA80“, dachte ich, während ich mit Schacke Krüger im Frachtraum der „MS Stubnitz“ saß und durch die wackelige Ketten-Balustrade Martin „Junge“ Kircher beim Seelenexorzismus zuschaute, “an denen könnte man nochmal spaßeshalber den Punk-Katechismus durchexerzieren, vielleicht erschließt sich einem dann wieder mehr, was dieses PUNK nochmal gewesen sein soll.“ Der Löwenanteil ihrer beeindruckenden Diskographie kam im Eigenvertrieb auf den, naja, Markt. Seit Kurzem gibt es ein paar Reissues bei Major Label, und die neueste Platte wird ebendort erscheinen, aber für eine Band mit diesem Status, dieser Ausdauer und diesem Back-Katalog sind EA80 so D.I.Y. wie nur was. Keine Promo, keine Barcodes, keine Gema, kein Gehampel. Ursprünglich wollte ich diesen Lex, plump angelehnt an den Titel eines neuen EA80-Stücks, „Alte Schule Mönchengladbach“ nennen, aber das wird der Band nicht gerecht. „Alt“ stimmt sicherlich (im Sinne von „gealtert“), aber „Schule“? EA80 standen und stehen für sich allein, neben dem ganzen anderen Punkbetrieb, so wie The Fall oder Helge Schneider. Sie sind einfach immer dagewesen und darüber zeitlos geworden. Die Atmosphäre, die Ästhetik, der Sound, alles verläßlich, alles schwarzweißgrau. Auf dem Cover des Albums „2 Takte später“ (1985) gibt es einen Vermerk, daß diejenigen, „…die erwartet haben, daß wir für das Aufnehmen unserer 2. LP länger als drei Tage brauchen würden […]“, dahin gehen sollen, „…wo schon die hingehen sollten, die auf der Single die Soli, auf dem Sampler die Weiterentwicklung und auf der 1. LP ein Foto der Gruppe vermißten: zum Teufel!!!“ – und tatsächlich sind EA80 in all den Jahren technisch immer so ungefähr auf ihrem Level geblieben, haben sehr EA80-mäßige Songs geschrieben und ihre Platten binnen weniger Tage eingespielt. Was es in der Süddeutschen Zeitung am 07.10.1982 über die erste EA80-EP „Der Mord fällt aus“ zu lesen gab, stimmt im Kern immer noch: „Hier wird […] das alte Punkideal vom eigensinnigen „Punk for Punk’s sake“ aufrecht erhalten, ohne auf Plattenverträge und das vermeintliche große Geld zu schielen. Wer es vergessen hat: So war die Palastrevolution geplant, damals.“