JETHRO TULL / 08.11.2025 – Rostock, Stadthalle

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Bucket-List-Alarm, Extremlevel! Wie konnte es aber dazu kommen, dass mich JETHRO TULL seit meiner Teenagerzeit begeistern, ich die Band aber bisher NOCH NIE live gesehen hatte? Ich kann tatsächlich selbst nur spekulieren. Möglicherweise schien mir die Existenz von JETHRO TULL gewissermaßen selbstverständlich, so dass ich keine Eile verspürte. Auch war und bin ich natürlich eher dem Underground zugeneigt und all die kleinen Knüppelkonzerte gingen möglicherweise vor. JETHRO TULL spielen auf der Kieler Woche? Egal, lieber in den Krustenkeller zu BRUTAL GLÖCKEL TERROR, die lösen sich bestimmt nach dem Demo auf, während der Mann mit der Flöte noch in 100 Jahren dudeln wird.

In den letzten zehn, zwanzig Jahren hat sich da aber etwas in meiner Wahrnehmung verändert. Gerade alte Legenden und Lieblingsbands sollte man meiner Meinung nach mitnehmen, so lange man die Chance hat. Dio, Lemmy, Ozzy… zum Glück habe ich da nicht zu lange gewartet. Und überhaupt schätze ich diese Platten aus den Sechzigern und Siebzigern heute besonders. Es ist erstaunlich, was man da heute noch alles entdecken kann! Im Falle von JETHRO TULL ist eigentlich jede LP ein kleiner Schatz, in dem sich Momente voller Magie verbergen.

MJ ist mir in ihrer JEHTRO-TULL-Geschichte einen Schritt voraus. Als Mädchen hat sie sich unter dem Vorwand, „zusammen Hausaufgaben zu machen“ zu einer Freundin begeben und ist mit der auf ein Festival gerollt. Dort sah sie Ian Anderson und seine Truppe, allerdings ohne den Bandnamen zu erfahren. Musik und Präsenz flashten sie eigenen Worten zufolge zutiefst – Anderson zog das volle Programm durch durch, zockte auf einem Bein, beugte sich tief in den Fotograben und flötete alle ins Koma. Nur gab es damals kein Backdrop, kein Info und niemand konnte ihr später verraten, wie denn diese Wahnsinnsband geheißen habe. Erst Jahre später erschallten aus dem Zimmer eines WG-Mitbewohners plötzlich Klänge, die MJ sofort identifizierte. An die Tür gebollert, selbige im gleichen Moment aufgerissen und reingebrüllt: „WIE HEISST DIESE BAND?“

 

JETHRO TULL

Bilder von MJ.

Bewertung: 5 / 5

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TACKLEBERRY, BELLYACHER, BARDOWICK / 28.11.2025 - Kiel, Schaubude im Hinterhof

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Als ich vor geraumer Zeit im Internet auf der Hansa48-Seite rumschnupperte, sah ich etwas, bei dem ich mir zunächst die Augen reiben musste…War es ein Schriftfehler? Eine andere Band mit selben Namen? Oder handelte es sich wirklich um DIE Tackleberry?! Tixforgigs…noch nicht im VVK? Ausverkauft? Hoffnung…immer wieder geguckt…leider nichts getan. War doch ausverkauft…Damn… Dann Schaubude-Ankündigung: gleich Ticket geholt und happy gewesen.  

Bewertung: 5 / 5

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RAZZIA, KONTROLLE / 14.11.2025 – Hamburg, MS Stubnitz

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Razzia im Treibsand, Razzia bei Suppen Dieter, Razzia bei Lotto Jürgen und jetzt auch noch Razzia auf der MS Stubnitz! Da wird man doch bekloppt der vielen Kontrolle wegen in diesem Überwachungsstaat! OK, ab jetzt wird es ernsthaft und kurz und bündig. Nach einem furiosen Auftritt in der verbotenen Stadt halten Razzia als eine der letzten Bands die Fahne des Deutschpunks in luftige Höhen und im Sog eben dieser kann es nur heißen: Hin da!

 

RAZZIA

Bewertung: 5 / 5

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BOB MOULD, STEFAN SAFFER / 23.11.2025 - Berlin, Columbia Theater

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Anläßlich des gerade erschienenen HüDü-Livesets von Numero Group schrieb mir vor ein paar Tagen ein Freund (deutlich jünger an Jahren als ich), dass dieses phänomenal gute Dokument ja aus einer Zeit sei, in der ich sie auch live gesehen hätte. Ich war versucht, zu sagen: „Well, yes, Alter, und es war ein totaler Blast“ - aber ich war nie auf einem HÜSKER-DÜ-Konzert. 1987 kaufte ich mir die „Warehouse“, dann die „Land Speed Record“ ziemlicher Kulturschock (auf den ich aber dank SPEX nicht ganz unvorbereitet war, ja, Kinderlein, stellt euch vor, es gab kein Internet), dann die „Zen Arcade“, nach der meine Innenwelt zum Glück nie mehr war wie vorher. Ich spüre dieses aufwühlende Kunstwerk von einem Punk-Album bis heute in mir. Reoccurring dreams. 
 
 

URIAH HEEP, APRIL WINE, HEAVY PETTIN / 02.11.2025 – Hamburg, Docks

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“The Magician’s Farewell” steht auf meiner Eintrittskarte. Aber ist es ein Abschied, befinden sich URIAH HEEP auf ihrer letzten Tour? Davon wäre beim Konzert nichts zu spüren. Weder sagt Bernie Shaw (v) etwas in der Richtung, noch ließe es die beeindruckend kraftvolle Performance erahnen. Auf der anderen Seite will so eine Legende nach 55 Jahren auch bestimmt nicht mit lahmarschigen Konzerten abtreten, insofern ist das kein Indiz. Faszinierend finde ich bei URIAH HEEP ohnehin mehrere Aspekte: Zum Beispiel, dass die Band in 55 Jahren 26 (!) Alben veröffentlicht hat! Was für eine brutale Bilanz. Und obwohl sie im Gegensatz zu BLACK SABBATH oder DEEP PURPLE stets aktiv waren, standen URIAH HEEP immer etwas im Schatten dieser anderen frühen Hardrock-Bands. Oder fehlte gerade das? Eine Auflösung und medienwirksame Reunion? Man weiß es nicht und kann die Reaktionen und Launen des Publikums eh schwer einschätzen. Warum ändert sich der Geschmack der Massen manchmal derart, dass eine Band trotz permanenter Qualität irgendwann als nicht mehr relevant wahrgenommen wird? Wobei URIAH HEEP angesichts 40 Millionen verkaufter Tonträger natürlich als eine der erfolgreichsten Hardrock-Schwergewichte überhaupt anzusehen sind. Trotzdem gab es Zeiten, in denen sie in eher kleinen Clubs auftraten. Das ist mittlerweile wieder anders und so zeigt sich das Docks heute rappelvoll – eine derart lange Schlange habe ich vor dem Schuppen noch nie gesehen.

 

URIAH HEEP

Fotos von MJ und Rüdiger Naffin.

Bewertung: 5 / 5

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