HEDVIG MOLLESTAD TRIO / 19.09.2026 – Kiel, Hansa48
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Samstag, 03. Oktober 2026 12:39
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Diesen Abend hatte ich im Vorfeld eher unter der Vorstellung einer „entspannten Geburtstagsfeier“ antizipiert, nicht aber als Konzert, über das ich einen Bericht schreibe. Ich wusste natürlich, dass auch eine Band spielen werde, hatte aber vorher noch nie vom HEDVIG MOLLESTAD TRIO gehört. Dass Jörki in seinen 60. Geburtstag reinfeiert, stand bei mir im Vordergrund, wir freuten uns sehr über die Einladung und die Party, dabei hatte ich aber immer das Bild einer Band im Hinterkopf, die so nebenbei spielt, vielleicht würde z.B. im Barbereich chillige Loungemusik geklimpert. Doch mitnichten! Das HEDVIG MOLLESTAD TRIO fackelt ein dermaßen begeisterndes musikalisches Feuerwerk ab, dass es auf DreMu nicht unerwähnt bleiben darf. Man konnte übrigens auch regulär eine Konzertkarte im VVK abernten oder per AK löhnen. So treiben sich später auch Nasen in der Hansa48 herum, die Jörki gar nicht kennen. Andere dagegen sind wegen des Jubilars (und wegen des Konzerts) weit gereist, zum Beispiel die Veranstalter des HOFLÄRM-Festivals. Es ist toll, wer so alles gekommen ist und es ergeben sich diverse anregende Gespräche. Aber zappen wir vor zum Auftritt der drei Norweger:innen.
Bilder von Jörg Horn, Hans-Christian Plambeck Photography und MJ.
Das Trio ist nach der Gitarristin und Sängerin Hedvig Mollestad benannt, die Bassistin Ellen Brekken und der Schlagzeuger Ivar Loe Bjørnstad können allerdings keineswegs als Statisten bezeichnet werden. Gleich der erste Gitarrenanschlag haut mich um. Ich weiß nicht, ob das jede:r kennt und mir da folgen mag, aber ich hatte das gerade bei Gitarristen oder Gitarristinnen schon einige Male in meinem Leben so erlebt, dass mich ihr bloßer Ton völlig mitnimmt. Dabei spiele ich ja selbst nicht mal Gitarre und weiß über die spielerischen und technischen Hintergründe nur das, was ich im Proberaum oder bei Produktionen nebenbei aufschnappe, also praktisch nichts. Das ist schon zu fast 100% Gefühl, wenn mich ein bestimmtes Gitarrenspiel und ein bestimmter Sound emotional erreicht. Und ich konnte es bei meinen Punkkumpels häufig nicht verstehen, wenn diese sich an Soli oder generell „zuviel“ Gitarre stören. Natürlich gibt es technisches Gefrickel ohne Wärme, das ist klar. Aber Hedvig Mollestad setzt die Gitarre in Flammen, und das eben gleich beim ersten Song.
Sie erklärt später, dass HM3 als Jazzband begonnen habe, sich aber nun daraus „das“ entwickelt habe, was wir gerade hören. Aber worum handelt es sich genau? Ich empfinde es weitestgehend als gitarrenlastigen Rock mit Stoner- und Psychedelic Rock-Elementen, wobei der jazzige Einfluss immer wieder zu spüren ist. Als würde man den Prog-Ansatz von KING CRIMSON mit der Schwere von BLACK SABBATH mischen. Ich urteile da natürlich aus meinem eigenen musikalischen Horizont heraus und kann mir vorstellen, dass jede:r Besucher:in da noch andere Quellen, Einflüsse oder Assoziationen nennen wird. Oder man lässt sich einfach fallen und lässt die Analyse weg, das geht beim HEDVIG MOLLESTAD TRIO ganz wunderbar. Denn der Auftritt wird mit viel Spaß und Lust am Musizieren absolviert. Während Mollestad und Brekken glitzernde Kleider tragen, hat sich Bjørnstad ein weißes „Emirates“-Shirt übergeworfen. Die drei spielen sich die Bälle zu, grinsen sich an, gönnen sich jeweils wilde Solopassagen und feiern die Leistung der/des anderen. Allem wohnt ein mitreißender Swing inne, auch in den ruhigeren Momenten oder wenn Brekken auf den Kontrabass wechselt oder Bjørnstad die Becken im Stehen mit einem Streichbogen bearbeitet. Das Schöne ist, dass HM3 insgesamt Bock auf Noise, Heaviness und gewaltige Riffs haben. So tanzen bald viele, andere headbangen, der Rest staunt. Mollestad und Brekken verlassen während des Spielens die Bühne, erweisen Jörki die Ehre, zocken inmitten des Publikums weiter und hinterlassen schließlich eine völlig geflashte Zuhörerschaft.
Danach wird weitergefeiert und um 24.00 Uhr gibt’s amtlich Crémant hinter die Brotluke. Schließlich heißt es: HAPPY BIRTHDAY, JÖRG! Vielen Dank für die Einladung, es war ein Fest!

Kommentare
zitiere Jörg Röschmann:
zitiere Jörg Röschmann:
Ivar trug das erwähnte "Emirates" Shirt, weil er ein erklärter Arsenal London Fan ist. Während des Souindchecks lag sein Smartphon auf der Standtom, weil seine Mannschaft gerade live spielte. Dies nur zur Info...
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