"Öffnet eure Augen und Herzen und lasst Missgunst und andere egoistische Überlebensmechanismen abfallen wie einen Haufen Scheisse. Kapitalismus ist der Tod der Kreativität. PMA all day!" - INTERVIEW MIT FANSKI VON NOWAR
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- Kategorie: Interviews
- Veröffentlicht: Mittwoch, 30. September 2026 13:09
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Der Knaller gleich am Anfang: Euer neues Album „Right Here Right Now“ kommt auf Audiolith raus! Glückwunsch! Erzähl mal, wie es dazu kam! Für das Label ist so eine saftige Hardcore-LP ja schon ein Ausreißer in härtere Bereiche.
Danke für die Glückwünsche!
Lewe und ich (Stefan aka Fanski) kennen uns seit den 90‘s aus der HC Szene. Er bei Linsay tätig und ich bei Blind Community. Und durch meinen alten Freund C.S. sind wir uns alle wieder etwas näher gekommen. Haben zusammen Konzerte besucht und dummes Zeug gelabert. Aber auch seriöse Sachen wie unsere neue Platte kam immer wieder ins Gespräch. Irgendwann saßen Nina und ich im Audiolith Headquarter, um Lewe zum Suppe essen abzuholen. Und wenn man eins gelernt hat in dem Musikpuffbuissness, dann ist es eins: Wenn es frischen Kaffee gibt und die Tür hinter dir zu geht, wird getalkt! Und ab da wurden gemeinsame Pläne geschmiedet, bis es hieß: Audiolith machen die neue Nowar Platte!
Was ändert sich dadurch für euch? Ist das schon abzusehen, ob ihr da vielleicht andere Leute erreicht? Beinhaltet die Zusammenarbeit auch Booking?
Wir haben jemanden mehr an Board, der sich um unsere Produktion kümmert, andere Ideen hat, ein größeres Netzwerk an Menschen und Liebe zu Hardcoremusik lebt. Nowar freut sich auf die neue Reichweite, um mehr Leute zu erreichen.
Um das Booking kümmern wir uns DIY mäßig selbst.
Ich sehe, ihr habt die Mischung aus englischen und deutschen Texten noch erweitert. Auf „Don’t Lie“ gab es einzelne deutsche Zeilen, jetzt habt ihr mit „Krieg ist Mord“ und „Zeit“ zwei deutsche Titel und in „Right Here Right Now“ wechselt ihr zwischen den beiden Sprachen. Macht ihr das nach Gefühl, was sich im jeweiligen Kontext anbietet oder steckt dahinter ein bestimmtes Konzept?
Es ist mehr das Gefühl und was hört sich besser an? Ist es plakativer oder nur dahin gesabbelt? Is die Message: klar in your face from your heart oder eine nur eine ausgelutschte Phrase?
Und auch die Mischung aus beiden Sprachen finden wir attraktiver und interessanter als nur eine.
Leider erscheinen immer mehr HC/Punk-Platten, deren Texte sich auf „Unity“-Phrasen beschränken. Ich finde es erfrischend und wichtig, dass ihr euch positioniert. In welcher inhaltlichen Tradition seht ihr euch selbst? Gibt es bestimmte Einflüsse, vielleicht auch außerhalb der Musik?
Es hat den Anschein, dass überall Rost drauf liegt und Schritte zurück gegangen werden.
Wir selbst bezeichnen uns ja als positive Hardcore Band. Das beinhaltet alles, was dich und andere positive unterstützen kann im Leben, außerhalb des Konsums, denn dieser ist nicht nahrhaft. Für mich (Stefan) ist ja die Band Loxiran ein großer Einfluss in meiner Jugend gewesen. Diese haben einen Song: nur zusammen. Was ja einen Inhalt von Unity hat, aber nicht auf diesem Macho-Männer-bildet Horden und es gibt einen Anführer, der alles weiß und ihr folgt dem Quatsch in Reihe. Eher diese unterstützende Sichtweise, wenn du Hilfe brauchst, frage nach und du bekommst eine Antwort auf Augenhöhe, und du entscheidest, ob es dir was bringt. Einflüsse kommen klar durch Freunde, eine klare innere Haltung und soziale Ansätze von tollen Menschen, die wir auf Tour kennenlernen.
In „Castle Of Dhukka“ fällt ein Begriff aus dem Buddhismus. Was steckt dahinter?
Ich schreibe das mal aus meiner Sicht und stark vereinfacht. Das Dhukka ist der Begriff für das allgemeine Leid auf der Welt. Und ich als Mensch habe die Fähigkeit mich mit diesem zu verbinden und vllt zu identifizieren und dem Raum zu geben in meinem Leben oder alles Negative zu erkennen und die Verstrickung aufzulösen und bei mir zu bleiben. Kommt halt drauf an, worauf du persönlich Bock hast: Kraft und Weite auf körperlicher und geistiger Ebene ist ein toller Bonus im Leben.
Im Vergleich zum Debut würde ich „Right Here Right Now“ als melodischer und grooviger empfinden, gleichzeitig behaltet ihr die Hardcore/Punk-Kante bei. Wie würdet ihr die Entwicklung selbst beschreiben? Hat sich das Songwriting durch euren neuen Drummer Kegan Clark verändert?
Danke, finde ich auch. Es gibt ja immer Songideen und alle packen ihren persönlichen Schmutz dazu. Ich finde, es dauert eine gewisse Zeit, bis ein Song zu einem NOWAR Song wird und Kegan is da eine Bereicherung, was neue Ideen, Struktur und Groove angeht. Auch dass wir uns Zeit genommen haben im Probi wie auch im Studio, steuert der Entwicklung zu. Ich persönlich möchte gerne alles besprechen und hinterfragen, damit wir als Band auch alle einverstanden sind mit Plänen, Ideen und Ergebnissen. Denn Egonummern machen den Mood kaputt.
Auf jeden Fall drückt das Album wie Sau. Wo und wie habt ihr aufgenommen?
Wir haben uns entschieden bei den Bieler Brüdern im ihrem Cheerytree Studio aufzunehmen. Für mich war es schon immer ein Träumchen mit der ganzen Band für eine Woche lang aufzunehmen, vor Ort zu pennen, abzunerden und gemeinsam abzuhängen. Es war toll, den beiden (Paddy und Nikki) dabei zuzuschauen, wie sie ihr Equipment bis ins Detail ausgereizt haben, um uns eine tolle Zeit und Produktion zu bieten. Wir sind alle happy mit dem Ergebnis! Danke hier mal an die beiden! This is Clem Fandango can you hear me :)))) Sie wissen, was ich meine.
UK-Dates! Das ist spannend. Wie kam es dazu und was erwartet ihr von der Tour? Übt Fanski schon englische Ansagen?
Kegan is ja aus Nottingham UK. Und neben der Musik läuft der Junge noch Marathons.
Als er davon erzählte, dass er in Nottingham laufen will, haben wir zusammen entschieden, dort Konzerte zu spielen. Dann haben wir DIY mäßig gebookt. Alles angeschrieben und voll geballert mit unseren Infos.
Und dadurch sind dann drei Dates entstanden.
Und Kegans Hometown zu spielen, ist natürlich stark.
Was hast du als Band, die kaum einer kennt, in der UK zu erwarten? Keine Penne, kaum Spritgeld, keine Verpflegung und Chlorwasser aus dem Hahn:))))
Nee, mal den alten weißen Mann bei Seite.
Wer Erwartungen hat wird enttäuscht, also konzentriere ich mich lieber auf die Basis vom Touren. Ich freue mich auf das zusammen sein mit der Band und neue Leute kennenzulernen. So wie immer, nix Neues.
Und ja, ich mache mir Gedanken darüber, was ich auf English als Ansagen machen kann, da es auch dort soziale Ungerechtigkeiten gibt, die mit Mut unterstützt werden können.
Habt ihr einen Lieblingssong von euch? Und falls ja: Warum sticht der für euch heraus?
Boa finde ich schwer…
Ich glaube: right here right now ist für mich in allem stark. Aus der Vergangenheit lernen, mit Mut in die Zukunft schauen und das hier und jetzt feiern, im Sinne: die Veränderung (politisch, mental, kreativ) vorantreiben.
Gibt es einen eurer Tracks, der live besonders zündet, auf Platte aber nicht so? Oder umgekehrt?
Nope alles Banger!
Die Konzertmenschen sprechen von einer energetischen Sporteinheit, die den Schweiß und den Alltagsstress aus den Poren treibt.
Okay, es ist Listenzeit: Nenne uns zehn Lieblingsbands von dir! Und gibt es bestimmte Platten, welche euch als Band beeinflusst haben?
Ich spreche mal für uns alle:
- Foo Fighters: the colour and the shape
- Loxiran: loxiran
- Queens of the stone age: songs for the deaf
- Snapcase: progression through unlearning
- Strife: in this defiance
- Shelter: mantra
- Ac/Dc: back in black
- Kvelertak: kvelertak
- John coffey: bright companions
- Iron Maiden: the number of the beast
Willst du uns abschließend noch etwas mit auf den Weg geben?
Ja gerne:
Ich möchte alle ermütigen sich selbst ernst zunehmen, die eigenen Fehler und Stärken zu akzeptieren, die realen friends regelmäßig zu kontaktieren, ihnen an der Seite stehen in schwierigen Zeiten, und in den guten einfach dabei zu sein. Öffnet eure Augen und Herzen und lasst Missgunst und andere egoistische Überlebensmechanismen abfallen wie einen Haufen Scheisse. Kapitalismus ist der Tod der Kreativität. PMA all day!
Danke
