SAVATAGE AUFM ELBRIOT / 08.08.2026 – Hamburg, Open Air am Großmarkt
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Donnerstag, 10. September 2026 19:31
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Ich war bisher noch nie auf dem ELBRIOT. „Warum nicht?“, fragt ihr, da hätten doch schon KREATOR oder SLAYER gespielt. Ja, stimmt, aber in meiner Wahrnehmung waren dies immer die Ausnahmebands in ansonsten schrecklich langweilig besetzten Festivals. Das ELBRIOT wirkte auf mich immer wie eine schlechte Auswahl aus den WACKEN-Hauptbühnenbands. (Zu der Edition mit SLAYER hätte man natürlich gehen können, aber damals sah man die Totschläger noch im Zwei-Jahres-Takt.) Dazu ist der Zeitpunkt nach all den Sommerfestivals ungünstig, meist läuft parallel ein geileres Undergroundkonzert. Das ist tatsächlich auch dieses Jahr so, zum Beispiel in Form des ENZO. Dennoch sticht dieses Jahr ein Bandname heraus: SAVATAGE! Wir sahen sie zwar letztes Jahr in Oberhausen und vor einer Woche auf dem W:O:A, aber diese Band kann man nicht oft genug genießen. Zudem ändern sie auf dieser Tour offenbar täglich ihre Setlist. Wir timen die Reise so, dass wir den Rest des Billings gezielt vermeiden und kommen exakt in der Pause vor SAVATAGE an. MADNESS REIGNS IN THE HALL OF THE MOUNTAIN KING!
Bilder von MJ.
Ich habe übrigens auch noch nie ein Festival oder überhaupt ein Konzert auf dem Großmarkt besucht. Das Gelände eignet sich durchaus, besitzt allerdings auch wenig Charme. Beton statt Acker, Glaspaläste statt Kuhherden drumherum. Aber wir wollen ja auch nicht länger hier verweilen, sondern ca. 60 Minuten zu SAVATAGE headbangen. Die bisherigen Bands sollen laut Augenzeugen wie erwartet langweilig gewesen sein. Leider versperren Teile der POWERWOLF-Aufbauten einen Teil der Sicht auf die Leinwände der SAVA-Show, was natürlich unglücklich gelöst ist. Man könnte jetzt darüber lamentieren, dass ohnehin SAVATAGE an der Headlinerposition stehen müssten, aber die Realität sieht eben anders aus. Vielleicht sollte man sich lieber freuen, dass SAVATAGE nach einer derart langen Pause überhaupt zurückgekehrt sind und dass ihre Popularität immerhin für Hauptbühnen, Co-Headliner-Slots und auch größere Nummern wie die Orchester-Pompeji-Show oder KEEP IT TRUE LEGIONS reicht.
Yeah, nach dem kurzen „Morphine Child“-Intro geht es mit „Dead Winter Dead“ gleich in die Vollen. Der Anfang ist somit mit dem vom WACKEN-Auftritt (Festivalbericht ist in der Mache) identisch. Gleich fällt auf, dass Zak Stevens top bei Stimme ist, die Songs mit Einsatz und Leidenschaft singt. Natürlich fehlt der Wahnsinn, den der Mountain King Jon Oliva gerade bei den hohen Schreien ausstrahlt. Da singt Stevens im Vergleich doch zurückhaltender und sauberer. Trotzdem geil, gerade auch, wenn die Chöre von John Lee Middleton (b), Chris Caffery (g), Al Pitrelli (g) und der beiden (!) Keyboarder Paulo Cuevas sowie Shawn McNair Wucht und Dramatik ergänzen. „Jesus Saves“ zieht das Tempo an (Jeff Plate – super Spiel!), den Refrain singen die Massen mit. Erfreulicherweise sind viele Besucher:innen wegen SAVATAGE vor Ort, zusätzlich werden offenbar Fans der anderen Bands mit in den Bann gezogen. Durch die kürzere und umgestellte Setlist folgt nun bereits „Strange Wings“, für mich ja ein Wahnsinnssong, der mit überraschenden Tonartwechseln spielt und diesen außerweltlichen Refrain besitzt. In der Kürze der Zeit zeigen SAVATAGE ihre ganze Bandbreite – mit „Taunting Cobras“ ein Brecher an der Schwelle zum Thrash, „Sirens“ und „Power Of The Night“ eisenharte Riffbanger mit Killerrefrains und dazwischen gibt es die bombastisch arrangierten Stücke „Chance“ und „Gutter Ballet“. Die müssen mit Orchester tatsächlich beeindruckend gewirkt haben – ich hoffe, dass Andreas noch ein Review von dem Pompeji-Ding schreibt. Auch so begeistert der mehrstimmige „Chance“-Kanon. Den emotionalen Höhepunkt aber stellt „Believe“ dar, zu welchem es wieder Video-Einspieler von Jon Oliva gibt. Das ist genial gemacht, wie Zak Stevens mit Livegesang und Oliva vom Video sich streckenweise abwechseln. Da fließen Tränen, das nutzt sich auch jetzt beim dritten Mal nicht ab, zumal auch noch Fotos von Chris Oliva (R.I.P.!) eingeblendet werden. Mit „Edge Of Thorns“ wird es später wieder bombastischer und von der Stimmung heller, bevor das Finale mit „Power Of The Night“ und „Hall Of The Mountain King“ zum Bangen zwingt. Besser geht es einfach nicht. (Höchstens die 80er/90er Konzerte mit den beiden Oliva-Brüdern, ist klar.)
Was für ein fantastischer Auftritt! Auch wenn ich SAVATAGE gern länger gesehen hatte, so war es doch wieder sehr erfüllend. Viele Songs scheinen heute fast noch mehr wertgeschätzt zu werden als vor Jahrzehnten. Und diese Besetzung bringt die Songs in überzeugender Form auf die Bühne. Nun darf man gespannt sein, ob sie wirklich noch ein weiteres Album machen.
Wir gucken noch ein paar Songs POWERWOLF. Hier ist vor allem die Dimension der Show imposant, welche hinsichtlich beweglicher Bühnenelemente und Feuer sogar die aktuelle MAIDEN-Show in den Schatten stellt. Da wird eine riesige Orgel auf die Bühne geschoben, immer wieder explodieren Pyros und Flammenwände versengen dir die Augenbrauen. Auch die Ansagen fallen amüsant aus. Nur sind die Songs zu plump komponiert und zu sehr auf Mitsingrefrains gebürstet. Da reichen also 20 Minuten und wir rollen los.
Joah, Danke an Kevin Junker und HAMBURG Konzerte!
„I am the way / I am the light / I am the dark inside the night / I hear your hopes / I feel your dreams / And in the dark I hear your screams / Don't turn away / Just take my hand / And when you make your final stand / I'll be right there / I'll never leave / All I ask of you / Believe / I never wanted to know / Never wanted to see / I wasted my time / Till time wasted me / Never wanted to go / Always wanted to stay / 'Cause the persons I am / Are the parts that I play.”
