WISCHFEST VII / 18.07.2026 – Dörphof, Tag 2

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Nach dem Review des ersten Festivaltages erreichten uns Anfragen, wo denn Dörphof genau liege. Jo, ich bin ja überzeugter Beifahrer und schlafe auch immer gleich ein, wenn wir länger als zehn Minuten unterwegs sind. Insofern gibt es kompetentere Routenplaner. Aber ich gebe euch mal die Stichwörter Ostsee, Kappeln und www.wischfest.com, gleich verbunden mit dem Hinweis, dass es erst Ende des Jahres Tickets für 2027 geben wird.

Und genau dort, Dörphof bei Kappeln anner Ostsee, wachen wir heute auf. Herrliches Wetter, erstes Bier und auf die Bands gefreut. Für mich gibt es heute nur zwei Wiederbegegnungen (EMPLOYER zum zweiten Mal, BLITZ zum vierten), den Rest der acht Bands habe ich noch nie gesehen, kenne von ihnen auch nur MECHANIC TYRANTS. Da darf man also gespannt sein!

 

MECHANIC TYRANTS

Bilder von MJ.

 

Unter dem Bandnamen DIE FRIVOLEN FRAUENHELDEN hatte ich Funpunk erwartet und werde völlig überrascht. Schon bei den T-Shirts der Bandmitglieder denke ich automatisch an das Bambi und Konzerte in Hamburg (SMOULDER, HELLRIPPER, RISE OF KRONOS), wenig später bestätigt die Band in einer Ansage tatsächlich, dass man sich im Bambi Galore kennengelernt habe, weil man dort gerne abhänge. Eine sehr schöne Entstehungsgeschichte. DIE FRIVOLEN FRAUENHELDEN klingen aber völlig anders, als ich erwartet hätte. Erst mal viel besser, von Funpunk kann keine Rede sein, vielmehr werden TON STEINE SCHERBEN mit NDW vermischt und um raue Rockeinflüsse ergänzt. Wie cool ist das denn! Der Sänger Dodo sorgt stimmlich zu großen Teilen für die Rio-Reiser-Assoziationen, gesungen wird zusätzlich auch von Gitarrist Lenny und Bassistin Gisa, was insgesamt ein abwechslungsreiches Gesamtbild ergibt. Lenny zeigt uns seine drei Kutten und erklärt kurz die jeweiligen Konzepte, sehr interessant und wissenswert (hier rächt sich wieder, dass ich meine Notizen aufm Dixi habe liegen lassen, aber eine der Kutten hatte einen BLIND-GUIARDIAN-Backpatch, meine ich). Dazu gibt es auch eine klare antifaschistische Positionierung. DFF? Unbedingt wieder, super Entdeckung!

 

DIE FRIVOLEN FRAUENHELDENDIE FRIVOLEN FRAUENHELDENDIE FRIVOLEN FRAUENHELDEN

 

FURIO GRACE, noch nie gehört, was dat denn? Die Neugier treibt mich vor die Bühne und was sehe ich? Das ist doch der Fischer an der Gitarre, der auch schon bei REZET gezockt hat! Guter Mann. Und erstaunlicherweise komme die Band aus Kiel, erzählt der Sänger. Da bin ich aber baff, dass ich bisher noch nichts von ihnen gehört habe. Obwohl es die Band noch nicht allzu lange gibt, klingt sie bereits sehr professionell. Cooler 70er Rock zwischen RAINBOW und DEEP PURPLE, durchaus auch mit Folk Rock-Vibes aus der Zeit, erschallt da und bringt meine Ohren zum Glühen. Das ist alles toll gespielt und auch der voluminöse Gesang passt. Die Riffs haben dieses typische 70er Gefühl, bevor Heavy Metal klar definiert wurde und die Gitarrensoli klingen 1A. Mit dem BLACK-SABBATH-Cover „War Pigs“ hauen sie richtig einen aus, gelungene Version! Ein Kumpel steckt mir die Info, dass die Band sich ein eigenes Studio mit Old-School-Equipment zusammengebastelt habe. Es gebe sogar bereits eine erste LP mit einem Coverartwork, das an RAINBOWs „Long Live Rock’n’Roll“ erinnere! Das wird ja immer besser. Hoffentlich spielen FURIO GRACE bald in Kiel, da geh ich sofort hin! Eine der Entdeckungen des Festivals!

 

FURIO GRACEFURIO GRACE

 

Geil, der MONSTRUM-Gitarrist trägt ein BLOOD-INCANTATION-Shirt und sieht Paul Riedl recht ähnlich (weite Stirn, trotzdem Matte). Es growlt aber (hauptsächlich) der Bassist Heiko Schütt. Die BLOOD-INCANTATION-Begeisterung lässt sich durchaus auch in der Musik heraushören, wobei MONSTRUM die Death-Metal-Pfade (noch?) nicht verlassen. Schön finster rollt ihr Old School Sound aus den Boxen. Zu dieser Art Death Metal kannst du herrlich bangen, das mochte ich schon immer. Aus Timos (d) Bandvergangenheit bei SERPENT DEITIES wird ein Song herübergerettet und zum MONSTRUM-Track transformiert. Auf jeden Fall besitzen MONSTRUM die nötige modrige Schwere und fokussieren sich eher auf Groove und Eingängigkeit statt auf High-Speed-Tech-Gehacke, was natürlich auch geil sein kann. Das Coolste: Dies ist tatsächlich der allererste Auftritt der Band und der zündet auch gleich richtig. Einstand gelungen!

 

MONSTRUMMONSTRUMMONSTRUM

 

EMPLOYER habe ich vor zwei Jahren auf dem Stadtfest in Oldenburg gesehen und mich daher schon auf ihren WISCHFEST-Auftritt gefreut. Die Arbeitgeber bieten statt Überstunden, Lohnkürzungen oder Bierverbot am Arbeitsplatz etwas viel Besseres: Flotten Heavy Metal mit Twin-Gitarren, Doublebass-Attacken und Sirenenvocals. Auf dem Wischfest herrscht eigentlich bei keiner Band Totentanz, die meisten Besucher:innen kommen vor die Bühne, statt aufm Campingplatz zu grillen oder so. Bei EMPLOYER ist der Mob besonders wach und geht mit. Das liegt nicht nur an der Uhrzeit, sondern eindeutig am hohen Knatterfaktor der Band. Der Sänger Sebastian Hauser peitscht die Leute noch weiter an, durchzudrehen und so fliegen die Haupthaare nur so. Am 15.08. spielen sie mit GLACIER im Bambi, eigentlich ein Super-Package, ist nur leider am selben Tag wie DEVIL’S DAY OFF und VLADIMIR HARKONNEN im MarX.

 

EMPLOYEREMPLOYEREMPLOYER

 

Yeah, auf BLITZ haben natürlich alle Bock! Die Band hatte 2021/2022 einen guten Lauf mit vielen Gigs und dem „The Nachtmahr Sessions“-Tape, das zuerst bei Dying Victims und später in zweiter Auflage bei Ironbound rauskam. Danach mussten sie eine Pause einlegen wegen Weltreise, Arbeit, Lottogewinn oder was weiß ich denn. Aber seit letztem Jahr sind sie zurück und vergessen hat sie niemand! Der Speed Metal schießt den Maniacs direkt ins Blut und sofort entstehen wilde Pits und das Gemosche vor der Bühne spricht für sich. Chris, Warp Michi, Hannes und Daniel böllern genau so wild und ungestüm wie gewohnt nach vorne, den Gesang teilen sich Chris und Warp Michi. Statt eines Backdrops hängt ein Din-A-4-Zettel mit BLITZ-Logo in Kugelschreiber-Krakel-Lettern hinter Hannes, besser als nichts. Mein Favorit ist ja „Curse Of The Witch“, aber der gesamte Auftritt macht durchweg Laune. Demnächst hoffentlich wieder häufiger auf den Bühnen! Blitz the world!

 

BLITZBLITZBLITZBLITZ

 

Geht den Leuten jetzt doch die Puste aus? SCARBLADE müssen sich die Banger zumindest erst wieder vor die Bühne spielen. Nach einer Undergroundband, die hier fast jeder persönlich kennt, wirken die Schwed:innen auf den ersten Blick fast ZU professionell, wenn ihr versteht, was ich meine (designte Bühnenoutfits statt Straßenklamotten). Aber der Eindruck verfliegt schnell, SCARBLADE erweisen sich als überzeugende und sympathische Heavy Metal Band. Die Sängerin Aliki Kostopoulou stammt wohl ursprünglich aus Griechenland, zog nach Schweden, gründete dort SCARBLADE, die 2016 das Debut „The Cosmic Wrath“ (No Remorse Records) veröffentlichte. Mich erinnern SCARBLADE zum Teil an ACID mit einem Schuss RIOT und Kostopoulou könnte man stimmlich mit Leather Leone vergleichen. Erwähnenswert ist unbedingt auch der Orgler mit dem irren Blick. Der Auftritt gefällt mir mit jedem Song besser und am Ende haben SCARBLADE so ziemlich jede:n überzeugt.

 

SCARBLADESCARBLADESCARBLADE

 

Gar nicht auf der Reihe hatte ich INSTRUCTOR. Tatsächlich erzeugt die Rostocker Band dann aber mit den wildesten Pit des Festivals. Zwischen Thrash und melodischem Death Metal bewegt sich der Vierer, alles recht aggressiv gespielt. Manchmal geht mir persönlich das Ganze etwas zu sehr in Richtung Groove Metal, aber meist bekommen INSTRUCTOR die Kurve und peitschen wieder mit schnell geschredderten Riffs nach vorne. Die Leute flippen völlig aus, einige maulen sich derart heftig ab, dass man froh ist, wenn sie wieder aufstehen. Ein Plus ist der giftig wirkende Schreigesang, der mich an den jungen Jeff Walker erinnert. Die Band hat bis jetzt ein Album draußen, „Forest Of Confused Souls“ von 2022. Wieder eine coole Entdeckung der WISCHFEST-Crew!

 

INSTRUCTORINSTRUCTOR

 

Ich mochte bereits den MECHANIC-TYRANTS-Vorgänger TORPEDO, aber erst mit „Meanhattan“ und vor allem „St. Diemen Riots“ zeigte sich die Qualität der Nürnberger vollends. Was die Jungs auf dem WISCHFEST abziehen, ist die pure Speed-Metal-Hölle! Was für eine Energie! Mit Knallern wie „Murder At The Barricades“, „Above The Law” oder “Speed Metal Guerilla” geht es einfach nur nach vorne. Dazu kommt noch eine klare Haltung gegen Faschismus, die bei so vielen Bands heutzutage fehlt. Der Mob tobt mit Schaum vorm Mund und zum Glück steht hier weder eine Guillotine noch drückt sich ein Elon Musk auf dem Gelände herum, sonst wäre der revolutionäre Funke womöglich übergesprungen. „A spark cast to a fuse / Lights resistance’ flame up bright / The dark minds lust for vengeance – rage consumes their former light.” Bei diesem Auftritt stimmt aus meiner Sicht alles – der Sound ist super, das Licht kommt jetzt im Dunkeln endgültig zur Geltung und MECHANIC TYANTS feuern eine Granate nach der anderen ab. Halt, eines ist doch doof: Nun ist das Festival auch schon zu Ende und der Wischblues setzt ein.

 

MECHANIC TYRANTSMECHANIC TYRANTSMECHANIC TYRANTSMECHANIC TYRANTSMECHANIC TYRANTS

 

WISCHFEST 2027 – wir kommen wieder. Näxtes Review: HEADBANGERS OPEN AIR!

 

MECHANIC TYRANTS

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