SVALBARD, SETE, CALYSS / 08.05.2026 - Hamburg, MS Stubnitz
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Samstag, 27. Juni 2026 14:17
- Geschrieben von Doom Fränk
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Vor einiger Zeit noch gab es bei Meiers jedes Jahr das Kiel Explode Festival und das war so richtig geiler Scheiß. Rückblickend haben da 100te super Bands gespielt, auch wenn die ganze Chose nur 10-mal veranstaltet wurde. Ein absolutes Highlight und vermutlich die beste Band der ganzen Festivals - unter den sowieso besten Bands, die ja bereits vorher schon im Vorfeld für das Kiel Explode aus 1000den anderen ausgewählt wurden - kann nur Svalbard gewesen sein. Die Band hat dies dann auch durch unablässiges Veröffentlichen des jeweils besten Albums des Jahres unterstrichen. „La Paloma olé - einmal muss es vorbei sein“, sang so oder so ähnlich bereits Hans Albers und nahm etwas vorweg, das kommen musste. Bei Svalbard verhält es sich leider entsprechend – nach anderthalb Dekaden ist Ende. Schluss. Fini. Owari. Eine letzte Europa Tour zieht den Schlussstrich. Diese gleicht aber einen Triumphzug! Überall auf dem Kontinent wird „ausverkauft“ gemeldet – so auch heute von der MS Stubnitz. Also bloß rechtzeitig hin da!
Wenn ich mich richtig erinnere, eröffnet trotz unterschiedlicher Ankündigung Sete. Die Band kommt natürlich aus Berlin, woher auch sonst? Je nachdem, wie der Name ausgesprochen wird, bedeutet er im Italienischen Durst, im Portugiesischen die Zahl 7 und Vorzeltdach in der Sprache des B´haak`chu Stammes aus dem Tal der Medusen. Wir können hier nur rätseln, ich tippe aber auf das Portugiesische. Aber was nutzt ein geheimnisvoller Name, wenn die Musik nicht rockt?
Ex-Mitglieder von Jennifer Rostock und den ehemaligen Emo-Core Helden The Tidal Sleep haben sich hier versammelt und gehen im gehobenen Midtempo vor. Dies läuft wohl als Post-Hardcore durch und live passt das auch, da Sänger Nicolas sich auf die Bühne vorwiegend doch eher schreiend artikuliert. Auf Konserve – ich höre hier nebenbei ihr Album Adult Teenage Angst auf Bandcamp – klingt das doch etwas melodischer und ruhiger. Ich bevorzuge letztere Version, wobei das live doch etwas mehr Feuer hatte. Der Basser hatte einen unglaublichen Bewegungsdrang, lief die kleine Bühne ständig auf und ab und wirbelte mit seinem Instrument herum wie der plötzlich übergehende Baum eines Segelschiffes in einem tobenden Orkan vor der geheimnisvollen Insel Patzu-Pachu. Ich hab´ immer gedacht, hoffentlich trifft er damit nicht gleich den Kopf des Sängers…aber die sind wohl ein eingespieltes Team und nichts ist passiert.
Mit eigenwilligen Bandnamen geht es weiter. Calyss aus Hamburg bauen auf. Waren das noch wunderbare Zeiten, als immer ein „The“ im Bandnamen zu finden war… aber die sind vorbei. Gleich während des ersten Liedes gibt es eine Voll- bzw. eine Notbremsung! Eine Box - also eher ein Amp - funktioniert nicht und das geht so natürlich nicht. Zusätzlich zur Band ist auch die Technikabteilung der MS Stubnitz am Rätseln… irgendwas will da nicht. Das zieht sich ganz schön und mich beschleicht das ungute Gefühl, dass dafür Svalbard am Ende etwas von ihrer Spielzeit opfern müssen. Dem ist dann aber später doch nicht so und irgendwann geht´s mit Calyss auch los.
Natürlich gibt´s Schreigesang, bei dem ich wie üblich kein Wort verstehe – aber das ist wohl auch nicht gewollt und soll eher zum Kauf einer Platte oder CD samt Textblatt animieren. Erst so kann sich der geneigte Hörer mit der Musik und der Message auseinandersetzen. Nebenbei, bei Svalbard verstehe ich auch nicht alles und bei Cattle Decap auch nicht. Die Band aus Hamburg spielt ihren Post-Hardcore / Emo / Shoegaze schön atmosphärisch. Eher langsam, schwer und bedrohlich als schnell, nervös und ohne dieses „irgendwie-auf-dem-Sprung“ kommt es aus den Boxen. Dazu Schreie der Verzweiflung, die noch kurz vor dem Untergang das drohende, allesverschlingende Unheil abzuwenden versuchen. Aber das Scheitern ist vorbestimmt, das Ende nicht offen. Da hilft auch keine intensiv herüber gebrachte Bühnenshow. Meiner unwichtigen Meinung nach ist hier eine Band, die wirklich Potential hat, auch wenn das Alleinstellungsmerkmal noch nicht ganz herausgeschliffen ist – aber was weiß denn ich. Warten wir mal ab, was da noch kommt – ein Album ist (leider) noch nicht raus. Aber war gut!
Svalbard spielten auf dem Kiel Explode Festival laut einer kurzen Recherche 2016 und 2018. Beide Male waren sie meiner Erinnerung nach absolut großartig. 2018 zusammen mit Respire, Gold, The Tidal Sleep (s.o.), Myteri und Fredag de 13:e. Was für ein Line-Up aus heutiger Sicht!!! 2016 aber auch nicht schlecht mit Totem Skin, aus denen dann bekannterweise Dödsrit wurden und anderen Bands, die auch super waren. Außerdem habe ich Svalbard noch 1 oder 2 Mal in der roten Flora gesehen, da erinnere ich mich aber nicht mehr genau. Dort gab es ja leider nie Tickets, die man/frau ansonsten aufbewahrt hätte und jetzt prüfen könnte. Dazu noch im Yoko Club 2019 in Hamburg zusammen mit den Victims und als Highlight 2017 mit fuckin´ Oathbreaker im ausverkauften Underworld in London. Da waren an dem Abend 2 Bands, die sich abwechselnd die Alben des Jahres zugespielt haben. Die Rheia von Oathbreaker war ja auch ein Jahrtausendalbum – ähnlich Der Auferstehung von OHL. Eigentlich unerhört von den Belgiern, dieses einfach so mir-nichts-dir-nichts zu veröffentlichen. Und was dann? Dann lösten die sich einfach so auf!
Also kurzum, Svalbard haben mich doch einige Jahre begleitet und das hätte gut so weiter gehen können. Der Grund für die Auflösung sind wohl - laut einem Interview in der Metal Hammer, das ich nur vom Hörensagen kenne - künstlerische Differenzen. Dieses Magazin lese ich nebenbei nicht und gebe jederzeit der Familie mit Hund den Vorzug. Dazu bei der Band noch das Problem mit die Kohle – von der Musik leben können im E-Gitarren Bereich nur die wenigsten – und natürlich die Wacköööön Verunstalter. Da gibt es jetzt übrigens das amerikanische Bud statt lokalem Flens oder Dithmarscher. Naja, das große Geld ruft und sie folgen. Ist halt „kultig“.
Zurück auf´s Schiff. Nun stehen Svalbard da, wo gestern noch Blackwater Holylight standen (Bericht schon erschienen, folgt noch oder wird nie fertig….). Gehen wir gleich über zum Phrasen-Schwein. Die Band hat richtig Bock, sie ist perfekt eingespielt und alles kommt „tight“ rüber. Das sind dann wohl EUR 15,00 – aber alles stimmt. Liam, Geschrei und Gitarre links; Serena, Geschrei und Gitarre in der Mitte; Mark am Schlagzeug irgendwo dahinter und rechts Matt am Bass. Mit Disparity eröffnet gleich ein Kracher von der One Day All this will end, wobei die meisten Lieder heute Abend von dem aktuellen Album The Weight of the Mask stammen. Zwischen den Liedern wendet sich Serena immer wieder an das Publikum, bedankt sich für das Erscheinen und die gute Stimmung an Bord. Das Publikum reagiert entsprechend herzlich und irgendwie merkt man, dass dieser Abend kein gewöhnliches Konzert – nicht eines unter vielen – ist. Dazu erinnert sich Serena an die Auftritte in Hamburg und erwähnt ausdrücklich die Rote Flora, die sicherlich aus der Masse der bespielten Schuppen heraussticht und wie wundervoll diese Stadt doch eigentlich ist. Da könnte man jetzt einwerfen, dass alles in dieser immer dreckiger wird…aber lassen wir das. Die Band heute super sympathisch, aber das war sie ja wirklich ihre gesamte Laufbahn hindurch. Dazu kommt der mit perfektem, wechselndem Geschrei unterlegte teils sehr melodische Post-Hardcore und Post-Metal, der Einflüsse aus Screamo, Hardcore Punk, Crust, D-beat, Country und Black Metal enthält. Eigentlich ein Wunder, daraus etwas anzumischen – aber ihnen ist es gelungen.
Mit Grayscale gibt es dann genau eine Zugabe – aber nicht, weil es schon so spät ist, das war wohl überall so. Viele Fans haben Tränen in den Augen, andere weinen oben auf dem offenen Deck hemmungslos, wieder andere bestellen 0,2 Gläser mit Appelkorn und exen diesen wortlos ab. Ganz andere aber plündern ein letztes Mal den Mercher von Svalbard – ist dies nun das Ende einer der besten Bands der letzten Jahre? Ich sage: Nein!
Nach 7 Jahren, 3 Monaten und 30 Tagen sind mighty Oathbreaker ja auch triumphal zum Roadburn zurückgekehrt. Bei Svalbard wird es nicht anders sein, da gehe ich (fast) jede Wette ein. Es ist also vermutlich nur eine Trennung auf Zeit und das kann ja durchaus auch Vorteile haben.
Ich schaue noch mal schnell auf den Notizzettel, ob alles abschließend erledigt ist. Hm, entweder sollte ich wohl noch Klemmsen von Svalbard grüßen oder waren es Svalbard von Klemmsen? Ich grüße am besten beide von beiden, da mache ich nichts falsch. Bis demnächst Serena, Liam, Mark und Matt! Es war eine schöne Zeit mit euch!
