HARD ONS with JERRY A. from POISON IDEA, GUITAR WOLF, YARD BOMB / 02.06.2026 - Hamburg, Hafenklang
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Mittwoch, 17. Juni 2026 19:22
- Geschrieben von Doom Fränk
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Der heutige Tag bietet eine Fülle von Möglichkeiten! In Kiel spielen die Death-er Blood Incantation in die Pumpe! In Hannover füllen Iron Maiden ein Stadion sowie sich selbst die Portokasse auf und bei RTL sucht Schweine-Bauer Frau. Wir entscheiden uns aber für etwas ganz anderes: Im Hafenklang kündigt sich ein denkwürdiger Abend an. Nicht nur ist die australischste Band aller Zeiten als Headliner angekündigt – dazu ist auch noch mighty Jerry A. Lang von mighty Poison Idea an Bord und wird als mighty Sänger fungieren. Nebenbei ist der Eintritt von bummelig 27 Kröten hier auch der günstigste. Im Nachhinein aber ist der Preis hier eigentlich egal. Um mighty-as-else-only-mighty-Bolt-Thrower-can-be Jerry A. – oder die Poison Idea Reunion 2030 in Portland, OR zum 50-jährigen Jubiläum - live zu sehen, ist eigentlich jeder finanzielle Aufwand als „lebensnotwendig oder zumindest -verlängernd“ zu bewerten und zu verbuchen. Wir zögern also nicht lange, tanken die Karre auf und brausen…hin daaaaaaaaaa!
Vor dem Hafenklang hat sich schon viel von dem üblichen Gesocks versammelt. Die schönsten Menschen Hamburgs stehen da auch nicht rum, bei manchen ist der Lack doch schon etwas ab, aber das ist später drinnen nicht anders als jetzt draußen. Dort an die Tür beim Einlass werden gleich auch die Billetts kontrolliert. Ich denke, dieses macht durchaus Sinn – zumindest aus Sicht des Veranstalters, da er so überprüfen kann, wer bezahlt hat und wer nicht. Das macht die Lufthansa ja nicht anders. In dem Bums ist es schon voll, aber anfangs gibt es sogar noch Tickets an die Abendkasse. Ich vermute, später ist ausverkauft oder gaaaaanz knapp darunter, da es bald schon drückend voll und erdrückend heiß werden wird.
Yard Bomb vernebeln die Bühne wie sonst nur die Sisters. Da siehst nix mehr, dabei gehören die Jungs aus Wedel (SH) noch zu den Hübschesten am ganzen Abend. Ich vermute, hier kam ein Schnellnebelwurfkörper vom Typ DM55A oder DM35 zum Einsatz. „What the fuck is going on?“, denke ich da. Schneller Old School Hardcore, irgendwo in der Nähe von Agnostic Front oder sonstwo aus New York. Oder aus Amerika. Aber nicht die West-, eher die Ostküste. Da aber nicht Washington, DC. Kurze Songs bringen die Message auf den Punkt, Gelabert wird nicht und eine Diskussion ist hier fehl am Platz. Das Plenum hat heute leider geschlossen. Angeblich steht hier die beste Hardcore Bands Schleswig-Holsteins auf der Bühne – das kann durchaus sein! Wobei du da sicherlich auch noch locker Hamburg, Niedersachsen und Meck Pomm einbeziehen kannst. Der Pöbel vor die Bühne geht schon bei die erste Band gleich „amtlich“ mit und die Band verabschiedet sich glaube ich mit einem herzlichen „Fuck you!“. Wobei, das kann auch zu den Lyrics gehört haben und an ganz andere gerichtet gewesen sein… Yard Bomb war schon mal super, die Band war meine ich auch Support bei Poison Idea an gleichem Ort, an gleicher Stelle vor ein paar Jahren.
Jetzt wird ewig umgebaut. Ich fühle mich an meine Jugend erinnert. Da hat man dichtgedrängt im Docks gestanden und darauf geharrt, dass die hohen Herren sich endlich mal bequemen, dem Gesindel vor die Bühne das zu geben, wofür es damals vom knappen Taschengeld bezahlt hat. Mal ohne Witz, ich glaube, der Umbau jetzt dauert eine Stunde oder zwei. Immer noch mal wird rumgefummelt, rausgeholt und wieder reingesteckt. Das kennen manche ja auch noch aus ihre Jugend. Und ich habe den Disclaimer vergessen…naja…egal. Wer das hier liest, hat eh selber Schuld.
Irgendwann sind dann Guitar Wolf (ギターウルフ)auch ready. Ich hab die Band mal im Underworld in London als absolut nicht gleichwertigen Ersatz für Pist.On gesehen und war damals schon alles andere als begeistert. Heute ist die ganze Chose für mich aber ein völliger Totalausfall. Der Sänger schrubbt auf der Gitarre los, eine Melodie oder sonst irgendwas ist nicht zu erkennen, das Schlagzeug poltert dazu und der Bass ist auch noch irgendwie da. Ich finde es dilettantisch, aber nicht dilettantisch cool wie ne junge Punk Band aus Neumünster. Oder Kappeln. Dazu gibt es unverständliches Geschrei und ständiges, völlig überzogenes Gepose, was völlig daneben ist. Hier wird vielleicht ne Show gemacht, aber ein Konzert ist das nicht. Dazu kommt die Sprachbarriere. Ich war 3 mal im Land der aufgehenden Sonne und finde vieles an den Japanern ganz toll – aber deren Englisch Kenntnisse sind größtenteils katastrophal.
Auch heute Abend verstehen sich Publikum und Sänger irgendwie nicht. Dieser hält gefühlte 15 Minuten das Bild eines gemalten Quastenflossers empor und möchte von dem Publikum wissen, wie dieser Urzeitfisch heißt. Aber auf japanisch weiß es natürlich keiner und in deutsch oder englisch scheint es auch nicht die erhoffte Antwort zu sein. Es dauert ewig, bis diese Bespaßung zu Ende ist. KA, ob es Zufall ist oder abgesprochen, aber aus dem Publikum darf noch ein Fan im Guitar Wolf T-Shirt auf die Bühne und bekommt die Gitarre des weiterhin kreischenden Sängers umgehängt. Der „Fan“ spielt dann darauf weiter und das klingt jetzt nicht anders als vorher – das lasse ich jetzt mal so stehen. Außerdem macht dieser anschließend auf Anregung des Sängers auch noch 2 mal Crowd Surfing, wobei das Hafenklang dafür definitiv nicht der richtige Laden ist und es in diesem ja auch nicht ohne Grund sehr selten eine Circle Pit gibt.
Vermutlich wird dieses völlig Entgleisende von den „verrückten“ Japanern (im Ausland) erwartet – in Japan selbst ist es zum Glück anders. Hat mir überhaupt nicht gefallen, andere im Block fanden es bestimmt super. Eine Sonnenbrille auf der Bühne im Club darf – nebenbei - für mich auch nur einer tragen: Andrew Eldritch von den Sisters. Amen.
Abwärts und nicht vergessen, der Dunkelheit folgt stets das Licht, textete mal die Hamburger Punk Band Abwärts. Recht haben sie damit! Die überflüssigen Boxen werden wieder abgebaut und erheblich schneller als die „Band“ zuvor haben die mighty Hard-Ons ihre Instrumente aufgebaut. Natürlich ist schon Jubel da, als Peter "Blackie" Black (Gitarre), Ray „Ray“ Ahn (Bass) und Murray „Murruse“ Ruse (Schlagzeug) die Bühne betreten, aber dieser entlädt sich in einem Orkan, als auch noch Jerry A. Lang (ex-Poison Idea) erscheint. „Jerry! A! Jerry! A! Jerry! A!“, rufen die Fans. Die Hard-Ons hätten heute Abend allerdings auch mit Tine Wittler (Ex-Einsatz in 4 Wänden) am Mic in dem Schuppen hier auftreten können und es wäre trotzdem Stimmung bis unter´s Dach gewesen - aber mit Jerry A. explodiert sie förmlich.
Kurzer Einschub: Für mich sind Poison Idea wirklich die Kings of Punk! Keine andere Band war nihilistischer, fatalistischer und hat ihr Ding so eiskalt durchgezogen wie diese Band aus Portland, OR. Die – leider – vielen Toten aus ihrer eigenen Reihe künden bedauernswerterweise davon. Ich war mal in Portland und fragte mich vorher, wieviel Poison Idea Schmierereien da überall wohl an den Häuserwänden sind – da waren keine, aber zumindest eine von Portland´s own Hazel - mit Jody Bleyle (auch Team Dresch) - war da nahe der Amtrak Station. Einschub Ende.
Sofort legt die Band mit „Made to love you“ los. Irgendwie ist das alles, was jetzt kommt, gefühlt etwas härter gespielt als ohne Jerry, aber das ist gut so. Jerry ist super bei Laune und tauscht auch gerne geiles Gesülze mit dem durchdrehenden Publikum aus. Die Hard-Ons und Jerry A. „entschuldigen“ sich fast schon, nicht perfekt eingespielt zu sein, da sie vermutlich nicht wirklich eine Probe vorher hatten. Außer die Band hat gespielt und Jerry durch den Telefonhörer dazu gesungen. Außerdem kommt noch der Jetlag dazu, Hamburg ist die erste Station der Tour in Europa und die meisten derer auf die Bühne kommen gerade erst Australien bzw. Down under. Bei den Hard-Ons fliegen sogleich die T-Shirts, bei Jerry – der wieder etwas zugenommen hat – bleibt es an und hat ein cooles Loch am Rücken.
Gespielt werden neben vielen neuen Liedern, die erst zusammen mit Jerry A. entstanden sind, natürlich auch alte Kracher. Highlights sind aber zweifellos auch die Poison Idea Kracher, welche die Band in die tobende Masse rotzt. Es gibt also praktisch ein Poison Idea Konzert in einem Hard-Ons Konzert im Hafenklang in Altona in Hamburg. Am Fischmarkt. Neben Alan´s on Fire wird The Badge und natürlich der Überkracher Plastic Bomb von dem vermutlichen besten Hardcore-Punk Album aller Zeiten gespielt: Feel the Darkness! Mega, vor allem das letzte Lied als ultimative Zugabe. Die Fans drehen richtig ab, es bleibt kein Auge trocken, manche Lippen werden dicker, einige Nasen schiefer.
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Das man/frau das noch mal live hören darf – super! Allein wegen dem Lied Plastic Bomb schon war es richtig, sich heute Abend für dieses Konzert zu entscheiden. Ganz Hamburg rockt – auch die Hamburger Polizei!
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Aber natürlich auch die Hard-Ons absolut super und - wie für Australier typisch – alle mega sympathisch. Die neue Scheibe mit Jerry an den Vocals gibt es leider nach dem Konzert noch nicht „abzuernten“ - irgendwie hat das Presswerk wohl Probleme. Super Konzert, super Entscheidung hierher zu kommen.
