16 HORSEPOWER / 18.05.2026 – Hamburg, Fabrik
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Samstag, 06. Juni 2026 14:22
- Geschrieben von Doom Fränk
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Es gibt Bands, die in ihrer aktiven Zeit nur bedingt erfolgreich sind und sich irgendwann aus diversen Gründen auflösen. Manche davon versinken hernach in der Versenkung und werden bald auch vergessen. Andere aber wachsen mit jedem Jahr der Stille immer weiter und erreichen irgendwann einen Status, der nur als „legendär“ bezeichnet werden kann. Natürlich fällt dem geneigten Leser dieser Kauz-Metal und Gothic-Country Schmonzette mit teils erstaunlich guten Bildern in diesem Zusammenhang sofort die Band Cirith Ungol ein. Ein anderes Beispiel sind aber definitiv 16 Horsepower, die sich auch gerne mal Sixteen Horsepower oder 16 HP aber nie Sixteen HP schreiben. Nach 20 Jahren Pause gibt es die „große Europa-Reunion mit dem wiedervereinten Kerntrio, das zum ersten Mal seit dem 22. November 2005 ihre gefeierte Musik endlich wieder live präsentieren wird“. Das habe ich jetzt mal 1:1 übernommen. Wie kann es da nur heißen? Na? Na? Na? Genau! Sofort hin da!
Natürlich wird überall in Europa von den Clubs ausverkauft gemeldet. Die Fabrik in Altona tut sich im Vorwege damit noch relativ schwer, was einerseits an der recht hohen Kapazität von 1.200 Plätzen wie auch andererseits an dem durchaus fordernden Ticketpreis von bummelig EUR 50,00 liegen kann. Aber der Veranstalter lag damit wohl nichtsdestotrotz goldrichtig und am Ende meldet auch Hamburg, dass es keine Billets mehr an die Abendkasse gibt. Eine lange Schlange, die sich um den Block zieht, kündet von Weitem sichtbar allen Vorbeifahrenden von der Relevanz des heutigen Abends. Wir spielen, während auch wir auf Einlass warten, das beliebte Spiel: „Wer zuerst eine(n) unter 30 sieht, hat gewonnen und bekommt ein Getränk ausgegeben“. Es gibt nur Verlierer und dies ändert sich auch nicht, als wir die 30 auf 40 erhöhen. Dafür sind die Geschlechter - zumindest die beiden althergebrachten - in gleicher Zahl vertreten.
Beginn soll pünktlich um 20:00 Uhr sein. Das zieht sich dann aber doch gewaltig. Eine Vorband gibt es auch nicht. Heiß ist es auch und die Luft ist auch nicht gut. Ich quatsche da über die Sisters, die das Docks im November(?) bereits jetzt schon gefüllt haben, über Cattle Decap in Vancouver und vermutlich auch über 16 Horsepower.
Unter lautem Jubel betreten - Hay Foot, Straw Foot - David Eugene Edwards, Jean-Yves Tola, Pascal Humbert sowie Chuck „Chuckie“ French die Bühne. Jean-Yves verschwindet sogleich am Schlagzeug und den sehe ich auch den ganzen Abend nicht wieder. Vorne rechts aus der Sicht des Pöbels Pascal, der immer wieder zwischen E-Bass, Akkustik-Bass und Kontrabass wechseln wird – den letzteren bespielt er auch mit einem Bogen. Vorne links Chuck, den David Eugene von Wovenhand mitgebracht hat und der nun an wechselnden E-Gitarren zu sehen und zu hören ist. In der Mitte und stets sitzend dann Edwards, der nicht nur singt, sondern auch Gitarre, Banjo und Konzertina spielen wird.
Viel Kommunikation außer vielleicht mal ein „Danke“ wird es mit dem Publikum nicht geben, aber das Ganze ist ja auch ein Konzert und keine Podiumsdiskussion. Eröffnet wird I seen what I saw, bald danach schon Straw Foot und Splinters. Schnell sind zwei Dinge auch ohne Ansage klar! Das erste ist, dass heute praktisch ein Best of gespielt wird und das zweite ist, dass jede(r) auf dem eigenen Stehplatz verharrt und es weder Circle Pit, Crowd Surfing oder Wrecking geben wird. Aber ich glaube, das alles will auch keiner im Publikum.
Das ist alles super gespielt und Edwards benutzt wie seit jeher bei 16 HP seine natürliche Stimme. Zum Glück verzichtet er auf das verzerren dieser, was ja bei Wovenhand die Regel war. Ich muss zugeben, ich finde 16 Horsepower super, aber ich bin nicht so ein mega Fan wie manch andere(r), die/der schon Jahrzehnte auf diesen Auftritt bzw. die Reunion wartet. Alles aber bestens und vielleicht sogar besser als die letzten Wovenhand Shows. Einziger Kritikpunkt ist vielleicht, dass der Spanungsbogen etwas unglücklich gewählt ist. Auf einen reißerischen Song folgt dann wieder etwas ruhigeres – ich finde, die Flamme wird nie richtig befeuert und grundlos klein gehalten. Aber was weiß ich…und die Merch Preise sind auch jenseits von Gut und Böse…ich glaube 45 für ne Platte und 35 für ein einseitig bedrucktes T-shirt…das ist ne Ansage…ganz ohne Diggen (ex-Slime).
Natürlich freue ich mich über Black Soul Choir, welches für mich die ultimative Zugabe gewesen wäre, da ich es für ihr bestes Lied halte – aber bei der Menge guter Lieder verliert es sich irgendwo in der Mitte. Nach großem und nicht abbrechendem Jubel kommt am Ende die Band noch für eine Zugabe auf die Bühne. Es sind alle zufrieden! Auch ohne neue Lieder habe ich durch das Konzert erst wieder gemerkt, wie geil 16 Horsepower doch eigentlich waren/sind und die alten Sachen laufen nach Jahren der Pause wieder bei mir.
Jederzeit gerne wieder…wobei…muss ja weder in 20 Jahren noch in 6 Wochen sein…
