MOSH IM MAI XX: Zwanzig Jahre, zwei Tage / 24.04.2026 - Kiel, Räucherei, Tag 1

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Freitag, 24. April, 14 Uhr: der Einlass hat begonnen. Langsam aber sicher trudeln Metaller, Headbanger und Fistraiser in der Räucherei ein. Es gilt ein Jubiläum zu feiern: ZWANZIG (20!!!) Jahre MOSH IM MAI! Un – fuckin' - fassbar! Wenn man an die Anfangsjahre dieses Festivals zurückdenkt, hätte man nicht unbedingt damit rechnen können, dass das MiM solange Bestand hat. Aber die Crew um (mittlerweile) Schulzi, Börbel, Jazz und Roman und ihren unzähligen Helfer:innen haben eisenhart durchgezogen und gönnen sich und den treuen Metaller:innen dieses Jahr ein zweitägiges Festival vom Allerfeinsten! Und das wie üblich zu allerbesten Konditionen: bei zwanzig Bands (!!) Eintritt ab 10 Euro, wer mehr gibt, kriegt sogar nen Supporter – Patch. Auch mit ein Grund warum dieses Konzertereignis alljährlich so gut an – und wechkommt (bei Besucher:innen wie Musiker:innen) und bei den letzten Malen AUSVERKAUFT melden konnte. Hart-herzliche Glückwünsche von dieser Stelle! Schön, dass es Euch und Euer Festival gibt!

 

DISTANT SHADOW eröffnen am frühen Nachmittag den metallischen Reigen. Drei, noch junge Kerls aus Hamburg, bringen ihre Version von Metal zu Gehör. Ist 'ne Mischung aus old-school-Metal mit Nuancen der moderneren Spielweise. Letzteres ist grade beim Gesang auszumachen. Der hätte durchaus noch eine Schippe rauer sein können, denke ich. Aber der Nachwuchs darf und muss sich ausprobieren. Da ist noch Luft nach oben. Ma' guck'n, ob dieser Schatten noch undistanzierter wird. Mit dem Acid Bath – Shirt vom Basser sammelt man auf jeden Fall schonmal Plus- und Sympathiepunkte!

PRAYING ANGEL next to shine. Sind mir aber bisher noch nicht untergekommen, obwohl die Band aus Kiel kommt. Wobei sich das nach diesem Auftritt im positivsten Sinne erledigt hat. Nach ein, zwei Takten hat man sich reingehört und mit jedem Song klingt der Engel besser. Lange Songs mit tollen Gitarrenharmonien und -Solis. Auch wieder etwas moderner klingend. Metal Core ist drin, aber auch Death Metal. Wie erwähnt, der PRAYING ANGEL wird mit jeder Note irdischer und sympathischer. Grade auch, wenn man sich vehement gegen Faschismus einsetzt und das mit dem Knaller "Witch Hunt" grandios manifestiert! Guck ich mir gerne wieder an, zumal die langen Song auch erstmal "erhört" werden müssen. Überraschend gut!

Mit BLEEDING MACHINE (zum zweiten Mal beim MiM am Start) wird's dann deutlich und definitiv "Alte ROCK Schule"! Dabei ist bei BLEEDING MACHINE nix von alt zu spüren. Die Band um Kochi und Pierre von Tyson sowie Eric und Andi von Vladimir Harkonnen und ihre Hommage an den Hardrock klingt frisch und knackig. Habe BM noch nie so druckvoll erlebt wie heute, die Band rockt auf den Punkt und spielt super tight. Dazu dunstet das erste Mal ordentlich Nebel auf der Bühne! "Metal ist wichtig, aber ROCK ist auch wichtig!", sacht Frontmann Kochi. Recht hatter! Und BLEEDING MACHINE verteidigen den Rock. Mit ihrer Mischung aus motörhead, Kiss und Bier (welches dann folgerichtig von der Band an durstige Rocker verteilt wird!) überzeugen Bleeding Machine das MiM 2026! Da kriegste definitiv den "Midnight Flow"!

Eine Überraschung kommt oft unverhofft – und diese hier heißt UNDERCROFT! (jaaa, ich weiß ... ;-) Diese Band kommt aus CHILE, ist schon seit 1991 aktiv (nicht zu verwechseln mit der Hamburger Gruppe) und reißt mit ihrem Sound die Räucherei in Stücke – wer SO sympathisch rüberkommt kann nicht verlieren. Hier stimmt einfach alles: die Songs, der Groove, die Spielfreude, der Sound! UNDERCROFT sind alles andere als "unter". Bester Death Metal mit wumms und Ideen; oft brutal, durchaus auch melodiös. Richtig gut!Aktuelles Album: "The Killer Sword" – unbedingt anchecken! Absolutes Highlight!

Noch 'ne Band aus Hamburg: MESSTICATOR. Nochmal Death Metal. 'Ne Spur aggressiver und grunziger diesmal – vielleicht deswegen der thrashige Unterton der Gitarrenfraktion. Das aktuelle Album "Total Mastery" kommt durchweg gut an derzeit. Bei Songs wie "The Pitslayer" weißte, wat Sache is'! Stimme und Gitarrensound sitzen seeehr tief. Hat ein bisschen was vom Benediction – Groove. Die Growls wirken zum Ende hin etwas gleichförmig/ monoton. Aber die Riffs reißen das locker wieder raus. Das MiM liebt MESSTICATOR! Witzig: ein T-Shirt Motiv der Band: "Slaying Angel" – gleich ma' zusammen mit PRAYNG ANGEL auf Tour, die Herren?! Höre ich mir nochmal genauer an diese "Messis" ...

Die Kieler Thrash Metal – Urgesteine EXTINCT sieht man garnicht mal so oft, aber beim MiM kannste die Uhr pünktlich auf "Extinct" stellen und dann liefert die Band verläßlich ab. Heute sogar mit einem Record – Release – Gig. Da steht die neue Scheibe natürlich im Vordergrund und man merkt, dass die Jungs sich gut ins Zeug gelegt haben mit der neuen Platte. Das Ding nennt sich "In Conspiracies We Trust" und thrasht ultrascharf ohne Rücksicht auf Verluste. Geile, fixe Gitarrensoli garnieren die allgegenwärtigen fiesen Thrash – Riffs. MiM – Mitveranstalter Börbel gratuliert auf seine Weise zum neuen Album, indem er mal eben einen Song mitschmettert. Wird längstens Zeit für ne größere Tour! 

Nach all dem derben Geballer wird's mit PHANTOM SPELL jetzt deutlich melodiöser. Eine wilkommene Abwechslung und es ist generell sehr erfreulich, dass es PHANTOM SPELL (und auch Wytch Hazel – unter dem Motto"THE HEAVEN & SPELL TOUR" gerade gemeinsam unterwegs) auf dieses Festival geschafft haben. (beide Bands sind erst etwas später ins Billing gerutscht) Frontmann Kyle Mc Neill (siehe auch unbedingt SEVEN SISTERS!) "entschuldigt" sich auch gleich, dass PHANTOM SPELL die wohl softeste Bands des Tages sind. Zuviel der Bescheidenheit, denn die Musiker verzaubern die Hörerschaft in der Räucherei geradezu. Die langen, fließenden Songs mit ihren weichen Keyboard – Teppichen und wunderbaren Gitarrenharmonien entführen dich in die 80-er, als Marillion oder Pendragon Vorreiter des Prog – Rock waren. Magisch, einfach magisch! Nachzuhören in aller Ausführlichkeit auf dem famosen aktuellen Album "Heather & Heart"! Sehr schade, dass PHANTOM SPELL nur 40 min Zeit für ihre überlangen Songs haben. So bleibt es bei vier Songs - und der Hoffnung auf baldigst mehr davon. Sänger, Gitarrist und Hauptsongschreiber Kyle Mc Neill frönt seiner Liebe zum Fantasy - Genre überdies mit einem äußerst geschmackvollen Ursula K. Le Guin – T-Shirt. Wäre der erste Festivaltag nun beeendet – ich würde flugs nach Hause eilen, um ihre Erdsee – Chroniken zu lesen und dazu die beiden Phantom Spell – Scheiben auflegen ...

Appropos Lesen: im DREMU – Jahrespoll haben gerade zwei Musikerbiographien abgeräumt. Kreator's Mille und Sodom's Tom Angelripper legten letztes Jahr ihre Erinnerungen in Buchform vor. Was könnte wohl FRANK BLACKFIRE berichten und erzählen, würde er eine eigene Biographie schreiben? Wer kann schon von sich behaupten in zwei der renomiertesten Thrash Bands des Planeten zu spielen bzw. gespielt zu haben? Es ist wirklich erstaunlich: Blackfire hat soviele prägende Thrash Riffs erdacht und intoniert – unfasslich. Ich fühl mich in mein Kinderzimmer zurückversetzt, in dem ich vom Radio Songs von Kreator und Sodom aufgenommen habe ("Tendenz Hard bis Heavy" auf DT64) – hier die "Hits", die FRANK BLACKFIRE heute durch die Gasse haut: "Coma of Souls" / "Renewal", "People Of The Lie", Persecution Mania", "Agent Orange", "Tired and Red", "Sodomy and Lust", "Remember The Fallen" (mit Ansage gegen "Scheiß Krieg!), "Ausgebombt" und als Zugabe "Bombenhagel". Das wird verdammt schnell gezockt und Neu-Drummer Gerrit hat ordentlich zu tun – es ist sein 1. Gig mit der BLACKFIRE - Band heute!) zerhackt das Drumkit bombig dabei! Zu Beginn des Sets gibt es ein paar Songs von Blackfires Soloscheibe – die sind allerdings eher unspektakulär. Aber bei der Hitdichte später mag das nicht verwundern. Es hat schon was all' diese Riffs und diese Songs auf Schlag um die Ohren gehauen zu bekommen (bei Kreator-Shows vermisse ich schmerzlich "den alten Scheiß"), jedoch trübt der (für mich) dumpfe Sound die Wiederhörensfreude doch gewaltig. Mir fehlt eine gewisse Durchschlagskraft oder auch einfach nur eine zweite Gitarre. Das ist Gemecker ist jedoch auf hohem Niveau, denn die Chose mit mit Herzblut und unnachahmlichen Ruhrpottcharme dargeboten. Den Headbangern vor der Bühne gefällts. Da ist gut Alarm und Stimmung; nebst einem Salto Dive von der Bühne.

WYTCH HAZEL bringen schlußendlich im wahrsten Sinne die Erleuchtung. Zum einen leben die Bandmitglieder ihre Religiösität in Text und Musik aus ("Healing Power"); zum anderen laufen die Scheinwerfer in der Räuchrei auf Hochtouren, und sie leuchten so, dass ich mich glatt fühle wie den hohen Hallen einer Kathedrale. Außerdem "leuchten" die weißen Bühnenklamotten, dass es beinahe blendet. Das eine passt hier zum anderen wie das Amen in der Kirche. WYTCH HAZEL begeistern, ohne dabei groß auf die Kacke hauen zu müssen: diese (Nord-) Engländer (die, O-Ton, gerne über's Wetter jammern – dass müsste dem einen oder anderen doch bekannt vorkommen ... ;-) punkten mit Sympathie, launingen Ansagen, grinsenden Gesichtern und nicht zuletzt mit ihren famosen Songs! Twin – and Doublelead – Gitarrenharmonien, toller bis perfekter, mehrstimmiger Gesang, Melodien ohne Kitsch – WYTCH HAZEL verteidigen den Rock unfasslich gut! Bin seelig ("I'm Redeemed" - aber nicht bekehrt ;-)! Was ärgere ich mich im Nachhinein, dass ich das Boxset des aktuellen Albums "V -Lamentations" nicht am Merchstand abgreife, wo es deutlich günstiger angeboten wurde, als bei den üblichen Mailordern .... :-(

Damit endet ein großartiger erster Tag des MiM 2026! Dank an alle Beteiligten für Mosh, Bier und Hingabe!

Torsten 

PS: Bilder folgen ... 

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