FROST, PISSE & ELEND, THE WRACK AB’S / 30.04.2026 – Kiel, Fahrradkinokombinat
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Sonntag, 24. Mai 2026 20:45
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Ich war länger nicht im Fahrradkinokombinat und überhaupt länger nicht in der Alten Mu. Die letzte Gelegenheit ergab sich tatsächlich im schulischen Rahmen, denn in der Cocina werden Veranstaltungen für Schulklassen angeboten. Die Schüler:innen gehen erst in Begleitung und Beratung (Gemüse und Zutaten aus der Region kaufen und so) auf den Markt und kochen dann in Gruppen ein Gericht, welches später gemeinsam verzehrt wird. Gutes Konzept, was auch voll aufgeht und selbst vermeintlich bocklose Kids in Aktivität gebracht hat. Jo, und heute (fast) am selben Ort Black Metal und Punk, auch eine Aktion, die Leute zusammenbringt, geil!
Bilder von MJ.
Ich gestehe: Erst jetzt erschließt sich mir das ganzheitliche Konzept von FPE. Denn am Merch liegt das neue Album „Pisse“ endlich auch in Vinylform. Die Kassettenversion hab ich zwar schon länger, der Titel war mir aber trotz intensiven Hörens peinlicherweise entgangen. Auf „Frost“ folgt also der nächste Namensbestandteil! Ist das genial, da schlag ich vor Begeisterung doch glatt die Hände überm Kopf zusammen! Wer weiterdenkt, kann erahnen, wie der dritte Longplayer heißen wird. Aber was folgt danach? Oha, etwa die Auflösung? Umbenennung? Oder beginnt der Zirkel von Neuem, nur mit Synonymen? Geeignet wären sicher KÄLTE, KOT & KUMMER. Egal wie, ich ernte heute erst mal „Pisse“ ab.
Die Stimmung ist sehr angenehm, und das noch bevor ein Ton gespielt wird. Gekommen sind doch so einige Leute, von denen 95% einander kennen (vielleicht erkenne ich die restlichen 5% auch einfach nicht wieder, mein Personengedächtnis ist schlecht und manche Leute ändern ja auch mal ihre Frisur).
Ursprünglich war wohl eine weitere Black-Metal-Band geplant, die aber aus mir unbekannten Gründen ausfällt. Recht spontan haben THE WRACK AB’S die ca. achtstündige Reise angetreten. Respekt dafür! Und für den Namen, der ist ja mal echt gut! Die Koblenzer:innen rumpeln fröhlich los und schnell wird klar, dass Begriffe wie „Tightness“, „Zusammenspiel“ oder „Instrumentenbeherrschung“ fehl am Platz wären. Ich habe lange nicht mehr eine Punkband dieser Art gesehen, bei denen es wirklich so derart holpert, dass ein reines Chaos entsteht. Und irgendwie finde ich das geil. Es ist doch fast etwas unheimlich, wenn selbst blutjunge Bands beim ersten Gig eine perfekte „Show“ abziehen. Das darf ruhig erst mal rumpeln, schimmeln und bimmeln! Der Gitarrist guckt überrascht, wenn mal die richtigen Töne aus seiner Klampfe kommen, der Sänger weiß selten, ob er einsetzen soll oder ob er die Stelle vielleicht schon verpasst hat, der Schlagzeuger versucht, die schlingernde Karre auf Kurs zu halten und die Bassistin lacht sich permanent schlapp. Dabei gilt es festzuhalten: Saugeile Stimme, die in ihrer Niedertracht an SCHLEIM-KEIMs Otze erinnert! Und überhaupt blitzen wiederholt gute Ideen und Riffs auf. Wenn THE WRACK AB’S mal ‘ne Platte machen, werd ich reinhören. Ach ja, Bonuspunkt fürs RAPPELKISTE-Shirt!
„Die waren doch mal zu viert?“, wundert sich jemand hinter mir. Das stimmt zumindest in Bezug auf die Bühne, früher lärmten Feli (g, v) und Moritz (d) noch mit Daniel (v) und Daniel von RATS OF GOMORRAH (Extra-Live-Bass). Ähnlich wie bei DIVIDE/RATS ist die Besetzung nun also zum Duo geschrumpft. Nun klingt es immer komisch, wenn man sagt, dass es für den Gesamtsound „nichts ausmache“, weil man ja nicht die Leistung derjenigen schmälern möchte, die nicht mehr dabei sind. Aber Feli benutzt offenbar ein ähnliches System wie Daniel, also eine Kombination aus Gitarren- und Bassamps und sonstigen Pedalen/Effekten, klingt jedenfalls absolut brachial und lässt eben die nötigen Tiefen nicht vermissen. Growls und Screams liefert sie parallel – und mit Inbrunst. Ich empfinde den Black-Metal-Anteil als höher im Vergleich zu meinem letzten FPE-Konzert, das aber auch schon fast exakt vier Jahre her ist. Ein gewisser Crustpunk-Einschlag schwingt natürlich dennoch mit. Moritz blastet mit Genuss, schaltet phasenweise auch mal zwei Gänge herunter, wenn mächtige Midtempoparts das erfordern. Faszinierenderweise bleibt die Musik in ihrer Wirkung düster und böse, selbst wenn Feli die Zerre reduziert. So wie kalte Wut möglicherweise bedrohlicher ausfällt als heißer Hass. Beides ist angesichts der verarbeiteten Themen angebracht, die Bemerkung „der nächste Track besitzt wieder einen politischen Inhalt“ wäre wohl gar nicht nötig, weil es eher die Regel ist, dass FPE sich auskotzen über Faschismus, die Festung Europa oder reaktionäre Haltungen. Gut so!
Dat war wat!

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