MOSH IM MAI XX mit TRAITOR, ENDSEEKER, THE HIRSCH EFFEKT, DEIMOS‘ DAWN, TYRANEX, WARSENAL, GUTTURAL DISGORGE, FINAL CRY, INHERIT THE CURSE / 25.04.2026 – Kiel, Räucherei

3 Dislike0

Das MOSH IM MAI ist mittlerweile eine feste Größe im deutschen Metalkosmos geworden. Zum zwanzigjährigen Jubiläum gönnt sich die MIM-Crew eine zweitägige Sause mit einem Billing, das sich gewaschen hat. Da tummeln sich Legenden wie Frank Blackfire und Marc Grewe zwischen lokalen Haudegen und aufsteigenden Undergroundbands wie SEVEN SISTERS oder WYTCH HAZEL. Die Belohnung: Ausverkauft und das mit Recht! Ich kann selbst nur am Samstag anwesend sein, aber der Freitag wird von DreMu-Kollege Torsten abgedeckt. Wie die Überschrift schon andeutet, habe ich es leider nicht geschafft, alle elf Bands mitzunehmen, die Opener MOSHPIT MANIAX fielen dem festivalbedingten Ausschlafen zum Opfer, das Night Special von DEVILS BREAKFAST eher der Vernunft, denn neun Bands in Reihe fordern ihren Tribut. MOSH!

 

TRAITOR

Bilder von MJ.

 

Ich freue mich sehr darüber, dass wir zum zweiten Song bei den Bremer Knüppelköppen von INHERIT THE CURSE vor der Bühne stehen. Hier gibt’s Querverbindungen zu SARKAST und DEATH ATLAS und ihre Sängerin Stephanie Brettmann konnte ich schon mal live erleben, als sie als Gast eine coole GRAVE-Coverversion von „Soulless“ dargeboten hat. INHERIT THE CURSE überzeugen durch eine vehementen Mix aus Death Metal, Crust und Blackened Hardcore. Sie vermeiden die Deathcore-Falle, bauen immer wieder feine Gitarrenmelodien und überraschende Breaks ein. Bastbeats treiben die Chose nach vorn, Gitarre und Bass erzeugen einen Mahlstrom der Verwüstung und Stephie growlt, schreit und deibelt alles in Grund und Boden. Die Räucherei ist jetzt schon gut gefüllt, alle haben Bock, auch wenn das Wetter nicht ganz so mitspielt wie in einigen Vorjahren. Aber größtenteils weilt man ja eh drinnen vor der Bühne und will die Bands sehen. Ich ärgere mich später, dass ich das neue INHERIT-THE-CURSE-Album „All We Are Is Dust“ nicht sofort nach dem Gig abernte, denn als ich das abends tun will, ist die Band gerade weg. Aber man wird sich wiedersehen.  

 

INHERIT THR CURSEINHERIT THE CURSE

 

Huch, schon FINAL CRY! Nicht zuletzt wegen dieser Band weilen PLATTENKISTEN/CAUSE OF DEAF-Chef Christian Kind und Jens Hoffmann (wer?) heute in Kiel beim MIM, kennt Christian die Band doch seit Kindheitstagen. Die Anfänge von FINAL CRY gehen bis in die Achtziger zurück, eine Kieler Connection gibt es übrigens auch schon ewig, holten wir (=Bonehouse) doch Kais Band CIAS damals in die gute alte Hansa48. Kai war übrigens auch Mitbegründer des immer noch (online) erscheinenden ETERNITY-Zines, aber kommen wir langsam mal zum Auftritt an sich: Wer FINAL CRY schon mal live gesehen hat, weiß, dass sie einen mit ihrer überschäumenden Power geradezu überrollen. Man könnte ihren Stil wohl am besten mit Melodic Thrash Metal umschreiben. Teilweise wird die Grenze zum Heavy Metal überschritten, dann geht es auch mal in noch brachialere Death-Metal-Gewässer. Auf jeden Fall durchweg kraftvoll und mit Spielfreude vorgetragen, und Kai lässt es sich nicht nehmen, den Mob hemmungslos anzufeuern. Als totaler Hit erweist sich wieder „Walk With The Dead“ von der „Zombique“, aber auch alles, was sie von der „The Ever-Rest“ spielen. Im Übrigen ein Album, welches du, ja DU, sofort abernten solltest, fass du das noch nicht getan hast!    

 

FINAL CRYFINAL CRYFINAL CRY

 

Wenn man heutzutage von einer Band mit jungen Mitgliedern spricht, meint man meist Leute in ihren Zwanzigern. GUTTURAL DISGORGE sind noch mal deutlich jünger, ich schätze die Jungs auf so 17 bis 20. Wer aber nun denkt, dass hier eine unsichere Schülerband auf wackeligen Knien performt, irrt sich gewaltig. Die Dänen haben im Gegenteil offenbar schon eine Menge Spielerfahrung gesammelt und wirken völlig abgebrüht. Ich finde sie sogar schon fast etwas zu „cool“, aber trotzdem ist es faszinierend, dem Gehacke zuzusehen. Früher war es ja durchaus normal, dass Hardcore-, Punk- oder Metalbands aus noch sehr jungen Musikern zusammengesetzt waren, das hat sich alles um etwa zehn Jahre nach hinten verschoben, würde ich sagen. Brutaler Slam Death ist ihr Ding, aufgemischt von diversen Breaks und Sample-Effekten von Pop-Sängerinnen wie (vermutlich) Shakira. Was ich an dem Auftritt mag, ist die selbstverständliche Reaktion des Publikums. Keiner bringt blöde Sprüche, vielmehr geht der Mob mit der Zeit sogar richtig mit und lässt sich sogar zu Circle Pits animieren. Insgesamt sehr kurzweilig, auch wenn ich mir aus diesem Subgenre zu Hause keine Platte auflegen würde.

 

GUTTURAL DISGORGEGUTTURAL DISGORGEGUTTURAL DISGORGE     

 

WARSENAL sind meine größte Überraschung des Festivals! Ich will damit nicht sagen, dass sie die objektiv beste Band seien, aber alle folgenden Bands hat man bereits gesehen, z.T. mehrfach, insofern weiß man, was da kommen wird. Dieser herrlich räudige Speed/Thrash Metal ist genau mein Ding. Ich liebe bereits den Sound des kanadischen Trios. Der Gitarrist zimmert nämlich nicht alles zu, sondern lässt den Songs Luft zum Atmen. Bei den Soli entsteht so ein ganz spezieller Sound, der mich in Verbindung mit dem Überschall-Gebretter und den giftigen Vocals an WHIPLASH und zum Teil auch an RAZOR erinnert. Die Riffs killen ohne Ausnahme und insgesamt fährt die Combo durchweg einen hohen Adrenalinfaktor. Angesichts der Klasse dieser Band ist es wirklich verrückt, dass ich sie noch nicht kannte, zumal es bereits drei Alben gibt. Sänger/Gitarrist Matt haut zudem kultige Ansagen raus: „This next song ist a fast one! It’s called ‘Dying On Stage‘. These will be the best two minutes of your life!” WARSENAL behalte ich auf dem Schirm, die will ich unbedingt wieder sehen. Heute wird erst mal das Drittwerk „Endless Beginnings“ abgeerntet. Hammer!  

 

WARSENALWARSENAL

 

TYRANEX ballern einfach jedes Mal rein, bis die Fetzen fliegen! Wer kann sich dieser aggressiven Stimme widersetzen? Linnea Landstedt keift, wettert und schimpft, als hätte ihr jemand das letzte Bier geklaut. Ich bekomme da sofort gute Laune und will losmoschen. Vielen fällt heute übrigens auf, was für eine optische Ähnlichkeit Basser Martin Maskin Petersson mit dem Kieler Original Siggi Sick (R.I.P.!) hat. Im Überschall geht es durch Speed/Thrash-Geschosse wie „Unable To Tame“ (ganz genau!), „Megalomania“ oder „Reasons For The Slaughter“. Wie besessen prügeln die vier Schwed:innen die Songs herunter - die Duftmarken, die EXCITER oder DESTRUCTION hinterlassen haben, markieren sie ungeniert über. Fäuste hoch, mitgeschrien, die Speed Metal Hölle ist hier!

 

TYRANEXTYRANEXTYRANEX

 

Marc Grewe hat seit dem MORGOTH-Split einiges gerissen. Mit ASINHELL gab es 2023 eine überraschende Platte zusammen mit Michael Poulsen (VOLBEAT), bereits seit 2019 singt er bei DEIMOS‘ DAWN (wir berichteten vom 2024er Gig in Wacken) und dann gibt es noch mindestens drei weitere Bands und Projekte wie DESPAIR (!), INSIDIOUS DESEASE etc., von alten Combos wie POWER OF EXPRESSION gar nicht zu sprechen. Eine echte Legende, bei der ich gar nicht mehr zählen kann, auf wie vielen Shows ich dabei war. Heute gesellt sich ein weiteres Highlight dazu! DEIMOS‘ DAWN walzen einen mächtigen Sound in die Räucherei, dass deren olle Balken ächzen und stöhnen. Zwischen Thrash und Death Metal bewegt sich die Berliner Combo, wobei brutale Midtempoparts ebenso vertreten sind wie Geballer. Marcs Organ ist unnachahmlich geblieben und hat nichts an Ausdruck und Power verloren. Neben eigenem Material gibt’s auch eine MORGOTH-Nummer, nämlich eine vernichtend brutale Version des „Cursed“-Klassikers „Body Count“ von 1991. Total geil!

 

DEIMOS' DAWNDEIMOS' DAWNDEIMOS' DAWNDEIMOS' DAWN

 

Jetzt bin ich doch etwas gespannt, wie das MIM-Publikum auf THE HIRSCH EFFEKT reagiert! Schließlich fällt die Band mit ihrem progressiven Ansatz und einzigartigem Sound deutlich aus dem sonstigen Rahmen. Man darf wohl sagen, dass Börbel und Jazzy mit diesem Move alles richtig gemacht haben, denn extra für die Hirsche kommt ein ganzer Schubs neuer Leute in die Hütte. Dennoch spielt die Band heute nicht vor ihrem Stammpublikum, das ist auch klar. Sie bringt eine komplett eigene Lightshow samt FOH Mischer/Pult mit, was sich in einem grandiosem Klang und crazy Flackereffekten niederschlägt, der Sound ist transparent und knallhart. Wie mir Börbel später erzählt, sei Bassist Ilja nicht mit dabei, der sonst die Hälfte der Songs singe. Daher habe Nils Wittrock (g, v) ein komplett anderes Set zusammengestellt – sozusagen nur vom Härtesten extra fürs MOSH IM MAI. Zunächst gucken viele Besucher erst mal zu und lassen die Musik auf sich wirken, man merkt aber, dass die Stimmung von Song zu Song besser wird und schließlich die meisten begeistert sind. Ich steh ja sowieso auf die Band, mag den Gesang von Nils total und die harschen musikalischen Kontraste innerhalb der Songs. Frickelig, knüppelig, mit wunderschönen Melodien und traurig verworrenen Texten erzeugen THE wieder eine ganz eigene Stimmung.

 

THE HIRSCH EFFEKTTHE HIRSCH EFFEKTTHE HIRSCH EFFEKTTHE HIRSCH EFFEKT

 

Als ENDSEEKER spielen, weiß noch niemand, dass die Band nur kurze Zeit später verkündet, dass sie in naher Zukunft die Kneipe dichtmachen wird. Im Juni kommt eine finale EP und am 12.12.2026 die Farewell-Show im Knust (Tickets werden knapp). 12 Jahre sind zu lange, sang Rachut mal. Trotzdem find ich’s crazy und völlig überraschend. Aber natürlich lassen sich ENDSEEKER davon heute nichts anmerken und ziehen wie gewohnt mit ihrem schwedisch geprägten Death Metal vom Leder. Der Groove, die schmissigen Songs, die Eingängigkeit und der fette Sound verfehlen einfach nie ihre Wirkung. Die Stimmung war schon den ganzen Tag super und zieht jetzt noch mal an. Lenny röchelt und growlt aufs Herrlichste, wirft das Gesichtskarussell an und haut den einen oder anderen trockenen Spruch raus. Wer spürt da nicht förmlich, wie die Würmer um den Globus kriechen! ENDSEEKER haben das Ende gesucht, heraufbeschworen und nu isses da. Uarrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrgh!

 

ENDSEEKERENDSEEKERENDSEEKERENDSEEKERENDSEEKER

 

Zeit für TRAITOR, Zeit, das MOSH IM MAI-Publikum noch mal gnadenlos in den Schwitzkasten zu nehmen. Ich liebe ja singende Drummer, seit ich EXCITER zum ersten Mal auf der „Metal Heart“-Tour mit ACCEPT gesehen habe. Freaks wie Chris Reifert oder King Fowley haben diese Liebe noch befeuert und so ist es kein Wunder, dass TRAITOR bei mir offene Türen einrennen. Mittlerweile haben die Jungs einen ganzen Sack Hits vorzuweisen, aus dem sie auch heute hemmungslos schöpfen. „Knee-Deep In The Dead“ bekommt heute Nacht kein:e Besucher:in mehr aus dem Kopf, die Hymne „Total Thrash“ aktiviert erneut den Mosh Pit. Andreas Mozer gibt der Snare Saures, lässt die Bassdrum knattern und die Stimmbänder flattern, während Bassist Lorenz Kandolf zufrieden grinst. Es ist doch wirklich unglaublich, wie viel Spaß auch die neunte Band in Folge machen kann! TRAITOR haben alles rausgeholt aus dem nur vermeintlich müden Mob!

 

TRAITORTRAITORTRAITORTRAITOR

 

Danach ist für uns aber auch Schicht. DEVILS BREAKFAST haben wir neulich mit BULLET gesehen, war cool, jetzt geht’s aber erst mal barfuß zu Bett! Es war ein großartiges Festival - ONWARD TO MOSH IM MAI 2027!    

 

MOSH IM MAI 2026

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv