CATTLE DECAPITATION, BRUJERIA, NO CURE, BAYONET DISMEMBERMENT / 24.04.2026 - Vancouver, BC, Rickshaw Theatre
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Donnerstag, 14. Mai 2026 08:05
- Geschrieben von Doom Fränk
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Obwohl es viele Bands versucht haben, artikuliert niemand die wahre Apokalypse, vor der die Menschheit steht, so eindringlich und prägnant wie Cattle Decapitation. Das altehrwürdige Rickshaw Theatre in Downton Eastside Vancouver lädt heute Abend ein und präsentiert ein Billing, das es in sich hat. Freunde des brutalen Death Metal und des geilen Death Grind erwartet eine Vollbedienung. Natürlich ist ausverkauft! Hier versammeln sich die Jüngeren – Urban Primitives und andere Subkulturen, die keine Bespaßung, sondern die Vernichtung fordern. Zu meinem eigenen Bedauern kannte ich fuck-as-fuck-can-be Cattle Decap vorher leider nicht, aber mighty Brujeria war schon alleine der Grund, nur eins zu sagen: Hin da!
Bilder von Dr. Zorba.
So einfach ist das aber nicht. Das Rickshaw Theatre liegt in der Hastings Street in Eastside Downtown Vancouver und das ist tatsächlich Kanada ganz unten. Also am tiefsten, möglichen Punkt – also 1000 Mal schlimmer als bei uns das Frankfurter Bahnhofviertel. Von der U-Bahn Haltestelle geht’s vorbei an 100ten verwahrlosten Obdachlosen, die mir-nichts-dir-nichts ihr Fentanyl und/oder Crack konsumieren oder regungslos auf dem Bürgersteig zwischen all dem Müll und Abfall liegen. Andere reden geistesabwesend mit den beschmierten Häuserwänden oder hocken einfach nur da und starren auf die Gehwegplatten. Das ist gefühlt die Zombie Apokalypse. Da spricht einen zwar keiner an, aber unheimlich ist es trotzdem und irgendwie erwartet man doch, dass einer von diesen zu neuem Leben erwacht, plötzlich auf einen zu sprintet und dann…ich weiß nicht….beißt? Das, was gleich drinnen gepredigt wird, ist hier draußen bereits Realität. Heute in den USA wie in LA und Philly oder wie hier in Vancouver, BC – so wird es in 10 Jahren auch bei uns sein. Währet den Anfängen klingt blöd, aber da mag was dran sein. Denke, da erübrigt sich bei diesem Konzertbericht jeder weitere Disclaimer…also gleich rein in das Gelümmel!
Das Rickshaw Theatre war mal ein ehemaliges Kino und hat einen ähnlichen Aufbau wie die Markthalle, so dass die Sicht auf die Bühne von überall super ist. Die Kapazität liegt wohl bei 600, wobei auch Angaben bis zu 1000 zu finden sind.
Bayonet Dismemberment legen in dem Moment los, als ich den völlig überfüllten Saal betrete. Die mit 2 E-Gitarren bewaffnete Band um den charismatischen Grunzer Landon Furoy spielen Brutal Death! Und kommen aus Vancouver, BC! Was soll ich dazu schreiben? Für mich klingt Death immer gleich, außer er ist von mighty Bolt Thrower oder es sind die ersten 2-3 Alben der Band Death. Hinten wird geknüppelt, vorne wird geschrubbt und der Sänger grunzt – das aber hier durchaus verständlich, was die ganze Chose dann doch aufwertet. Dazu wird hier nicht auf Überlichtgeschwindigkeit operiert, was es für mich auch angenehmer macht. Der Aufforderung, eine Circle Pit zu starten, wird immer gerne nachgekommen und diese ist auch der Grund dafür, dass sich das Publikum bereits am Eingang staut. Vor der Bühne in der Mitte des Mobs ist eine kreisrunde, freie Fläche, auf der je nach Lust und Laune gecirclet und gepittet wird – Violant Dancing inklusive. Der Platz fehlt halt woanders, aber das sorgt für Stimmung.
„The next Song is called: Skull crushed by a Tank“, sagt Landon an – und das Publikum lacht. Ich finde das als ehemaliger Soldat nicht wirklich witzig, sondern eher niveaulos(!), aber was weiß ich schon von Brutal Death und mein Niveau ist ja auch unterste Schublade. Die Lyrics stellen sicherlich klar, dass hier etwas Abscheuliches passiert. Nichtsdestotrotz geht das Publikum ab und der Death Metal aus den Boxen würde selbst Commander Herb von der ehemaligen Chaos Brigade begeistern. Denke ich zumindest…
Vorne wird umgebaut, ich zwänge mich durch zu dem Brujeria Mercher. Da gibt es heute Schals!!! 50 CAD…geteilt durch 1,6…immer noch ein „amtlicher“ Preis…egal…wir sind im Urlaub…und das Cap von ihnen in Hamburg hat auch 40 EUR gekostet…vermutlich laufen ihre Drogendeals momentan nicht mehr so pralle…
Bereits mit ihrem Namen sagt die nun lärmende Band, dass es keine Hoffnung gibt. No Cure next! Die Jungs und die Dame sind eine Straight-Edge-Hardcore-/Death-Metal-Band aus Birmingham, Alabama, die sich selbst als "World's Most Evil Straight Edge Band" bezeichnet. Jetzt gibt es eine Mischung aus hartem(!) Hardcore und tiefen Growls. Trotz gefühlten 72 Grad Celsius bleibt die Daunenjacke beim Sänger aber an. Hinten wird geknüppelt, vorne wird geschrubbt und der Sänger grunzt oder nutzt Hardcore Shouts. Immer wieder brechen die Death Metal Anteile heraus aus dem ansonsten brachialem Hardcore Sound. Musik für Verliebte ist das nicht; irgendwie habe ich das Gefühl, die Band ist ganz schön angepisst von der vorherrschenden Gesamtsituation. Bei dem durchaus jüngeren und mit hohem weiblichen Anteil versehenen Publikum kommt es super an, wobei die Circle Pits bei der Bajonett Zerstückelung doch etwas intensiver waren.
Das spanische Intro kündigt es bereits an! Habla Espanol O Muere! Brujeria sind aus der Heilanstalt für Geisteskranke entkommen und überziehen das Land erneut mit Chaos und Verwüstung! Sofort wird mit Hochgeschwindigkeit losgebrettert und das 2 Spuren härter als letztes Jahr in Hamburg. El Sangrón ist immer noch am Micro, El Criminal an der Gitarre und Zangano am Bass. Hinter den 3, da wo der abgeschlagene Kopf präsentiert wird, wird geknüppelt. Das kann El Sativo sein – die Bandmitglieder sind ja alles gesuchte Schwerverbrecher und treten daher vermummt auf.
Das Publikum fordert sofort die Hereinnahme von Machete, aber die wird vorerst noch nicht gezogen. Im Gegensatz zu Hamburg erfolgt die Kommunikation mit dem Publikum in Englisch – bei uns war es noch Spanisch. Egal, El Sangrón (übersetzt in etwa: Der Unsympath) hat wohl zwischendurch einen Sprachkurs belegt. Geilster Grind brettert derweil aus den Boxen und die Mexicaner ziehen ein volles Set durch. Das Publikum dreht jetzt bereits richtig ab! „Viva Zapata“, „Viva Pancho Villa“, „Viva Machete“ und „Viva Chipotle“ Rufe erschallen in den Pausen zwischen den Liedern, die zu einem Großteil von der Raza odiada und der Matando güeros stammen. Die Fans wollen den alten Death Grind und bekommen ihn. Natürlich wird noch Pinche Peach gedacht und schlussendlich die Machete blank gezogen. Eine Aufforderung, mal nen Circle Pit zu starten, braucht hier keiner mehr machen. Funken sprühen und der geile Death Grind aus den Boxen befeuert das Chaos vor der Bühne von selbst. Statt ständig „thanks“ oder „sorry“ zu sagen, brüllen die ansonsten so netten Kanadier nun „Die, you Motherf*cker, die!!!“ Wie soll das noch gesteigert werden?!?
„Viva Zapata“, „Viva Pancho Villa“, „Viva Machete“, „Viva Chipotle“, „Viva Brujeria“!!!
Ein Lied von Cattle Decapitation (übersetzt in etwa: Rind(vieh) Enthauptung) kannte ich vor dem Konzert nicht – inzwischen bin ich stolzer Besitzer mehrerer Alben und laut eigener Aussage ihr größter Fan – und das seit natürlich mehreren Jahren!
Unfassbar sauber gespielter Death Grind bringt das Rickshaw Theatre zum Überkochen und alle – von vorne bis hinten – zum Durchdrehen. Das faszinierende ist hier die Abwechslung in der Musik von Cattle Decap – es wird nicht stumpf und stur nach vorne gebrettert – immer wieder wird die Geschwindigkeit variiert und von rasend schnell und alles niederwalzend bis schleppend langsam gelärmt. Dazu artikuliert Sänger Travis Ryan die den Menschen den Untergang aufzeigenden Lyrics in jeder möglichen Stimmlage. Mal fauchend, mal grunzend, mal in epochalem Klargesang. Mich erinnert das in der Vielfältigkeit an das Bloody Kisses Album von Typ O Negative – nur ungefähr 100.000 Mal härter.
Das Publikum sieht es ähnlich! Neben der durchgehend tobenden Pit fliegen die Crowdsurfer über das Publikum hinweg und versinken an anderer Stelle wieder in diesem. Hier ist wirklich eine Stimmung, die so selten zu erleben ist. Dazu perfekter Sound und eine apokalyptische Beleuchtung, die den Wahnsinn nur um so deutlicher fokussiert. Hier ist nichts verrentet, abgestanden, gediegen und 80 Jahre alt – hier wird die Apokalypse gepredigt derweil sie direkt vor den Toren des Clubs ge-un-lebt wird. Die Menschheit ist gescheitert, hier ist der Lärm dazu.
Dieser stammt einzig von den Alben Terrasite, Death Atlas und Monolith of Inhumanity – ältere Alben werden nicht berücksichtigt. Leider wird „Just another Body“ nicht gespielt, aber das hat auch so schon locker gereicht. Death Metal/Grind in absoluter Perfektion – an den Junkies und den Kaputten vorbei geht´s zurück ins Hotel. Eine Zukunft gibt es für uns alle nicht. Dieser Planet ist von Parasiten befallen – den Menschen.
