BURNING WITCHES, THUNDEROR, TROLLWAR / 22.04.2026 - Québec City, QC, La Source de la Martinière
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Montag, 11. Mai 2026 14:15
- Geschrieben von Doom Fränk
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Ryan Patterson, der hier bereits in ein oder zwei Konzertberichten (je nachdem, in welcher Reihenfolge veröffentlicht wird/wurde) Erwähnung fand, sagte entweder in Ottawa oder Montréal, wie dankbar die Band dem örtlichen Club ist. Dieser wäre für die Bands und auch die Fans da und hätte nicht nur Interesse daran, Bier zu verkaufen. In einer dieser angesprochenen Absteigen bin ich glaube ich heute Abend gelandet. „An der Theke nur Cash und Garderobe kostet extra!", höre ich am Eingang als erstes bei der ansonsten sehr freundlichen Begrüßung. Aber alles halb so schlimm, der Bums ist aber mal so richtig geil abgeranzt. Wirklich jeder Quadratzentimeter an allen Wänden ist voller Bierwerbung und soll zum Saufen animieren! Pabst Blue Ribbon hier, Bud Light dort, dazu mighty Moosehead aus New Brunswick, Molson aus Montréal...hier gibt es alles im 1,5 Liter Pitcher. Dazu heute vor Ort: von den Fans getragene Wackööööön T-Shirts, Sodom und Kreator Patches sowie diverse Fanartikel der Hamburger Band Helloween. Im Metal 🤘 sind wir international scheinbar noch konkurrenzfähig - bei der Autoindustrie, dem Maschinenbau oder der Chemie verlieren wir leider so langsam den Anschluss...Aber das ist heute egal, das Billing ist super, also hieß es zuvor einfach nur: Hin da!
Bilder: Dr. Zorba.
Heute Abend steht nämlich der Metal 🤘 auf dem Programm! 3 Bands und ich nehme gleich vorweg, dass alle 3 so richtig "amtlich" abliefern werden. Heißa juhe! Zuerst werden aber kurz die Mercher abgecheckt: Die kanadischen Bands liegen bei 10 CAD pro CD, die Witches bei 40. Umrechnungskurs liegt bei 1,6 CAD zum Euro. Now do the math! Bei den Platten verhält es sich ähnlich, aber ich vermute, das sind auch Vorgaben vom Label im Spiel. Gebrauchte Drum Sticks der Witches mit Autogramm(en) 45 CAD - da tut mir jetzt Al Schwitz von MDC (Million Dead Cops) richtig leid, dem der Plattenboss und ich in der alten Bude mal jeweils einen dieser für lau aus dem Kreuz geleiert haben...Al ist aber auch ein richtig netter Typ und wir haben beide ja auch sein Buch gekauft. Der saß nebenbei mal in San Quentin ein, war auf Meth, Obdachlos und es geht ja gar nicht um ihn heute, also jetzt schnell rein in das Gelümmel!
Zurück zur Bühne. Finstere Gestalten machen sich da bereits breit! TrollWar aus Québec haben sich passend zum musikalischen Konzept auch eine super optische Umsetzung für die Lieder überlegt. Kapuzen, fette Ledergürtel, Bärte und bemalte Gesichter zieren die Band und als Highlight trägt der Sänger die gezogenen Weisheitszähne der werten Schwiegermama als Kette um den Hals. Ich befürchte zuerst, das ist gleich gar nicht meine Welt und dann auf einmal...brettert die Band los wie...in einem Troll Krieg!!! Aber nicht diese kleinen Trolle mit diesen schrecklich grellen, langen Haaren - nein, hier sind es Kampf- oder besser Kriegstrolle, die sich versammelt haben. Das Schlagzeug eher dumpf gespielt, gibt die Marschrichtung vor und dazu sind es zwei E-Gitarren, die den Klang vorgeben. Einen Basser hat die Trollhorde heute Abend nicht dabei, aber er wird auch keine Sekunde vermisst. Zu druckvoll, zu massiv ist der Marsch der Trolle aber auch so.
Ein Highlight muss Sänger Patrice Chauvette sein! Mal mit, mal ohne Kapuze flucht, zetert oder kreischt er die finsteren Lyrics dem Publikum entgegen und hier nur von einer packenden, mitreißenden Performance zu sprechen, wäre einfach nur eine maßlose Untertreibung. Alles, was gerade nicht live umgesetzt wird, kommt von Band, aber das ist ok so. Fette, hymnische Chöre(!), Gefiedel, mehrstimmiger Troll- oder auch einzelner Klargesang setzen dem Ganzen die rostige Krone auf. Anschließend geht´s gleich wieder stillecht unter rasendem Geprügel nach vorne! Auf in den TrollKrieg! Herrlich! Auch wenn die Band aus Kanada stammt, herrscht hier ein norwegischer oder finnischer Vibe vor, der nur schwärzester Pagan-Troll Metal sein kann. Sie selbst nennen es Blackened Melodic Folk Metal und sofort kommen bei der Show Erinnerungen an die großartigen mighty, mighty Skyclad(!!!) auf. Eine Sekunde nach dem Auftritt geht's bereits ab zum Mercher und alle 3 vorhandenen CDs werden „abgeerntet“. Das war ja nun wirklich mal ein Volltreffer!!! Ähnlich wie zuvor Ultra Love schlummert hier im Untergrund Gewaltiges! Auf dem Wackööööön würde diese Band eine Stage nach der anderen zum Einsturz bringen! Ein Auftritt genau auf diesem Open Air wird hier von dem schon recht bierseligen Publikum lautstark gefordert.
All hail the TrollWar!
Umbau now. Ich denke, ich werd' bekloppt. Was sehen meine trüben Augen da? Eine Lichtgestalt! Das erkenne ich sofort! Der Gitarrero da rechts auf die Bühne muss...nein... er wird ein Gitarrengott sein! Das Auftreten weist den Weg! Oldschool, blue Denim! Dazu weiße, halbhohe Stiefel und die lange, leicht gelockte Matte! Jetzt greift er zur goldenen Gitarre und rasiermesserscharfe Töne entlockt er dem 6-Saiter. Sofort weiß jeder, mighty Thunderor aus Toronto lassen dem Blitz nun auch den Donner folgen.
Der Gitarrengott ist sofort in seinem Element! Er springt, er kickt, er wirbelt, lässt sich vor und zurück fallen - er spielt auf die Gitarre, aber mit dem Publikum. Hier steht einer vor uns, vor dem selbst ein Ted Nugent oder ein Eddie van Halen alt aussieht - der Gitarrengott hat die Kraft und Energie von 2 Wolf Hofmännern und die 3fache Spielfreude. Ich wollte es dabei belassen, den Gitarrengott als einfach diesen - als solchen - akzeptieren, aber die Neugier überkam mich dann doch. Nicht namenlos ist er, sondern der Herr des Tremolos dürfte allen Lesern dieser Online Metal 🤘 und Konzert Bibel ein Begriff sein : Jonny Nesta aka Johnny Exciter aka Johnny Redekop aka Go, Johnny, go, go, go! aka Adrammalech... steht vor uns! Den kennt ja aber jetzt nun wirklich mal jeder! Skullfist? Enforcer? Metalian? Geimhre? Mäniac? He was there, he did it! Aber auch der Basser - Brycen Gunn aus Nova Scotia -, stoisch und in sich selbst gekehrt, ist super. Black Moor und Vicious sind seine Leviten, nein…Meriten!
Der herrlich überzogene Kreischgesang stammt aber von einem anderen: der Schlagzeuger und Sänger ist kein geringer als JJ Tartaglia! Woher kennen wir den bereits? Na klar! Of Hatred Spawn, Skull Fist, Final Trigger, Operus und Zeroscape! Hier steht nun wirklich ein Best-of des kanadischen Metals auf die Bühne. Und die liefern dazu auch noch „amtlich“ ab.
Schnellgespielter Heavy Metal mit leichtem Hardrock Einschlag! Mich erinnert die ganze Chose an alte Accept, damals noch mit Udo - aber dank dem Gitarrengott(!!!) mit der Stärke von 2 Hofmännern!! Fast as a Shark! London Leather Boys!! Solinger Stahl!!! Knallender Metal mit ganz leichtem Hardrock Einschlag! Dirkschneider! Super!
Eine Sekunde nach dem Auftritt geht's bereits ab zum Mercher und alle 2 vorhandenen CDs werden „abgeerntet“. Das war ja nun wirklich mal wieder ein Volltreffer!!! Ähnlich wie zuvor Ultra Love und TrollWar schlummert hier im Untergrund Gewaltiges! Auf dem Wackööööön würde diese Band eine Stage nach der anderen zum Einsturz bringen! Ein Auftritt genau auf diesem Open Air wird hier von dem schon stark alkoholisierten Publikum mehr als lautstark gefordert.
All hail the Thunderor! He was born to ride!
War´s das jetzt? Neee….abgeheizt ist hier noch lange nicht, die fetten Chöre werden heute Abend nicht rationiert, nach Hause will keiner!
Die Burning Witches kehren unter lauten „Witches, Witches!“ und vereinzelten „Wackööön“ Rufen auf die Bühne ein. Ausverkauft ist nicht, ich schätze mal, dass die Kaschemme zu maximal 2/3 gefüllt ist. Das Publikum ist wie bei dieser Art Musik üblich eher etwas älter und Besucher unter 30 oder sogar 40 sind nicht oder kaum auszumachen – das ist auf der anderen Seite des Atlantiks nicht anders als bei uns. Nichtsdestotrotz ist die von 2 super Vorbands ordentlich angeheizte Stimmung explosiv!
Ist eh mal wieder zu lang, ab Zeile 65 liest laut einer Umfrage keiner mehr, daher fasse ich mich kurz! Ich kannte die Band vorher nicht, aber der Auftritt ist wirklich gut. Die „neue“ Sängerin Laura Guldemond ist sympathisch, prima bei Stimme und weiß das Publikum zu unterhalten. Außerdem bestellt sie vermutlich ihre Bühnenoutfits beim gleichen Versand wie Doro Pesch. Würde sie mighty Bolt Thrower kennen, dann wüsste sie auch: It´s the Riff, Stupid! Aber vermutlich ist das nicht ihre Musikrichtung und das ist ja auch nicht schlimm. So langsam beschleicht mich allerdings der Verdacht, dass Bolt Thrower womöglich doch eine eigene Sichtweise haben, die sehr viele nicht mit ihnen teilen. Die Band wollte ja auch nie auf dem Wacköööön spielen, da sie der Meinung waren, dort nicht hinzupassen. Zumindest damit hatten sie uneingeschränkt Recht.
„He-He-He!“ erklingt es wieder und wieder und die Fäuste fliegen hoch wie sonst nur die Raketen an Silvester. Die Hexen und deren Jäger gehen ab, als wäre heute der große Sabbat. Die Interaktion mit dem Publikum und dessen Einbeziehung kennen wir schon von Doro Pesch und die Witches stehen dem nicht nach. Das ist das, was das Publikum hier verlangt und es wird geliefert. Vermutlich gehört diese Bespaßung inzwischen irgendwie zu dieser Metal Richtung und ersetzt das ehemals Wilde, das Rebellische. Weiterhin entfällt die Aufforderung, doch mal eine Circle Pit zu probieren oder vielleicht Aufstellung für eine Wall of Death zu nehmen – hier passt es einfach nicht und das Publikum würde es auch nicht wollen – ich auch nicht. Auch das Crowd Surfing oder Stage Diving findet nicht statt – aber beides stelle ich mir bei der Vielzahl der hochgestreckten Fäuste als eher ungemütlich vor. „He-He-He!“
Musikalisch kannst nichts daran aussetzen, auch wenn dem Bewegungsdrang der Sängerin der Rest der Witches nicht unbedingt folgt – hier wird eher konzentriert und relativ statisch zu Werke gegangen. Der Gitarrengott hat da zuvor eine ganz andere Show geboten! Musikalische Highlights gibt es viele und eingängig ist es auch, aber ich kenne die Lieder einfach nicht, daher kann ich leider nicht sagen, was genau gespielt wurde. Es scheinen aber die Hits zu sein, die das Publikum auch verlangt. „He-He-He!“
„Ihr seid das bisher beste Publikum dieser Tour, Montréal“, verkündet die Sängerin vor die Zugabe und alle im verdutzt dreinblickenden Publikum sind glücklich und zufrieden – der Inhaber von dem Bums sicherlich auch, denn der Bierverkauf war heute Abend ohne Zweifel reichlich. Bei der Qualität der Vorbands und der Hauptband ist der Eintritt von bummelig 25 Euro als „günstig“ zu bewerten. Der Bus zurück ins Hotel wird anschließend verpasst, da ich mich beim Circle K – so einer Art 7-Eleven – festquatsche, aber was soll´s.
Klasse Abend!
Don't burn the witch
The ways of Hell aren't wrong
Don't burn the witch
Let them brew their song
(VENOM!!!)
