HEAVYSAURUS / 14.03.2026 – Kiel, Pumpe
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Mittwoch, 01. April 2026 15:06
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Heavy Metal für Kinder – eine Idee, für die man in den 80ern bestenfalls ausgelacht worden wäre. Aber das war eine andere Zeit, in der Bands wie AC/DC oder MOTÖRHEAD noch verachtet und hauptsächlich von rebellischen Teenagern gehört wurden. Dass Rock und Heavy Metal eine derartige gesellschaftliche Akzeptanz erreichen, dass auf die Konzerte großer Bands Fans mehrerer Generationen kommen, finde ich selbst erstaunlich. Seit Jahren boomt nun bereits das Geschäft, T-Shirts und Merchandise aller Art zu verkaufen, das auf Kinder ausgerichtet ist. Bzw. auf Eltern, die es gut finden, wenn ihre Lütten ein T-Shirt mit der ollen Chefwarze tragen. Nun, ich selbst habe keine Kinder und kann/will das nicht verurteilen. Vielleicht ist das besser, als Kinderzimmer in Blau oder Rosa je nach Geschlecht auszurichten. Dann lieber alles schön Schwarz und Poster von Rockstars an die Wände… Ob die Eltern dabei hoffen, dass sich ihr Geschmack dann später auf ihren Nachwuchs überträgt? Und ob das so funktioniert?
Einen anderen Ansatz verfolgen HEAVYSAURUS: „HEAVYSAURUS beweisen, dass echter Headbanger-Spaß kein Alter kennt. Ihre Musik ist laut, lebendig und liebevoll gemacht, mit Gitarrenriffs, Double-Bass-Drums, Melodien zum Mitsingen und Texten, die kleine Metalheads begeistern.“ (Bandinfo)
Wir fanden es in Wacken unterhaltsam und sind nun gespannt, ob dieses Konzept auch in einer Konzerthalle aufgeht. Ich war im Vorfeld gespannt, wie das Publikum aussieht und auf die Show reagiert.
Bilder von MJ.
Klar ist: HEAVYSAURUS sind extrem erfolgreich. Heute spielen sie nicht nur zwei ausverkaufte Shows nacheinander in der Kieler Pumpe, eine andere Besetzung spielt zeitgleich in Süddeutschland. Die Band ist also bereits derart populär, dass sie mehrere Besetzungen zur selben Zeit hinter den gleichen Masken touren lassen kann. Auch wieder so eine Frage, ob man das geil findet oder ob das Ganze nicht der Maxime einer kompletten Kommerzialisierung folgt. Die Vorstellung, dass jetzt gerade in einer anderen Stadt dieselben Ansagen etc. gemacht werden, entspricht jedenfalls nicht der romantischen Vorstellung von fünf Freund:innen, die sich gemeinsam den Arsch abtouren. Immerhin spenden HEAVYSAURUS von jedem verkauften Ticket einen Euro an die „Arche“ (Org. für benachteiligte Kinder).
Davon ab: Die Pumpe ist gerammelt voll, der Innenbereich tatsächlich großflächig für Kinder abgesperrt. So haben die Kleinen gute Sicht auf die Bühne und keine:r kann sich davordrängeln. Am Randbereich wird es zum Teil etwas hektisch, weil Eltern immer mal vor- und zurückdrängeln, um mit ihren Kindern zu kommunizieren. Insgesamt verläuft das Konzert aber erstaunlich entspannt und viele scheinen die „Regeln“ bereits zu kennen.
Was krass ist: Die Kids gehen tatsächlich voll mit. Das Beste am Abend sind vielleicht die vielen leuchtenden Gesichter, die zum ersten Mal die Magie echter Livemusik erleben. Da erkenne ich mich auch selbst wieder, obwohl ich deutlich älter war bei meinem ersten Livekonzert (16 oder so). Und das halte ich für entscheidend: Es wird wirklich live gespielt (vielleicht plus ein paar Chöre vom Band, weiß ich nicht), was mir auch Veranstalter Carlos bestätigt, der ja auch den Soundcheck miterlebt hat. Insofern erleben viele Kids hier ein echtes Konzert, und das in einer Zeit, in der jeder mögliche KI-Dreck die von Menschen kreierte Kunst ersetzt.
Die vier Dinosaurier und der Drache sehen natürlich schon mal super aus. Die Kostüme sind liebevoll gestaltet, im Inneren der Masken befinden sich Mikrofone. Das Dinokonzept hat auch den Vorteil, dass es geschlechtsübergreifend fasziniert. Es werden alle Register gezogen von Rauchsäulen über Pyros bis hin zu Laserschwertern und Luftballons. Am besten finde ich die Ansagen und Inhalte, wenn es um Gleichheit und gegen Mobbing geht. Der Sängerdino formuliert das sehr gut, es sei egal, wie man aussehe oder was für ein Geschlecht man habe, ob man einen Bauch habe oder schlank sei, weiß, gelb, schwarz oder grün sei – bei HEAVYSAURUS sei man willkommen und überhaupt könne jede:r rocken. Da wird SURVIVORs „Eye Of The Tiger“ einfach mal umgemünzt zu „Stark wie ein Tiger“. Die eingedeutschten Coverversionen funktionieren gut, etwa auch „Dinos woll’n euch tanzen sehen“ („Rock You Like Hurricane“). Insgesamt fällt das Songwriting ultraeingängig aus, zu „Kaugummi ist mega“, „Kuhglocke, go!“ oder „Laser Ninja“ kann jede:r Anwesende auf Anhieb abgehen und/oder mitsingen. Einige Momente fallen aus Erwachsenensicht natürlich musikalisch etwas schlicht aus und die Songs kommen auch unterschiedlich gut bei den Kids an, die zum großen Teil bereits bestimmte Favoriten haben. Insgesamt räumen HEAVYSAURUS hart ab, können sich zu jeder Zeit voll auf das Publikum verlassen (Ohrschutz ist vor allem wegen der kreischenden Kids zu empfehlen!) und gehen nach 90 Minuten oder so in ein Funkenregen-Luftballon-Verbeugungs-Finale, das sich gewaschen hat.
Interessant fand ich, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder über das gesamte Konzert hielt. Da sind nur sehr wenige vorzeitig gegangen. Ja, aber wie beurteilt man das jetzt? Ich würde mir HEAVYSAURUS nicht zu Hause anhören, das tun wohl eher Familien, aber das Konzert hatte viele Momente, die mich zum Lachen brachten. Es funktioniert auf jeden Fall, Lütte für den Heavy Metal zu begeistern. Es wäre spannend, in zwanzig Jahren Langzeitstudien zu lesen, die untersuchen, ob einige der HEAVYSAURUS-Hörer:innen und Konzertbesucher:innen später dabei geblieben sind. Aber die Message und das Empowerment gegen Mobbing sind auf jeden Fall auch rein für den Moment super. Unkka Dunkka!

Kommentare
Ja, stimmt. Es sind offenbar sogar bis auf kleine Modifikationen dieselben Songs und Kostüme, hab gerade mal geguckt. Sehe ich aber unterm Strich auch so.
Wenn da n paar Kids Bock auf Gitarre spielen bekommen ist es ja durchaus ne gute Sache.
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