SUZAN KÖCHER`S SUPRAFON, WINDBACK / 26.03.2026 – Kiel, Hansa48

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Hui…mein Versanddienstleister teilt mir am Morgen des heutigen Tages mit, dass eine Zustellung erfolgt ist! Und zwar nicht die mit dem XXL Glas Spreewaldgurken oder die überfällige Lieferung der 12 Boxershorts in Tiger Optik…nein, der neue und letzte Teil der Life is strange Reihe liegt zur Abholung in dieser komischen Station bereit. Dazu muss ich sagen, dass der erste Teil dieser Reihe unter den 3 besten Spielen ist, die ich je gespielt habe. Baldur´s Gate 3 ist auch noch dabei – da habe ich mit einem Hochelf Paladin die Schwertküste in lächerlichen 266 Stunden gerettet! Egal…da die Karte für Suzan Köcher´s Suprafon bezahlt ist und ich eigentlich auch Bock habe, verschiebe ich Life is strange und die Reunion halt auf´s Wochende! Also auf ins Hansa48 und hin da!

 

SUZAN KÖCHER`S SUPRAFON

Bilder von Dr. Zorba

 

Vorher aber – the times are a-changing – der Disclaimer: Der Autor dieses Berichtes scheint immer wieder mal zu üblen und niveaulosen Formulierungen zu neigen. Wer hier also das Niveau des Kulturportals der ARD (also vom Ersten…) erwartet, drückt am besten sogleich oben im Browser den Zurück-Pfeil-Knopf. In der dadurch gesparten Zeit kann man sich sodann auch lieber über die monatliche Zwangsabgabe ärgern. Der Autor ist zudem ausgesprochener Wacköööön-Kritiker – kleiner Hinweis an die Veranstalter: Bei Zusendung von 4 kostenlosen VIP-Tickets würde er seine Meinung natürlich ändern 😉 (Zwinkersmiley) 

Genug Gelaber, andere hätten bereits jetzt schon mit der gleichen Anzahl von Worten ein ganzes Festival auf dem Nürburgring besprochen. Los geht´s mit Windback aus Rendsburg. „Hallo Reeeendsbuuuurg!“, sagte mal der große Jürgen Engler von Die Krupps als Begrüßung auf dem 3ten Super Crash. Erinnert sich außer mir noch jemand daran? War super! Da haben wir auch gesoffen…herrlich…alle von uns voll wie die Feldhaubitzen…heute Abend gibt es nebenbei nur eine Cola Light.

 

<<<WINDBACK

 

Als „junge Band“ beschreibt eben diese sich selbst und Recht haben sie. Es stehen halt mal keine 70- oder 80-jährigen mit Nietengürtel und viel zu enger Lederhose auf die Bühne. Ich erwarte rein gar nichts, bin dann aber doch positiv überrascht. Musik irgendwo zwischen poppigem Rock und rockigem Pop. Gefällig, aber doch zu unbequem, um radiotauglich zu sein – und das meine ich als Kompliment. Die Sängerin kann definitiv singen, hat auch die erforderliche Lockerheit in ihrer Bühnenpräsenz und verhaspelt sich nicht ständig, wenn sie mit dem Publikum kommuniziert. Der Auftritt der Band wirkt vielleicht noch etwas steif, aber das regelt sich innerhalb der nächsten 50 Konzerte von selbst. Das Niveau einer durchschnittlichen Kieler Band ist bereits weit übertroffen und ich kann nur sagen: Chapeau! 

Kleiner Tip von jemandem, der ansonsten überhaupt keine Ahnung hat und auch relativ dumm ist: Ich würde die „<<<“ Zeichen permanent in dem Bandnamen einfließen lassen – also statt „Windback“ den Namen „<<< WINDBACK“ verwenden. Das hat bei „Sunn O)))“ auch super geklappt.

 

Wie gesagt, ich bin recht dumm und hatte fälschlicherweise auch vermutet, dass sich das durchaus sehr gut gefüllte Hansa nach der Vorband leert, da der Support doch vielleicht einiges mitgebracht hat. Der nette … am Eingang – ich habe leider seinen Namen vergessen… Claude? Pierre? Antoine? – berichtet mir nebenbei von 70 abgesetzten Tickets alleine(!) im VVK. Das ist denke ich für einen saukalten Donnerstagabend eigentlich doch ganz gut. Wie auch immer, es leert sich rein gar nichts und das selbst für E-Gitarren Musik relativ alte Publikum verharrt. Der gehobene Altersdurchschnitt hat heute den Vorteil, dass die Anzahl der Schlägereien im Publikum dadurch auf ein Minimum reduziert wird.

 

SUZAN KÖCHER`S SUPRAFONSUZAN KÖCHER`S SUPRAFON

 

Nach kurzer Umbaupause erscheint dann auch schon Suzan Köcher´s Suprafon oben auf die Bretter. Rotes und blaues Licht bestimmt den Abend und Dr. Zorba(!) neben mir flucht über die überforderte Kamera in dem Samsung Handy – ich dagegen benutze ja ein 6 Jahre altes Huawei, aber der Akku war leer. Maybe I´m a Lemon von dem aktuellen Album „In these dying Times“ eröffnet den Abend und damit wurde ein super Anheizer ausgewählt – das Lied ist echt gut! Wer sich das erst jetzt anhört, könnte sich ärgern, nicht vor Ort gewesen zu sein. Das zahlreich anwesende Publikum, teils kurz vor der Rente, entdeckt den Drang zur Bewegung. 

Die ganze Band ist aber auch super. Mal heiß und schwül wie in den sumpfigen Bayous rund um New Orleans! Wer kennt es nicht? Im Kanu unter der brennenden Sonne sitzend, tropft uns der Schweiß hernieder und dringt ein in das modernde Wasser. Die Alligatoren wachen auf und gleiten herab, lautlos auf das Kanu zu. Der Gitarrist und der Basser spielen Licks, abwechselnd, werfen sich diese entgegen. Der Schlagzeuger, ansonsten mit einem kräftigen, fast brachialem Spielstil gesegnet, lässt die Hi-Hat klingen. 

Dann wird es plötzlich krautig! Der Gitarrist surft fast schon, der Basser rebelliert und spielt analog dagegen derweil Suzan statt der zweiten E-Gitarre auf das Roland 2000 (k) wechselt und diesem eindringliche, gar unheimliche Melodien entlockt. Das (k) in der Typenbezeichnung steht übrigens für den verbauten Kompressor auf dessen Mainboard – eine von dem Hersteller entwickelte Verstärkung, die aber ähnlich wie der Turbolader bei Volkswagen G40/G60 Motoren recht anfällig ist und die bei den letzten beiden Lieder auch ihren Dienst versagt. Wir alle können nur hoffen, dass der Kompressor im weiteren Verlauf der Tour wieder zu sich selbst findet.

 

SUZAN KÖCHER`S SUPRAFONSUZAN KÖCHER`S SUPRAFON

 

„Ich sehe einige, die gestern schon da waren“, sagt die von Sekunde 1 an lächelnde Sängerin, die sich über den Zuspruch im Hansa48 sichtlich freut – und das zu Recht. Am Vorabend brachte sie bereits die MS Stubnitz, unser aller Lieblingsschiff der ehemaligen DDR Hochseefischerei Flotte, zum kentern. Am Folgetag wird sie zudem noch in Flensburg auftreten und einige im Publikum werden ihr auch dahin folgen. Ich will da jetzt nicht von „fahrendem Volk“ sprechen, da dies vermutlich wieder von manchen als niveaulos aufgefasst wird- aber ich kenne das ja auch und habe es jahrelang bei New Model Army gemacht, mit Sleater-Kinney durch ganz Europa und mit Warning – der besten Doom Band ever – quer durch die USA. Dies nur um zeigen, welche Wogen hier bereits geschlagen werden. 

„Suzan Köcher’s Suprafon spielen psychedelische Musik zwischen Dreampop, Indie, Krautrock, Disco, ‘60s Vibes, Desert Americana, Soundtrack – sinister, melodisch, atmosphärisch und halluzinierend!“, verrät uns der Flyer. Bei manchen der Genres davon kann ich zustimmen, bei anderem weiß ich nicht mal, was es ist und bei wieder anderem lehne ich eine Zustimmung ab. Es ist einfach gute Musik, sympathisch dahergebracht. Die Texte heute Abend zudem in einigen ausgewählten Liedern in Französisch – akzentfrei vorgebracht und energisch vertont. Alles Cover aus den 60s – ich kenne kein Original davon, aber das macht nichts. Ansonsten herrscht Englisch vor - kann mich aber nicht mehr erinnern, ob es auch mal Deutsch war. 

Was/wie auch immer, das Publikum ist begeistert! Obwohl es eigentlich völlig „wumpe“ ist und die optische Darbietung einer Show egal sein sollte – am besten nur Kartoffelsäcke als Bekleidung da oben auf die Stage - denkt die Band hier anders. Überall glitzert es und für vorhandenen Glitzer im Publikum gibt es von Suzan Komplimente und später sogar einen Button geschenkt. Der Donster erinnert sich immer noch amüsiert daran, als irgend so ein Vogel wegen eines „Glitzer, Glitzer“ Zwischenrufs bei Meiers vor die Tür gesetzt wurde – vermutlich zu Recht, aber hier ist es halt anders.

 

SUZAN KÖCHER`S SUPRAFONSUZAN KÖCHER`S SUPRAFON

 

Genug gefaselt: Das war ein super Abend – beim nächsten Mal sofort wieder! Die neue CD wurde auch noch abgeerntet und für mein „glitzerndes“ Lächeln habe ich dann auch noch einen Button geschenkt bekommen. Willkommen im Club! 

Zuhause wurde dann doch noch bis 05:00 Uhr morgens Life ist strange: Reunion gespielt…und meinem Chef habe ich erzählt, ich wäre nur so müde auf Arbeit, weil in dem Haus die ganze Nacht Abrissarbeiten stattgefunden haben…

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