DISGUSTING NEWS, WAUMIAU / 21.03.2026 – Kiel, FahrradKinoKombinat
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Dienstag, 24. März 2026 16:30
- Geschrieben von Doom Fränk
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Hot off the press zuerst! Die vermutlich perfekteste Band ever – Team Dresch – hat ein neues Album aufgenommen. Lächerliche 30 Jahre nach dem eigentlich perfekten Captain my Captain. Da können wir alle schon mächtig gespannt sein! Genau wie auch auf heute Abend! Da nämlich lädt das FKK zusammen mit Marderschaden DIY in die Alte Mu ein. Punk und HC/Punk steht auf dem Programm! Wie kann es da natürlich nur heißen? Genau! Hin da!
Vorher aber – the times are a-changing – der Disclaimer: Der Autor dieses Berichtes scheint immer wieder mal zu üblen und niveaulosen Formulierungen zu neigen. Wer hier also das Niveau des Feuilletons der FAZ (der Frankfurter Allgemeinen Zeitung) erwartet, drückt am besten sogleich oben im Browser den Zurück-Pfeil-Knopf und ärgert sich dann lieber bei der eben genannten Zeitung über die Bezahlschranken. Außerdem bringt der Autor dieses Berichtes immer wieder die gleichen, lahmen Witze und merkt dies selbst nicht einmal.
Fotos von Dr. Zorba.
Am Vortag zündeten bereits Briefbombe aus Hamburg eine ebensolche im Hansa48 und die Kaput Krauts setzten da sogar noch einen drauf. Der Bericht folgt von einem niveauvolleren Verfasser – angeblich einem Deutsch-Lehrer, welcher zudem den Imperativ beherrscht - demnächst oder ist hier in dieser weichgespülten Punk und Metal Schmonzette bereits zu finden. Da mich an dem Abend bereits der Plattenboss abgefüllt hat, bleibe ich heute lieber ganz nüchtern und kann mich trotzdem an nicht mehr erinnern als sonst.
Außer das Waumiau aus Düsseldorf zuerst die Bühne betreten. Das FKK – seit dem auch relativ niveaulosen Didgeridoo-Skandal(!) tatsächlich landesweit durch Funk und Fernsehen bekannt – ist noch relativ leer. Später füllt es sich dann doch noch etwas, aber beide Bands hätten sicherlich mehr Zuspruch verdient. Womöglich ist es heute Abend einfach zu ungemütlich draußen, alle sind noch bedient vom Vortag oder der Plattenboss hat sich nach mir noch weitere Opfer gesucht. Das wäre aber übel von ihm gewesen.
Egal, Waumiau haben Bock! Und das merkt man/frau gleichermaßen! Sängerin Anna ist sofort runter von die Bühne und scheut auch den Kontakt zum Publikum nicht. Das Eis ist gebrochen, Zurückhaltung fehl am Platz. Das alles ist dem Namen der Band entsprechend etwas lockerer als bei angep*ssten Polit-Punk Bands, auch wenn der Gitarrist selbst betont, Waumiau wären eine „politische Band“.
Lyrisch angesprochen werden Themen, die uns alle betreffen. Sei es das ewige Ärgernis, dass der Besitzer von Sanifair- Bons weder Kippen oder Bier für eben diese eintauschen kann oder die Schwierigkeiten, einen Schlachtruf zu finden, der für alle genehm ist. Dieser ist dann immerhin gegen die Polizisten und nicht gegen die ansonsten umgangssprachlich angefeindeten „Bullen“ gerichtet. Hier ist heute Abend alles etwas netter und das ist gut so! Der Gesang von Anna, die mal aus Süd-, Ost-, Nord-, Ober- und Unterdeutschland kommt, ist meistens eher melodisch artikuliert statt wüst ins Mikro gerotzt und findet teils hier und da Unterstützung vom Basser und Gitarristen. Diese beiden werkeln stets zusammen mit dem Schlagzeuger in moderater Geschwindigkeit.
Passende Einspieler zu den einzelnen Liedern gibt es immer wieder vom Band und ein Highlight muss „Kralall“ sein – und für diesen sorgen Waumiau dann schlussendlich auch im positiven Sinn.
Die Bilder sind heute übrigens von Dr. Zorba – ich habe selbstverständlich keine gemacht, da dies im FKK inzwischen untersagt ist. Zum Glück zeigen diese auch nur die Bands und keine zur Fahndung ausgeschriebenen sonstigen Personen oder etwaige Didgeridoo Spieler.
Ok, das war jetzt wieder niveaulos. Disgusting News sind es aber nicht! Jetzt wird es plötzlich schmutziger, wütender, rotziger. Mit einem Urschrei eröffnet Sängerin Vanessa das Set der Bielefelder Punks! Und sofort geht es gegen alles, was schief läuft im Land. Singend, schreiend und mit viel Becken-Einsatz! Des Schlagzeugs!!!! Bevor das auch wieder irgendjemand falsch verstehen will und mich deswegen diskreditiert. Es scheppert eben auch gerne mal im Hintergrund. Der ganze Klang der Band ist aber auch ansonsten durchaus metallisch, die E-Gitarre ist als „fett“ zu bezeichnen und die Riffs anspruchsvoller als bei den meisten anderen Punk Bands. Hier und da sind fast schon „Solos“ zu erkennen. Geil melodisch ist es aber immer. Nichtsdestotrotz werden nie die HC-Wurzeln vergessen und es geht knüppelnderweise durch das Unterholz dessen, wo man/frau gegen sein kann/muss.
Die energischen Lyrics sind abwechselnd in Deutsch und Englisch gehalten, womit die Band ihren internationalen Anspruch und auch ihre Qualität unterstreicht. Mal tatsächlich gesungen, dann wieder geschrien – echt gut! Gerichtet sind diese natürlich unter anderem gegen Nadzis, aber auch gegen das Patriarchat. Dabei – hier von der Band aber nicht gesondert angesprochen – muss stets der verabscheuungswürdige, aber ja doch einfach vermeidbare Tatbestand der Vielweiberei genannt werden, der von den Tätern viel zu selten hinterfragt wird.
Super Musik, super Auftritt vor und auf der Bühne. Beide Bands loben den erstklassigen Sound, der auch wirklich gut ist und die schöne Deko im FKK. Der Bums ist ja auch wirklich durchaus ansehnlich, relativ sauber und das pay-what-you-want-Prinzip ein Gegenentwurf gegen die Abzocke vieler anderer kommerzieller Schuppen.
Mir gefällt es so gut, dass ich am Mercher gerne mindestens eine oder mehr CD(s) „abernten“ würde, aber da bin ich wohl aus der Zeit gefallen. Es gibt einfach keine CDs mehr im Underground. 2 super Bands an einem Abend – das nächste Mal trinke ich vorher aber wieder ein paar Bier und dann gibt es auch mehr „Krallal“ im Publikum.
Vielen Dank an Bands und Veranstalter.
Krallal!
