ROSALIE CUNNINGHAM / 16.03.2026 – Hamburg, Nochtwache
- Details
- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Donnerstag, 19. März 2026 21:40
- Geschrieben von Doom Fränk
- Zugriffe: 904
Das Konzert heute ist mit dem Veranstaltungsort „Nochtwache“ angekündigt – findet dann aber doch im „Nochtspeicher“ statt. Angeblich ist die Nochtwache im Keller und der kleinere der beiden Säle des Gebäudes – demnach gab es wohl eine Hochstufung. Verdient hätte es Rosalie definitiv! Wir alle kennen sie als Sängerin der Psychedelic Rock und Stoner Rock Band Purson, welche schon vor ein paar Jahren für ordentlich Furore sorgte und die außer einem abgesagten Konzert im Knust stets einen großen Bogen um Hamburg machte. Heute im Gepäck hat sie nicht nur ihr neues Album, sondern auch noch Claudia Gonzàles Diaz, die wir alle noch von ihrem genialen Auftritt bei Lucifer am gleichen Ort vor einigen Monaten in Erinnerung haben. Angeblich ist sie in ihrer Heimat Spanien auch ohne eine mitgeführte Schusswaffe waffenscheinpflichtig – vorstellen kann ich mir das schon…egal…obwohl ich erst am Morgen um 07:00 Uhr auf dem Hamburger Flughafen gelandet und aus Chisinau/Moldau bzw. Tiraspol/Transnistrien zurückgekehrt bin, kann es am Abend nur heißen: Rock on und hin da!
Und das wird keine Sekunde bereut – selbst bei der Bahn klappt heute alles! Auf eine Vorband wird verzichtet, aber auch das soll mir recht sein und der Konzertbericht wird dadurch auch kürzer. Rosalie Cunningham hat praktischerweise ihre aktuelle Band nach sich selbst benannt – wer so einen geilen Namen hat, kann das natürlich auch super machen. Im Gegensatz dazu wäre es vermutlich unklug oder sogar uncool, eine Band Dirk Schneider oder Klaus Meine zu nennen. Weg vom Wort, hin zur Musik. To shoot another day vom aktuellen Album eröffnet das Set der fabelhaften Rosalie. Selbstverständlich ist sie super bei Stimme, mal klingt diese saucool, dann wieder lasziv und gerne wird auch einfach so mir nichts dir nichts in die Kopfstimme gewechselt. Großartig wie auch die ganze Begleitband. Claudia Gonzàles Diaz wurde schon erwähnt und wieder nimmt sie ihren Bass hart ran, wie sie es zuvor auch bei Lucifer tat. Schüttelt diesen, würgt ihn, bewegt ihre Hand an dem festen Hals auf und ab. Für mich die beste aktive Basserin der Welt – neben Donna Dresch von Team Dresch of course. Jo Bench von mighty Bolt Thrower ist ja leider meines Wissens nach nicht mehr aktiv. An der zweiten Gitarre hantiert der umtriebige Rosco Wilson, der sich später im Gespräch als ausgesprochen netter Zeitgenosse erweisen wird. Das Schlagzeug wird auch noch super bedient und einen Tastenmann an der Orgel gibt es natürlich auch noch, aber die Namen sind mir leider nicht bekannt.
Und so geht´s durch ein Set bestehend aus Stücken aller 3 bisher erschienen Alben – die Umsetzung live schwerer und basslastiger als auf Konserve. Ich will hier nicht von „doomig“ sprechen, weil mir das irgendwie zu abgenutzt und ausgelutscht ist, aber teilweise erinnert mich die ganze Chose durchaus etwas an die kongenialen Blood Ceremony. Besonders dann, wenn die feurige Claudia Gonzàles Diaz die Querflöte hervor holt und uns allen einen bläst. Da war der Eintritt von bummelig 25 Euro für das Gebotene eigentlich viel zu billig.
Die Musik selbst ist ansonsten eine Mischung aus Progrock, 60s, Goth und Psychedelic – mir kommt da am ehesten die übergrößte Jinx Dawson von fuckin´ Coven in den Sinn; ein Kumpel zieht Vergleiche mit alten Genesis, King Crimson oder wenn es neuer sein soll: die Dresden Dolls. Eins aber ist klar, es ist abwechslungsreich ohne Ende – der bürgerliche Salon im swingin´ London der 60s wird ebenso bedient wie das funkenspeiende Stahlwerk in Birmingham der 70er.
Dazu – wie schon geschrieben – gerne auch mal die Querflöte, eine mitreißende Bühnenshow und eine obersympathische Band. Mit Rosco, Claudia Gonzàles Diaz wie auch mit Rosalie tausche ich im etwas angetrunkenen Zustand noch geiles Gesülze aus und letztere signiert am Mercher stets mit einem umwerfenden Lächeln die massig gekauften – oder neudeutsch: abgeernteten – Platten und CDs.
Super Konzert, das eigentlich sofort hätte ausverkauft sein müssen. Musik, die abseits von dem üblichen Gebrüll und Geballer verordnet, auch Menschen gefallen würde, die ansonsten um diese Speed Punk und Anarcho Metal Schmonzette ohne Bezugsschein einen großen Bogen machen. Dazu eine – und jetzt mal ehrlich heraus – ausgesprochen attraktive und charmante Sängerin, die von einer gleichsam umwerfenden Bassistin begleitet wird. Aber abseits davon, die Kompositionen sind auch außergewöhnlich und kommen ohne Double Bass oder Gegrunze aus – einfach nur phantastisch gute Musik! Olé und hoffentlich bis zur baldigen, nächsten Tour.
Natürlich könnte man hier noch seitenweise fortfahren, aber ein kurzer Satz reicht: Das war echt super!

Kommentare
Ich denke, da wir alle gleich sind, ist es besser, jegliche Farben außen vor zu lassen - Das verhindert Rassismus per se.
Warum nicht alte, privilegierte Männer stattdessen? Das bin ich dann aber definitiv nicht...ich hab nicht mal ne Karre und wohne zur Miete...
Wieso werden Formulierungen, die ich eher von Pubertierenden oder "alten weißen Männern" "erwarte" verwendet?
Alle Kommentare dieses Beitrages als RSS-Feed.