HELL OVER HAMMABURG WARM UP - MEAN MISTREATER, ANIMALIZE, MORAX / 05.03.2026 – Hamburg, Bambi Galore

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Und schon ist es wieder diese ganz spezielle Zeit im Jahr! Süße, wohlbekannte Düfte streifen durch… die Markthalle. Bier, Pommes, Schweiß und Leder nämlich. HOH, ja du bist’s. Dich hab‘ ich vernommen.

Heute geht es aber erst mal ins Bambi, denn bereits das Warm Up ist bekanntlich jedes Mal der Hammer. Auch dieses Jahr lockt eine super Zusammenstellung mit drei jungen Bands – die Texaner:innen MEAN MISTREATER, ANIMALIZE aus Frankreich sowie MORAX – Norwegen. Kein Wunder, dass viele Maniacs früh anreisen und das Bambi ausverkauft ist. Die jeweils neuesten Alben „Verminateur“, „The Amulet“ und „Do Or Die“ gehören zu den Volltreffern 2025 und zeigen, wie vielfältig und frisch Heavy Metal auch von den Newcomern der NWOTHM intoniert wird.

 

MEAN MISTREATER

Bilder von MJ und Taina (letztes Bild).

 

Den Gang zum Merch kann man ohne großes Nervenflattern tun, ist doch davon auszugehen, dass man alles haben müsste. Doch ANIMALIZE überraschen mit einer japanischen EP aus dem Jahre 2023, deren Existenz mir bislang unbekannt war („Angles Morts (天​使​の​油​断​)“ enthält ein paar unveröffentlichte Nummern, Livetracks und eine LOUDNESS-Coverversion, ziemlich cool). Auch am Start: der grandiose „METAL LOURD“-Sampler mit neuen französischen Bands, sehr zu empfehlen. Nachdem wir noch nicht mal alle Leute begrüßt haben, geht es auch schon los.

 

MORAXMORAXMORAX

 

MORAX sind ja eigentlich eine Ein-Mann-Band, der kreative Kopf dahinter heißt Remi und hat auf den bisherigen Veröffentlichungen (EP und LP) alles selbst eingespielt. Doch ähnlich wie bei MIDNIGHT oder HELLRIPPER wirken MORAX überhaupt nicht wie ein Chef mit Mietknechten. Remi beschränkt sich auf Gitarre und Gesang, die anderen drei wirken wie langjährige Bandmitglieder. Im Vergleich zu ANIMALIZE und MEAN MISTREATER klingen MORAX knorriger und düsterer, werden ja musikalisch (nicht gesangstechnisch!) gern mit IN SOLITUDE, MERCYFUL FATE oder PORTRAIT verglichen. Das kann ich im Ansatz nachvollziehen, höre aber auch einen Black Thrash-Einschlag heraus. Grandiose, majestätische Melodien, böse Riffs und ein theatralischer Gesang ohne Falsett springen dem Bambi-Mob direkt an die Kehlen. Zwar werden sich die beiden Folgebands noch heftiger auf der Bühne austoben, aber auch MORAX gehen nicht gerade als Shoegazer durch. Da werden die Gitarren hochgerissen, die Köpfe geschüttelt und die unsichtbaren Orangen präsentiert. MORAX danken übrigens MEAN MISTREATER für das geliehene Equipment, denn ihr eigenes sei von der Fluggesellschaft vertüdelt worden und noch nicht eingetroffen. Starker Gig!    

 

ANIMALIZEANIMALIZEANIMALIZEANIMALIZE

 

Monsieur, die Franzosen hauen dann aber richtig einen raus! Im Mittelpunkt steht Sänger und Bassist Coyote, der von der Physiognomie ein wenig an den jungen Tom Araya erinnert. Ansonsten trägt er ein Maximum-Metal-Outfit: Über der nackten Brust ein SM-Gelöt, enge Lederhose und Stiefel mit weißen Plüschfellstulpen. ANIMALIZE donnern im Uptempo nach vorne, überzeugen mit immens viel Energie, gleichzeitig Top-Melodien und gehörig Selbstbewusstsein: „Do you know SORTILÈGE? Yees, everybody knows SORTILÈGE. But it is time for a new french Metalband, a better Metalband!” Wer sowas bringt, muss dann aber auch liefern. Und das tun ANIMALIZE. Beim folgenden „Samourai de l’univers“ taucht Coyote plötzlich hinter einem seiner Gitarristen auf, setzt ihm ein großes Samuraischwert an die Kehle und beginnt mit diabolischem Grinsen die Säbelei. Natürlich spuckt der erwähnte Gitarrist daraufhin eine Blutfontäne in die ersten Reihen. Herrlich anarchische Aktion. Coyote habe seit der letzten Tour alle anderen Mitglieder ausgetauscht, der Schlagzeuger sei gerade mal volljährig. So jung ist die Band übrigens auch auch wieder nicht, die gründeten sich bereits 2014, haben aber erst 2020 ihre erste EP (Dying Victims) veröffentlicht. Eine echte Machtdemonstration von ANIMALIZE: Action, permanentes Headbanging und Showelemente wie in den Achtzigern. Nicht zu vergessen ihr Humor, denn als Outro läuft erbarmungslos laut der alte „Les Champs-Elysées“-Heuler.   

 

MEAN MISTREATERMEAN MISTREATER

 

Können MEAN MISTREATER mithalten? Die Vorlage ist gewaltig, aber obwohl die texanische Band erst seit 2023 existiert, haut auch sie nachhaltig aufs Mett. Auch hier ließe sich der Stil mit den Worten „Heavy Metal“ beschrieben, im Vergleich zur Maiden-on-Speed-Attacke der Franzosen gehen MM dreckiger und rockiger vor. Energische Twin-Gitarren, pumpende Drums, ein ebensolcher Bass und darüber die rotzige Röhre von Janiece Gonzalez. Die Songs kommen angenehm unverkopft, gleichzeitig klingen MEAN MISTREATER recht eigenständig. Sie orientieren sich nicht plump an einer bestimmten Band, sondern spielen schlicht die Musik, auf die sie Bock haben. So wirkt das jedenfalls auf mich. Mit „Razor Wire“, „Killer Red“, „Three Of Swords“, „Road Dogs“, “Walk With Fire”, “Do Or Die” und “Waiting To Die” sind meine Favoriten der ersten beiden Scheiben dabei, aber MEAN MISTREATER legen mit dem hemmungslosen ROCK-GODDESS-Cover „Satisfied Then Crucified“ sogar noch einen Bonus drauf. Die Band spielt entfesselt, Gonzalez‘ begeistertes Lächeln reißt noch zusätzlich mit. Nach zwei derart guten Bands kann gegen Ende ja auch mal die Luft dünn werden, doch im Bambi bleibt die Stimmung super. Es wird sogar immer wärmer mit der Zeit. Aber es ist eine angenehme, ja, gesunde Wärme. Durch diese Heavy Metal Heat werden Kranke wieder gesund, Gesunde noch gesünder, Greise werden verjüngt und Dumme werden klug.

 

MEAN MISTREATERMEAN MISTREATER

 

Was für ein Auftakt! Und zwei Tage voller Wahnsinn liegen noch vor uns… TBC…        

 

MEAN MISTREATER   

 

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