HEAVEN SHALL BURN, THE HALO EFFECT, THE BLACK DAHLIA MURDER, FROZEN SOUL / 27.02.2026 – Hamburg, Inselpark Arena
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Mittwoch, 11. März 2026 21:12
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Was für Menschenmassen! Die Inselpark Arena ist ausverkauft. Klar sind kleinere Clubs angenehmer und das Herz der Szene, aber es ist ja auch schön mitzuerleben, wie eine geliebte Bands so richtig wächst. Im Falle von HEAVEN SHALL BURN ist das beeindruckend: Noch 2016 berichtete Klemsen hier auf DreMu vom HSB im Knust! In zehn Jahren von 400 Besucher:innen auf ca. 5000…
Wir sind mit der Bahn gefahren, gut durchgekommen und irgendwie früh dran. Bei herrlichem Wetter chillen wir noch mit Dosenbier auf ‘ner Parkbank und betrachten das bunte Treiben. Die Stimmung ist entspannt, fast hippiesk. Wir kennen so gut wie niemanden, obwohl die meisten Besucher:innen aus dem Norden kommen dürften und alle wie typische Metalheads aussehen. Im Verlauf des Abends treffe ich gerade mal vier, fünf bekannte Nasen.
Fotos von MJ.
Von den größeren Hallen empfinde ich die Inselpark Arena als vergleichsweise angenehm. Natürlich bleiben gewisse Wartezeiten bei so einer Größenordnung nicht aus, aber man kann überall gut sehen, der Sound ist in der Regel gut (heute auch) und mittlerweile geht es beim Bierverkauf schneller.
FROZEN SOUL-Erstbegegnung! Ich hatte die „Glacial Domination“ zwar auf meiner mentalen Einkaufsliste, aber letztlich ist mir die LP doch durchgerutscht. Angesichts der dargebotenen Klasse ist das ein echter Fauxpas, aber die Lücke wird noch heute am Merch geschlossen. Ernte26! Alter, der Sänger! Der Kerl ist ein Hüne und sieht aus wie ausgedacht! Also zum Beispiel von einem Comiczeichner oder für ein Endzeit-Videospiel, in dem ein Kerl in zerfetzten Klamotten und mit Schlachterfigur die Armeen der postnuklearen Krieger dominiert. Inmitten einer Welt aus Eis und Frost natürlich. Das Organ passt aufs Herrlichste dazu und klingt schön fleischig wie Karl Willetts auf der „War Master“. Der Death Metal der Texaner:innen drückt und schiebt mächtig und kann zwischen BOLT THROWER und aktuellen Bands wie GATECREEPER oder TOMB MOLD eingeordnet werden. Sehr geil! Auch die Bühnenpräsenz macht was her, denn neben dem erwähnten Frontgrowler (Chad Green) gibt auch die Bassistin Samantha Mobley Dauerfeuer auf die Nackenmuskeln sowie auf die vier Saiten.
Hoppla, da sind doch glatt 16 Jährchen seit meinem letzten THE BLACK DAHLIA MURDER-Konzert vergangen. Ich mochte die Band mal sehr, habe sie aber irgendwann nach der „Evenblack“ (2013) aus den Augen verloren. 2022 verstarb ihr Sänger Trevor Strnad (R.I.P.!), was ich sehr traurig fand. Insofern ist es nun spannend, ob THE BLACK DAHLIA MURDER an alte Glanztaten anknüpfen können. Das lässt sich schnell bejahen. Die Riffs sind so geisteskrank und halsbrecherisch wie eh und je. Trevor lässt sich nicht ersetzen, der Mann war Kult. Aber Brian Eschbach ist seit der Bandgründung 2001 dabei und wechselte nach Trevors Tod von der Gitarre ans Mikro. Seine Bewegungen sind weniger exaltiert als Trevors, aber er hat ein eigenes Charisma. Weniger der Typ des offensichtlichen Psychopathen, sondern eher wie ein Buchhalter mit Geheimnissen. Die Stimme passt auch, klingt in manchen Passagen sogar nah am Vorgänger. Mit „What A Horrible Night To Have A Curse“, „A Vulgar Picture“ und “Everything Went Black” kommen ein paar erhoffte Klassiker, die neuen Stücke klingen aber auch gut, so dass hier wohl mal nachgeerntet werden muss. Jungs, ich kehre als reuiger Sünder zurück – nehmt mein Geld und reinigt mich mit Death Metal!
Da ich IN FLAMES und DARK TRANQUILLITY jeweils nur in ihrer Anfangsphase mochte, hatte ich auch die „Supergroup“ des Melodic Death Metal THE HALO EFFECT bisher ignoriert. Mir reichen auch nach dieser Show weiterhin die alten Klamotten, aber es ist nicht zu leugnen: Die Band macht Spaß! Einem Mikael Stanne kann man sich nicht entziehen, und es ist auch schön, Jesper Strömblad mal wieder auf der Bühne zu sehen. Da alle Mitglieder mal bei IN FLAMES gespielt haben, wird man häufig an die Frühphase der Schweden erinnert, wobei THE HALO EFFECT den Stil um einige melodiöse Elemente erweitert haben. Witzigerweise gefällt mit Stannes Klargesang, den er heute mehrfach einsetzt (einmal in einem kecken Disco-Mittelteil), besser als seine Growls. THE HALO EFFECT werden vom Publikum mit großem Hallo empfangen und (fast) wie ein zweiter Headliner gefeiert. Die gut gelaunte Band liefert aber auch ordentlich ab und zeigt massive Spielfreude. Besser als erwartet!
In der Umbaupause betrete ich unverhofft die Welt des Schmerzes. MJ geht schmöken, ich hole inzwischen Getränke und will sie dann im Raucherbereich wiedertreffen. Dieser liegt außerhalb der Halle in einem umzäunten Bereich. Die Tür nach draußen fungiert laut Schild auch als Notausgang. Ich latsche also nach draußen, scanne zwischen Hunderten Gesichtern die Gegend – und knalle plötzlich gegen einen kniehohen Stein! Was zur Hölle? Wieso legt jemand an so eine Stelle einen verfickten Findling? Ich möchte gern mal mit dem Dekorateur sprechen und ihm meinen Glückwunsch für diese innovative Idee aussprechen. Ich maule mich natürlich komplett ab, schramme mit dem Schienbein über den Stein und verschütte fast alles von den Getränken. Die Folge sind fiese Blutblasen und ein Hämatom, das mit einem Handteller nicht abgedeckt werden kann. Falls wirklich mal ein Notfall auftritt und Hunderte oder Tausende dort in Panik längsrennen, könnte der Stein zur Todesfalle werden.
Auch unter Schmerzen lässt sich die HEAVEN SHALL BURN-Attacke genießen. Es lässt sich als großes Kompliment verstehen, dass ich das Bein in manchen Momenten sogar vergesse. Bei HSB weißte ja nicht, ob du lieber die Action im Publikum betrachten willst oder die auf der Bühne. Es geht ab in konstanten Moshpits, Circle Pits und generell ausgelassener Stimmung. Die Faszination einer HSB-Show liegt für mich zu einem großen Teil am hohen Sympathiefaktor der Band. Das sind einfach gute Jungs, die mit ihrer klaren Haltung für Menschlichkeit und gegen Faschismus punkten. Ich weiß noch, als ich die „Whatever It May Take“-Platte in der Hand hielt und auf dem Backcover das Bild von Sophie Scholl inkl. Zitat sah – Danke dafür! Bereits an zweiter Stelle kommt „Voice Of The Voiceless“ und in der Halle bricht einfach komplett die Hölle aus. Es folgen Highlights aus allen Phasen, z.B. „Godiva“, „Armia“, „Counterweight“, „Endzeit“, „Tirpitz“ oder „The Martyrs‘ Blood“. Die Showeffekte sind eher reduziert auf effektives Licht und Nebelfontänen, dafür überraschen HSB zur Setmitte mit Britta Görz als Gastsängerin. Die HIRAES-Sängerin war Mitte 2025 bei mehreren Auftritten für Marcus Bischoff eingesprungen, nachdem sich der Sänger eine Halsinfektion zugezogen hatte. Auf dieser Tour bedanken sich HSB offenbar dafür mit dieser Einladung – auch wieder sehr sympathisch. Doch was ist das? „Übermacht“ wird angespielt, aber plötzlich unterbrochen. Offenbar hat sich jemand im Publikum stärker verletzt, sodass die Band den Song unterbricht und darum bittet, Platz für die Ersthelfer zu machen. Respekt, das muss man von oben bei all der Action erst mal mitbekommen! Danach geht’s weiter und Britta singt auch das gelungene EDGE OF SANITY-Cover „Black Tears“ mit. Insgesamt wird erbauliches Gehacke in der gewohnten Schnittmenge zwischen AT THE GATES und BOLT THROWER geboten, Schlagzeuger Christian Bass zeigt dabei „stumpfen Zerstörungswillen“ (Klemsen). Nach den Zugaben „The Weapon They Fear“ und „Valhalla“ ist jede:r Anwesende glücklich und zerstört (mein Bein auch), es war wieder ein Spektakel.
„For the weakest of the weak,
for the lowest of the low.
My voice for the voiceless,
my fists for the innocent.“

Kommentare
Danke für den Tipp, Bocky!
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