BULLET, DEVIL’S BREAKFAST / 22.02.2026 – Hamburg, Logo
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Mittwoch, 25. Februar 2026 18:41
- Geschrieben von Philipp Wolter
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In der Theorie können unzählige Gründe den Konzertbesuch trüben, wenn nicht gar vollständig ruinieren. Wenn man darüber erst mal nachdenkt, wird die Kette an Assoziationen immer länger: Club zu leer – keine Stimmung (lahm); Club zu voll – du wirst zwischen stinkenden Leibern eingequetscht (ekelhaft); Sound schlecht, Lautstärke viel zu hoch oder viel zu leise; drei bis vier beschissene „Vorbands“, die auch noch gnadenlos überziehen; Eintrittspreis so hoch, dass du (eigentlich) kein Geld für das Konzert hast (du gehst natürlich trotzdem hin); Band hat keinen Bock, spielt schlecht oder/und hat genau dein Lieblingsmitglied kurz vor der Tour rausgeschmissen; obendrein hat der Laden nur Astra am Tresen. Uff, ich höre lieber auf, denn angesichts dieser Liste ist es erstaunlich, dass es doch auch gute Konzerte gibt. Und ich sag es hier und heute: Bei BULLET am 22. Februar 2026 reihen sich sämtliche günstige Bedingungen aneinander, es stimmt einfach alles und selbst der größte Meckerpott dürfte schlicht keinen Kritikpunkt gefunden haben. BANG YOUR HEAD!
Bilder von MJ.
Als ich das Plakat am Logo sehe, kann ich auf den ersten Blick nur DEVIL’S entziffern und hoffe schon auf die genialen Hamburger DEVIL’S DAY OFF. Doch gerade in Hinsicht dieser Band erfahre ich wenig später schlechte Nachrichten – vom just ausgestiegenen Schlagzeuger Moritz himself. Das ist sehr schade, hoffentlich finden DDO ein:en Nachfolger:in bzw. auch Moritz eine neue musikalische Heimat.
Wie ihr bereits der Überschrift entnommen habt, spielen heute DEVIL’S BREAKFAST. Diese Band kenne ich bis jetzt noch nicht, verrückterweise existiert sie aber bereits seit 2009 und kommt aus Neumünster. Gibt’s doch manchmal nicht, dass man einige lokale/regionale Bands trotz permanenten Konzertgenusses erst nach Jahren wahrnimmt! DEVIL’S BREAKFAST bieten soliden Hardrock. Erst befürchte ich aufgrund diverser bunter Tücher, die an Gitarrenhälsen und Gürteln baumeln, schon Hair/Poser Metal, was sich aber nicht bestätigt. Dafür überzeugen diverse schneidige Licks, ein rauher und gleichzeitig melodischer Gesang (teilweise ergänzt einer der Gitarristen eine zweite Stimme) und einige Refrains. Bereits jetzt herrscht eine positive Stimmung im Logo. Es füllt sich zusehends, bleibt aber entspannt, so dass man ohne Gedrängel überall hinkommt. DEVIL’S BREAKFAST werden übrigens auch auf dem diesjährigen MOSH IM MAI spielen.
In der Pause laufen UFO und ich frage mich, ob da jemand mitgedacht hat, schließlich spielt zur selben Zeit (wahrscheinlich genau in diesem Augenblick) MICHAEL SCHENKER sein UFO-Programm in der Fabrik. Eine ärgerliche Überschneidung, insofern eine nette Geste vom verantwortlichen Sounddude.
Was zu Hölle! Selten fiel mir gleich beim ersten Ton derart der Unterkiefer runter! BULLET sind mit dem ersten Anschlag sowas von am Start. Der Sound ist unglaublich fett, gleichzeitig wild und roh. ROCK’n’ROLL! Und das im Logo, wo man ja auch schon einen weniger guten Klang erlebt hat. „Kickstarter“ ist natürlich ein super Opener., der alle BULLET-Qualitäten bündelt: AC/DC-artiger Uptempo-Groove, schneidende Heavy Metal-Riffs und ein bestens aufgelegter Hell Hofer, der die Hütte zusammenkreischt. Neulich las ich einen Leserbrief im DEAF FORVER, in dem sich der Schreiber über diese Stimme beschwert („eine Zumutung“) – Junge, Junge, was ist denn da los. Mir hingegen jagt genau dieser Gesang eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken. Die neue Scheibe ist ein Hammer und es zeigt sich, dass einige Nummern perfekt zu den – nach fast 25 Jahren Bandgeschichte darf man das wohl so nennen – Klassikern passen und in Zukunft nicht mehr aus der Setlist wegzudenken sein werden. Dazu zählen „Spitfire“, „Chained By Metal“, „Keep Rolling“, „Hit The Road” sowie der bereits erwähnte Titelsong. Die Band spielt herrlich aggressiv und tight, der Spaß ist allen Bandmitgliedern anzusehen und auch förmlich anzuhören. So viele Leute hatten BULLET wohl nicht auf einen Sonntag erwartet und auch nicht, dass der Mob derart steilgeht. Hampus Klang hat diesen Schelmenblick, da muss ich einfach grinsen, wenn ich dem beim Spielen zusehe. Atemlos geht es durch ein Programm voller Hits – ich kann mich gar nicht auf drei, vier Höhepunkte beschränken, denn dies ist ein Auftritt ohne langweilige Sekunde: „Stay Wild“, „Ain’t Enough“, „Turn It Up Loud“, „Highway Love“, „Rolling Home“, „Storm Of Blades“, „Riding High“, „Dusk Til Dawn“, „Pay The Price“, „Speed And Attack“, „Bang Your Head“ und „Bite The Bullet“ schütteln jeden Nacken, jedes Tanzbein, jedes Bierglas durch. Ich finde es interessant, dass die Texte so gut funktionieren, obwohl sie sich ja innerhalb üblicher Rock’n’Roll-Parameter bewegen. Normalerweise sind es bei mir sonst eher politische/historische Themen oder besonders bösartige Poesie-Passagen, die mich abholen, aber bei BULLET raste ich jedes Mal komplett aus und schmettere Sachen wie „All night long from dusk til dawn / We gonna paint the town red / We gonna loose our heads“ mit Schaum vorm Mund mit. BULLET bringen das eben mit einer unangreifbaren Authentizität rüber, jede:r spürt, dass es sich um Maniacs handelt, die nichts als Bock haben. Und das überträgt sich komplett aufs Publikum, die Meute stampft, grölt, schwitzt und alle wirken gut gelaunt, kein Arsch am Horizont.
Das Jahr ist jung, dieser Abend aber bereits vorgemerkt für die 2026er Jahrespollbögen! TURN IT UP LOUD!
