DEMENTED ARE GO, DUKES OF TIJUANA / 21.02.2026 – Hamburg, Monkeys Music Club
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Dienstag, 24. Februar 2026 19:33
- Geschrieben von Doom Fränk
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Auf eine Sache kann sich die Leserschaft dieser sinnbefreiten Psychobilly und Hard Rock Schmonzette ohne Rückwärtsgang sicherlich einigen: Demented Are Go kann man nicht oft genug sehen! Ich bin seit Jahrzehnten begeisterter Anhänger des extra punkigen Psychobillies von Sparky und seinen Knastbrüdern. Nicht nur deswegen ging es für Demented bereits - teilweise mehrfach - in´s Knust, die Fabrik, das Logo, den Speicher in Husum, das Monkeys und auch in die Markthalle. Hm…da fehlt bestimmt noch was, aber egal! Daher ist es mir unverständlich, dass es zu dieser Psychobilly Legende noch kein Konzertreview auf diesen Seiten gibt. Das können wir aber gleich ändern…also hin da!
In das Monkeys muss man irgendwie reinwachsen. Ich fand den Laden bei meinen ersten Besuchen vor Jahren nicht so prall, aber inzwischen ist der Bums wirklich super. Ok, er ist etwas abseits der üblichen Locations gelegen, aber dafür gibt es immer wieder ein super Programm voller Überraschungen. Bereits angekündigt – und jetzt bitte alle die Luft anhalten – sind im Oktober OHL (Akronym für Oberste Heeresleitung). Ich vermute, es wird das Album Die Auferstehung von Anfang bis Ende gespielt, da dessen Veröffentlichung vor exakt 33 Jahren geschehen ist und so ein Jubiläum muss natürlich gefeiert werden. Eine Doktorarbeit an der Claudia-Schiffer-Universität in Gladbeck über diese Seite hat übrigens zutage gebracht, dass kein anderes Album auf DREMUFUESTIAS öfter erwähnt wird, als eben Die Auferstehung von OHL. Das nur kurz dazu. Ist ja nicht ganz unwichtig. Und durchaus interessant.
Die Dukes of Tijuana eröffnen heute und der Schuppen ist randvoll. Im Vorweg war noch von einigen wenigen Restkarten an der Abendkasse die Rede, aber ich denke, die sind inzwischen auch weg. DAG ist eben seit Jahren schon ein Garant für sold out!. Bei den Dukes sofort eine Überraschung! Grischa Dördelmann steht am Bass! Später wird er auch – wie seit fast 20 Jahren schon – bei Demented die Saiten auf den Hals des Slap-Basses knallen lassen. Weiterhin dabei ist Paddy, der Sänger, der auch die Akustik-Gitarre bedient, Mark Twang an der E-Gitarre und „Lazy“ Chris Slazy am Schlagzeug.
Was kommt da heraus? Rockabilly, mit deutlichem Rock´n´Roll und keinem Punk Einfluss. Der Bass knallt zwar, aber die E-Gitarre ist nicht sonderlich verzerrt und spielt Rock-Rhythmen; das Schlagzeug bleibt stets unter Schallgeschwindigkeit, aber der Beat ist immer noch „ordentlich“. Dazu ein junger, erfrischender Gesang, der auch klar im typischen 60er Rock zu verordnen ist und gar nicht im kaputten 70er oder 80er Punk. Im Gegensatz zu fuckin´ Demented strahlt das alles etwas mehr positive Energie aus, ist etwas sauberer und geleckter. Hierzu lässt sich sicherlich als Paar so Rock´n´Roll mit Über- und Unterwürfen super tanzen, aber das macht hier bei der anwesenden, angetrunkenen Kundschaft leider keiner.
Die Lyrics sind glaube ich eher über schöne Frauen statt über wahnsinnige Mörder oder sonstige Perverse, aber das passt auch besser zu dem sonstigen Vibe und der eher gutgelaunten Grundstimmung. Also irgendwie ist das alles das genaue Gegenteil von DAG und viel mehr 60s als 80s (dem Jahrzehnt, in dem „pure“ Psychobilly von den Meteors entdeckt wurde). Schöner Auftritt, guter Sänger, keine Schlägereien im Publikum, Grischa am Bass – was willst mehr?
Etwas mehr „Wrecking“ vielleicht. Und das wird bei Demented Are Go gleich geliefert. Nach einer eher mittellangen Umbau Pause erscheint die Band auf die Bühne. Sparky anfangs noch mit einem hübschen Jackett und fetter Sonnenbrille - aber beides weicht bald seinem typischen DAG Style, auch wenn er heute nicht mit freiem Oberkörper auftritt.
Keine Show von Demented ohne seinen Flat-Top. Und wie immer gibt es das von dem Publikum verlangte Horror Make-Up aller Musiker. Seien wir mal ehrlich, Anfang 20 ist Sparky aka Spark Retard aka Mark Phillips auch nicht mehr. Wie er es schafft, in seinem Alter noch täglich – mit den vermeintlich dem Fluch der Jahre geschuldeten, schwindenden Haaransatz - eine solche Frisur zu zaubern, ist irgendwie ein Wunder. Genau das wird die Forscher der Firmen Alpecin und Wella bestimmt noch auf Jahre hinaus beschäftigen.
Welches Lied eröffnet oder welche 3 zuerst gespielt werden, weiß ich leider nicht mehr. Auf dem Foto sind diese ja dummerweise auch nicht zu erkennen, aber eines ist sicher: Die waren bestimmt super! Genau wie der Rest der Setlist. Wiewohl gerade erst mit Psychotic Mutilation ein neues Album nach lächerlichen 13 Jahren Wartezeit veröffentlicht wurde, besinnt sich die Band größtenteils dennoch auf die alten Kracher! Ein buntes Potpourri von old school Krachern wie auch geilen, neuen Liedern wird gespielt.
Und hier ist wirklich Stimmung. Es wird gewreckt…und das mehr als reichlich. Wir sind alle auf dem Surfride to Oblivion(!) – nebenbei ein mega Kracher mit super Bass. Das Publikum bricht auf, eine Welle vor und eine Welle zurück bilden sich, ja, türmen sich auf! Hervor klafft augenblicklich eine gähnend leere Spalte! Trotz des nur Millisekunden vorher dicht gedrängt tanzenden Gesindels an gleicher Stelle offenbart sich plötzlich auf einer Breite von 4 oder 5 Metern der blanke, bierverklebte Hallen-Boden. Arme und Beine fliegen; Köpfe rollen, Perücken werden zu unbekannten Flugobjekten, am Mercher werden T-Shirts gekauft.
Mal ehrlich, das sieht mir keiner an, aber ich wiege ja auch so ungefähr so viel wie früher 2 ungeöffnete Zementsäcke – also als da jeweils noch ein Zentner drin war und nicht wie heute diese Kindergarten-Abfüllungen mit lächerlichen 25 Kilo. Naja, auf jeden Fall trifft mich in diesem Gewrecke ein Stoß so hart in den Rücken, dass ich einen Abflug auf die etwa kniehohe Bühne unfreiwillig einleite und bäuchlings darauf aufpralle. Selbstredend fliegt mir da auch das Bier aus der Hand (immerhin ein gutes Edel) und das läuft dann auch noch aus!!! Panisch versuche ich – auf der Bühne und auf dem Bauch liegend -, mit der Handkante das ausgelaufene Bier zurück in die Flasche zu wischen, aber es ist zu spät. Mindestens ein großer Schluck ging dabei verloren. Meinen Rücken bzw. dessen Schmerzen bemerke ich erst am nächsten Tag…und heute…2 Tage später und vermutlich auch noch morgen. Aber auch sonst verschütten sich einige Getränke ohne jede Absicht da, wo die geile Musik herkommt. Holger an der Gitarre versucht daher immer wieder, mit einem Handtuch die Bühne zu trocknen, aber so ist es halt, wenn die Stimmung überkocht. Der ist übrigens ein super Typ!
Aber so ist die Natur des Wrecking, wobei der eine oder andere das heute vielleicht etwas übertreibt und dafür später auch noch eine gelangt bekommt. Das Publikum hat sich aber auch verändert – es ist viel mehr Mainstream als früher, als wirklich noch ¾ echte Psychos auf den Konzerten waren – ich war allerdings auch nie Teil dieser Subkultur. Dazu sieht man inzwischen auch vermehrt Kutten-Träger – also mit (wie immer…) krassen Slayer oder Megadeth Patches statt Guana Batz oder Batmobile Aufnähern – aber immerhin kommen sie zu Konzerten; der Psychobilly Underground stirbt wohl leider langsam aus.
Egal (oder auch nicht), Demented liefern. Aggressiv, aber dennoch eingängig wie immer! Unablässig schlagen die Saiten des Slap-Basses auf dessen Hals, Gaybeul Gualdi – der trommelnde Dijoner – gibt die Geschwindigkeit vor und Holger Grothe schreddert auf der E-Gitarre. Letzterer spielt mit Grischa (dem Meister am Bass) nebenbei auch bei der Ruhrpott Psychobilly Legende The Pitmen – von denen sollte nun jeder Fan geiler Musik ein T-Shirt im Schrank liegen haben. Die Würze des Ganzen ist aber wie immer die sägende, raue und geil kaputte Stimme Sparkys, die absolut einzigartig ist. Uralte Kracher wie Where you gonna go? wechseln sich ab mit Stücken von dem 1999er Meisterwerk Hellucifernation (Daddies makin´Mosters, Don´t send me no Flowers,…) oder neueren wie Hellbilly Storm. Hm…im Nachhinein wird eigentlich wirklich wenig von dem neuesten Album gespielt…aber egal, die Fans wollen ja meistens auch nur die Alten hören. PVC Chair (super, super, super) ist dabei und natürlich auch Pervy in the Park (on a Sunday Morning…). Retard Whore oder Cripple in the Woods geben zudem die thematische Richtung vor – Sparky war sich für keine lyrische Entgleisung jemals zu Schade und hatte immer einen Hang zu mehr oder weniger Perversem.
Zusammengenommen ein super Auftritt von DAG mit einem erstaunlich nüchternen Sparky, aber jetzt kommt´s: Sparky klatscht in der ersten Reihe die Flossen der Fans ab…also nach der Zugabe…und gibt mir(!) plötzlich die Hand!!!! Sodann steigt er von der Bühne herab und fragt mich(!!): „How are you?“ Ich antworte: „Fine – great Show as always!“ Und dann fragt mich(!!!) der(!) Sparky von DAG(!!): „Do you want a beer?“ Und ich denke ich werde bekloppt und antworte: „Yes, sure!“ Also steigt er zurück auf die Bühne und holt mir das letzte(!) Astra, das da noch steht und für die Band gedacht war. Pardautz, Herr Kapitän, oder nicht? Oder wie? Natürlich habe ich die Flasche sofort (!) ausgetrunken und als Souvenir eingesteckt(!!!). Sie steht jetzt dort im Schrank, wo vorher das Bild meines dämlich grinsenden Schwagers Gerland (aufgenommen nach seiner im 4ten Anlauf bestandenen Fahrstuhlführerprüfung) seinen Platz hatte – aber der ist sowieso ein Idiot…
Demented Are Go zu oft zu sehen, ist unmöglich. Bei der nächsten Rutsche wieder hin da, aber dann besser mit Motorradjacke und eingenähtem Rückenschutz…
Stay Psycho!
