HEADBANGERS OPEN AIR XXVII / 26.07.2025 – Brande-Hörnerkirchen, Tag 3

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Boah, nach drei Tagen des Hin- und Herfahrens wachen wir herrlich im Zelt auf. Ich mein, wie geil ist es bitte? Erster Ferientag, sechs Wochen frei (wegen guter Leistungen), und heute einfach mal sieben Hammerbands genießen. Als da wären: CYCLONE, TITAN, WITCHKILLER, RAM, TRAITOR, GRAHAM BONNET und TANKARD (ja, es fehlen KINGDOM OF MADNESS, die ich mir auch angeguckt hätte, aber wir bekommen zu dem Slot überraschend Besuch). Da sind immerhin DREI Bands dabei, die ich noch nie gesehen habe! Ich freue mich auf alle sieben Bands, aber dass ich endlich mal GRAHAM BONNET zu Gesicht bekomme, fühlt sich noch unwirklich an.  

 

TANKARD

Bilder von MJ.

 

CYCLONE

 

CYCLONECYCLONE

 

CYCLONE hatten bereits auf dem 2023er KEEP IT TRUE vollständig begeistert und zeigten dann 2024 auf der Tour mit MIDNIGHT endgültig, dass sie es mit der Reunion ernst meinen. Demnächst erscheint ja sogar die langerwartete dritte Veröffentlichung „Known Unto God“. Die belgischen Thrasher laden zu einem „heavy and evil breakfast“ (Sänger Guido Gevels), das allen Anwesenden gut mundet. Was für eine Energie! Da wird der Gartenmob wachgerüttelt. Der zeitlose Thrash Metal hat die nötige Durchschlagskraft, grandiose Riffs und Refrains, die sich festbeißen. „Take Thy Breath“, „Throw The First Stone“, „Plaque“, „Neurotic“ oder “Fighting The Fatal” stellen eine einzige Prügelorgie dar, bei der vielen Thrasher eine amtliche Dreckswolke aufwirbeln. Zum dritten Mal in Reihe fällt auch der sehr gute Sound bei CYCLONE auf, so richtig schön roh, heavy und aggressiv. Hoffentlich kann bald auch mal das damals völlig untergegangene zweite Album von 1990 wiederveröffentlicht werden!

 

TITAN

 

TITANTITAN

 

In letzter Zeit ist meine Liebe zu französischem Heavy Metal gestiegen. Woran es liegt, kann ich gar nicht sagen, aber ich lege ständig sowohl die Klassiker wie SORTILÈGE, ADX, KILLERS, BLASPHEME oder H-BOMB auf als auch neue Knaller von MEURTRIÈRES, TENTATION, HERZEL usw. Da kommen TITAN mit ihrem Heavy/Speed Metal natürlich goldrichtig. Ähnlich wie genannte Bands haben TITAN diese spezielle Leidenschaft und Wildheit. Vom kultigen 1986er Debut werden „La Loi Du Métal“, „Ultimatum“, „Popeye Le Road“, „L’Irlande Au Ceur“ und „GI’s Héritage“ gespielt – in derart atemberaubenden Versionen, dass einige Banger nach Luft schnappen wie Fische auf dem Trockenen. Auch die Stücke der „Palingenesia“-Scheibe (2021) überzeugen und mit dem KILLERS-Cover „Maître Du Métal“ versetzen sie dem Garten einen solchen Donnerhieb, dass im hinteren Bereich ein Scheißhaus einstürzt.

 

TITANTITAN  

 

WITCHKILLER

 

WITCHKILLERWITCHKILLER

 

„Day Of The Saxons“ ist so ein Stück, bei dem du lediglich den Songtitel liest und augenblicklich einen hartnäckigen Ohrwurm in der Birne hast! Ich persönlich empfinde es als Sensation, diese kanadische Kultband live sehen zu können. Die EP mit dem erwähnten Titelsong wanderte 1988 eher durch Zufall in meine damals noch überschaubar proportionierte Sammlung – in Form dieser „Two-in-one“-CD von STEAMHAMMER (zusammen mit OBSESSIONs „Marshall Law“, später erntete ich natürlich beide EP’s auf Vinyl ab). Der Gig macht durchweg Spaß, auch wenn dem Publikum anzumerken ist, dass alle auf „Day Of The Saxons“ warten.  Der neue Sänger James Delbridge (einziges Originalmitglied: Gitarrist Kurt Philipps) kommt mir unheimlich bekannt vor, aber ich wüsste nicht, wo ich ihn schon mal gesehen haben könnte. Er passt jedenfalls gut und singt die Stücke so, dass es vertraut klingt. „Beg For Mercy“, „Cry Wolf“, „Penance For Past Sins” und “Riders Of Doom” stellen Bespiele für guten kanadischen Stahl dar. Unaufgeregt, zugleich zeitlos und von heutigen NWOTHM-Bands in ihrer Unbekümmertheit kaum reproduzierbar. Als der Ohrwurm endlich gespielt wird, brechen natürlich alle Dämme. Hach, herrlich.

 

WITCHKILLERWITCHKILLER

 

TRAITOR

 

TRAITOR

 

Zweiter Einsatz für Bassist Lorenz Kandolf, der ja bekanntlich auch bei REZET spielt. „Bin gespannt, welchen Gig du besser findest“, gab er mir gestern noch beim Heavy-Metal-Smalltalk im Camp mit auf dem Weg. Fiese Frage, muss ich die hier öffentlich beantworten? TRAITOR sind natürlich deutlich straighter, im Vergleich zu REZET fällt ihr Ansatz stumpfer aus. Hier gibt es über die gesamte Spielzeit direkt auffe Fresse, während REZET mittlerweile eine recht große Bandbreite abdecken. Was besser ist, lässt sich eigentlich nur insofern entscheiden, auf was man gerade mehr Bock hat. TRAITOR lösen einen  Bewegungsdrang aus, der Lahme die Krückstöcke über den Gartenzaun werfen lässt - ihr Energielevel ist immens hoch. Und was ich ja seit frühen EXCITER-Zeiten einfach geil finde, ist ein singender Drummer, der sein Kit zerlegt und gleichzeitig wie ein Gestörter brüllt und screamt. Mit „Total Thrash“ ist ihnen ein Knaller gelungen, der es mit einigen 80er Gassenhauern aufnehmen kann. Der Pit beweist ein weiteres Mal, dass die Veranstalter mit Recht viele Thrash Bands gebucht haben.

 

RAM

„DEDICATE YOUR LIFE TO HEAVY METAL!”, so prangte es auf einem älteren RAM-Shirt und selbstverständlich ziehen die Schweden dieses Lebensmotto weiter durch. Angenehm humorlos wird der von JUDAS PRIEST beeinflusste Heavy Metal dargeboten. Wobei RAM schon lange ihren eigenen Stil gefunden haben, so dass sie unverwechselbar klingen. Oscar Carlquist haut Ansagen raus, bei denen ich mich mehrfach frage, ob er das gerade wirklich so gesagt hat. So bezeichnet er sich selbst als Heavy Metal Role Model, dem jüngere Headbanger folgen mögen. Hab ich vielleicht auch falsch verstanden. Unmissverständlich wird aber seine Liebe zu Undergroundfestivals wie dem HOA kommuniziert. Wenn ich eine RAM-Wunschsetlist hätte schreiben dürfen, wäre sie wohl ziemlich so wie die ausgefallen, welche die Band heute tatsächlich spielt. Denn mit „Eyes Of The Night“, „The Trap“ (Florian "Patches" Helmholtz gewidmet, R.I.P.!), „Gulag“, „Machine Invaders” und “The Usurper” sind meine Faves dabei. Mit “Nightblade“ (oder „Nightshade“?) präsentieren RAM einen brandneuen Track, der so heftig ins Blut geht, dass die Meute ihn mit Sprechchören feiern. Ein Triumph des Stahls.  

 

GRAHAM BONNET BAND

 

GRAHAM BONNET BANDGRAHAM BONNET BAND

 

Vielleicht der größte Name, den das H:O:A bisher auf der Bühne hatte. Ich liebe Bonnets Stimme, die bekanntlich auf legendären Alben von RAINBOW ("Down To Earth"), MICHAEL SCHENKER GROUP (v.a. "Assault Attack"), IMPELLITTERI ("Stand In Line") oder ALCATRAZZ (v.a. "No Parole From Rock'n'Roll") zu hören ist. Was für eine Range, was für eine Power und was für Gänsehautmelodien! Das bringt der Mann toll rüber, trockenen Humor gibt's noch obendrauf. Die Band ist super, immerhin müssen hier Sachen von Ritchie Blackmore, Yngwie Malmsteen, Michael Schenker, Don Airey, Cozy Powell, Roger Glover u.v.w. gespielt werden, also den besten! Für mich ist das eine essentielle Phase des melodiösen Hardrock und Heavy Metal. Da wird gerade eine große Lücke geschlossen und die Bucketlist verringert sich um einen Namen. Mit einer großartigen Version von „Eyes Of The World“ geht es los und ich schildere lieber nicht, wo ich überall Gänsehaut habe. „All Night Long“ – hier ziehen Visionen aus meiner Kindheit herauf, denn zu diesem Stück haben wir damals auf Klassenfesten im Kreis sitzend (!) gebangt. Weitere Highlights stellen „Too Young To Die, Too Drunk To Live“, „Desert Song” (geile Atmosphäre, mit dem hatte ich nicht gerechnet), „Night Games“, „Since You’ve Been Gone“, „Love’s No Friend”, “Assault Attack” und “Lost In Hollywood” dar. Holdy Moldy, hätte mein Oi!-Kumpel Issel aus Gaarden jetzt gesagt, wäre er hier.   

 

GRAHAM BONNET BAND

 

Jo, ich erwähnte es. Unerwartet schneit ein Punker-Pärchen aus Hamburg rein („Einfach mal die Stimmung aufsaugen, ist so geil hier!“), die wir natürlich im Camp mit ein paar Humpen bewirten. Aber zu TANKARD sind wir zurück, logisch.  

 

TANKARD

 

TANKARDTANKARD

 

Was ist das denn für ein brutal guter Sound! So klar und heavy zugleich habe ich die Jungs selten gesehen, vielleicht noch nie. Da steigt die Laune gleich noch mehr. Der Garten füllt sich bis zum Anschlag und alle haben Bock. Gerre befeuert die ausgelassene Stimmung noch mit 1A-Ansagen. Die Setlist ist ein Traum und enthält Stücke von 13 (!) TANKARD-Scheiben. Und davon kann man nur wenige als Deep Cuts bezeichnen (am ehesten wohl „Octane Warriors“ von „Thirst“ und „Dark Exile“ von „Kings Of Beer“), was zeigt, wie unglaublich viele Hits TANKARD mittlerweile erbrochen – äh, verbrochen, will meinen: kreiert haben. Ich sag nur „The Morning After“, „Rapid Fire“, „Rectifier“, „Die With A Beer In Your Hand”, “Chemical Invasion”, “Freibier”, “Zombie Attack” und natürlich “(Empty) Tankard”. Das Tresenpersonal gerät noch mal richtig ins Schwitzen, denn TANKARD potenzieren den eh schon vorhandenen Durst. Respekt, wie schnell man dort trotz des Andrangs versorgt wird. Davon könnten sich einige große kommerzielle Läden mal ‘ne Scheibe abschneiden, bei denen du ganze Songs verpasst, nur weil du kurz ein Bier holen gehst. Richtig geiler Abschluss und ein perfekter HOA-Headliner!

 

TANKARDTANKARD

 

Das war’s fürs HOA 2025, die nächste Ausgabe lugt schon um die Ecke mit u.a.  VOIVOD, AGENT STEEL, STORACE, EVILDEAD, THE TROOPS OF DOOM, AMBUSH, PRAYING MANTIS, THRESHOLD, SARACEN, SORTILÈGE, BENGAL TIGERS, ATLANTEAN KODEX, MINDWARS, BRONZE, MERCILESS LAW, FATAL EMBRACE, BEAST, RUTHLESS und TURBOKILL. Drehst du doch durch.  

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