RAWSIDE, STACKHUMANS, ZUSY JONES / 31.01.2026 – Lübeck, Treibsand

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“Wir merken immer wieder – wir kommen viel zu selten in den Norden!“, erkennt Henne heute auf der Bühne völlig richtig. Der letzte DreMu-Konzertbericht über RAWSIDE ist von 2013, aber aus Schweinfurt. Auf nördlichere Shows fixiert waren die Berichte über RAWSIDE aufm FORCE ATTACK 2009, im Hafenklang 2008 und im Marx 2005. Alles ganz schön lange her. Ich selbst hatte das Glück, dass wir immer mal zusammen gespielt haben, wobei die Konzerte mit Vladi auch schon länger her sind. Letztes Jahr hatten aber CATBREATH das Vergnügen, zusammen mit RAWSIDE auf dem genialen METI-Festival in Düsseldorf zu spielen. Endlich sah ich mal die neue Besetzung mit Henne und seinem Sohn Justin, der seit einigen Jahren und zwei Alben bei RAWSIDE am Schlagzeug sitzt. Doch halt! Ganz komplett war die Band nicht, hatten doch zuvor im Juni 2025 zwei Bandmitglieder auf dem Weg zum AIN’T LIKE YOU FESTIVAL einen schweren Autounfall. Ehrl (g) und Simon (b) waren damals separat mit dem PKW unterwegs, nachdem es Probleme mit dem Tourbus gab und man sich auf drei Autos verteilen musste. Ein Auto kam nicht an, es spielte die Rumpfbesetzung (zu dritt!), die erst nach dem Auftritt vom Unfall erfuhr. Eine echte Horrorvorstellung und man sieht, wie schnell sowas gehen kann. Simon war früher wieder genesen, für Ehrl stehen original an diesem Wochenende die ersten beiden Konzerte seit Juni an – willkommen zurück!

 

RAWSIDE

Bilder von MJ.

 

Am Abend vor dem Konzert laufen die Drähte heiß: SHIT SHOW, die eigentlich als Support geplant waren, müssen wegen Krankheit absagen. Henne ruft durch, ob VLADIMIR HARKONNEN oder CATBREATH einspringen können. Leider geht’s bei beiden nicht, was echt schade ist. Noch auf dem ALIAS CAYLON/NOWAR/BITTTER-Konzert wird diskutiert, wen man alles anhauen könnte. Onni schlägt die STACKHUMANS vor, was ich an Henne weitergebe. Ob es tatsächlich daran liegt, dass die Hamburger Knüppelpunks mit am Start sind, weiß ich letztlich nicht, aber hier fügt sich eins zum anderen und die Szene hat hier super kommuniziert und eine schöne Kombi ermöglicht. Schade natürlich trotzdem wegen SHIT SHOW, gute Besserung!

 

ZUSY JONESZUSY JONES

 

Mit dabei ist sogar noch eine dritte Band, nämlich ZUSY JONES. Hier spielt ein alter Bekannter den Bass, nämlich Mad Jazz Morales, der u.a. auch bei DAS BEBEN dabei war (und ist?). Die CD von ZUSY JONES fand ich etwas lahm, aber live kommt die Chose knorriger rüber. Doom Fränk beschreibt die Band in seinem Review vom Witte-Tribut als „typisch norddeutsch“ und „irgendwie old school Punk“. Kann man so stehen lassen. Die Zuschauerschaft bleibt zunächst gelassen und zurückhaltend, bis ein ganzer Trupp Jungpunks reinschneit, die Jacken in die Ecke wirft und loszupogen beginnt. Somit kann man sagen: ZUSY JONES sind definitiv pogotauglich. Ich mache mehrfach interessante Textpassagen aus, die in Songs wie „Hassinfarkt“, „A1“ oder „Rotation“ herauszuhören sind. Insgesamt passt das Ganze natürlich nicht wirklich zu den beiden deutlich brachialer ausgelegten anderen Bands, aber das muss ja auch nicht zwingend so sein.  

 

STACKHUMANSSTACKHUMANS   

 

Jetzt gibt’s Backenfutter! Oder gleich ‘ne ganze Gesichtsauswuchtung, wie Ralle (Ex-RAWSIDE) immer gern gesagt hat. STACKHUMANS sind ja richtig super, wieso hab ich die bis jetzt bloß immer verpasst? Sie klingen im Grunde so wie RAWSIDE früher, wütender Hardcore-Punk mit Titeln wie „Kotze über Deutschland“, „Friss Scheiße“, „Angepisst und radikal“ oder „Auf Krawall gebürstet“. Das geht runter wie Öl. Man darf die Dinge auch einfach mal direkt beim Namen nennen, statt alles zu verklausulieren oder in Ironie zu tränken. Der fitte Sänger springt herum wie ein Wrestler auf Prügelentzug. Und es ist der erste Gig des neuen Gitarristen David, der angesichts der spontanen Zusage wohl etwas ins kalte Wasser geschubst wurde. Läuft aber prima! Ich ernte danach gleich beide Platten ab und hör die seitdem ständig. Totaler Tipp!

 

RAWSIDERAWSIDE

 

Aaah, der RAWSIDE-Gig bringt beste Erinnerungen zurück, darf gleichzeitig aber keineswegs als Nostalgie-Veranstaltung abgetan werden! Denn mittlerweile klingt die Band gerade bei den neuen Songs anders als früher – natürlich, denn es spielen andere Menschen mit und beteiligen sich am kreativen Prozess. Da steckt jetzt viel extremer Metal drin, thrashige Gitarren und wuchtiges, tightes Drumming. Aber mit der für RAWSIDE typischen Wut und selbstverständlich nie ohne klare Haltung gegen Faschisten, Schwurbler, Kapitalisten und andere Arschlöcher. Justin kloppt die Chose brutal nach vorn und das vereinigte Gitarrenduo sowie Basser Simon feuern aus allen Rohren. Wenn Henne Songs wie „Es herrscht Krieg“ ankündigt, bekomme ich die Gänsehaut schon bei der Ansage! Und beim folgenden Gewitter verdichtet die sich noch. Ich habe keinen Plan von der Setlist, brülle begeistert irgendwann „Tears Of Yesterday“, der doch tatsächlich genau jetzt kommt, geiler Zufall. Henne tobt über die Bühne, nimmt sich immer wieder Zeit für kürzere oder längere Ansagen, je nachdem, wie wichtig ihm das Thema jeweils ist. Super finde ich zum Beispiel, wie er für eine Besucherin im Rollstuhl Platz schaffen lässt, damit sie gut sehen kann und ihr später eine Fahne zum Schwenken übergibt. Ob sie Bock darauf habe, die Aussage „Nieder mit dem Faschopack“ mit dem Teil zu unterstreichen. Hat sie. Bei dem folgenden umgetexteten OHL-Cover bricht die reine Pogo-Hölle los. Auch bei den neuen Songs wie „Menschenfresser“, „Der Blitz“ oder „Auf der Flucht“ geht der Ratz ab. Was neue und alte Songs meiner Meinung nach verbindet – außer Hennes Brachialgesang – ist, dass jeder Refrain sofort zündet. Da hast du einfach Bock, vollständig zu eskalieren und den Verstand an die Wand zu schmeißen. Das sehen auch die oben erwähnten jungen Punks so, die sich gegenseitig herumschleudern und abmaulen, als gäbe es kein Morgen. Infernalisch!   

 

RAWSIDERAWSIDE

 

RAWSIDE spielen übrigens bald schon wieder auf der Ecke – im Husumer Speicher beim schönen DER HAFEN ROCKT-Festival. Hingehen, rangehen.

 

RAWSIDERAWSIDE

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