HEADBANGERS OPEN AIR XXVII / 25.07.2025 – Brande-Hörnerkirchen, Tag 2
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Samstag, 07. Februar 2026 12:39
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Der letzte Schultag vor den Sommerferien ist immer etwas Besonderes. Zeugnisse verteilen und ab! Sechs Wochen frei wegen guter Leistungen. Und wenn du dann direkt aufs H:O:A gehen kannst, wird dieser Tag gleich noch besser. Der einzige Wermutstropfen: SURGICAL STRIKE, ASSASSIN und WINGS OF STEEL sind bereits durch, als wir bei der härtesten Gartenparty der Welt eintrudeln. Und da mich Nils und Niko vom WHEEL OF STEEL PODCAST gleich noch in ihren Bulli kidnappen (höre: https://www.podcast.de/episode/693729677/philipp-catbreath-vs-enchantya), verpasse ich auch PARAGON. Nun gilt es, auch wirklich keine weitere Sekunde mehr zu verpassen und sich in einem Rutsch THE NIGHT ETERNAL, REZET, SABER TIGER, BURNING WITCHES und DEMON zu gönnen. Pinkeln kann man noch, wenn man tot ist. Oder so.
Bilder von MJ.
THE NIGHT ETERNAL
Ich finde es faszinierend und erfreulich mitzuerleben, wie diese Band immer besser wird. Klang die erste EP noch etwas unfertig und im Gesang wackelig, machten die Ruhrpott-Banger mit „Moonlit Cross“ 2021 einen riesigen Schritt nach vorne und frecherweise toppten sie dieses Album 2023 dann wiederum mit „Fatale“. Auch live wirken THE NIGHT ETERNAL mittlerweile sehr souverän und spielen sich heute geradezu in einen Rausch. Ist es eigentlich mittlerweile mehr als okkult aufgeladener Heavy Metal oder höre nur ich einen Goth-Einschlag heraus, ähnlich wie bei IN SOLITUDE oder UNTO OTHERS? Sehr stilvoll wimmern die Gitarren (Robert Richter!), dazu dieser Beat zwischen THE DEVIL’S BLOOD und MERCYFUL FATE und oben drauf noch Ricardos fantastischer Gesang. Natürlich wird „Prince Of Darkness“ Ozzy gewidmet, weitere Highlights kommen in Form von „Stars Guide My Way“, „Elysion (Take Me Over)“ oder „Moonlit Cross“. Sehr, sehr gut!
REZET
REZET spielen gleich zwei BLACK SABBATH-Nummern, um an OZZY zu gedenken! Die beiden Stücke bilden eine Klammer um das restliche Set, da Ricky & Co. mit „Children Of The Grave“ beginnen und mit „Paranoid“ schließen. Tolle Aktion, Ozzy forever! Dazwischen heißt es: Thrash with class. Ich hab es schon häufiger gesagt: Die jetzige Besetzung wirkt homogen und könnte die beste in der Bandgeschichte sein (wobei es auch geil war, Ricky und Attt mal wieder mit Thorben vereint zu sehen, als sie die VIOLENT-FORCE-Show in Düsseldorf gespielt haben). Mittlerweile sind Nikolay Atanasov (g) und Lorenz (b) nicht mehr aus der Band herauszudenken. Der Sound ist super, der Garten geht gut mit. „Unholy Grail“, „Reality Is A Lie“, „Duck & Cover“ oder der Klassiker „Have Gun, Will Travel” decken mit eingängigen Refrains, zackigen Riffs, amtlicher Gitarrenarbeit, Geballer und Midtempo die maximale Bandbreite im Thrash Metal ab.
SABER TIGER
Zeit für einen richtigen Gourmethappen, denn die japanische Legende hat sicher kaum einer der Anwesenden jemals zuvor live sehen können, obwohl sie locker 19 Alben draußen hat. Das Niveau lässt gestandene Banger schwanken (am Bier kann es nicht liegen, ist ja noch früh). Akihito Kinoshata zaubert aber auch an der Gitarre, das ist ja unglaublich. SABER TIGER zeigen, wie man klassischen Heavy Metal mit Power Metal- und Prog-Elementen kombiniert, ohne jemals kopflastig zu wirken und zu jeder Zeit knallhart bleibt. Ich bin begeistert, denn der Auftritt unterstreicht, warum das HEADBANGERS OPEN AIR und das KEEP IT TRUE so wichtig für die Szene sind: Nicht um immer wieder dieselben Combos auf die Bühne zu stellen, sondern um Underground Kultbands, die der Metal-Mainstream gar nicht auf dem Zettel hat, in den Fokus zu rücken. 1981 haben diese japanischen Recken angefangen und nun kann man sie tatsächlich live sehen! Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte ich noch nicht mal LOUDNESS live erlebt, aber dank KIT und HOA (sowie natürlich andere Festivals) wurden nun diverse Japan-Metal-Highlights nach Deutschland geholt (CROWLEY, SABBAT, GENOCIDE NIPPON, METALUCIFER, ANTHEM…). Nicht nur für mich eines der absoluten Highlights, das bei hämmerndem Killersound einfach voll abgeräumt hat!
BURNING WITCHES
Respekt, diese Band sah ich zuletzt 2019 noch mit der alten Sängerin Seraina Telli, und mittlerweile hat eine gehörige Weiterentwicklung stattgefunden. Nicht dass die Vorgängerin schlecht war, aber Laura Guldemond ist ja die personifizierte Action! Die Sängerin wirbelt nur so über die Bühne und reißt mit der Zeit auch die Skeptiker mit. Die gibt es durchaus, vor allem wohl aufgrund der hohen Position im Billing. Bei dem Punkt geh ich auch mit, Co-Headliner ist für BURNING WITCHES auf dem HEADBANGERS OPEN AIR etwas unpassend. Das ändert aber nichts an der Qualität der Performance. Obwohl ich kein Album der Band und somit keinen Song kenne, bin ich doch beeindruckt und gucke mir das gesamte Konzert an. Mich nerven später auf dem Campingplatz auch solche Sprüche wie „Die Alte klang wie Doro“, an denen man leider feststellen muss, wie hart eine weiblich besetzte Band immer noch arbeiten muss, um sich gegen dumme Vorurteile durchzusetzen. Insgesamt ein sehr gelungener Auftritt mit starker Gitarrenarbeit von Courtney Cox und Simone Van Straten.
DEMON
Immer wieder DEMON! Die Briten sind die einzige Band, bei der ich jemals in einem Fanclub war. Somit sitze ich textsicher im Sattel. Wobei den Opener „Night Of The Demon“ nun auch wirklich jede:r H:O:A-Besucher:in mitsingen können dürfte (falls nicht: die Metal Inquisition ist informiert). Auch in der Folge bleiben DEMON bei ihren bekanntesten Songs, von der (guten!) aktuellen Scheibe „Invincible“ wird lediglich ein Track gespielt, nämlich „Face The Master“. Ist auch völlig richtig so, denn ein Headliner am dritten Tag muss die Meute natürlich in Wallung bringen. Da gelingt mit Großtaten wie „Sign Of A Madman“, „The Plague“, „Wonderland“, „Liar“, „Don’t Break The Circle“ und „One Helluva Night” auch spielend. Dave Hill ist gut bei Stimme – für mich einer der besten Sänger überhaupt, auch wenn andere höher, tiefer oder wie ein ganzer Schweinestall schmettern können. Aber dieser Ausdruck, das Charisma! Und gerade die beiden eher ruhigen, bedächtigen Nummern ziehen alle in den Bann: „Remembrance Day (A Song For Peace)“ und „Life On The Wire“. Zeitlos bewegend.
Das war toll! Heute endlich hierbleiben, zelten und morgen den ganzen Tag reinziehen. TBC…
