(BLUT+EISEN, ANTIKÖRPER, DIE AUGEN, C3I,) MAHLER/FONDERMANN & THE BEASTS, YACØPSÆ, ZUSY JONES, ÖSTRO 430 / 29.01.2026 – Hamburg, Hafenklang – A Tribute to Witte (Teil 1)

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Wer war Witte? Wem gebührt der Tribut an diesem Abend? Weshalb hat sich heute so eine illustre Schar von Bands im Hafenklang versammelt? Dazu später mehr, sofern der geneigte Leser genau dieses nicht ohnehin schon weiß. Genug der Worte, bei der Anzahl der Bands muss die Einleitung etwas kürzer als üblich ausfallen, da ansonsten der Bericht zu lang wird und ab Zeile 92 liest laut einer Umfrage eh keiner mehr – das wäre ja schade.

 

MAHLER/FONDERMANN

 

Eins noch vorweg: Der Ticketpreis von EUR 16,75 ist für das Gebotene eigentlich viel zu billig – da kommt man/frau sich ja fast schon schäbig vor. Natürlich ist der Abend seit Wochen ausverkauft, aber das Publikum verteilt sich besser als einige Tage zuvor bei Faetooth und daher ist es in dem Bums heute durchaus gemütlich. Nichtsdestotrotz ist der Beginn mit 19:15 Uhr für uns Kieler aber auch als etwas „knackig“ zu bewerten.

 

ÖSTRO 430ÖSTRO 430

 

Egal, wir sind pünktlich vor Ort, da wir nichts verpassen wollen und vor allem nicht Östro 430. Die Punkband aus Düsseldorf existierte von 1979 bis 1984, löste sich auf und gründete sich 2019 in Hamburg neu. Wenn es einen Vergleich geben sollte, dann kann es damals wie heute nur mit Ideal(!) aus Berlin sein! Jetzt gibt es ein Akustikset voll mit Punkrock nach Hausfrauenart. Und das hat es in sich! Martina Weith an der Quetsche – vielleicht ist es auch ein Akkordeon, aber dafür sieht es zu klein aus – schifferklaviert sich durch ein Set von Originals und Punk Covers. Begleitet wird sie an der Klampfe von der hinreißenden Anja Peterssen und beide machen das großartig. Getragen werden die Texte von der eleganten, einnehmenden aber gleichsam resoluten Stimme Martinas, der auch das teilweise humoristische nicht fremd ist. Super Auftritt, aber leider viel zu kurz. Nach nur 30 Minuten wird unter lautem Jubel die Bühne leider schon wieder geräumt. Hier wäre mir ein ganzes Set über 120 oder 180 Minuten lieber gewesen – aber alles schön nach Hausfrauenart! 3x super hierfür. Was für ein Start…das hier wird keine Lahmarschfete!!!

 

ZUSY JONESZUSY JONES

 

Wer kennt Zusy Jones nicht? Ich zumindest vor deren Auftritt, aber das hat sich zum Glück nun geändert. Die ganze Chose ist irgendwie old school Punk, welcher mich am ehesten an frühere Dimple Minds erinnert. Hier hat keiner über Jahre auf der Nana-Mouskouri-Musikhochschule E-Gitarre oder Schlagzeug spielen gelernt, nein, es wird gezockt und gerockt. Dazu Lyrics über das Leben abseits der Hochglanzmagazine oder des glitzernden Boulevards. Die Texte – bewusst einfach und leicht verständlich gehalten -  werden typisch norddeutsch daher gebracht, ohne jemals in dieses „bräsige“ abzurutschen, welches den Bewohnern zwischen den Deichen leider irgendwie anhänglich ist. Das Unterhemd und der coole Backenbart des Sängers generieren Extra-Punke für die optische Darbietung. Typisch norddeutsch punkig – ehrlich, solide, Bier in der Knolle dazu. Witte hätte diesen Auftritt bestimmt geliebt.

 

YacøpsæYacøpsæ

 

Am nächsten Tag ruft mich ein Kumpel an und brüllt ins Telefon, dass er das erste Mal seit Jahren wieder ein Pfeifen auf den Ohren hat. Warum das? Wegen dem Fahrtwind auf der A7? Dem lauten Gebrüll vor dem Fischmarkt? Nein, die Yacøpsæ mähen alles nieder. Was für eine Wand, was für ein brachialer Sound! Powerviolence? Grindcore? Mega-Turbo-Speed-Crust-Core? Egal – ein Verstärker nach dem anderen spukt blaue Funken in das Dunkel des Hafenklangs derweil die Lieder im Durchschnitt eine Länge von 42 Sekunden nicht überschreiten. Das reicht aber auch, um durch keifende Lyrics die Message unter das in Ehrfurcht erstarrte Volk zu bringen. Hier spielt einfach so mir-nichts-dir-nichts eine Band an dritter Stelle, die ansonsten Headliner in der Markthalle sein könnte und das für lächerliche 16 Euro!!! Talking about…dies zeigt aber auch erneut das hochkarätige Billing und wie verbunden Hamburg und seine Punks Witte sind. 

Yacøpsæ spielen auf die Tausendstel-Sekunde genau. Break bedeutet Vollbremsung und nicht, dass ein Drittel der Band einfach weiterfährt. Eine Weltpremiere und ein Highlight des Abends – eines Abends, der reich an Highlights ist – muss(!) ein Cover von Torpedo Moskau sein. Dieses spielen Yacøpsæ zusammen mit Stephan Mahler (ex-Slime, ex-Torpedo Moskau) und Arne Wagner (C3i, ex-Torpedo Moskau) an den Vocals für Witte (u.a. ex-Torpedo Moskau). Stephan Mahler spielt dazu gezwungenermaßen auch noch Luftschlagzeug – das macht er aber spitze! Ich frage mich bis jetzt, warum Torpedo Moskau scheinbar völlig an mir vorbei gehen konnte… Zu Stephan Mahler und Arne Wagner später aber noch mehr. 

Erst noch ein Satz zu Yacøpsæ: Meine Tante Frieda überraschte mich am folgenden Tag mit der Information, dass das Tanz, Grosny, tanz Album (graues Vinyl, 2009 auf Vulgar Records erschienen) tatsächlich unter ihren 5 Lieblingsalben ist. Sie legt dies immer noch gerne auf, wenn keiner aus der sie besuchenden Verwandtschaft mehr Die Auferstehung von OHL (Oberste Heeresleitung) auf Dauerrotation hören will.

 

Yacøpsæ

 

So…jetzt weiter mit dem Mahler Stephan. Der hat was ganz Neues! Mahler/Fondermann and the Beasts heißt das. Ich kann nun nicht sagen, ob mit dem Zusatz and the Beasts die Surf-Horror Band gleichen Namens um den umtriebigen und exzentrischen Sänger Ray Orsen gemeint ist, aber schön wäre es. Die Texte – gleich mal vorweg – sind sicherlich intelligenter als bei Punk Bands wie Saufpower, Bonzentot oder Sidsn geblibn. 

Wer ist Fondermann? Den Mahler kennt ja nun wirklich jeder, da er ein Großteil der Texte von Slime in ihrer ersten Hochphase geschrieben und mit der Alle gegen Alle das vermeintlich beste Deutschpunk Album aller Zeiten betextet hat. Außerdem spielte er da Schlagzeug. 

(Ritchy) Fondermann ist so ziemlich alles. Musiker, Schriftsteller, Musik- und Videoproduzent. Gleich sehen wir ihn auch bei Antikörper. Zuerst aber bei Mahler/Fondermann. And the Beasts. Heute Abend ist auch Weltpremiere(!!!!) – beide spielen das erste Mal die Lieder ihrer „Band“ auf die Bühne. Die ganze Chose ist sicherlich etwas kopflastiger als die Yacøpsæ und dazu im Vergleich in quälend langsamer Zeitlupe gespielt. Irgendwie auch mehr Rock nach Hamburger Schule als Punk, aber was weiß denn ich. Muss man/frau sich wohl erstmal reinhören, ist aber durchaus interessant. Also hörenswert. Hätte ich mir nicht schon so einen reingelötet, hätte ich mit dem Mahler Stephan gerne noch geiles Gesülze ausgetauscht, aber in jenem Moment war das leider schon zu spät. Und ich fürchte, darauf hätte er auch gar keinen Bock gehabt… Egal.

 

MAHLER/FONDERMANNMAHLER/FONDERMANN 

 

Liest überhaupt noch jemand? Wenn ja, bitte einen Kommentar hinterlassen. Ich vermute aber nicht, daher muss es hier wie üblich eine Fortsetzung geben. Der Abend ist noch lang und ich nehme nichts vorweg, wenn ich sage, dass mit Blut+Eisen noch ein Oberkracher kommt. Außerdem gibt es noch ein paar Worte zu Witte, 2-3 tschechische Biere, ein paar Bilder und die Chance, kein Preisgeld zu gewinnen. Na denn…    

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