THE BABOON SHOW, THE MEFFS / 28.01.2026 – Kiel, Pumpe

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Wenige international tourende Bands kommen derart häufig nach Kiel wie THE BABOON SHOW. Woran das liegen mag? Vielleicht mögen sie Kiel einfach gern, was vollständig nachvollziehbar wäre. Oder aber sie touren so häufig und flächendeckend, dass es schlicht eine mathematische Konsequenz ist und sie irgendwann hier wieder aufschlagen müssen. Fakt ist, dass sie bereits in der Alten Meierei, der Pumpe, dem Campus Festival, auf dem Wilwarin und nun abermals in der Pumpe zocken, wir berichteten zudem bereits von BABOON SHOWS in Flensburg, Lübeck, Ruhrpott Rodeo und Wacken. Der Wacken-Gig zeigte mir, dass THE BABOON SHOW auch auf sehr großen Bühnen überzeugen. Und ich muss sagen, dass ich es sogar gut fände, wenn die Band noch populärer würde. Klingt komisch? Ich gebe zu, dass ich auch schon Bands aus dem Fokus verloren habe, wenn sie „zu groß“, „zu mainstreamig“ oder einfach zu langweilig und vorhersehbar wurden. Aber im Fall der Schwed:innen ist das bisher nicht so, die bleiben aufregend und ich freue mich auf jedes ihrer Konzerte. Besser THE BABOON SHOW auf den Hauptbühnen oder Stadien dieser Welt als diese ganze Plastikscheiße wie SABATON, POWERWOLF und so! I WANNA ROCK!  

 

THE BABOON SHOW

Bilder von MJ und Rüdiger Naffin.

 

Als Stadion geht die Pumpe nicht durch, aber sie ist so gut gefüllt, dass ich mir tatsächlich vorstellen könnte, dass die nächste Tour durch größere Hütten führt.

 

THE MEFFSTHE MEFFS

 

Die Britpunx THE MEFFS sind ein perfekter Support. Warum? Drei Gründe: Erstens: Einfach ‘geile Band. Zweitens: Sie passen musikalisch dazu, machen aber auch keineswegs dieselbe Musik. Drittens: Die beiden Bands kommen offensichtlich gut miteinander klar, was der später folgende Gastauftritt von Gitarristin/Sängerin Lily Hopkins bei THE BABOON SHOW unterstreicht. Das Duo war die Überraschung auf dem 2024er Wilwarin und hat die Pumpe schnell im Griff. Nach wenigen Songs geht der Mob so doll mit, dass Hopkins grinsen muss („something that’s unheard of“, sagt sie später selbst). Ich glaube, THE MEFFS würden fast jedes rockaffine Publikum auf der Welt in Wallung bringen. Die Energie steckt an, die Beats (Schlagzeug: Lewis Copsey) treiben und die Riffs pumpen direkt die Tanzschuhe auf. Auch Mitmachaufforderungen kommen derart charmant und ungekünstelt, dass man ihnen gerne folgt, indem man etwa mitschmettert oder sich hinhockt. Als Hopkins sieht, dass inmitten des Meers der hockenden Leute ein alter Mann mit weißem Haar und Bart stehenbleibt (nein, nicht Doom Fränk, es handelt sich um Lobeck Senior, dessen Rock’n’Roll-Anekdoten eigentlich mal für die Nachwelt festgehalten werden müssten), lächelt sie strahlend. Das Publikum ist aber auch herrlich gemischt zusammengesetzt aus allen möglichen Altersklassen. Und überall hörst du positive Reaktionen zu diesem Auftritt. THE MEFFS haben wieder Laune gemacht und hängen später am Merch, bis wirklich der letzte Gast rausgefegt wird.  

 

THE MEFFSTHE MEFFS

 

THE BABOON SHOWTHE BABOON SHOW

 

THE BABOON SHOW haben showmäßig im Vergleich zu früher alles ein Level höhergelegt: Ein riesiger Vorhang versperrt die Sicht auf die Bühne und wie bei den ganz Großen gibt’s zunächst zwei Intros – erst mal Licht aus, AC/DC an („You Shook Me All Night Long“), dann ein bandeigenes Intro und - zack! – fällt endlich der Vorhang (Fachbegriff: Kabuki Drop, nä). Außerdem wird Cecilia mindestens zweimal ihre Bühnenklamotten wechseln – so wie Rob Halford. Doch im Mittelpunkt stehen nicht etwa Showeffekte, sondern die reine Rock’n’Roll-Action und Songs, Songs, Songs. Während des Konzertes kommt mir das Geschehen derart kurzweilig vor, dass ich danach denke, dass die Sause nur eine halbe Stunde gedauert habe. Kann aber nicht sein, denn beim Nachdenken über die Setlist stoße ich auf mindestens 20 Songs. In Wacken sah ich die Band zum ersten Mal mit ihrem neuen Gitarristen Simon Dahlberg (Håkan Sörle ist bei MANDO DIAO eingestiegen), und auch wenn Line-Up-Wechsel bei Lieblingsbands immer erstmal schwer zu verdauen sind, kann man froh sein, dass THE BABOON SHOW so einen guten Nachfolger gefunden haben. Dahlberg spielt die Songs mit dem nötigen Esprit und begeistert Freunde der E-Gitarre (= echten Gitarre) mit bescheiden nebenbei eingestreuten Tapping-Schweinereien. Auch Frida Ståhl und Niclas Svensson geben alles und punkten mit Charisma, aber seien wir ehrlich: Cecilia Boström zieht mit ihrer powervollen Show alle Blicke auf sich. Auf MJs Fotos sehe ich teilweise Leute mit offenen Mündern. Cecilia fegt wie ein Derwisch über die Bühne, tanzt, verdreht und verrenkt sich – und singt dabei scheinbar so mühelos, als laufe der Gesang so nebenbei. Sie klettert sogar über die Absperrung, begibt sich ins Publikum, lässt wie bei THE MEFFS alle niederknien und wieder aufspringen, um danach ein Crowdsurfing durch die ganze Halle durchzuziehen. „We are and will always be strictly antifascist!“ – diese Haltung mag selbstverständlich sein, ist aber doch umso wichtiger geworden! Wie gesagt gibt’s eigentlich keine schwache oder gar langweilige Minute in dieser Darbietung, aber ich versuche mal meine Song-Höhepunkte herauszugreifen: „God Bless You All“, „You Got A Problem Without Knowing It“, „Playing With Fire“, „It’s A Sin“, „Radio Rebelde“, „Lost You In A Second“ und „The Shame“. Über das gegen Ende eingestreute Medley mit alten Songs kann man sich streiten: Einerseits werden so ein paar alte Deep Cuts wenigstens angespielt, andererseits hätte man stattdessen vielleicht lieber einen davon ganz gehört, denn man liebt ja nicht nur ein Fragment des Stücks. Dennoch kann am Schluss nur ein Fazit gezogen werden: Das war vollständig geil!  

 

THE BABOON SHOWTHE BABOON SHOW

 

Ich bin jedenfalls abermals begeistert und hätte gern noch länger zugesehen. Mögen THE BABOON SHOW bald wiederkommen!

 

THE BABOON SHOWTHE BABOON SHOWTHE BABOON SHOWTHE BABOON SHOWTHE BABOON SHOW

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