DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT, HAERESIS / 27.12.2025 – MS Stubnitz, Hamburg
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Sonntag, 04. Januar 2026 17:34
- Geschrieben von Torsten
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Dass dieses Konzert ausverkauft sein würde; damit war nicht unbedingt zu rechnen. So kann ich von Glück sprechen, dass ich kurz vor knapp noch ein Ticket im VVK ergattere. Also irgendwie fix den Arbeitstag durchbringen, die Bahn nach Hamburg nehmen (nur ein kleines bisschen Verspätung) und ab zum Liegeplatz der MS Stubnitz. Dort hat sich bereits eine beachtliche Schlange gebildet; die Shirt- und Ticketkontrolle geht aber recht zügig vonstatten, sodass man sogar noch ein bisschen vom HAERESIS – Soundcheck mitbekommt. Allein dabei dröhnt der Schiffsrumpf bereits ... - ich glaub, das wird gut!
Der Ansage eines Bandmitglieds "weniger Snare, mehr Gitarre", kommt man am Mischpult nicht so ganz nach. Denn es ertönt eher mehr Snare und weniger Gitarre. Zumindest im hinteren Bereich an den Stufen. Aber: das tut dem Auftritt von HAERESIS keinerlei Abbruch. Die Band zieht von Anfang an alle Register und hat den altehrwürdigen Kahn gleich unter Kontrolle. Die Berliner:innen haben kürzlich mit "SI VIS PACEM PARA BELLUM" ihr erstes vollständiges Album rausgebracht. Scheinbar geht das Ding grade durch die Decke, denn am Merchstand sind schon so einige Artikel ausverkauft; u.a.die Vinylversion. Schade, denn das Coverartwork ist äußerst gelungen und gehört groß gedruckt um ausgiebig betrachtet zu werden. (Es spricht mir sooo aus der Seele! Poster möglicherweise?).
HAERESIS machen Nägel mit Köpfen und spielen das komplette aktuelle Album – vier Songs, keiner unter zehn Minuten ("Echos of Ashes", "I Who Repel All Light", "Drifting Beyong Times Grasp", "Eradicate Taciturnity"). HAERESIS - den Namen wird man sich merken müssen – denn was die Band hier abliefert ist großes Kino! Auf dem ersten Hör isses Black Metal – hohes Tempo, Kreischgesang, schneidende Riffs – hat man sich allerdings ein bisschen reingehört, kommen ein paar Feinheiten durch, die nicht typisch BM sind. Vor allem dieses erhaben epische Moment im Sound macht einen Unterschied. Was für eine Klangmauer! Unterstützt durch tonnenweise Bühnennebel und Stroboeffekte wähnst du dich in tiefsten Tiefen. Lange Songs sind zum fallenlassen da. Kein Problem, geht hier wirklich bestens! Du schwelgst in Raserei und Schatten, wirst aber ab und an von ruhigeren, harmonischeren Passagen und klarer Stimme ans Licht gehoben. Kannst kurz Atem holen - und tauchst dann wieder ab in den alles verschlingenden Mahlstrom. Die Band spielt super; ich mag den Drummer, der seine Becken irgendwie anders in Klang und Rhythmus bringt als üblich. Frontfrau C.G. schreit, keift und singt sich sympathisch ihre Seele aus dem Leib und passend dazu schleifen die Gitarrenriffs fiese Löcher in deinen Körper. Danach bin ich erstmal platt. Gut gemacht, HAERESIS! Rasende Liebe sei euch gewiß!
Sehr zu empfehlen: Das Interview mit HAERESIS im aktuellen DEAF FOREVER (BULLET vorne druff)!
Wie viele Jahre gibt es DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT eigentlich schon? Und wie oft hab ich sie in all den Jahren schon gesehen? Garnicht; einfach mal verpasst bisher. Das soll sich jetzt ändern. Endlich blutiges Ritual und böse Hymnen, tödliche Kälte und totale Negierung! Mal gucken, wieviele Nieten dabei heute Abend aus dem Schiffsrumpf ploppen ...
Vor zwanzig Jahren waren DNS bereits einmal auf der Stubnitz. Damals war's das zweite Konzert der Band (sagt die Stubnitz Website). Liest das hier jemand, der/die das damals miterlebt hat? Gerne unten kommentieren ... Sakrale Klänge aus der PA untermalen die Vorbereitungen einer verhüllten Gestalt auf der Stubnitz – Bühne. Die Meute davor ist spürbar gespannt, auf das was kommen wird. Der DNS – Kult ist eben nicht ständig präsent; er läßt die Leute hungern, bevor er zuschlägt. So auch hier in Hamburg: nachdem die Band in sich gekehrt die Bühnenplanken entert, explodiert sie förmlich bei den ersten Takten. Das Ritual hat begonnen! Tierschädel und umgedrehte Kruzifixe weisen den Weg in die Unterwelt. Dreh – und Angelpunkt der Band: Gitaristin & Sängerin Onielar. Ihre Bühnenoptik sucht ihresgleichen: (fast) alles in geisterhaftem Weiß, die schwarze Dornenkrone auf ihrem Haupt als Kontrastpunkt. Ihre Stimme scheint nicht von dieser Welt. Grade ihre atonalen Schreie sind ein Alleinstellungsmerkmal und sorgen für Gänsehaut. (u.a.in "Malignant Deathcult")
Die ersten Songs prasseln in den ehemaligen Laderaum der Stubnitz, Es dauert einen Moment bis ich mich im Sound einfinde (bin immer noch geflasht von Haeresis...). Habe den Eindruck das auch DNS einen kleinen Anlauf brauchen. Doch letzte Zweifel werden alsbald förmlich weggeblasen. Die Zeremonie läuft "volle Fahrt voraus"! Nicht zuletzt des Tieres hinter den Trommeln wegen. Alter, bei dem Tempo auf der Snare vergeht einem geradezu Hören und Sehen! Die Schlagzahl wird gar noch erhöht – was für ein Höllenblast! (Obwohl technisch Oberklasse fehlt mir beim Spiel ein bißchen Ranz und Dreck ...) Da fängt der schicke, riesige Kronleuchter dezent an mitzuschwingen ...
Dazu die eiskalt sägenden Riffs vonVelnias, dessen finstere Blicke tödliche Salven ins Publikum schicken. Black Metal wie er sein soll: roh, infernalisch, unverfälscht, nonkonform! Dazu die rituelle Besudelung mit Blut. Ornielas Ornat hat sich von weiß zu rot gewandelt; immer öfter greift sie zum Kelch um ihren "Segen" zu verteilen. Später sieht man grinsende Blut befleckte Gesichter übers Deck wanken ... "Bearer Of Blackest Might", der Anti – Hit "Das All-Eine", "Nocturnal March" oder die Zugabe "The Dead Hate The Living" manifestieren DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT auch zwanzig Jahre nach dem ersten Auftritt hier an Bord, als unnachgiebige, machtvolle dunkle und majestätische Einheit! Vermutlich denken so auch viele Besucher:innen, denn der Merchstand ist so gut wie leer gekauft ...
Zusammen mit HAERESIS eine Machtdemonstration von früher Rauhheit und gegenwärtigerer Klangkunst im Black Metal. Unglaublich gut!
Ein Abend für die Bücher!
PS: Danke an die Crew der Stubnitz und alle Leute am Sound (Hi Leon!) für den genialen Abend! Und Ole Ophis für das tolle Posterdesign! Ihr rockt!
Torsten

Kommentare
Freut uns (DNS, Haeresis, Stubnitz) dass es gefallen hat!
Kleine Korrektur, vor knapp 20 Jahren waren sie im Marxx/Markthalle, Auf der Stubnitz war es das erste Konzert, aber nicht das letzte mit DNS ;)
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