MCLUSKY, THANK / 12.11.2025 – Hamburg, Molotow

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Mein Konzertbericht ist kürzer als dein Konzertbericht / Wir trinken auf der Hinfahrt mehr Bier als eine tourende Punk Band / Sing es! 

Das wirklich geil gewordene Molotow ist heute vermutlich ausverkauft, da viel mehr auch nicht reinpassen. Das Publikum ist meist männlich und wie fast immer bei E-Gitarren Musik etwas älter. Eins vorweg: Ich kenne mclusky nur, da die phantastischen The Blue Screen of Death das Lied To Hell with good Intentions gecovert haben. TBSOD haben in dieser gefühlslosen Heavy Metal und Punk Rock Schmonzette ohne Weitsicht nebenbei mal einen glänzenden Verriss als Kommentar von Heavy Herb bekommen. Ich zitiere: „Gewollte Coolness von nerdigen Depp_innen für hippe Student_innen, die im Endeffekt gerade mal wissen, wie man Punk oder Hardcore schreibt. Lieber freiwillig nach Lüxxxx  ziehen, als die ncoh [sic!] einmal zu gucken.“ Besser kannst sowas nicht formulieren, aber ich fand TBSOD stets so geil, dass ich sie zusammen mit Stoner Björn auf deren Israel Tour begleitet habe und laut den dort abgegriffenen und mir vorliegenden Setlists haben sie das Cover da auch gespielt. Egal, weiter mit dem Wesentlichen…

 

MCLUSKY

 

 

Thank aus Leeds (der Heimat der Sisters!!!) sind heute der Support. Optisch schon mal super mit Schnurrbärten, mit Nirvana Smileys bedrucktem Hemd und einer auf die Glatze tätowierten Krake. Keine Ahnung, welche Musikrichtung das ist. Druckvoll und basslastig ist es immerhin, derweil die beiden E-Gitarren um die Wette schreddern und zischen. Dann gibt es mal wieder herbeigeführte Längen und das Keyboard wird kurz eingesetzt. Der Gesang kommt mal mit sauberster Betonung wie ein Englisch Lehrer im Leistungskurs daher, dann wird wieder am Rande des Wahnsinns gebrüllt und geschrien. Jeder Versuch, eine Melodie oder eine Harmonie zu erzeugen, wird abgewürgt. Stattdessen geht´s ohne Umschweife und Schulterblick auf die Überholspur und sehr, sehr „britisch“ wirkt das Ganze. 

Eine besondere Erwähnung gebührt dem Schlagzeuger – der macht wirklich einen super Job und verausgabt sich während der Show völlig. So einen harten Anschlag der Snare habe ich zuletzt bei Team Dresch erlebt. Den Schlagzeuger vorne in der Mitte zu platzieren, war – gewollt oder ungewollt – eine super Entscheidung. Ich vermute, die Musik Richtung von Thank ist irgendwas mit Noise…Noise Hardcore vielleicht, wenn es das geben sollte. Thanks! 

Mein Konzertbericht hat verwackeltere Bilder als dein Konzertbericht / Wir haben mehr verwackelte Bilder als die Tageszeitung / Sing es!

 

THANKTHANKTHANK

 

Lightsabre C*cks*cking Blues eröffnet das Set von mclusky und vorne vor der Bühne wird es eng und Bewegung kommt auf. Sofort fällt der Basser auf! Jon Chapple spielt als Linkshänder einen Bass für Rechtshänder und den auch noch mit der dicksten Saite unten. Ohnehin überzeugt er mit einer räudigen, ja durchaus sogar läufigen Bühnenperformance und kommt im Gegensatz zu Sänger/Gitarrist Andy „Falco“ Falkous gewollt ungepflegt daher. Jack Egglestone sitzt abgeschirmt mit seinem Schlagzeug im Hintergrund – ich weiß aber nicht warum. 

Meine Zugverbindung hat mehr Verspätung als deine Zugverbindung / Wir haben mehr Zugausfälle als der Tschad / Sing es! 

Sodann wechseln sich neue Lieder von der nach 20 Jahren Pause erschienen The world is still here and so are we und dem älteren Output ab. Die mclusky do Dallas steht hier deutlich im Vordergrund, aber ich denke, das ist gerechtfertigt. Harte Gitarre, wummernder Bass und geprügeltes Schlagzeug bahnen sich den ganz schmalen Weg zwischen Chaos und dem letzten Rest Melodie und bilden die Basis für den gebellten Gesang zynischer, sarkastischer Texte. 

 

MCLUSKYMCLUSKY

 

Auf eine Ballade, etwas Ruhiges zum Unterhaken oder zum Mitschunkeln wartet das Publikum vergebens. In der rund eine Stunde Spielzeit gibt es immer nur auf die Zwölf, wobei es in dem atonalen Noise zumindest auch mal ganz selten „etwas“ beherrschter wird, die Intensität aber bleibt die gleiche. 

Das letzte Stück ist dann auch mein erstes von mclusky: To Hell with good Intentions! Dargeboten vor einer implodierenden Pit endet ein wildes, überdrehtes Konzert und alle sehen zufrieden und durchgeschwitzt aus. 

„Wir waren seit 20 Jahren nicht mehr hier“, sagte Andy Falkous zuvor, „ich weiß nicht, ob wir wiederkommen.“ Das weiß ich natürlich auch nicht, aber ich würde wohl erneut hingehen – zu Morrissey hingegen nie wieder. 

Meine The Smiths Alben haben mehr geile Lieder als deine The Smiths Alben / Wann schlägt die Uhr endlich Dreizehn? / Sing es!

 

MCLUSKY 

 

PS: Ich dachte immer, der Name mclusky wäre dem „From Hell“ Brief von Jack the Ripper entlehnt – in diesem unterschrieb eben dieser mit jenem Namen. Dies ist aber alles völlig falsch! Es ist nicht McLusky, sondern Mr Lusk, und dieser ist der Adressat und nicht der Verfasser – außerdem ein Polizeiinspektor und kein Mörder. Wäre trotzdem irgendwie geil gewesen…

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