MOLOTOV / 30.10.2025 - Mexico City, Palacio de los Deportes
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Mittwoch, 12. November 2025 15:25
- Geschrieben von Doom Fränk
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Wenn du in Rom bist, höre auch die Musik der Römer, wusste schon Pilates in seinen Briefen nach Ephesus zu schreiben. Daran sollte man/frau sich wohl halten. Da ich außer Brujeria nur Molotov aus Mexico kenne und letztere Band während meines Aufenthaltes in Mexico City ein Konzert gibt, kann es nur heißen: Hin da!
Und hier ist einiges anders! Aber der Reihe nach: Im Hotel spreche ich zuerst mit einem Mitarbeiter der Rezeption, da auf dem Ticket nur eine einzige Uhrzeit angegeben ist. Steht diese nun für Einlass oder Beginn? Der sehr nette Mexikaner mit langen Haaren - vom Typ her mindestens Nirvana Fan - sagt mir, dies wäre der Einlass. Der Beginn wäre ca. 20 Minuten später. Auf die Frage, ob ihm Molotov gefällt, verzieht er nur das Gesicht. Deutsche Bands kennt er zuerst gar nicht, bis ihm dann doch Rammstein einfällt. Ich hatte eigentlich auf die Scorpions aus Hannover gehofft. Der sangesfreudige Klaus Meine behauptet ja immer, die Scorpions sind das größte Ding der Welt und Mexikaner stehen doch ansonsten auf Rock...
Ab in die U-Bahn, die in dieser 10 Millionen Stadt teilweise so überfüllt ist, dass Menschen während der Fahrt zusammen brechen. Dagegen ist selbst Tokyo zur Rush Hour ein netter Kindergeburtstag mit Topfschlagen. Dafür kostet eine Fahrt aber auch nur 25 Cent und ich Ochse habe 20 Euro auf die U-Bahn Chipkarte geladen... Naja, ist halt so. Heute Abend komme ich einigermaßen locker und mit einmaligem Umsteigen zur U-Bahn Station Velodrom, die dicht bei der Konzerthalle gelegen ist.
Davor sind bestimmt 100 Händler, die links und rechts des Weges illegales bzw. unlizensiertes Merch verkaufen und dieser rechtliche Status interessiert eigentlich auch keinen. In der Arena selbst wird dann später offizielles Merch zum vielfachen Preis verkauft, die meisten haben sich aber schon vorher eingedeckt.
Die Einlasskontrollen haben es in sich. Zuerst wird meine Umhängetasche durchsucht, anschließend geht es zum Metaldetektor und zuletzt wird man/frau abgetastet. Better safe than sorry und das macht ja durchaus Sinn. Hinweise auf Awareness Teams werde ich zu meiner Enttäuschung heute und an den folgenden Abenden vergeblich suchen, noch wird eine der auftretenden Bands eine Ansage dazu machen. Zum Glück sind wir in Deutschland zumindest in diesem Bereich noch weltweit führend, in Forschung und Entwicklung sind wir ja ansonsten längst abgehängt. Ich vermute, die Mexikaner sind ohnehin so nett, die brauchen das auch gar nicht.
Der Palacio de los Deportes (wohl ungefähr Der Sportpalast) ist eine riesige Mehrzweckhalle, die trotz ihrer Größe relativ zentral in Mexico City gelegen ist. Je nach Bühnenaufbau passen bis zu 22.000 kreischende Fans in den Bums, der heute mit 18.000 seit Wochen ausverkauft ist. In ihrer Heimat sind Molotov noch eine große Nummer, auch wenn die Fans von E-Gitarren Musik auch hier nicht mehr die jüngsten Musikanhänger sind. Ein Unterschied gibt es aber doch, nirgendwo wird hier bei den Konzerten richtig gesoffen. Ich war ewig nicht auf solchen Großveranstaltungen in Deutschland, aber früher waren die Konzerthallen umgeben von Pfandsammlern, die in Einkaufswagen die leeren Gebinde der durstigen Fans gesammelt haben. Hier in Mexico liegt nicht eine leere Flasche irgendwo, wobei es zu 99% nur Einweg gibt.
Aber nicht nur leere Dosen sind schwer zu finden, der eigene Platz ist es auch. Ich habe einen im Block D. Die Ausschilderung ist ähnlich mies wie im Frankfurter Flughafen und so frage ich mich mit meinen "glänzenden" Spanisch Kenntnissen halt durch. Die Einheimischen finden sich aber auch nicht zurecht und im richtigen Block angekommen, wird man mit Taschenlampe zum entsprechenden Sitz eskortiert. Dies kannte ich schon vom Vorabend beim Lucha Libre Wrestling und wusste daher, dass dafür ein Trinkgeld gegeben wird - auch in Mexico ist nichts umsonst.
Vor allem nicht das Bier!!! Ich denk, ich werde bekloppt!!! In diesen ansonsten sehr günstigen Land nehmen sie heute Abend 10 (in Worten: Zehn!!!) Euro pro Bier. Ich entscheide mich zuerst, kein Bier zu trinken; bei einer gefühlten Temperatur von 42 Grad in der Halle entscheide ich mich dann aber wieder um. Der Preis relativiert sich hernach etwas, da das Bier ein 0,7 Liter Papp-Kübel Corona ist. In dieses lässt der Bier-Mann am Verkaufsstand statt einer Scheibe dann auch eine ganze, ungeschälte Limette plumpsen. Das bei uns als mexikanisches Bier verkaufte Sol gibt es in Mexico übrigens gar nicht mehr - die Produktion wurde bereits vor 15 Jahren eingestellt. Die hier unverkauften Reste werden seitdem in Flaschen abgefüllt und gehen zu den dummen Gringos nach Europa, so ein lachender Mexikaner zu mir. Hmpf, ich trinke das ja auch ganz gern...egal.
Ich hab wie bereits irgendwo geschrieben Block D. Ich glaube, das wird Mittelrang genannt. Nicht unter dem Dach, aber doch etwas von die Bühne entfernt. Eintritt waren bummelig 35 Kröten für diesen Bereich, da kannst nicht von den "billigen Plätzen" sprechen.
Gespannt warte ich auf die Vorband und rechne mit einer aufstrebenden, mexikanischen Band, welche ich in dieser zumindest werbefreien Heavy Metal und Punk Schmonzette unterster Kategorie einer geneigten Leserschaft präsentieren kann. Doch Pardautz!
Plötzlich geht das Licht aus und 30 Minuten nach Einlass kommt bereits der Headliner und die einzige Band des Abends auf die Bühne. Wie Zieten aus dem Busch stehen da plötzlich Molotov!
“Vorbands braucht in Mexico keiner", erklärt mir der neben mir sitzende bzw. inzwischen stehende Carlos, "eine gute Band heizt für sich selber ein." Ich nicke daraufhin. "Ihr Gringos aber habt sogar ein ganzes Festival nur mit Vorbands", fügt er lachend hinzu, "Nennt sich Wackööööön!"
Die "¿Dónde Jungerán Las Niñas?" habe ich damals wegen dem super Kracher Gimme Tha Power gekauft, die Band dann aber gänzlich vergessen. Alle anderen 17999 Anwesenden aber scheinbar nicht! Sofort verwandeln sich die Sitz- in Stehplätze und jede Strophe wird lautstark mitgesungen. Dass die Mexikaner Stimmung machen können, habe selbst ich beim Wrestling am Vorabend begriffen. Der Crossover Style der Band wird gerne mit Rage against the Machine verglichen. Ich finde das nicht wirklich passend, aber in Ermangelung etwaiger anderer ähnlich klingender Bands ist der Vergleich wohl doch ganz gut.
Molotov zelebrieren ihre Melange aus hartem, basslastigem Sound gepaart mit Flamenco Riffs und spanischen Texten unter massiven Einsatz der Bühnenbeleuchtung und von Kunstnebel. Gleich Lied 4 ist für mich eine Überraschung! Rock me Amadeus (also der Komponist, nicht einer der unzähligen Söhne Boris Beckers...) von Falco wird in Spanisch gecovert und das richtig gut. Die Stimmung erreicht ihren vorläufigen Höhepunkt und “Viva Zapata", "Viva Pancho Villa" wie auch "Viva Amadeus" Rufe erschallen um mich herum. Nur die Machete wird komischerweise gerade nicht gevivat. Dies soll aber nicht das einzige Cover des Abends bleiben - die Misfits Ära mit Danzig wird gleich doppelt geehrt.
Tito Fuentes, der ursprüngliche Sänger erscheint zudem für ein paar Lieder auf der Bühne und sorgt so für weitere denkwürdigen Szenen bei dieser 30 Annos Jubiläumsshow.
So steht er auch bei Gimme Tha Power am Mikrophone und spielt dazu meine ich auch E-Gitarre. Das Lied, für mich das Highlight der Show, ist für die Mexikaner gar nicht mal so besonders und verschwindet irgendwo im Mittelteil des Sets...wobei die Textzeile Viva Mexico Cabrones! jeder so laut er kann mitbrüllt und hernach der Putz von der Decke bröckelt.
Immer wieder werden die Instrumente in dem 2 stündigem Konzert untereinander gewechselt und die Zugabe umfasst unglaubliche 6 Lieder, unter denen dann auch das leidenschaftlich geforderte Puto enthalten ist.
Super Abend! Hat sich gelohnt!
Morgen an gleicher Stelle hat sich Morrissey angekündigt! Jaaaa, Morrissey! Der ehemalige Sänger der fuckin Smiths!!! In Mexico City!!! Unfassbar, oder?
Hier steht noch eine Klärung mit der Redaktion an, ob dieser "Konzertbericht" in dieser treulosen Heavy Metal und Punk Rock Schmonzette ohne inneren Wert veröffentlicht werden kann.
Bis dahin...
"VIVA MEXICO, CABRONES!!!"
