GRILLMASTER FLASH / 24.10.2025 – Hamburg, Top Ten Bar (Molotow)

3 Dislike0

Heute wage ich mal etwas Neues: Ich fahre mit dem Zug von Schleswig aus nach Hamburg und zurück! Ob man überhaupt nach einem Konzert vom Kiez aus wieder zurück nach SL kommt? Normalerweise fahre ich ja von Kiel aus und das ist schon schwierig geworden… Aber ich spoilere schon mal: Tatsächlich klappt alles. Man kann mit dem Regio direkt nach Hamburg eiern, was reibungslos verläuft, auch wenn der Zug knallvoll ist. Die Rückfahrt endet zwar in Neumünster (------- Kommentar selbst einfügen), aber hey, der SEV wartet bereits und man braucht nur reinzuhüpfen und kann sich beim Absackerbierchen gemütlich shuttlen lassen.

Aber Moment, GRILLMASTER FLASH? Was für ein „Bericht aus dem Pit“ ist das denn?

 

GRILLMASTER FLASH

Bilder von Christian Kind.

 

Ja, ich las mal ein sympathisches Interview mit Grilli in einem meiner zwölf monatlich abonnierten ROCK-Magazine und behielt den Typen irgendwie im Hinterkopf. Tatsächlich veröffentlichte er 2024 ein Album namens „Flash Metal“, auf welchem er seine Liebe zum Heavy Metal auslebt. Ich mag das Konzept. Puristen mögen mit dem Kopf schütteln, aber ich finde es interessant, wenn sich mit Grilli ein Mensch bzw. Musiker dem Metal nähert, auch wenn er wohl selbst eher aus dem Indie-Bereich kommt. Das Geile: Er tut das nicht mit Ironie! Das wäre billig und ganz ehrlich: Diese ganzen Ironiebands schocken doch nicht. Und zwar weil sie nicht wirklich rocken. Oder eben Rock eigentlich für etwas Dummes halten. Fuck ‘em. Bei Grilli fühle ich das jedenfalls so, dass da eine Leidenschaft vorhanden ist. Gleichzeitig ist meine bisherige Basis für diese Einschätzung nur die „Flash Metal“-LP und dieses eine Interview im OX oder PLASTIC BOMB. Insofern hab ich Bock, mir GRILLMASTER FLASH live anzugucken. Besser ist das auch, dass es heute klappt, denn Grilli hört auf. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands hat er das Ding offenbar voll durchgezogen und wohl zehn Jahre lang nur die Band gemacht. Das ist einer der Aspekte, der mir Respekt abnötigt, weil das so eine Ganz-oder-gar-nicht-Einstellung ist. Auch wenn dabei wenig „Erfolg“ erzielt wurde, einfach zu wenig Zuschauer:innen kamen und deshalb wohl jetzt auch der Schlussstrich gezogen wird. Scheitern ist irrelevant.

 

Erst mal das neue Molotow finden. Ich stelle fest: Der Schuppen liegt auf derselben Straßenseite wie der Vorgänger, nur 50 Meter die Reeperbahn hoch. Draußen treffe ich Lisa und Rasmus aus Kiel, die bereits seit gestern in Hamburg hängen und eine haarsträubende Geschichte erzählen, die wirklich gut ist. Die beiden versprechen mir, einen Extra-DreMu-Bericht darüber zu verfassen. Jetzt gehen sie ins Molotow zu einer Band, die verrückterweise wie Grilli auch aus Bremen kommt (Name vergessen). Ich muss nämlich in die Top Ten Bar, die nicht wie die alte Sky Bar überm Molotow liegt, sondern darunter. Man geht durch eine unscheinbar aussehende Gasse in Richtung irgendwelcher Rotlichtabfukktempel, biegt dann aber ab, Treppchen runter in die Katakomben und schon ist man da. Klein und gemütlich hier. Ich treffe Christian Kind von der Plattenkiste und dieser Jens Hoffmann ist auch da. Neben Menschen, die trotz 40 Grad im Club ihre Mütze aufm Kopf behalten, sehe ich auch MOTÖRHEAD- und TURBONEGRO-Kutten. Überhaupt ist das Publikum sehr divers. Es hätte also auch klappen können mit Grilli und dem Rock.

 

Am Merch gibt’s die Single zur Tour, das BLACK-SABBATH-Cover „Paranoid“ in der CINDY UND BERT-Version, Grilli hier im Duett mit Bela B. Ist zwar auch auf der „Flash Metal“-LP, aber für’n Zehner auch ein nettes Erinnerungsstück für diesen Abend. Ernte25.

 

GRILLMASTER FLASHGRILLMASTER FLASH

 

Ich weiß mal wieder nichts. Erwartet hatte ich, dass GRILLMASTER FLASH mit DIE JUNGS auftritt und die „Flash Metal“ runterzockt. Aber nichts da, ein Mann, eine Gitarre, fertig. Wobei: Es handelt sich um zwei Gitarren, eine akustische und dann kommt auch noch die E-Gitarre zum Einsatz, wobei das „E“ natürlich für „echte Gitarre“ stehe, wie Grilli erklärt. „ROCK ON!“, ruft jemand aus dem Publikum, als Grilli die Bühne entert, „ROCK OFF!“ kontert letzterer wie aus der Pistole geschossen. Es kommen tatsächlich gar keine Songs von der „Flash Metal“, ich kenne also nicht ein einziges Stück der Setlist. Das macht aber nichts, denn die Musik funktioniert sofort und ohne Vorkenntnisse. Grilli hat’s drauf: Er erzählt meist etwas über die Entstehung oder die Inhalte der Stücke und ballert die Dinger dann locker aus der Hüfte. Da er keine Mitmusiker hat, auf deren Zusammenspiel er achten müsste, kann er mitten im Song auch mal stoppen, Korrekturen einbringen oder spontane Änderungen einbringen. Getreu dem Motto, dass ein Text nie ganz vollendet ist und live transformiert werden kann. Ich sag dat ehrlich: Ich habe mehrfach eine Gänsehaut, die mal durch besonders gelungene Textzeilen hervorgerufen wird, mal durch die Art, wie Grilli singt oder durch beides zusammen. So gefällt mir z.B. „Vivien hat sich ihren Dialekt abtrainiert“, zu dem Grilli erläutert, dass es um eine Kollegin oder Bekannte gehe, von der er jahrelang nicht gewusst habe, dass sie bewusst Hochdeutsch spreche und sich ihren Dialekt gezielt abtrainiert habe. Aber: Kein Dialekt habe es verdient, dass man sich über ihn lustig mache. Und dann diese Zeile: „Vivien, ich will dich gar nicht verstehen / Ich will wissen, wer du wirklich bist.“ Ist die nicht herrlich? Zu einem anderen Titel habe ihn eine Kurzgeschichte inspiriert, in der es um drei, vier Kumpels gehe, die sich in ihrer Arbeitslosigkeit eingerichtet haben und sich täglich in einer Kneipe treffen. Alles ist gut, bis eines Tages Ecki weg ist und der Rest sich in nahezu detektivischer Manier auf die Suche nach dessen Verbleib macht. Es stellt sich heraus, dass Ecki zum Amt musste und in Arbeit vermittelt wurde. Er habe es aber aus Scham nicht geschafft, sich von den anderen zu verabschieden. Auch ein Knaller! Hängen bleibt bei mir auch noch ein Song über die „Heavy Metal Hauptstadt“ Sottrum, in welcher „der Punk begraben“ sei und „die Kinder noch Andreas“ hießen. Großartig und ein Top-Refrain, den ich jetzt noch schmettern könnte, obwohl ich das Ding nur einmal live gehört habe. Wat noch? Geil zum Beispiel „Actionfigur“, in dem Grilli fragt: „Wie kommst du klar? / Wie machst du das nur? / Ohne eigene Actionfigur.“ Mit ca. 20 Stücken hat der Auftritt eine angenehme Länge, ein zentraler Song gegen Ende scheint mir „(Ich war nie) Rock’n’Roll“ zu sein. Ich widerspreche: Grilli ist absolut Rock’n’Roll!

 

GRILLMASTER FLASH

 

Das hat sich gelohnt! Ich bin sicher, dass wir von Grilli noch hören werden. Rock Off II!       

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv