IAN PAICE & PURPENDICULAR, BERNWARD BÜKER BANDE / 23.09.2025 – Hamburg, Markthalle
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Mittwoch, 08. Oktober 2025 15:39
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Dass IAN PAICE zwischen DEEP-PURPLE-Tourneen zusätzlich mit einer Zweitband Konzerte gibt, beweist für mich, wie sehr der Brite die Musik liebt. Denn an monetären Gründen dürfte das wohl kaum liegen, schließlich war der Schlagzeuger an jedem bisherigen DEEP-PURPLE-Album beteiligt und das ist ein mächtiger Katalog. Traurig, dass man darüber überhaupt diskutieren muss, aber der Kommentar „Der/die braucht wohl Geld“ kommt ja automatisch, wenn ein:e bekannte:r Musiker:in mal etwas nebenbei startet. Dabei ist es manchmal ganz einfach: Man stelle sich nur die Frage, was es Schöneres geben kann, als Musik zu machen. Eben: Noch mehr Musik zu machen!
Ich freue mich jedenfalls darüber, IAN PAICE & PURPENDICULAR endlich live zu sehen, habe ich diese Band doch bisher immer verpasst. Ich bin gespannt, was für ein Programm wohl feilgeboten werden mag! Die Bandbesetzung liest sich schon mal gut: Neben dem Meister seien Nick Fyffe (b, Ex-JAMIROQUAI), Murray Gould (g, Ex-ELTON JOHN), Alessandro Debiaggi (keys) und Robby Thomas Walsh (v, JOE LYNN TURNER) mit am Start.
Bilder von Rüdiger Naffin.
Wir sind früh vor Ort, denn Kollege Naffin ist mal wieder auf Autogrammjagd. Und der Kerl hat mal wieder unverschämtes Glück. Wir parken hinter der Markthalle und lungern gerade an der Karre herum, als Ian Paice und - unzweifelhaft erkennbar – seine Mitmusiker über den Parkplatz latschen. Rüdiger bekommt immerhin zwei Autogramme (siehe Introfoto), was auch für mich gut ist, denn so müssen wir nicht nach dem Konzert stundenlang darauf warten, ob die Band vielleicht noch kommt.
Ungewöhnliche Randnotiz: Obwohl Merchtische vorhanden wären, gibt es heute keinen entsprechenden Stand. Dabei veröffentlichen PUPENDICULAR durchaus eigene Alben, mit dieser Tour wird das aktuelle Album „Banned“ vorgestellt. Wie ich später im Netz lese, war das eigentlich anders geplant, aber offenbar wollte man die von der Markthalle verhängten Prozente nicht zahlen: „It simply wasn't possible even though our merch and sales person was on site. A surprise tarrif was put in place at the last minute by the venue preventing the band to sell merch. Apologies to all concerned.“ (Facebook-Seite). Hm, schade, ich hätte wohl spätestens nach dem Konzert etwas abgeerntet.
Erst mal spielen BERNWARD BÜKER BANDE. Die Musik ist mir insgesamt etwas zu überraschungsarm gestrickt. Rockiger Punk oder punkiger Rock mit Pop- und NDW-Elementen, würde ich sagen und den negativ besetzten Begriff Deutschrock eher meiden. Sympathisch ist die Band und tatsächlich bleibe ich dann doch den gesamten Auftritt über grinsend am Bühnenrand kleben. Irgendwie interessiert es mich, wie eine Band ihren Auftritt gestaltet, die weiß, dass so ziemlich 99,9% des Publikums für IAN PAICE gekommen sind. Die Antwort: Im positiven Sinne abgewichst. Dem Schlagzeuger reißt gleich im zweiten Song das Bassdrumfell, was er mit Flüchen kommentiert. Immerhin findet sich Gaffaband. Und Chris Norton, Markthallen-Stagehand seit Schwarz-Weiß-Foto-Zeiten, bringt noch ein Stück Pappe. Doch nach jedem Song muss nachgeklebt werden. Die Band nimmt es locker. „Ist mittlerweile mehr Gaffa als Bassdrum, oder?“, fragt der Sänger nach Song Nr. 8. Mal sehen, ob ich der Band noch mal begegne, der Refrain „Darum du“ ist mir immerhin im Kopf geblieben.
Die Markthalle ist nicht ausverkauft, aber angenehm gefüllt. Das Publikum zeigt sich bunt gemischt, viele alte DEEP-PURPLE-Fans, aber auch jüngere Freaks darunter. Alle haben Bock, das merkt man bereits, bevor das Licht ausgeht. Die Musiker werden mit Applaus begrüßt, den sie in der Folge auch mehr als rechtfertigen. Mit „Burn“ geht es gleich in die Vollen und zwar in einer Gänsehautversion, die es in sich hat. Natürlich richten sich alle Augen zunächst auf Ian Paice, der mit seinem typisch swingenden Stil begeistert. Und ja, der Mann hat offenbar eine gute Zeit. Meist lächelt er still in sich hinein, bei den herrlichen Ansagen seines Sängers lacht er wiederholt laut auf. Letzterer bewegt sich stimmlich ziemlich exakt zwischen Ian Gillan und David Coverdale. Ähnlich wie Gillan heute könnte Robby Thomas Walsh wohl kein „Child In Time“ stemmen, was ich persönlich auch überhaupt nicht erwartet hätte (ich liebe das, was Gillan heutzutage bringt!), einige höhere Gesangspassagen steuert der Orgler/Keyboarder Alessandro Debiaggi bei. Das Niveau ist insgesamt erstklassig, oder anders gesagt: Weder DEEP PURPLE noch WHITESNAKE wird hier Schande bereitet. Auf der anderen Seite bietet Ian Paice auch keine „bessere“ Version von DEEP PURPLE. Das wäre ja auch irgendwie schräg. Nein, es ist einfach ein intimerer Rahmen für einige der besten Rocksongs überhaupt. Mit „Might Just Take Your Life“ wird eine Nummer gespielt, die sowohl PURPLE als auch WHITESNAKE früher im Programm hatten. Spätestens bei „Walking In The Shadow Of The Blues“ haben PURPENDICULAR auch den letzten Zweifler im Sack, hier singen alle mit und schütteln, was zu schütteln geht! Herrlich gesungen und der Blues-Einschlag, den man bei neueren WHITESNAKE schmerzlich vermisst (also seit 1987), ist in packendem Maße vorhanden. Überrascht bin ich von „Bad Attitude“ von der „House Of Blue Light“, das Ding hab ich ewig nicht live gehört, wahrscheinlich zuletzt auf der PURPLE-Tour zu der Platte. Geil! Ist gut gealtert. Insgesamt gibt es also vor allem Material von DEEP PURPLE und WHITESNAKE, wenn ich mich nicht irre, ist lediglich ein PURPENDICULAR-Song dabei („No One‘s Getting Out Alive“). Das finde ich zwar erstaunlich angesichts eines aktuellen Albums, aber der Auftritt ist zu gut, als dass es einen Kritikpunkt darstellt. Für mich schließt sich gerade durch die WHITESNAKE-Songs eine riesige Lücke, denn ich habe die Band in ihrer Moody/Marsden-Phase leider nie gesehen. Hier und heute „Fool For Your Loving“ und „Ain’t No Love In The Heart Of The City” (jaja, ist von Bobby “Blue” Bland) hören zu können, ist einfach nur großartig. Schön auch das ebenfalls selten gespielte „You Keep On Moving“ und die JON-LORD-Hommage „Pictured Within“. Natürlich kommen gerade zum Ende hin auch die ganz bekannten Nummern, bei denen alle durchdrehen: „Hush“, „Perfect Strangers“ (sehr gute Version!), „Black Night“, „Smoke On The Water“ und „Stormbringer“. Ian Paice lässt es sich nichtnehmen, zum Bühnenrand zu kommen, uns zuzuprosten und eine kleine Dankesrede zu halten. Insgesamt ein großer Genuss!
Ich kann unbedingt zum Besuch eines PURPENDICULAR-Konzertes raten, wenn ihr auf DEEP PURPLE und WHITESNAKE steht. Ich wäre jetzt auch offen für noch mehr eigenes Material und werde „Banned“ mindestens anchecken.
Übermorgen aber erst mal HARD SKIN und JESUS SKINS. Oi!
