METAL FORCES FESTIVAL mit SORCERER, AFSKY, IOTUNN, HIGH SPIRITS, MEGATON SWORD / 20.09.2025 – Hamburg, Markthalle
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Donnerstag, 02. Oktober 2025 18:42
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Über das Konzept dieses Festivals hatten wir hier bereits in der Ankündigung berichtet, daher sei einleitend lediglich gesagt, dass es sich metaphorisch um die kleine Schwester des HELL OVER HAMMABURG handelt. Die Eckdaten: Mühlmann, Markthalle, Metal.
Ich finde es ja gut, dass wie beim HOH-Freitag alles in der großen Markthalle stattfindet. Bei Überschneidungen gerate ich nur in Stress. Das Marx ist dennoch geöffnet – und zwar für Merch, Händler und Plattenläden. Als sehr empfehlenswert erweist sich der Stand von zwei Szeneurgesteinen, die zu Hause Platz brauchen und alte Schätze für ‘nen korrekten Kurs feilbieten. Hier heißt es: abernten!
Bilder von MJ und Tobias Piwek (SORCERER)
Pünktlich zu MEGATON SWORD stehen wir vor der Bühne des (noch?) schönsten Clubs Deutschlands (bitte die Umbaupläne einfach immer weiter verschieben, bis sie gar nicht mehr Realität werden). Die Schweizer begeistern mich seit 2019 mit ihrer „Niralet“-EP, da wird es Zeit, dass ich sie endlich live sehe. Die Jungs haben eine ansprechende Ausstrahlung und erinnern mich vom Stageacting her an die frühen MANOWAR. Ihr Heavy Metal ist durchweg episch ausgefallen. Wo MANOWAR ja auf vielen Alben auch Rock’n’Roll lastige Songs haben, stampft es bei MEGATON SWORD durchweg, die Gitarren jubilieren mit majestätischen Leads und Frontsirene Uzzy Unchained liefert eingängige Gesangsmelodien, die unter die Haut gehen. Auch heute komme ich nicht darauf, an wen mich der Mann stimmlich erinnert. Der Sound ist gut, die Markthalle bereits angenehm gefüllt und natürlich gehen bei Underground-Hits wie „Songs Of Victory“, „For Glory“ oder „Blood Hails Steel – Steel Hails Fire“ alle Fäuste nach oben. Als Fazit dieses starken Auftritts kann man nur sagen, dass das Epic Metal Genre lebt und mit Bands wie TRIUMPHER, SAVAGE OATH, WARRIOR PATH oder SACRED OUTCRY stetig was Geiles nachkommt.
Huch, jetzt schon HIGH SPIRITS? Ich bin überrascht und hatte gedacht, dass Chris Black und seine Gang in S/W eher Headliner seien. Aber egal, die Band macht zu jeder Tages- und Uhrzeit Spaß! Bei „Flying High“ und „This Is The Night“ schießen dann auch schon Glückshormone durch meinen Körper. Es gibt wirklich wenige Bands, welche eine derart positive Power vermitteln. Die Haare des Professors sind etwas länger geworden, Gesten und Texte sitzen 1A. Leider ist der kultige Bassist Bob Scott nicht mehr dabei (möge er ZÜÜL wiederbeleben), sein Nachfolger Darren Amaya macht seine Sache aber anständig. Der Rest der Besetzung ist ja erstaunlich stabil angesichts der Tatsache, dass HIGH SPIRITS ein Soloprojekt sind (die Platten spielt Chris Black offenbar komplett alleine ein). „I Need To Know“, das von der gesamten Halle mitgesungene „High Spirits“, „Full Power“ und „Another Night In The City” sind Beispiele perfekten Songwritings und schieben die Stimmung noch weiter an. Nach „Nights In Black“ ist leider schon Schluss. Das kam mir voll kurz vor und hätte gern noch länger andauern dürfen.
Die nun folgenden IOTUNN sind die mir einzig unbekannte Band des Abends. Gelesen habe ich natürlich von ihnen, aber irgendwie konnte mich kein Review bisher zum Reinhören verlocken. Vielleicht hat mich die Stilbezeichnung Progressive Melodic Death Metal abgeschreckt. Aber tatsächlich verstehe ich nun ansatzweise, warum die Dänen so beliebt sind. Ich spreche bewusst von einem Ansatz, denn leider erwischen IOTUNN einen ungünstigen Sound. Die Gitarren klingen verwaschen und es ist kaum auszumachen, was da genau gespielt wird. Dafür kommt der Gesang gut durch und überzeugt durch eine kräftige und klare Intonation. Mir wird erzählt, dass es sich nicht mal um den Originalsänger handelt, sondern einen Vertreter namens Morten Bryld. Hätte ich nie gedacht, denn der Typ singt nicht nur eindringlich, sondern bleibt durch seinen speziellen Mikroständer inklusive Laserspezialeffekt auch optisch in Erinnerung. Schade, dass der Sound sich auch im Verlaufe des Auftritts nicht bessert.
AFSKY geben alles! Hossa, ich mache hier gleich zwei Punkte aus, welche die Band herausstechen lassen: Erstens kesselt der Schlagzeuger wie ein Berserker und begeistert mit wuchtigen Blastbeats. Ja, wuchtig! Trotz des irrwitzigen Tempos gelingt es dem Freak, Nuancen zu setzen. Und was mich an AFSKY ebenfalls echt mitnimmt, ist das hasserfüllte Gekeife Ole Pedersen Luks! Das war schon 2023 im Kultur Palast mit UADA so, heute knüpfen AFSKY an diese Leistung an. Ich fühle mich in meinem damaligen Eindruck bestätigt, dass die Dänen trotz Raserei, Gift und Galle stets unterschwellig melodisch klingen, ja sogar Folkelemente im Inferno unterbringen. Die Dänen bieten von den heutigen Bands auch die heftigste Bühnenaction in Form von Gesichtsentgleisungen, Verrenkungen und Headbanging. Die Besucher:innen gehen übrigens mit, der Zuspruch bestätigt die hohe Position im Billing.
Endlich mal wieder SORCERER, die ich seit sieben Jahren nicht mehr gesehen habe! Die Macht des legendären Auftritts auf dem HOA 2018 wird heute nicht ganz erreicht, aber die Schweden sind nah dran. Was hat der Anders Engberg für ein Organ! Da muss man wiederholt an DIO denken, zumal SORCERER auf ähnlich „große“ Melodien setzen, dabei aber natürlich doomiger und heavier vorgehen. Ihre Frühphase von 1988 bis 1992 habe ich damals nicht mitbekommen, aber mit den vier Alben, die sie seit 2015 herausgebracht haben, sind sie für mich persönlich ehrlich gesagt an CANDLEMASS vorbeigezogen. Das wird durch „Sirens“, „Morning Star“, „Abandoned By The Gods“ oder dem geradezu magischen “Crimson Cross” untermauert, Besonders schön klingt es, wenn die Gitarristen und der Bassist mitsingen – die Harmonien so perfekt hinzubekommen, zeugt von langer Übung. Mir schwirren die Melodien jedenfalls noch Tage später im Kopf herum, obwohl ich direkt am Tag danach einen eigenen Auftritt habe. Einziger Kritikpunkt: Mein Lieblingssong „The Crowning Of The Fire King” ist heute nicht in der Setlist. Dennoch gigantisch!
Das METAL FORCES war für mich ein herrliches Festival. Entspannte Atmosphäre, nur angenehme Leute, fünf geile Bands und von der Größe her genau richtig. Ich weiß nicht, ob die Besucherzahl aus Veranstalterzahl hinreichend ausfiel, aber es steht zu hoffen, dass sich das Ding als jährlich stattfindend etabliert.
