HUMILIATION, ANGELCRYPT, PIZZA DEATH / 14.09.2025 – Hamburg, Bambi Galore
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- Kategorie: Berichte aus dem Pit
- Veröffentlicht: Sonntag, 28. September 2025 13:20
- Geschrieben von Philipp Wolter
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Gestern Bambi, heute Bambi. Eigentlich könnte man sich in Billstedt mal ‘ne Zweitwohnung mieten, würde das ganze Hin- und Hergefahre sparen. 20 Leute, 20 Matratzen, noch ‘nen Kühlschrank rein, fertig.
Wobei wir heute kurzentschlossen sind. Irgendwie hatten wir das Konzert nicht auf dem Schirm, aber Flo erinnerte uns gestern beim MIND THE GAP-FEST daran: „Eine Band aus Malaysia, eine von Malta und PIZZA DEATH“. Letztere waren nämlich die einzige uns bekannte Band des Billings, aber Flo versprach, dass alle drei gut seien und verglich HUMILIATION noch mit BOLT THROWER. Das langte dann an Überzeugungsarbeit. Sonntag? Egal, let the metal flow!
Bilder von MJ.
PIZZA DEATH sind wie CATBREATH, nur mit Pizza statt Katzen. So erklärt es draußen ein Thrasher dem anderen. Die Australier hab ich durch einen Tipp ca. 2021 kennengelernt und gleich das Debut „Slice Of Death“ abgeerntet. Total guter Crossover Thrash, der kein Erbarmen und nur drei Themen kennt: Pizza, Tod und Tod durch Pizza. Und live knallt die Chose gleich noch mehr. Der Sänger trägt geile Wurst-Shorts, was mal wieder bestätigt, dass gleich der erste Eindruck zählt. „The Anticrust“, „Napalm Cheese“, „Gnarly Salami“ und „Frankenslice“ wieseln im Affenzahn durch die PA, weisen gleich auf diverse ernste Themen und Todesarten durch Pizza hin. Sehr ernst wird es auch bei „Pasta Of Muppets“, zu dem Pat (v) die altbekannte Problematik verdeutlicht: Man geht mit ein paar Nasen in eine Pizzeria und beim Bestellen hat man einfach immer den einen Kumpel, der sich Nudeln bestellt! „It’s called Pizzeria, not Pastaria!“ Und zackbumm ziehen uns die vier die nächste Thrashkeule über den Schädel. Bei manchen Fragen geht es aber auch ins Detail und der Gemeinde der Pizzagläubigen droht die Spaltung: Ananas oder nicht? Thunfisch druff oder lieber sein lassen? Passenderweise schleudert Pat dann auch einen Stoffthunfisch hin und her. Nach zehn Detailansagen über Sitten und Unsitten beim Pizzaessen sowie über explodierende Pizzen feiere ich aber auch besonders den Quickie: „The next song is about Pizza!“ Killer-Auftritt voller Action, danach ernte ich endlich das Zweitwerk „Reign Of The Anticrust“ ab. Tut das man bloß auch.
Malta, Alter! Ich war vor ein paar Jahren mal dort auf Studienfahrt und kann sagen, dass ich an keinem anderen Ort der Welt bisher so geschwitzt habe. Aber ANGELCRYPT finden es auf der Bambibühne „ganz schön warm“. Das lässt sich nur durch verstärkte Heavy Metal Heat erklären. Death Metal heißt die Devise, als Referenz nenne ich UNLEASHED mit einem Schuss OBITUARY-Groove. Besonders der Gesang erinnert mich an die Schweden bzw. genauer an Johnny Hedlund. Aber auch die melodischen Gitarren lassen den Vergleich zu, hier wird nicht nur geballert, sondern durchaus eine Atmosphäre kreiert. Die Jungs wissen, was sie tun, wirken professionell und gleichzeitig inbrünstig. Dennoch bin ich erstaunt, als mir jemand erzählt, dass sie bereits seit 1997 am Start seien. Wenn ich die Ansagen des Gitarristen und Sängers Shawn Mizzi richtig verstehe, handeln alle Themen vom Ersten Weltkrieg. Von Verherrlichung ist man weit entfernt, das verdeutlichen bereits Titel wie „Martyred Soul“, „On Killing Fields“ oder „Clockwork Blood Red“. Ich kenne die Titel nicht etwa, weil ich sie herausgehört hätte, sondern weil Martina die Band tatsächlich am nächsten Tag noch mal in Schleswig (!) sieht und dort die 2020er CD „Dawn Of The Emperor“ aberntet. Beim neuesten Song, „Through Blackened Waters“ erweitern ANGELCRYPT den thematischen Bereich übrigens bis zum Zweiten Weltkrieg. Starker Song mit getragenem Tempo, der live mächtig daherstampft.
Flo hatte nicht zu viel versprochen – HUMILIATION walzen wirklich alles platt! Diese Band wurde 2009 in Kuala Lumpur gegründet und hat seitdem bereits 15 (!) Studio-Longplayer veröffentlicht. Ja, 15! Ihr erklärtes Ziel ist es wohl, jedes Jahr ein neues Album zu veröffentlichen. Das haben sie dann ja bisher auch fast geschafft, zumal es auch unzählige EPs, Splits und mindestens ein Livealbum gibt. Passend zu diesem Arbeitsethos nehmen HUMILIATION keine Gefangenen. Zunächst agieren sie mit ernsten, ja fast verschlossenen Mienen, über die aber gerade mit zunehmender Spieldauer immer wieder ein Lächeln huscht. Gibt ja auch kaum einen schöneren Anblick als den von im Takt bangenden Köpfen, welche die ersten Reihen füllen. BOLT THROWER ist wirklich ein passender Vergleich, die Riffs sind ähnlich effektiv, die Beats schwer und wuchtig, der Bass tödlich wummernd und das kehlige Growling von Bear-Bee würde prächtig im Duett mit Karl Willetts harmonieren. Auch HUMILIATION widmen sich in ihren Texten offenbar ausschließlich dem Krieg. Panzer, U-Boote, Soldaten sind auf den Covern am reich gedeckten Merch zu sehen. Ich greife einfach zur LP „Conflagration“ (2023), denn irgendwo muss man ja anfangen. Ernte25! Und was sagte ich vorhin über ernste Mienen? Nehme ich zurück und behaupte das Gegenteil, denn am Schluss lachen und grinsen alle, Bear-Bees Haare sind verknotet, das Bier fließt in Strömen und der morgige Montag scheint in weiter Ferne. Death Metal Victory!
