THE AVENGERS, GAROTOS PODRES / 18.08.2025 – Hamburg, Hafenklang

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Die Avengers als die wichtigste Band aller Zeiten zu bezeichnen, ist sicherlich nicht ganz richtig – es ist definitiv aber auch nicht ganz falsch. Wie so oft liegt die Urteilsfindung hier im Auge des Betrachters. Diese Feststellung -ja/nein- wäre sicherlich einfacher zu treffen, wenn die Avengers mehr als eine EP (1977) und das sogenannte „Pink“ Album (1983 – also post mortem) veröffentlicht hätten. Nichtsdestotrotz legte die Band aus San Francisco das Fundament für politischen Punk und hatten eine der ersten Sängerinnen dieses Genres. Außerdem wurde Penelope Houston von allen Seiten des amerikanischen Feuilletons – independant, republikanisch wie auch demokratisch - als „boiling hot“ bezeichnet. Ok, das wurde damals die großartige Tina Turner zwar ebenso, aber diese geizte zu jener Zeit etwas mit der Gesellschaftskritik und der Verwendung von E-Gitarren. Naja, die Supremes aus Detroit, MI glaube ich auch noch, aber egal. 

So, genug Geschwafel, nach einem fulminanten Hafenklang-Auftritt im April 2024 zusammen mit Hard Skin und Shitshow kommen die Avengers zurück nach Hamburg. Da gibt es nur eine einzige Möglichkeit: Sankt Pauli? Nein! Stattdessen: Hin da!!!

 

AVENGERS

 

 

Die Hinfahrt habe ich komplett vergessen, daher sofort da hinein, wo es schmutzig, warm und feucht ist – damit ist natürlich das Hafenklang gemeint. Garotos Podres sind nun auf die Bühne und stellen so ungefähr das brasilianische Äquivalent zu Slime dar. Dies sagt mir zumindest einer der anwesenden Brasilianer. Beide wurden vor Jahrzehnten gegründet, Lieder durch die Staatsanwaltschaft hier oder die Militärdiktatur dort verboten und eines der Alben der Garotos Podres galt analog zu Slimes „Alle gegen Alle“ jahrelang als das meistverkaufte (Polit-)Punk Album des Landes. „Und die Ansagen?“, frage ich sogleich. „Was ist mit den Ansagen, die Diggen (Ex-Slime) immer so klar und unmissverständlich formuliert hat? Sagen die Brasilianer ähnlich deutlich, was Sache ist?“

 

Da ist dann auch schon Ende der Gemeinsamkeiten. Die Band spricht nur gebrochenes Englisch und die Interaktion mit dem Publikum hier In Hamburg ist eher schwierig. Womöglich sind die Ansagen in ihrer Heimat Brasilien aber deutlich ausgeprägter, Probleme gibt es ja auch südlich des Äquators genug

 

Die „verkommenen Jungs“ spielen zudem eine Musik, die dem Oi!-Punk sehr ähnlich ist und viele Mitgröl-Passagen enthält. Die anwesenden Brasilianer und Portugiesen machen davon dann auch Gebrauch, die Hanseaten dagegen halten sich vornehm zurück. Als Cover gibt es „Antifa Hooligans“ von Los Fastidios, was nur ein einziges Mal gespielt wird. Bei den Originalinterpreten wird dieses Lied ja teilweise 5-6 Mal pro Konzert dargeboten und immer dann zum Einsatz gebracht, wenn die Stimmung gerade mal wieder zu kippen droht. Egal. Come on, come on…Antifa Hooligans!!!

 

Bei dem Lied „Papa Noel Velho Batuta (auf deutsch etwa: Weihnachtsmann, (du) alte Dr*cks**) trägt der leicht übergewichtige Sänger José Rodrigues Mao Jùnior noch passend dazu eine rote Zipfelmütze. Ich weiß in dem Moment nicht, ob ich weinen oder lachen soll – andere feiern ihn dafür. Egal, durchaus interessanter Einblick in die brasilianische Punk Kultur und als Vorband eine positive Überraschung. Slime mit oder ohne Diggen sind dann aber doch eine ganz andere Liga. Gol da Alemanha!

 

GAROTOS PODRES GAROTOS PODRES

 

Come on, come on…Antifa Hooligans!!! Das ist aber auch ein Hit…das Lied könnte nicht mal Xavier Naiboo oder Tim Toupet in´n Arsch singen… Come on, come on…Antifa Hooligans!!!

 

AVENGERSAVENGERS 

 

Die Avengers treten heute in einer super Besetzung auf. Hector Penalosa am Bass hat The Zeros mitgegründet und Luis Illades prügelt seit 1996 bei der Queercore Legende Pansy Division auf das Schlagzeug ein. An der E-Gitarre dudelt wie immer der in Würde gealterte Greg Ingraham und den Gesang - und hier ist wirklich mal kein wirres Gebrüll oder heiseres Geschrei gemeint - übernimmt selbstverständlich Penelope Houston. Und das ist großartig! Die Abmischung heute ist super und jeder Anwesende merkt, die Band hat richtig Bock. Ausverkauft ist nicht, aber für einen Montag ist das Hafenklang schon sehr gut gefüllt.

 

An der Setlist ändert sich natürlich seit Jahren nichts, außer das White N***** nicht mehr gespielt wird. Das war – wenn ich mich richtig erinnere - beim letzten Konzert in Hamburg noch der Fall. Sicher bin ich mir aber nicht mehr und selbst wenn die Wortwahl der Lyrics mal zeitgemäß gewesen sein sollte, so ist sie es schon länger nicht mehr. Bei Christian Death findet live das N-Wort in dem Text von Romeo´s Distress noch Verwendung; wie Clawfinger die Angelegenheit handhabt, wissen vermutlich nur echte Wackinger mit Geschmacksverwirrung…

 

Die Avengers haben in ihrer kurzen aktiven Zeit ohnehin genug andere gute Lieder geschrieben und gemeinsam mit ein paar Stücken aus Penelopes Solo Alben ergibt sich eine krachende, ja eine brodelnd punkige Mischung eingängiger Lieder, die einfach nur für ein geiles Konzert sorgen. Die Band selbst ist ekstatischer, lebhafter und engagierter auf der Bühne als die meisten anderen Bands, die nur ein Drittel so alt sind und zeigt sich super eingespielt. Besonders Penelope überzeigt mit ihrer immer noch unverbraucht klingenden Stimme und einer lebhaften Bühnenshow. Luis wirbelt dazu am Schlagzeug, Greg spielt stoisch seine Akkorde und Hector Penalosa ging mir etwas verlosa. Also den habe ich bei dem prächtigen Auftritt etwas aus den Augen verloren, aber der machte bestimmt auch ne super Bühnenshow. Setlist ist anbei! Auf Photo!

 

AVENGERSAVENGERS

 

Am Ende eines super Auftritts versammelt sich Penelope und…ich glaube nur Penelope…am Mercher und signiert dazu alles, was ihr hingehalten wird. Das reicht von altem Einwickelpapier für Cheeseburger über Platten der Rolling Stones bis zu einem 24-monatigen Abo-Vertrag für die „Familie mit Hund“. Geile Band, geiler Abend!

 

AVENGERSAVENGERS

 

Come on, come on…Antifa Hooligans!!! Jetzt reicht´s aber wirklich…

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